Der Goldmann-Verlag, seit dem Jahre 1977 leider Teil des Bertelsmann-Konzerns, ist eine große Nummer auf dem Taschenbuchmarkt und insbesondere für seine Krimiveröffentlichungen bekannt, brachte aber auch mehrere Comicreihen unters Volk, wobei er immer unter dem Radar der großen Comicspezialisten Ehapa, Bastei und Condor flog. So gibt er seit 1983 die vom US-Amerikaner Dik Browne erdachten und gezeichneten Funny-Abenteuer des barbarischen Wikingers Hägar in Taschenbuchform heraus, die als Zeitungsstrips zigfach abgedruckt wurden und sich großer Beliebtheit erfreuen.
Den zwölften Band aus der zweiten Hälfte der 1980er widmete man ausnahmsweise ganz Hägars Frau, der Walküre Helga, und ließ das vermutlich rund 100-seitige (die Seiten sind leider unnummeriert) Schwarzweiß-Büchlein wie ein Hägar-Spin-off oder gar eigenständiges Werk aussehen. Auf meiner auf einem Flohmarkt erstandenen Ausgabe wurde im Titel aus „seiner“ per schwarzem Filzer kurzerhand „Ihrer“, eine im Innenteil angebrachte und offenbar aufs Jahr 1989 datierende Haftnotiz macht hieraus „Das Buch zur Wohngemeinschaft“ – war also offenbar einst eine Art Einweihungs- oder Einzugs-Mitbringsel. Ob mittels „Ihrer“ tatsächlich gesiezt werden sollte oder eigentlich „ihrer“ auf eine gemischtgeschlechtliche WG hätte verweisen sollen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Das Buch enthält pro Seite drei ein- bis vierpanelige, pointierte und stets in sich abgeschlossene, nicht aufeinander aufbauende Strips. Da diese eigentlich fürs Querformat prädestiniert sind, füllen sie die Seiten nicht sonderlich gut aus, sodass die stets gleichen „Helga“-Überschriften und Minizeichnungen über und zwischen ihnen prangen. Bei aus der Reihe fallenden Ausnahmen dürfte es sich um Sonntagsseiten gehandelt haben. Das Besondere an dieser Ausgabe ist eben, dass Helga in jedem Strip vorkommt und Hägar somit eher die zweite Geige spielt. Vornehmlich dreht es sich um „Szenen einer Ehe“, um Emanzipation und Geschlechterklischees. Meist bekommt dabei Hägar oder bekommen Männer generell ihr Fett weg, mitunter ist aber auch Helga die Leidtragende. Zudem ziehen sich ein paar Running Gags durchs Buch. Die Grundlage für den „Hägar“-Humor ist die Übertragung zeitgenössischen Familienlebens mit all seinen Herausforderungen in die Wikinger-Ära, wodurch beides karikiert wird und was erstaunlich gut – und langwierig – funktioniert.
Aufgrund der für diese Spezialausgabe, vielleicht gar für die ganze Goldmann-Reihe über den Haufen geworfenen Chronologie haben Helga und Hägar mal einen Hund, während es an späterer Stelle heißt, sie hätten keinen. Ein Strip wurde gar versehentlich doppelt abgedruckt. Davon abgesehen ist Dik Brownes Hägar- bzw. Helga-Humor auch im Jahre 2026 noch sehr witzig und sogar witziger und besser gealtert als ich, der ich zuletzt im unbedarften Kindesalter Hägar-Comics gelesen hatte, es erwartet hatte. Und irgendwie meine ich, sie mittlerweile auch noch viel besser zu verstehen.

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