Als zweiter Band der „16/22 – Comics von Format“-Reihe der Edition Comic Art des Hamburger Carlsen-Verlags erschien im Jahre 1983 die deutsche Übersetzung dieses Comics der Französin Claire Bretécher, die hier als kritische Porträtistin der 68er bezeichnet wird. Laut Metatext ist er im Original bereits 1971 erschienen, laut Impressum 1978. Ich vermute, dass sich letztere Angabe auf die Zusammenstellung dieser Sammlung bezieht. Carlsen brachte sie als rund 80-seitiges, vollfarbiges Softcover-Buch im A5-Format heraus.

Es versammelt zunächst überwiegend zweiseitige satirische Geschichten im versierten karikierenden Funny-Stil bei flexibler, aber aufgeräumter Panelstruktur, die zum Teil ohne Sprechblasen auskommen und (was den Textteil betrifft) in Schreibschrift gehalten sind. Sie behandeln Themen wie Emanzipation, Zusammenleben, eigene Identität, Generationenkonflikte, das Verhältnis zu den Medien und popkulturelle Trends. Unter anderem äußert Bretécher Kritik am damaligen Mode- und Aktfotografie-Trend und nimmt typische Phrasen und Klischees aufs Korn. Ein angenehm bissiger Sarkasmus ist ihr dabei alles andere als fremd.

Weiter hinten finden sich auch etwas längere Geschichten, Bretécher band sich also nicht an ein starres Konzept. Carlsen nahm wie so oft ein paar Lokalisierungen vor, was bei in der Realität verankerter Satire so eine Sache ist. So finden sich in dieser Ausgabe das ZDF, Ostfriesland und der Hamburger Stadtteil Altona, in dem der Verlag ansässig ist.

Auf der Buchrückseite wirbt man damit, dass Bretéchers Geschichtchen zum Nachdenken anregen, was hier einmal alles andere als zu hochgegriffen ist. Ein kluges, schönes Zeitporträt.