Günnis Reviews

Datum: 30. August 2007

PARASITES – RETRO-POP REMASTERS CD

(www.GoKartRecords.de) / (www.myspace.com/officialparasites)

Schon seit über zwanzig Jahren existiert (mit Unterbrechungen) diese US-Amerikanische Pop-Punk-Band, die es aber nie geschafft hat, einen ähnlichen Popularitätsgrad wie GREEN DAY und Konsorten zu erreichen. Mir liegt nun die aktuelle Best-Of-Zusammenstellung vor, die mir wenig Lust darauf macht, mir eines der acht regulären Studioalben komplett anzuhören… zu weichgespült und radiotauglich ist der Sound. Ich stehe Pop-Punk nun wirklich nicht generell ablehnend gegenüber, aber das ist hier ist mir letztendlich dann doch zu lasch. Habe die letzten zwei Dekaden also nicht wirklich was verpasst, wenn ich diese Band mit Nichtbeachtung strafte. Dann lieber die RAMONES oder QUEERS. Das als Booklet herhaltende Booklet verfügt leider auch über keinerlei abgedruckte Lyrics, Hintergrundinfos oder sonst irgendwas, was das Attribut „liebevolle Aufmachung“ verdient hätte. 14 Songs + versteckter Bonus-Track in 47 Minuten. Ohne Wertung… Günni

SHE-MALE TROUBLE – DOWN THE DRAIN Maxi-CD

(www.xno.net) / (www.she-maletrouble.com)

Neues Material der deutschen Band um Frontfrau Carola. Vier mal englischsprachiger, perfekt produzierter Punkrock, davon „Don’t You“ einmal als zusätzliche Akustik-Version und mit „Angelfuck“ ein MISFITS-Cover-Stück. Keine schlechte Mucke, passt. Aber wer zur Hölle braucht Maxi-CDs?! Zwölf Minuten Spielzeit. 2 (mit ’nem Minus wegen Abzügen in der B-Note :P). Günni
P.S.: Außerdem ist zum Titelstück ein Videoclip erschienen, der allerdings nicht auf der CD enthalten ist (warum nicht?) und mir über viel zu viele hektische Schnitte verfügt, damit bei MTVIVA aber vermutlich gut aufgehoben sein dürfte…

TRUSTGOD SIMON – PILS IN KOPP! CD

(www.scumfuck.de) / (www.trustgodsimon.de)

Ruhrpott-Schunkelrock-Kapelle, die gerne wie die heiligen LOKALMATADORE klingen würde, von denen sie aber in sämtlichen Kategorien auf die Plätze verwiesen wird. Textlich wie musikalisch können andere das einfach seit Jahren besser, diesen lauen Aufguss des Ruhrpott-Trinkhallen-Asi-Rocks braucht kein Mensch. Daran ändern auch die Coverversionen von LOIKAEMIE („Alles was er will“, sicherlich einer der besten LOIKAEMIE-Songs) und SUPERNICHTS („Wir haben uns total toll verstanden“) nichts, über deren Qualitäten ich besser mal die Harrington des Schweigens hülle… „Wir hauen uns die Kirsche zu“ – mit „Traugott Simon“-Billigbier. Macht mal, aber ohne mich. CD kommt im Digipack, Booklet mit Songtexten und Fotos. 13 Songs + In-/Outro in 40 Minuten. 5+. Günni

TURBOLOVER – BROT FÜR DIE WELT CD

(www.pukemusic.de) / (www.turbolover.org)

Die Berliner Formation um ex-GOYKO-SCHMIDT-Brüllaffe Martini meldet sich mit diesem Longplayer zurück, deren zwölf Oi!-Punk-Ergüsse noch immer über diesen typischen Humor und die Attitüde der alten SCHMIDT-Platten verfügen und größtenteils mit Gröhlgesang im Mid-Tempo und in Landessprache dargeboten werden. Kann sich hören lassen, wenn auch nicht mehr ganz so kultverdächtig wie zu „Mitropa Meeting“-Zeiten. So wütet man sich durch Themen wie geheucheltes soziales Engagement, beschissene Jobs, das alte Leid mit dem Herzschmerz und von Bukowski inspirierte Aufklärung über die wahre Ursache allen Leidens dieser Welt. Mein Lieblingsstück der Platte aber ist die Abrechnung mit Pseudo-HC-Spacken, die Hardcore-Konzerte mit Foren für ihr armseliges faschistoides Männlichkeits-Getue verwechseln, über keinerlei Hintergrund außer der Großraumdisco verfügen, wo sie vor kurzem noch zu Techno zappelten und ebenso unwissend wie fehl am Platze und nervtötend sind („du wild gewordener Popper- Wochenend-Faschist / Geh zurück zum Techno, noch ist es nicht zu spät / hinfort aus meinen Augen – Zickenbart-Prolet“). Im Song „Es gibt so Dinge…“, der etwas an „Dinge von denen“ von den ÄRZTEN erinnert, lässt man darüber aus, welche Punk-, Skinhead- oder wasauchimmer-Klischees man bitte nicht mehr in irgendwelchen Songs hören möchte, was ich so nicht 100%ig unterschreiben würde („die Nazis müssen bluten oder wahlweise die Juden / doch ihr, ihr seid die Guten, lasst euch bloß nicht stör’n“), mich aber aufgrund der gelungenen Umsetzung doch zum Schmunzeln anregt. Mir geht’s in erster Linie um Glaubwürdigkeit und bei vielen Bands kann ich zum 10.000sten mal abgedroschene und ausgemolkene Klischees tatsächlich nicht mehr ertragen, bei wieder anderen finde ich’s aber nach wie vor geil. Müßig, darauf hinzuweisen, dass sich ggü. „früher“ nicht wirklich viel zum Positiven geändert hat… Die Texte gibt’s im Booklet nachzulesen, die Aufmachung stimmt und mich als Gegner jedwedes Kultur-Imperialismus’ freut besonders der Verzicht auf überflüssige Anglizismen und der feine Wortwitz, der immer mal wieder durchscheint. Kein Oberknaller, aber solide Scheibe. 41 Minuten Spielzeit. 3+. Günni

OXO 86 – BERNAUER BIERCHANSONS CD

(www.pukemusik.de) / (www.oxo86.de)

Deutschsprachiger Oi!-Punk mit Saxophon aus Bernau, bierselig und klischeebeladen, musikalisch aber fit, eingängig und mit angenehm rauem Gesang versehen. Man freut sich des Lebens beim Fußball und Saufen und geht nicht allzu gern zur Arbeit. Soweit also das volle Klischee-Brett. Richtig interessant wird’s aber, wenn man diesen enggesteckten Rahmen verlässt und bei „Bombenalarm“ fast schon in alten 80er-HC-Punk-Zynismus verfällt, sich für „Lauschangriff“ humoristisch der Ignoranz weiter Teile der Bevölkerung hinsichtlich der immer weiter eingeschränkten persönlichen Freiheitsrechte annimmt oder sich in „Körperkult“ über eben diesen auskotzt. Völlig daneben hingegen ist „Rotwein“, wo ich schon ganz genau hinhören musste, um festzustellen, dass das wohl mal eine Cover-Version des alten NEIL-DIAMOND-Songs „Red Red Wine“ bzw. wiederum dessen Cover von UB 40 werden sollte… alles in allem aber keine schlechte Platte. Das bebilderte Booklet birgt alle Texte in sich, 15 Songs in 47 Minuten. 3. Günni

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