Günnis Reviews

Datum: 28. September 2007

TAUGENIX #2

(www.taugenix-fanzine.de)

Das erklärte Deutschpunk-Kampfblatt, dessen Debüt ich als „entweder NIX-GUT-Katalog mit Fanzine-Seiten oder Fanzine mit NIX-GUT-Katalog-Seiten“ bezeichnete, geht in zweite Runde. Noch immer finde ich es sehr verdächtig, sich so dermaßen auf „Deutschpunk“ zu versteifen und gleichzeitig von Jürgen „mir schwillt der“ Kamm herausgegeben zu werden, der mit seinem NIX-GUT-Label jede mögliche und unmögliche Kellercombo, die halbwegs unserer Muttersprache mächtig ist, veröffentlicht. Roch mir die Erstausgabe noch sehr nach Hype der labeleigenen Produktionen, verschob sich hier der Inhalt etwas zugunsten von beispielsweise Interviews mit BELA B. und Atze von den TROOPERS, die ich recht gelungen finde, wobei Erstgenannter stellenweise schon ziemlichen Stuss von sich gibt und mich zwischenzeitliche Bierbestellungen in einem ohnehin gekürzten Interview nun wirklich einen Scheiß interessieren. Gar nicht so scheiße sind auch die ausführlichen Vorstellungen der auf der CD-Beilage enthaltenen Bands sowie der diesmal wirklich gute Artikel über Punk in der DDR. Etwas wirr erscheint mir die eine oder andere Kolumne, insbesondere die von Mad Jazz Morales (IRRENOFFENSIVE), wobei dieser Effekt in seinem Falle vermutlich beabsichtigt war. Mitunter ganz schön pubertärer Humor für so einen alten Mann, haha. Interessant ist sicherlich auch das Interview mit Torte, einem schwulen Punk in eben seiner Eigenschaft als solcher. Gefallen fanden auch der zweite der beiden G8-Berichte sowie die Kolumne vom Rentnerpunk. Überhaupt scheint mir in dieser Ausgabe mehr Wert auf Informatives aus dem politischen Bereich gelegt worden zu sein. So gibt es eine Abhandlung über Nazis in der Tierrechtsszene und Aktuelles zur Köpi in Berlin, leider aber auch eine hippieske Predigt, die schon ganz richtig „Das Wort zum Sonntag“ betitelt wurde. Weitere Interviews wurden mit Messerfocke (wat’n Name) von LUSTFINGER und Turbotorben vom (R)OHRPOST-Zine geführt, deren Antworten ich mitunter etwas seltsam finde… was zur Hölle soll ein „Oi“ sein, lieber Torben? Als nach Meinung des Autors zu Unrecht in Vergessenheit geratene Band wird diesmal KONSUMTERROR ins Gedächtnis gerufen und Leserbriefe, ein Comic, einige Konzert- und Festivalberichte, Neuigkeiten und Termine fanden ihren Weg ins Heft – ebenso wieder gruselige Bands wie ZAUNPFAHL, völlig unkritische Reviews und peinlicher, kindischer Quatsch wie die grottige „Foto-Punk-Story“. Insgesamt eine deutliche Steigerung zur Erstausgabe, aber das ständige Überbetonen des (Un?)Wortes „Deutschpunk“ geht mir auf den Sack und für vieles fühle ich mich aber tatsächlich einfach zu alt mittlerweile… Kost’ übrigens 3 Taler, zumindest in Deutschland. Günni

ANTIFASCHIST POLITISCH VERFOLGT!!!! DVD

(www.nix-gut.de)

NIX-GUT-DVD, die eine ca. 15minüte, professionell gemachte Zusammenfassung der berühmt-berüchtigten „Hakenkreuz-Affäre“ (wir erinnern uns: durchgestrichene Hakenkreuze sollten als „verfassungsfeindliche Symbole“ verboten werden) enthält, u.a. mit Stimmen von BELA B., Claudia Roth (DIE GRÜNEN) und Michael Sommer (DGB). Außerdem kommt in einem Extra-Film der Sprecher der Jugendorganisation der IG Metall zu Wort und berichtet über deren antifaschistische Arbeit. Als Bonus gibt’s jede Menge Infomaterial in Form von PDFs und Bildern zur Verwendung auf dem Computer. Ist für 3,- EUR bei NIX GUT erhältlich. Dokument einer wirren Farce der deutschen Rechtsprechung sowohl zum kurzweiligen Konsum als auch als Nachschlagewerk und Informationssammlung. Günni

THE TRASH TRILOGY DVD

(www.rodrec.com)

Klasse, das so etwas auch mal den Weg zu uns Punkrock-Rezensenten findet: Drei trashige Kurzfilme, in denen jeweils ROD GONZALES (DIE ÄRZTE, ABWÄRTS etc.) mitspielt und sich für die Soundtracks verantwortlich zeichnet, welcher sie auf seinem Rodrec-Label wiederveröffentlichte, nachdem die VHS allesamt vergriffen sind.
VAMPIRE EMPIRE (2004): Vampir-Comedy-Liebesfilm-Trash mit Rod als Mitglied der Band THE VAN HELSINGS, die einen Auftritt bei einer Vampir-Party bekommen…
HÄNSEL@GRETEL (2001): „Und wenn Sie nicht gestorben sind…“ – Tja, sind sie nicht und zeigen kaltblütigen Gangstern, wo der Hammer hängt. Splatter-Trash mit BELA B. als Erzähler.
DIRTY GARY (1999): Gangster-Trash-Parodie um Antiheld Dirty Gary, der eine Gangster-Bande (schon wieder – Rod scheint sich gern in dieser Rolle zu sehen) um ihre Beute bringt, mit dem Ende des Films aber nicht ganz einverstanden ist.
Angereichert wurde die DVD mit Making-Ofs, Audiokommentaren sowie zwei weiteren Kurzfilmen, die ohne Rod auskommen müssen. Ich glaube, durchschnittlich sind die Dinger um die zehn Minuten lang. Bei Amateur-Trash ist es ja mitunter so, dass die Macher mehr Spaß dran hatten als letztendlich der Zuschauer… Das vorliegende Material reicht von belanglos über kurzweilig-albern bis nachdenklich-interessant, letzteres insbesondere in Form des Bonusfilms „Zeit“. Den zweiten Bonusfilm „Corleone“ habe ich ehrlich gesagt nicht kapiert, daher stellt dieser für mich das Schlusslicht dieser Zusammenstellung dar. „Vampire Empire“ und „Hänsen@Gretel“ wissen, auch aufgrund ihrer Absurdität, nett zu unterhalten. Mein Favorit ist „Dirty Gary“, der genau meinen Humor trifft. In diesem Falle springt der Spaß auch auf den Zuschauer über – so soll es sein. Witzige Kollektion, nicht nur für den nächsten Party-Abend mit Kumpels und Bier. Hat was. Die liebevolle Aufmachung mit fettem Booklet mit Hintergrundinfos zu jedem einzelnen Film bekommt noch ’nen gereckten Daumen extra. Gerne mehr davon! Günni

SHUTCOMBO – HMM… CD

(www.holzhose.de) / (www.shutcombo.de)

Nach dem 2004 veröffentlichten Debüt, welches ich allerdings nicht kenne, gibt’s mit dem treffend „hmm…“ betitelten Album neuen Stoff der fünf „Emo-Punks“ (so nenne ich sie jetzt einfach mal; man verzeihe mir diese Bezeichnung) aus dem Osten der Republik. „Hmm…“ war auch meine Reaktion, denn statt voll auf die Zwölf gibt’s textlich mal mehr, mal weniger gelungene poetisch-philosophische Ausflüge und durch Worte gezeichnete emotionale Bilder mit Spielraum zur eigenen Interpretation, unterlegt mit „moll“iger Mucke, die vermutlich Richtung MUFF POTTER und Konsorten geht und in Kombination mit dem herausgepressten Brüllgesang mit den langgezogenen letzten Silben eine bedrückende Grundstimmung erzeugt. Mir gefällt’s eher dann, wenn man textlich konkreter und zynischer wird (wie in „Fordclubmassaker“ z.B.), der Rest ist nicht so meins. Wer mit diesem Stil, der durch mein etwas hilfloses Geschwafel hier hoffentlich einigermaßen klar wurde, aber etwas anzufangen weiß, wird diese Platte vermutlich lieben. Ich hör’ für so was nach wie vor lieber NIRVANA. Ins Konzept ein reiht sich in jedem Falle das liebevolle, in Grautönen und schwarz gehaltene zwölfseitige Booklet, das alle zehn deutschsprachigen Texte und stimmungsvolle Bilder enthält. 30 Minuten Spielzeit, Anspieltipp: „Fordclubmassaker“. Ohne Wertung. Günni

VOODOO GLOW SKULLS – SOUTHERN CALIFORNIA STREET MUSIC CD

(www.victoryrecords.com) / (www.voodooglowskulls.com)

Als ich vor zehn Jahren oder so erstmalig von den VOODOO GLOW SKULLS hörte, begeisterte mich ihr Skacore. So was hatte ich vorher noch nie gehört. Diese Begeisterung hielt aber genau bis zum zweiten oder dritten mal hören, da fingen sie auch schon an, mich mit ihrer Mischung aus Hardcore, Punkrock und Offbeats mit den hektischen Bläsern und dem monotonen Gesang zu nerven. So verhält es sich bis heute und ich laufe stets Gefahr, bei dieser Mucke schlimmere epileptische Anfälle als durch japanische Zeichentrickfilme zu bekommen. Mehr was für notorische Zappelphilipps und hyperaktive Crossover-Fetischisten denn für meine Wenigkeit. Freunde der SKULLS werden mit dieser sauber produzierten Scheibe aber sicherlich voll auf ihre Kosten kommen. Die Texte können alle im Booklet nachgelesen werden. Zwölf Songs in 33 Minuten. Auch hier ohne Wertung, sorry… Günni

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑