Günnis Reviews

Monat: Oktober 2009

23.10.2009, Trabrennbahn, Hamburg: HIGHSCHOOL NIGHTMARE + 5X0,04L + KLEINSTADTAUFSTAND (SMALL TOWN RIOT) + ABSTURTZ + KNOCHENFABRIK

war ’ne hammer party. auch dieses mal wieder spitzenmäßiger sound in der klasse location. highschool nightmare eröffneten den reigen und waren wie immer großartig, 5×0,04l spielten rumpeligen hc-punk mit vielen eingedeutschten exploited-covern (so z.b. einer ca. viertelstündigen version von „suff und punkrock“ alias „sex & violence“), small town riot brachten von einer zugabe mal abgesehen diesmal anlässlich des abends nur deutschsprachige songs, darunter coversongs von otto waalkes, brieftauben, toten hosen und ein ärzte-medley und brachten die hütte zum kochen, absturtz überzeugten ebenfalls vollends und knochenfabrik war dann natürlich der höhepunkt. ein denkwürdiger abend.

PUNKROCK! #10

(www.punkrock-fanzine.de)

Das, zumindest von der Aufmachung her, Juwel unter den A5ern feiert seine zehnte Ausgabe, die auf 100 Seiten viel Lesestoff bietet: Interviews mit LOS FASTIDIOS, MISFIT SOCIETY, People Like You Rec., THE REAL MCKENZIES, Oliver Maria Schmitt, KAMIKAZE QUEENS, PASCOW, ANTI-FLAG, einen DISTEMPER-Tourbericht, Festival-Berichte, Teil 3 der Skinhead-Historie und, und das ist meines Erachtens die eigentliche Stärke dieses Zines, persönlichen Kolumnen, Ansichten und Geschichten, die mir allesamt sehr sympathisch sind. Aus ihnen geht eine scheuklappenfreie Haltung der Autoren hervor, die auch gern mal gegen selbsternannte Szenepolizisten schießen oder ihre Erlebnisse im Knast mit dem Leser teilen. Positiv aufgefallen sind mir auch die ehrlichen, kritischen Reviews, insbesondere von Fanzines und Büchern. Starke Ausgabe, die auf die nächsten zehn Hefte hoffen lässt! Gleich zwei CDs liegen bei, nämlich ein Contra- und ein Mad-Butcher-Labelsampler. Sehr gut angelegte 3,- €. Günni

ZEPP OBERPICHLER – GITARRENBLUT

(www.801ruhrgebiet.de)

oberpichler, zepp - gitarrenblutZepp Oberpichler, einigen sicherlich bekannt von den KINSKIS, SCHLAFFKE & ZEPP oder JIMMY KEITH AND HIS SHOCKY HORRORS, ist ein auch als Autor tätiger Musik-Nerd und hat mit „Gitarrenblut“ seinen zweiten Roman veröffentlicht. Vermutlich höchst autobiographisch lässt er seinen Helden Will in loser Folge verschiedene Stationen seines Lebens Revue passieren, bei denen sich alles um Mucke und Mädchen dreht. Dabei werden Unmengen Künstler, Platten und Songs aus allen Dekaden der Rockmusik erwähnt, die für Will von Bedeutung sind und den Soundtrack seines Lebens liefern. Das erinnert stark an „High Fidelity“ von Nick Hornby, und wenn Zepp die Geschmackspolizei raushängen lässt, kratzt er gerade noch so die Kurve, nicht arrogant und von oben herab zu wirken. Zusammengehalten werden die Anekdoten von einem Anfall schlimmen Nasenblutens und der Absicht, das einer verstorbenen Freundin gewidmete Mixtape endlich fertigzustellen. Die rund 170 Seiten sind recht großzügig bedruckt und lesen sich schnell. Wer Spaß daran hat, Musik-Nerds zuzuhören, gut auf Ruhrpottcharme kann oder gerne den einen oder anderen Künstler abseits des Punkrocks für sich entdecken möchte, liegt mit „Gitarrenblut“ goldrichtig. Das herrliche, selbstironische Ende relativiert den Stellenwert von Zepps Musikgeschmack dann auch kräftig und stimmt auch diejenigen versöhnlich, die sich zwischenzeitlich evtl. mal auf den Schlips getreten gefühlt haben oder schlichtweg wenig bis gar nichts mit Musik von vor 1977 anfangen können. Kurzweiliges, sympathisches Lesevergnügen und hervorragend als Geschenk für Leute geeignet, deren musikalische Sozialisation ebenfalls in den 60ern begründet liegt. Dem Buch liegt übrigens eine Mini-CD mit vier von Zepp gesungenen Songs bei, die sich auf die Geschichte beziehen. Schade nur, dass man die Hülle so fest ins Buch geklebt hat, dass es unmöglich ist, sie zu lösen, ohne das Buch zu beschädigen. Kostenpunkt: 8,01 €. Günni

DER ENDGEGNER – REVENGE OF THE RETURN OF THE DAWN OF THE DOOM CD-R

(www.derendgegner.org)

Minimalistischer Lofi-Punkrock mit interessanten, guten, eigenständigen deutschen Texten auf ’ner selbstgebrannten CD. Wenn DER ENDGEGNER mal ein richtiges Studio aufsuchen würde, könnte das was werden, der schräge Humor jedenfalls kommt bei mir gut an. Viel aufregender als die Mucke ist aber das Artwork, das konsequent und liebevoll im Computerspiel-Retro-Look umgesetzt wurde. Fünf Songs in 13 Minuten. Ohne Wertung. Günni

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