Günnis Reviews

Datum: 25. Oktober 2011

21.10.2011, Platzhirsch, Hamburg: VIOLENT INSTINCT + RIOT COMPANY + LOST BOYZ ARMY

Am Freitag, dem 21.10.2011, ging’s zu VIOLENT INSTINCT + RIOT COMPANY + LOST BOYZ ARMY in den Hamburger „Platzhirsch“, direkt am Hans-Albers-Platz auf dem Kiez. Die Hamburger Newcomer VIOLENT INSTINCT hatten das Konzert organisiert und den Laden angemietet, der mal so gar keinen Punkspirit versprühte und mit ziemlich hohen Preisen nicht gerade zu einer ausgelassenen Party einlud. Die 12,- EUR Eintritt war’s aber dennoch wert, denn man hat in jederlei Hinsicht das Beste draus gemacht. VIOLENT INSTINCT eröffneten den Abend mit überraschend kraftvollem und sehr gekonnt dargebotenem Punkrock mit melodischem, aber sehr energiegeladenem weiblichem Gesang mit deutschen Texten und wurden sehr gut vom Publikum, das mittlerweile doch einigermaßen zahlreich eingetroffen war, aufgenommen. Deren Darbietung rang mir wirklich großen Respekt ab, da ich nicht gedacht hätte, dass eine so neue Band solch ausgefeilte und technisch einwandfreie Songs abliefern und so souverän auf der Bühne agieren würde. Ich glaube, von VIOLENT INSTINCT wird man noch viel hören! Eine überraschende Coverversion gab’s mit „Dreht die Zeit zurück“, einem uralten Stück von einem der ersten Projekte von LBA-Sänger Peter, OI! THE BAND.

RIOT COMPANY hingegen hatten sicherlich schon bessere Auftritte. War der Sound zuvor bei VIOLENT INSTINCT noch schlichtweg perfekt, hatten RIOT COMPANY mit einer sagen wir mal suboptimalen Abmischung zu kämpfen, die die Songs nicht so wie von Platte oder wie ich es von früheren Konzerten gewohnt war knallen ließ. Ich hatte RIOT COMPANY selbst seit Jahren nicht mehr live gesehen und kenne auch die jüngsten Veröffentlichungen gar nicht. Das Publikum reagierte zunächst recht verhalten, doch später platzte der Knoten und die Band wurde doch noch recht ordentlich unterstützt. Inwieweit zuvor öffentlich gestreute Kritik an der Band Grund für die Zurückhaltung war, vermag ich nicht zu beurteilen. Alles in allem habe ich mich aber gefreut, die Streetpunk-Songs in vornehmlich englischer Sprache der Hildesheimer Band mal wieder live um die Ohren geballert zu bekommen, denn auch, wenn ich vielleicht nicht mehr so drauf abgehe wie früher, als ich generell mehr Musik aus dieser Richtung gehört habe, ändert das nichts an der Qualität des Materials, das so gar nichts mit dem im negativen Sinne Prollschrott zu tun hat, der heutzutage in deutschen Landen gern unter dem Banner Oi!- oder Streetpunk vermarktet wird.

Eine kleine Überraschung in Form eines COTZRAIZ-Kurzauftritts folgte. Die mit der LBA mitgereisten Cotzrocker intonierten zusammen mit ihrem Ex-Gitarrero Kai und mit LBA-Unterstützung ein Intro und den Obergassenhauer „Stolz & stark“ – das erste Mal COTZRAIZ in Hamburg seit gefühlt 1000 Jahren. Das sollte aber nur der Auftakt für geballte Ruhrpott-Power sein, denn endlich bekam ich Gelegenheit, mir mal ex-VERLORENE-JUNGS-Peters neue Band LOST BOYZ ARMY anzusehen, die zudem mit dem zweiten Album in den Startlöchern steht. Dementsprechend wurde sehr viel neues, dem Publikum größtenteils noch unbekanntes Material gespielt, das aber ausnahmslos super ankam und Qualität verspricht. Ebenso natürlich die Stücke des Erstlings „VMK Negativ“, die live von der Band dargeboten noch mal intensiver wirken als aus der Konserve. Emotionale, kämpferische, schnörkellose Streetpunk-Songs, die weder die unsägliche „Deutschrock“-Ecke bedienen, noch sich in typischen Szeneklischees und –plattitüden verlieren, sondern eine hohe Eigenständigkeit und allem voran aufgrund Peters markanter Stimme einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen. Man beherrscht auch die leiseren Töne, die noch mal eine ganz besondere Atmosphäre entfachen. Die Band scheint mir sehr gut aufeinander eingespielt zu sein und hat sichtlich Spaß an dem, was sie tut. Spaß machten natürlich auch die Coverversionen von ACHIM REICHEL und – eine weitere Überraschung – NOFX („The Brews“ mit deutschem Text!), bis es am Schluss noch mal sentimental wurde, als man als einzigen Song aus dem VERLORENE-JUNGS-Repertoire „Gekreuzte Hämmer“ zum Besten gab. Ein großartiger Auftritt, der mich in allen Belangen überzeugt hat.

Danke an alle, die das Konzert möglich gemacht haben. Schön, dass auch mal eine Band wie LOST BOYZ ARMY nach Hamburg geholt wird. Sehr gerne in nicht allzu ferner Zukunft wieder!

15.10.2011, Hamburg, Lobusch: MEATFIST

Am nächsten Tag verschlug es mich spontan in die Hamburger Lobusch zu MEATFIST, einer dänischen MISFITS-Coverband, die dem ca. halbvollen Laden gut einheizte und zum Feiern einlud. Klar, ein Hit folgte auf den nächsten und der Funke sprang schnell von der Band aufs Publikum über. Kurzweilig und gut und mit ’nem Fünfer auch aus der Portokasse bezahlbar.

14.10.2011, Bambi Galore, Hamburg: ORÄNG ATTÄNG + NEUE KATASTROPHEN + VLADIMIR HARKONNEN + THRASHING PUMPGUNS

Am Freitag, dem 14.10.2011, ging’s nach HH-Billstedt zu ORÄNG ATTÄNG, NEUE KATASTROPHEN, VLADIMIR HARKONNEN und THRASHING PUMPGUNS in der Bambi Galore. Wegen eines vorausgegangenen Termins kam ich recht spät, löhnte die angenehm bescheidenen 5,- EUR Eintritt und hatte zwar ORÄNG ATTÄNG bereits komplett verpasst, wurde in einer recht vollen Bude aber noch Zeuge der letzten Stücke der NEUEN KATASTROPHEN – zu meiner Freude inkl. des Hits „Degowski-Beat“!. Das hörte sich sehr gut an und das sympathische Publikum hatte seinen Spaß. VLADIMIR HARKONNEN sollte ich daraufhin zum ersten Mal live sehen. Etwas seltsam eigentlich, hatte ich doch die Vorgängerband BONEHOUSE früher etliche Male gesehen. Die Schleswig-Holsteiner spielten punkigen Metal mit viel Druck und technisch sauber. Der Sänger lieferte wie schon zu BONEHOUSE-Zeiten eine klasse energiegeladene Performance und geizte nicht mit amüsanten Ansagen und Anekdoten. Sehr guter Auftritt! Anschließend ging’s mit den THRASHING PUMPGUNS noch mal richtig ab. Ex-SMALL-TOWN-RIOT-Bassist Rolf am Gesang, zwei Gitarristen und derber, hektischer Oldschool-Crossover-Sound zwischen Thrash, Speedcore, Hardcore und Punk. Das Publikum ging sehr gut ab und forderte frenetisch Zugaben, die Band fabrizierte amtlichen Krach und Sänger Rolf fegte voller Adrenalin über die Bühne. Sehr geil, sollte man sich mal angesehen haben!

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