Günnis Reviews

Datum: 9. Oktober 2012

29.09.2012, Hafenklang, Hamburg: MISANDAO + ARRESTED DENIAL + KAOS KABELJAU

MISANDAO, Chinas erste reinrassige (bitte nicht missverstehen ;)) Oi!-Band erfuhr schon immer viel Unterstützung aus Deutschland, dennoch kannte ich bis auf ein paar Videoclips noch nichts von den Peking-Bootboys, geschweige denn, dass ich sie mal live gesehen hätte. An diesem Wochenende, an dem sich Hamburg mal wieder mit interessanten subkulturellen Veranstaltungen überschlug, bekam das Konzert im Hafenklang letztlich meinen Zuschlag, nicht nur wegen des Exoten-Bonus. Eigentlich sollten SCHLOIDERGANG aus Schleswig-Holstein auch mit von der Partie sein, mussten krankheitsbedingt aber leider absagen. Im genau richtig gefüllten Hafenklang – nicht zu übersichtlich, nicht zu drängelig – begannen die KAOS KABELJAUe mit ihrem deutschsprachigen HC-Punk-Set. Engagiert und authentisch, mit drei verschiedenen Gesängen von Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger, von denen letzterer am deutlichsten zu verstehen war, während der Frontmann in erster Linie derbe Growls von sich gab. So verkehrt ist das alles nicht, wenn man auch aufgrund der hohen Geschwindigkeit, die oft gefahren wurde, manch Einsatz leicht verpasste und nicht 100%ig synchron agierte. Außerdem ist mir der eine oder andere Song etwas zu sehr mit verschiedenen Parts aufgeblasen und in die Länge gezogen worden, da wäre etwas weniger meines Erachtens mehr. Akustik- bzw. clean gespielte Parts aber lockerten das Brachialgewitter durchaus angenehm auf und sowieso möchte ich meine Worte als wohlwollende konstruktive verstanden wissen, denn grundsätzlich gefällt es mir, was die Stinkefische da so veranstalten. ARRESTED DENIAL folgten, Hamburgs neue deutschsprachige Streetpunk-Hoffnung um u.a. ex-THIS-BELIEF-Valentin und ex-IN-VINO-VERITAS-Sascha. Nachdem ich sie lange nicht mehr live gesehen hatte, verfolgt man interessanterweise mittlerweile ein neues Konzept: Man füllt Gitarrero Sascha mit Hochprozentigem ab, was zur Folge hat, dass sich der Unterhaltungswert so eines Auftritts exponentiell steigert. Während die Band ihre klischee- und parolenfreien, nachdenklichen und intelligenten Songs zum Besten gab, verliehen Stimmungskanone Sascha sowie der wohl größte Fan der Band vor und auch auf der Bühne dem Gig eine schön chaotisch-punkige Note als Kontrast zum häufig betont ernsthaften Inhalt. Der Bassist ließ sich mit anstecken und fortan pogten zeitweise zwei Drittel der Saitenfraktion vor der Bühne, während letztere von Teilen des Publikums in Beschlag genommen wurde. Zwischendrin dann wieder das MAYTALS-Cover „Pressure Drop“ und zur Auflockerung sogar ein paar hardcorige Klänge. Das war alles richtig gut, musikalisch souverän und mit der richtigen Attitüde, und kam beim Publikum auch entsprechend an. Headliner des Abends waren dann jene berüchtigten Chinesen und ich war neugierig, was mich erwarten würde. MISANDAO waren absolut fit an ihren Instrumenten und lieferten einen zum überwiegenden Teil aus (englischsprachigen) Eigenkompositionen bestehenden, authentischeren UK-Oi!-Punk-Sound ab, als ihn der Großteil der alten Recken heute noch zustande bekommt. Große Klasse! Das Publikum ging entsprechend ab und pogte zünftig vor der Bühne, spritze mit Bier und was man eben sonst noch so macht, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Unermüdlich reihten die Chinesen einen Hit an den anderen; die Songs gingen auch ohne sie zu kennen direkt in Ohr, Bauch und Bein und zündeten sofort. Gegen Ende bewies man gar noch, dass man ohne Weiteres von derbem Oi!-Sound auf leichtfüßigen Two-Tone-Ska-Sound umzuschalten versteht und brachte einige wenige Stücke in diesem Gewand. Als Coverversion musste LAUREL AITKENs „Skinhead“ herhalten, mit gesungenem Bläserpart… dabei fand einmal mehr eine Bühneninvasion statt. Unterm Strich ein genialer Gig einer enorm spielfreudigen Band, die überhaupt keinen Exoten-Bonus nötig hat und es versteht, auf erfrischende Weise den alten Sound mit neuem Leben zu füllen. Der Klang war bei allen drei Bands prima abgemischt und Ärger im gemischten Publikum gab es nach meinen Beobachtungen auch keinen, so dass es letztlich an diesem Konzert nichts zu meckern gab.

22.09.2012, Gaußplatz, Hamburg: SOUL INVADERS

Gesundheitlich angeschlagen ging’s am Samstagabend dann doch noch auf den Gaußplatz, wo Maggie in der Platzkneipe in seinen Geburtstag reinfeierte. Zum eintrittsfreien Tanze spielten die SOUL INVADERS aus Hagen auf, die ich schon ewig nicht mehr live gesehen hatte. Man lieferte eine gute Show mit leckerem Punkrock, der auch gerne mal flotter zur Sache ging. Oldschool und überzeugend, eine gelungene Untermalung der feuchtfröhlichen Zusammenkunft. So richtig berühmt und berüchtigt sind die SOUL INVADERS in den nicht mehr ganz wenigen Jahren ihres Bestehens nie geworden. Vielleicht sind sie dafür etwas zu unspektakulär und schnörkellos, jedenfalls fällt mir auch gerade nichts mehr ein, was ich noch großartig über den Gig schreiben könnte. Die Jungs kamen sympathisch rüber und wurden gut angenommen, ‘ne rundum feine Sache. Mit meiner Erkältung und den DMF-Demoaufnahmen in den Knochen wurde ich aber nicht mehr alt, ignorierte unhöflicherweise kurzerhand den bevorstehenden Geburtstag und setzte mich noch vor Mitternacht in die Bahn nach Hause…

01.09.2012, Rondenbarg, Hamburg: Wagentage mit HAMBURGER ABSCHAUM + THEMOROL + Gedöns

Im Rahmen der „Wagentage“ stellte man auf dem Hamburger Rondenbarg diverse Infotafeln etc. auf und machte noch so dieses und jenes, vor allem aber ließ man es mit einem Konzert krachen, was zugegebenermaßen hauptsächlich mein Interesse weckte. Der Partybereich vor der Konzerthalle des Wagenplatzes war verdammt gut mit Publikum gefüllt, viele waren Gäste von außerhalb, von anderen Wagenplätzen. Als ich mich dazugesellte, zupfte gerade irgendein zotteliger Liedermacher mehr schlecht als recht auf seiner Klampfe herum und nölte dazu ins Mikro. Anschließend fand eine Verlosung zwischen den Gruppen diverser Wagenplätze statt und irgendwann zu leicht fortgeschrittener Stunde war es dann endlich soweit und der HAMBURGER ABSCHAUM erklomm die Bühne. Es wurde ein wie üblich sehr unterhaltsamer Auftritt, eingängiger deutschsprachiger Punkrock mit Humor und Augenzwinkern und einigen Gimmicks. Acht Leute auf der Bühne, davon zwei Sänger, Bläser und einer für die Kettensäge, die als Instrument agiert. Leider hörte man diesmal Hollis Gitarre kaum, die er anscheinend unabsichtlich runtergedreht hatte…?! Schade, denn er hatte wieder sichtlich Spaß auf der Bühne und legte sich gut ins Zeug. Irgendwann, wenn auch recht spät, bekam man aber auch dieses Problem in den Griff. Natürlich kam die Band bei ihrem Heimspiel gut an und wurde entsprechend bejubelt. Schönes Ding! THEMOROL folgten und klangen für meine Ohren anders, als ich es im letzten Jahr noch im Störtebeker empfunden hatte, ehrlich gesagt erkannte ich die Band gar nicht wieder. Erst irgendwann dünkte mir, dass ich den Namen schon mal gehört hatte… Der Sound klang für mich diesmal wie MOTÖRHEAD meets Crustcore oder so, eigentlich auch irgendwie anders, jedenfalls ziemlich derbe und krachig, aber wie sagte meine reizende Begleitung an diesem Abend so treffend zu mir? „Die Band scheint ihren Stil noch nicht ganz gefunden zu haben.“ Allen in allem aber ein respektabler Auftritt! Anschließend stellte man hinsichtlich des Live-Programms seitens der Organisatoren sein musikalisches Abwechslungsreichtum erneut unter Beweis, diesmal in Form eines Techno-/Elektro-Acts namens DISKOCRUNCH, der für meine Ohren nur schwer erträglich war, aber perfekt dazu einlud, den Abend abseits des Geschehens ausklingen zu lassen. Allein schon dank der netten Atmosphäre an diesem lauen Spätsommerabend hatte sich das Erscheinen jedoch gelohnt, zumal die Getränkepreise wie immer günstigst und der Eintritt sogar frei waren!

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