Günnis Reviews

Monat: August 2014

02.08.2014, Rondenbarg, Hamburg: RONDENBARG OPEN AIR

rondenbarg open air 2014Auf dem Rondenbarg Open Air waren wir für 23:15 Uhr angesetzt und als wir ankamen, spielten gerade die BICAHUNAS dreckigen, rotzigen Punk mit weiblichem Gesang. Wir machten uns mit dem Backstage, dessen Funktion die Kneipe des Wagenplatzes übernahm, vertraut, klärten alles Nötige, sackten unsere Verzehrbons ein und begrüßten Freunde und Bekannte. Organisator Norman guckte leicht verdutzt drein, als wir ihm eröffneten, dass wir eigentlich fünf Gesangsmikros bräuchten, weil jeder bei uns irgendwie mitträllert. Vier wurden’s dann immerhin, wofür Norman sein eigenes Mikro aus dem Mischturm hergeben und wir somit von der hohen Bühne aus in Zeichensprache während des Soundchecks miteinander kommunizieren mussten. Dieser wurde trotzdem erfolgreich durchgeführt, wenn es auch etwas problematisch wurde, meinen eigenen Gesang auf meinem Monitor dominant zu bekommen. Egal, mit leichter Verspätung betrat dann HAMBURGER-ABSCHAUM-Gitarrero Holli die Bühne, den wir als Ansager herangezogen hatten, da Ben Becker leider keine Zeit hatte. Wie geplant brüllte er etwas von einer weltberühmten Band ins Mikro, deren Namen er dann aber von einem zerknüllten Zettel ablesen musste, den er umständlich aus seiner Hosentasche hervorkramte und zudem erst noch seine Lesebrille aufsetzen musste, nur um ihn dann doch falsch auszusprechen. Selbstironie können wir nämlich auch, wovon auch unser erster unbescheidener Song „We Rule OK“ zeugt, jenes OXYMORON-Cover, das sich seit diversen Gigs auf oberster Position der Setlist findet. Da es sich um ein Open Air handelte, bekam ich gut Luft auf der Bühne und so machten sich bei allen von uns nur relativ wenig erschöpfungsbedingte Ausfallerscheinungen bemerkbar – glaube ich zumindest. Bassist Stulle übte sich in Tierstimmenimitationen und Ole sprang irgendwann von der Bühne mit seiner Klampfe ins Publikum. Meine Ansagen während beider Gigs des Tages hätte man aber gut als „Gestammelte Werke“ zusammenfassen können… Die Publikumsresonanz war für die Konstellation Bauwagenplatz + vorgerückte Stunde + kein Geballer echt ok und ’ne Zugabe wurde uns ebenfalls abverlangt, so dass das KACKSCHLACHT-Cover „Arbeit/Saufen“ noch einmal zu Ehren kam. Es hat arschviel Spaß gemacht, zumal die Aufregung vorm Logo-Gig abgefallen war, wir das Adrenalin von dort aber mitgenommen hatten. So feierten wir dann auch noch lange weiter, waren viel zu aufgedreht, uns WWK konzentriert anzugucken und hoffen im Nachhinein, nicht zuviel beim Getränke-Bon-Kassen-Kneipentresen-Barzahlungs-System durcheinander gebracht zu haben… Unser Dank gilt Norman, der als Mann für alles einen super Job gemacht und sich prima gekümmert hat! Doppel-Eskalation erfolgreich ausgeführt!

02.08.2014, Logo, Hamburg: BISHOPS GREEN + BOLANOW BRAWL

bishops greenWir hatten uns gefreut, mit BOLANOW BRAWL kurzfristig noch ins Samstags-Billing des zweitägigen Rondenbarg-Open-Airs reingerutscht zu sein. Doch wenige Tage vorher ereilte uns eine Anfrage, ob wir nicht die kanadischen Streetpunkt-Senkrechtstarter BISHOPS GREEN auf dem Hamburg-Abstecher ihrer Europa-Tour im Logo als Vorband supporten könnten. Darauf hatten wir natürlich auch Bock und so reifte kurzentschlossen ein wahnsinniger Plan: Wir spielen einfach beide Gigs! So fanden wir uns also pünktlich im Logo ein, jenem Club in der Nähe des Bahnhofs Dammtor, in dem ich früher unzähligen Punk- und Oi!-Konzerten beigewohnt hatte und den ich seither in bester Erinnerung habe. Dass ich nach längerer Abwesenheit nun direkt mit meiner eigenen Band dort auf den Brettern stehen würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Doch unverhofft kommt oft und nachdem wir den sich als überaus entspannte Zeitgenossen herausstellenden BISHOPS GREEN beim Soundcheck zuschauten, zauberte uns der superfreundliche Mixer ebenfalls in aller Ruhe einen erstklassigen Bühnen- und vermutlich auch P.A.-Sound zurecht. Bis zum Konzertbeginn war noch etwas Zeit und so konnte man sich in Ruhe umsehen, die bekannten Gesichter im langsam eintrudelnden Publikum begrüßen und sich über die Backstage-Lebensmittel und -Getränke hermachen. Bei mir war sie dann doch wieder präsent, diese Aufgeregtheit, wie sie vorm allerersten Gig am extremsten, zuletzt für unsere Kneipen- und D.I.Y-Club-Konzerte aber beinahe gänzlich verschwunden war. Das lag natürlich daran, dass dieser Gig bisher derjenige im bisher professionellsten Rahmen für mich wurde und wir hier auch vor einem dann doch noch mal etwas anders zusammengesetzten Publikum spielten, sprich: hier kannte uns noch keine Sau und der Auftritt würde zu einer Art Visitenkarte für weitere Konzerte dieser Art werden. Um Punkt 21:00 Uhr ging’s los und erfreulicherweise hatten sich trotz des geilen Wetters reichlich Interessierte vor der Bühne eingefunden. Das Logo hat seine diversen Auflagen zu erfüllen und so muss auch sichergestellt sein, dass ein Konzert rechtzeitig wieder beendet ist. Wir hatten also nicht unbedingt Zeit zu verlieren, beschränkten unser Zwischengeplänkel auf das Wesentliche und zogen durch, um unser komplettes Set unterbringen zu können. Das klappte eigentlich soweit ganz gut, die Bilanz lautet ein Verspieler der Jungs und ein Versinger, den ich mir geleistet habe. Auf dem Kriegsfuß stand ich aber mit der Setlist, für die ich diesmal besonders kreativ sein wollte, einen ausgefallenen Font wählte – und mich prompt gleich 2x bei meinen Ansagen in der Zeile vertat! Mann, Mann, Mann… ’ne kleine Herausforderung war auch die Affenhitze in der schwarzen Box, die das Logo ist und sich vermutlich den ganzen Tag lang schön unter der Sonnenbestrahlung aufgeheizt hatte. Das Publikum nahm uns positiv auf und nach dem abschließenden „Where Is My Hope“ nahmen wir noch schnell ein paar warme Worte entgegen, bauten in Windeseile unser Zeug ab, wünschten BISHOPS GREEN mit ihrem gesundheitlich etwas angeschlagenen Sänger viel Glück, ließen uns von ihnen für bescheuert erklären, jetzt noch einen Gig spielen zu wollen und fanden uns mit Sack und Pack von außen vor der Backstage-Tür des Logos wieder, wo wir noch den ersten Song der Kanadier hörten, bis uns zwei Taxen zum Rondenbarg chauffierten. Danke an alle, die diesen Gig ermöglicht haben, an BISHOPS GREEN und natürlich das Publikum, das uns so gar nicht auf dem Zettel hatte, uns aber trotzdem seine Aufmerksamkeit schenkte – das hatten wir so nicht erwartet!

25.07.2014, Cobra Bar, Hamburg: SMALL TOWN RIOT

small town riot + resolutions, cobra bar, 25.07.2014SMALL TOWN RIOT kostenlos inner Cobra Bar, das bedeutete für uns, die SKINNY BITCH in der Astra-Stube links liegen zu lassen und nach Ende des VIOLENT-INSTINCT-Gigs unversehens auf den Kiez zu latschen, um dem Spektakel beizuwohnen. Obwohl dort am Wochenende eigentlich immer einiges los ist, bot sich uns diesmal doch ein ungewohntes Bild: Auf der Straße vor der Kneipe wimmelte es nur so von alten Bekannten, darunter einige, die man doch länger nicht mehr gesehen hatte. Bei immer noch bestem Wetter machte man es sich mit ’nem Pilsken bequem und tauschte sich aus – auch, als die Hannoveraner von RESOLUTIONS mit ihrem Set begannen. Deshalb kann ich zu denen auch überhaupt nichts sagen, doch mit Startschuss zum Gig meiner alten Kumpels SMALL TOWN RIOT hielt uns nichts mehr draußen und wir verwandelten die Cobra Bar in das reinste Schweißbad. Auf engstem Raum türmten sich die Menschen, während die Band die leichte Erhöhung als Bühne nutzte und einen Hit nach dem anderen raushaute. In bester Feierlaune unterstützten wir Timo, Norman & Co., deren Songs mich schon so lange begleiteten. Hier und da war mal ein Gesangsmikro etwas leise, ansonsten war ausreichend Druck auf dem Kessel und wurde ohnehin vom Publikum mitgesungen, so gut es ging. Trotz des wenigen Platzes versuchten wir uns in der ersten Reihe erfolgreich an ein wenig Pogo, wenn wir nicht gerade mit den Armen in der Luft skandierten. Und ohne Zugabe ließen wir die Band natürlich nicht von der Bühne. Ein astreiner Gig, bei dem mir lediglich der eine oder andere Hit aus dem großen musikalischen Fundus fehlte, beispielsweise „Timmy“, der lautstark gefordert wurde. Im Anschluss wurde auf der Straße noch ein wenig weiter gefeiert, bevor die Vernunft mich in die Bahn nach Hause zwang.

25.07.2014, Astra-Stube, Hamburg: VIOLENT INSTINCT

violent instinct + skinny bitch @astra-stube, hamburg, 25.07.2014

Die Hamburger Oi!-Punk-Band VIOLENT INSTINCT rief und mein Kumpel Stulle und ich kamen. In der gemütlichen Astra-Stube löhnten wir ‘nen Fünfer und zogen uns die Combo um Sängerin Aga rein, die im Vorprogramm von SKINNY BITCH zockten. VIOLENT INSTINCT mussten mit einem Ersatz-Bassisten antreten, weil der eigentliche Zupfer der tiefen vier Saiten unpässlich war. Der Mann machte seine Sache aber gut, wie der Rest der Band auch. Wie üblich gab’s melodiösen Punk um die Löffel, getragen von Agas Stimme, die des Singens auch wirklich mächtig ist. Beim glockenklaren Sound in der Stube fiel mir dann und wann auf, dass eine zweite Gitarre dem Sound der Band vielleicht ganz gut tun und gerade in den melodischen Parts für noch mehr Druck sorgen würde. Die kleine Butze war ganz gut gefüllt und beim obligatorischen „Solidarity“-Cover drängelte ich mich diesmal nach vorne und durfte ein bisschen mitträllern. Zuvor gab’s auch ich glaube mindestens zwei neue Songs, die sich ebenfalls hören lassen konnten. Schöner Auftritt, der gut ankam und doch einige der üblichen Verdächtigen anzog, so dass man sich gut aufgehoben fühlte. Aufgrund unseres enggesteckten Terminkalenders konnten wir uns SKINNY BITCH leider nicht ansehen, da wir direkt, diesmal mit IN-VINO-VERITAS-Ladde im Schlepptau, zur Cobra-Bar auf dem Kiez eilen mussten, wo SMALL TOWN RIOT einen kostenlosen Gig spielten. Dazu später mehr…

19.07.2014, Cortina Bob, Berlin-Kreuzberg: Ruhrpottsause mit DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS + DRUNKEN DISASTER + DEAD BASTARDS

ruhrpottause berlin 2014

Ruhrpottsause in Berlin mit DMF als Hamburger Band? Klingt komisch, ist aber so. Das liegt daran, dass Veranstalter Tristan zwar in Kreuzberg wohnt, eigentlich aber aus Hagen kommt. Um seinen Geburtstag endlich einmal nachzufeiern, bat er kurzerhand die Hagener Bands DRUNKEN DISASTER und DEAD BASTARDS in seine Wahlheimat, außerdem uns, da sein alter Kumpel Kai ebenfalls aus Hagen kommt, aber seit geraumer Zeit in Hamburg wohnt und dort mit mir die DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS ins Leben rief. So viel also zum Hintergrund dieses denkwürdigen Abends. Denkwürdig deshalb, weil ich das erste Mal in Berlin auftreten durfte, und dann auch noch gleich im ehrwürdigen Cortina Bob mitten in Kreuzberg – das ist schon echt geile Scheiße. Nun wären wir nicht die DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS, wenn nicht ständig etwas schiefgehen würde, so auch diesmal: Drummer Chrischan hat sich das Handgelenk verletzt und kann zurzeit nicht trommeln. Deshalb einen Gig abzusagen, ist was für Pussys und außerdem einfach nicht drin, also hat unser zweiter Terrorklampfer Eisenkarl innerhalb von zwei Proben versucht, sich die Drumparts draufzutun. Immerhin hat er Chrischan ja schon einmal vertreten und mit nur einer Gitarre sind wir früher ohnehin immer und seitdem auch dann und wann noch mal aufgetreten. Natürlich sind zwei Proben dafür viel zu wenig, andererseits geht es um ein Konzert im Dunstkreis der KWW („Kameradschaft Wiederaufbau Wehringhausen“), die Chaos und Imperfektion nicht nur gewohnt ist, sondern geradezu zelebriert und einfordert. Erst mal begann aber alles ganz flauschig, das Fahrgeld wurde superpünktlich überwiesen und an einem verdammt heißen Sommer-Samstag, der zudem auf Stefs Geburtstag fiel, konnten wir uns zusammen mit dem kurzentschlossenen zukünftigen Armdrückweltmeister Martin N. in einen klimatisierten Fernbus lümmeln, der uns zielstrebig und fast pünktlich schließlich an einem ZOB in Berlin erbrach. Die letzten Kilometer per Taxi wurden ebenfalls bezahlt, das Equipment von den DEAD BASTARDS, die tags zuvor in Hamburg gastierten, transportiert und erst mal locker vor ‘ner urigen Kreuzberger Kneipe gegrillt. Da bot sich bereits ein schönes Bild, die Straße mitten im Wohngebiet voll buntem Pöbel und die Bierbuddeln kreisten bereits in Hochfrequenz. Irgendwann ging’s dann zwei Straßen weiter zum eigentlichen Ort des Geschehens, wo man alle Zeit der Welt hatte, mit jeder Band einen ausgiebigen Soundcheck zu absolvieren sowie sich über das Backstage-Essen herzumachen. Letzteres erwies sich zunächst als gar nicht so einfach, denn für den leckeren Tofu-Chili-Eintopf konnte ich mir zwar den einzigen tiefen Teller sichern, ein Löffel war jedoch nicht aufzufinden und so durfte ich mir reichlich dumme Sprüche der vom Aasgrillen längst gesättigten Omnivoren anhören, bis mir das Ohr blutete. Letztendlich wurde aber auch ich satt und konnte mit vollem Magen den Soundcheck über mich ergehen lassen, den ein sehr besonnener, sympathischer Berliner mit uns durchführte, irgendwann aber auch Gefahr lief, die Geduld zu verlieren, als über die PA plötzlich ein nicht verschwinden wollendes Geknistere ertönte. Am Ende stellte sich heraus, dass die vom Thekenpersonal angeschalteten Ventilatoren daran schuld sind… Vorm Laden, der ein bisschen schummriges Sexkino-Ambiente versprühte (nicht, dass ich jemals in einem gewesen wäre), tummelten sich hauptsächlich Ruhrpottler aus dem reisefreudigen Umfeld der KWW, aber auch einheimisches Volk. Angesichts des Kaiserwetters ließ sich nicht jeder bei der ersten Aufforderung überreden, ins Innere zu kommen, aber als wir zu lärmen begannen, füllte es sich ordentlich. Darauf, den Abend zu eröffnen, hatten wir bestanden, nachdem wir bei unserem letzten gemeinsamen Gig mit DRUNKEN DISASTER kurzerhand nach ganz hinten durchgereicht worden waren. Das passiert uns nicht noch einmal! Und so nahm das Unheil seinen Lauf – bei gefühlten 100 °C, aufgrund derer wir uns erstmals in der Bandgeschichte unserer Klamotten entledigten (zumindest obenrum). Wir peitschten einen Song nach dem anderen durch und als alte Freejazzer gelang die eine oder andere überraschende Variation: Hier fehlte mal dieser oder jener Part, dort ‘ne Strophe… Um für zusätzliche Spannung zu sorgen, brachte ich zudem die Setlist durcheinander. Das Publikum wusste unsere Experimentierfreudigkeit zu schätzen, tosender Beifall wurde uns ob unserer Improvisation und Spontaneität zuteil. Ok, das war gelogen. Statt „Pissing off…“ sang ich freudscher Weise „Kissing off“ und musste mitten in der Strophe darüber lachen. Das musste ich auch, als RAZORS-Sänger Danker, der gerade in der Hauptstadt weilte und unseren Gig mitnahm, mir im Anschluss eröffnete, er habe uns schon so und so oft live gesehen, aber noch nie in Komplettbesetzung. Wenigstens konnte er meine Frage bejahen, ob denn wenigstens ich jedes Mal dabeigewesen wäre, bevor ich vor dem drohenden Hitzetod vor die Tür floh. Dort wehte mittlerweile ein angenehmes Sommerlüftchen, das ebenso zur Kühlung verhalf wie das Astra, das zu den Standardgesöffen im Cortina Bob gehört und mich wie zu Hause fühlen ließ. DRUNKEN DISASTER hatten zwar auch mit dem temporären Verlust eines Bandmitglieds – nämlich dem Sänger – zu kämpfen, kompensierten das aber anscheinend recht problemlos und zockten ein klasse Set melodischen HC-Punks, technisch auf den Punkt, gut funktionierende mehrstimmige Chöre, inkl. kompetent vorgetragenem NOFX-Cover „Linoleum“. Die Jungs ham’s drauf! Schlussendlich wurde ich dann erstmals Zeuge eines Gigs der DEAD BASTARDS, die aus JEDEN SONNTAG hervorgegangen waren, mit denen wir damals in Ennepetal zusammenspielten. Das ist jetzt ein anderer Stil, durchaus treffend als „Melodic Hardcore Punk n Roll“ bezeichnet. Abwechslungsreich wird da in englischer Sprache kräftig vom Leder gezogen, die Songs besitzen Melodie, Rotz und Wiedererkennungswert – und kicken live! Der größte Hit dürfte aufgrund der bekannten Melodie bis jetzt „We Hate The World“ (zur Melodie von „We Are The World“) sein und bei heftigen Irgendwas-Core-Ausbrüchen zu fortgeschrittener Stunde schwang nicht nur ich Tanzbein und Murmel. Die sich unter die Pottler gemischt habenden Berliner haben’s wohl ebenso positiv aufgefasst wie das „Stammpublikum“, das war ‘ne runde Sache und hatte doch Ecken und Kanten. Nun war der offizielle Teil vorbei und es gab noch Verwirrung um Tristans Freibier-Vorräte, letztlich wurden aber alle noch mit Bier vom Fass versorgt. Während der Rest der Bande noch vor Ort bleiben wollte, zog es Martin N. und mich vor die Tür, Kreuzberg erkunden! Quasi umme Ecke war das Wild at Heart und von dort aus zogen wir zu Fuß durch die belebten Straßen des Stadtteils, auf denen sich die Menschen tummelten, feierten, das Leben genossen. An einem Eck-Kiosk nötigte eine kurdische Familie Martin – warum auch immer – zum Vergleich im Armdrücken, welcher sich überreden ließ… und tatsächlich überraschend gegen das etwas zu sehr von sich überzeugte Familienoberhaupt gewann. Auch seine Söhne konnten nichts gegen Martins bislang geschlummert habendes Talent ausrichten, die letzten kniffen schließlich. Reichlich erheitert ob dieses ungeahnten Intermezzos verabschiedeten wir uns schließlich und kamen nach einer Weile am nächsten Zwischenstopp an, der Punk-Kneipe Trinkteufel, von der ich schon viel gehört hatte. Der Laden ist ja richtig nobel, ich hatte ihn mir wesentlich rustikaler vorgestellt. Der DJ ging auf meine Wünsche ein, das Bierchen schmeckte und nach einer Weile fragten wir dann auch, warum hier an einem Samstagabend gar nicht mal so viel los sei. Die Antwort war eine dicke Party im SO 36, wohin es uns natürlich als nächstes verschlug. Vorbei am Coretex fanden wir uns im altehrwürdigen Gebäude ein, in dem sich reichlich buntes Volk tummelte und ich sogar Bekannte aus Hamburg traf. Die weiteren Details verschwimmen allmählich, jedenfalls begaben wir uns auf einen Absacker noch in irgendeine Kneipe, die Martin wärmstens empfohlen worden war. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich in Kreuzberg war, aber so sehr umgesehen hatte ich mich in der Vergangenheit dort nicht. Nun will ich gern bald wieder hin, am liebsten natürlich mit einer meiner Bands im Gepäck – Auftrittsmöglichkeiten gibt’s dort ja genug. Im Nachhinein noch einmal danke an Tristan & Co., das Cortina Bob, die KWW, die Berliner und die Busfahrer, die uns auch sicher in der klimatisierten High-Tech-Kutsche zurück in die Hansestadt brachten. Und mit DRUNKEN DISASTER und den DEAD BASTARDS müssen wir unbedingt mal in Hamburg was machen – ein Konzert z.B…

12.07.2014, Alte Meierei, Kiel: SLÖA KNIVAR + BOLANOW BRAWL + REASONIST + LEBEN

rotten sprotten sommerfest 2014Dass wir mit BOLANOW BRAWL mal in Kiel spielen, war überfällig – kommen doch immerhin 3/5 der Band zumindest ursprünglich aus Kiel. Endlich war es soweit und die Jungs und Mädels von Rotten Sprotten Entertainment hatten uns zu ihrem Sommerfest in der Alten Meierei eingeladen! Leider mussten die eigentlich ebenfalls eingeplanten Braunschweiger KACKSCHLACHT kurzfristig absagen. Das war besonders bedauerlich, da sich unser Gitarrist Ole schon wochenlang auf den Song „Arbeit/Saufen“ gefreut hatte. Damit er nicht vollends in Depressionen verfällt, reifte auf der Hinfahrt der Gedanke, das Ding kurzerhand zu covern. Von der Alten Meierei hatte ich schon viel gehört, konnte mich aber nicht erinnern, jemals dort gewesen zu sein. Der selbstverwaltete Laden entpuppte sich als wunderbarer Ort für unkommerzielle Punk-Konzerte und verfügt neben ‘ner Menge Ambiente nicht nur über eine amtliche Bühne, sondern auch reichlich Platz vor selbiger. Im Backstage wartete neben Getränken auch viel Knabberkram auf uns, zu essen gab’s aber vor allem Wraps und köstliches Chili – klasse! Die übliche Wartezeit vorm Konzertbeginn verbrachten wir damit, backstage den KACKSCHLACHT-Song einzuproben (und den Text herauszuhören – quasi ein Ding der Unmöglichkeit). Auf die anderen Bands mag das etwas befremdlich gewirkt haben, schließlich wussten sie nicht, was wir da überhaupt treiben. Bei herrlichem Wetter wurde außerdem draußen gekickert und gequatscht sowie das eine oder andere alkoholhaltige Getränk verhaftet, der Beginn verzögerte sich doch um einige Zeit nach hinten. Unser bis dato hübschestes Groupie Ladde war zwischenzeitlich auch aus Hamburg nachgereist und kämpfte mit dem Alkohol und der tickenden Uhr, schließlich musste er die letzte Bahn kriegen und konnte sich unseren Gig leider tatsächlich nicht komplett ansehen. LEBEN machten sodann den Anfang, ‘ne relativ neue Band aus Schleswig, die sich New-School-Hardcore mit reichlich tiefen Gitarrenwänden und Gebrüll verschrieben hat. Das war sehr kompetent vorgetragen, sah echt anstrengend aus und klang für meine Ohren auch so, ist eben nicht so meine Mucke. Die Jungs wollen’s aber wissen und hängen sich voll rein – Respekt! Wer mit dieser Mucke mehr anfangen kann als ich Banause, sollte die im Auge behalten. Respekt bekundete auch das aufmerksam der Darbietung folgende Publikum, das sich mittlerweile im Saal versammelt hatte. Diesmal hatten wir übrigens tatsächlich daran gedacht, unser Banner mitzunehmen und selbiges noch vorm Gig an der Bühnenwand angebracht. Da wir keiner anderen Band zumuten wollten, vor unserem Logo zu spielen, haben wir es umständlich hochgerollt und mittels Gaffa fixiert – mit dem schönen Effekt, dass sich das Ding mitten im LEBEN-Set verselbständigte und wie auf Knopfdruck abrollte… Nach dem Gig begab ich mich nach draußen, um ein paar Leute zu begrüßen und weiter das Wetter zu genießen – und verpasste dadurch glatt komplett den REASONIST-Auftritt. Die Band aus Hamburg und Leipzig spielt nach eigenen Angaben Fastcore und war einfach zu faaaast für mich. Ich geh aber mal davon aus, dass sich früher oder später auch in Hamburg die Gelegenheit ergeben wird. Nun waren wir an der Reihe und spielten unser bewährtes Set. Da sich das Publikum artig ans Rauchverbot hielt, war die Luft ausnahmsweise einmal nicht wie die eines fremden Planeten mit lebensfeindlicher Atmosphäre, den man nur mit Sauerstoffgerät betreten würde, und mir ging nicht so schnell die Puste aus. Zeit zum Luftholen hatte ich, als der gute Casi, seines Zeichens Rotten Sprotte und Ex-Krakeeler der BOLANOW-BRAWL-Vorgänger CRAKEELS, den alten CRAKEELS-Kracher „Fame“ interpretierte und ich mir das ganze mal aus Publikumssicht anschauen durfte. Direkt im Anschluss schlug die Stunde unseres KACKSCHLACHT-Tributs, dessen Ansage länger war als der Song selbst. Allgemein sabbelte ich diesmal viel mehr als sonst zwischen den Songs und probierte mich im OI-POLLOI-Style. 😉 Den „Arbeit/Saufen“-Text bzw. das, was ich von ihm verstanden zu haben glaubte, las ich vom Zettel ab, den Refrain konnte ich mir aber gerade noch merken: „Ihr arbeitet zu viel und sauft zu wenig!“ Das Publikum hielt tapfer bis zum Ende durch und nicht mit positiver Resonanz hinterm Berg, so dass wir glaube ich tatsächlich ‘ne Duftmarke in Kiel hinterlassen konnten. Was anschließend die schwedischen Hardcore-Punks SLÖA KNIVAR um Shouterin Patricia abfackelten, war aber noch mal von ‘nem ganz anderen Stern! Das nur mit dem Allernötigsten bekleidete Energiebündel röhrte nicht nur in bester WENDY-O.-WILLIAMS-Manier zu den rauen, aber auch mit dem einen oder anderen kleinen Melodiebogen versehen Songs, sondern lieferte akrobatische Kunststückchen, bei denen nur vom Zusehen schon meine morschen Knochen zu knirschen begannen. Eine unglaubliche Show, fast schon mehr Sport als Punk, aggressiv, intensiv und sympathisch! Zudem klasse Leute, soweit ich das nach ein paar kurzen Klönschnacks beurteilen kann. Nun war der musikalische Teil des Abends also vorbei, doch draußen wurden fleißig Cocktails geschlürft, gekickert, gesabbelt und rumgehangen. 4/5 unserer Band machten sich nach kurzer Zeit auf, halb Kiel leerzutrinken und landeten u.a. in einem Irish Pub, der diese Bezeichnung auch wirklich mal verdient: Keine deutsche Spießerkneipe, die einen auf irisch macht, sondern ein Riesenladen voll ausgelassen zu einem Evergreens-schmetternden Alleinunterhalter tanzendem Publikum. Wir setzten unsere überraschend überreicht bekommene Gage unmittelbar in irisches und britisches Bier vom Fass um und ich feierte jeden einzelnen Song lauthals ab. Unterkühlte Norddeutsche?! Nicht im Kieler Pub! Der Rest des Abends mit dem einen oder anderen Spaziergang durch Kiel ist nicht sonderlich spektakulär; er endete damit, dass Ole und ich den Wirt einer anderen Spelunke in den frühen Morgenstunden nötigten, einen Elvis-Song nach dem anderen anzuschmeißen und obwohl nicht mehr viel ging, versuchte ich mich zumindest weiter in Stimmübungen… Nach ein paar Stunden Schlaf mit anschließendem Frühstück sprangen wir noch kurzentschlossen in die Ostsee, bevor’s nach Hamburg zurückging und man abends Zeuge werden durfte, wie die DFB-Elf den vierten Weltmeistertitel holte. In Kiel geht nicht viel? Von wegen! Danke an die Rotten Sprotten für die Einladung und alles Drumherum und ich kann es kaum erwarten, dieser interessanten Stadt einen weiteren Besuch abzustatten!

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