Günnis Reviews

Monat: Juli 2015

18.07.2015, MarX, Hamburg: Broken Wrist Battlegrounds XXXIV

broken wrist battlegrounds XXXIVMeine Leidenschaft für Oldschool-Thrash sollte hinlänglich bekannt sein. Als ich kürzlich von der Existenz einer möglicherweise hoffnungsvollen Hamburger Nachwuchsband dieses Subgenres erfuhr und zudem vernahm, dass diese am Abend des 18.07. im MarX im Rahmen einer anscheinend regelmäßig stattfindenden, mir aber bisher unbekannten Veranstaltungsreihe namens „Broken Wrist Battlegrounds“ spielen würde, setzte ich meinen Vorsatz, mehr Metal-Konzerte zu besuchen, in die Tat um und traf rechtzeitig an der Markthalle ein. Die Band meines Interesses war REAVERS, bei der ich mir die Karte im VVK für faire 8,- EUR gesichert hatte, von den übrigen Kapellen hatte ich noch überhaupt nichts gehört. Vor Ort erfuhr ich dann, dass es sich bis auf REAVERS wohl ausschließlich um Metalcore handeln solle. Dementsprechend „groß“ war meine Begeisterung, denn damit kann ich i.d.R. nicht wirklich etwas anfangen, ob mit Klargesang in den Refrains oder ohne. Der auf der Karte angekündigte „Special Guest“ entpuppte sich als SUICIDE DOG BRIDGE aus Lübeck und als die bereits begonnen hatten, trank ich noch mein Bier vor der Tür, betrat jedoch wenig später den Ort des Geschehens. Nun ja, technisch sicherlich versiert, Gebrülle, tiefe Gitarren und Breakdowns, wie das eben so ist. Als die Musiker allerdings zum synchronen Crab-Dance-Bangen ansetzten, musste ich doch arg schmunzeln. Sorry, aber nix für Papa sein’ Sohn. BRAIN DAMAGED HORSE schlugen in eine ähnliche Kerbe, hatten allerdings ein paar raffinierte Breaks, die mir durchaus gefielen. Ansonsten war auch das not so really my cup of pee und warum der Shouter den einzigen Song mit Melodie als Schlager ankündigte, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn das irgendein Cover war, hab’ ich’s nicht erkannt. BOREOUT SYNDROME erweiterten das Gesangsspektrum, wenn man es so nennen will, um Gekreische, das sich zum Gebrüll des engagierten Shouters gesellte. Nach dem ersten Song verließ ich den Raum. Erst zum letzten betrat ich ihn wieder, kann also nichts weiter zum Gig sagen. Dann – endlich – wurde die Bühne frei für REAVERS, die alle meine Hoffnungen erfüllten und ein ordentliches Brett Thrash fuckin’ Metal sägten. Zwei Klampfen, der Bassist singt, klassische Vier-Mann-Besetzung also, wäre da nicht an der Lead-Gitarre ein Mädel, weshalb sich diese Bezeichnung verbietet. Vollkommen ausgehungert bangte und zuckte ich extatisch und freute mich, dass sich der Abend doch noch für mich gelohnt hatte. Vorher hatte man mir verraten, dass man eine Cover-Version spielen würde und beim als „Fire in the Hole“ angekündigten Song dachte ich zunächst an LÄÄZ ROCKIT, doch mitnichten: Es handelte sich um einen eigenen Song, das versprochene Cover wurde TANKARDs „Freibier für alle“ und damit neben der viel zu kurzen Spielzeit mein einziger Kritikpunkt: So geil der Song auch ist, ich hätte lieber mehr eigenes Material gehört, denn das gefiel mir ausgesprochen gut! Die ganze Veranstaltung war übrigens leider eher semigut besucht, aber dafür war das Wetter prächtig und die REAVERS + Umfeld sympathisch und lässig drauf sowie gesprächsfreudig, so dass sich kein Kuttenträger verloren vorzukommen brauchte. Ich werde die Band auf jeden Fall weiter im Auge behalten, hoffe, dass die demnächst erscheinenden Aufnahmen den Druck der Livepräsenz annähernd einfangen können und wünsche mir aber für die nächsten Gigs stärker der alten Schule zugewandte Kollegenbands.

Fritz Pfäfflin (Hg.) – Soundtrack eines Sommers – Wie Popsongs unser Leben retteten

pfäfflin, fritz - soundtrack eines sommersMenschen, die über ein Mindestmaß an Empfindsamkeit verfügen, neigen dazu, prägende Lebensabschnitte oder -ereignisse mit Songs in Verbindung zu bringen. Diese müssen inhaltlich gar nicht einmal zwingend dazu passen, sondern einfach zu jener Zeit präsent gewesen zu sein – ob bewusst oder unbewusst ausgewählt oder ohne eigenes Zutun dank medialer Omnipräsenz. Ertönt Jahre später solch ein Lied, ist sofort die Erinnerung oder ein bestimmtes Gefühl wie aus dem Nichts wieder wach. Es wird schwierig, einen solchen Song wieder anders im Unterbewusstsein zu verknüpfen, aber i.d.R. will man das auch gar nicht, schwelgt stattdessen in süßer oder bitterer Melancholie. Einer Reihe Beispiele für dieses Phänomen widmet sich das 2005 bei „Herder spektrum“ von Frank Schäfer („Metal Störies“) unter seinem Pseudonym Fritz Pfäfflin herausgegebene, ca. 190 Seiten starke Büchlein. Unterteilt in 16 Kapitel schreiben ebenso viele verschiedene Autoren ihre Erinnerungen auf, die sie mit bestimmten Songs quer durch unterschiedliche Genres verbinden. Das Spektrum reicht von der pubertären ersten Sommerliebe (sehr schön: Fritz Tietz – Alte Liebe) und schmerzhaften Verlusten im familiären Umfeld über das Entdecken bestimmter Musik, Partyerinnerungen, unerfüllte Erwartungen, juvenilen Sex, Reminiszenzen an eine Casting-Show und die damit verbundenen Dialoge zweier Freundinnen (ungewöhnlich, aber herausragend: Kerstin Grether – Candy und Mandy tun’s) bis hin zu Liebeserklärungen an lateinamerikanische Klänge und Hassbekundungen gegenüber Disco-Rhythmen. Frank Schäfer persönlich bedient die Abteilung des Härteren (THIN LZZY – Renegade), Ueli Bernays widmet sich in einer tragischen Geschichte der Homosexualität und Michael Quasthoff beschreibt aufs Köstlichste, jedoch nicht minder tragisch seine Konfrontation mit der Unterschicht und dem Punk der Band HANS-A-PLAST. Satiriker Oliver Maria Schmitt gibt ein fiktives Kapitel aus seinem (selbst-)ironischen Punk-Roman „Anarchoshnitzel schrieen sie“ zum Besten, bei dessen Genuss man noch einmal so richtig lachen kann. Inhaltliche Tragweite und Schreibstil schwanken selbstredend angesichts des Autoren-Potpourris, große Ereignisse reichen biographischen Randnotizen die Hand, bisweilen wird es gar inhaltlich nichtssagend, dafür jedoch stilistisch interessant. Als Strandlektüre im Warnemünder Kurzurlaub jedenfalls habe ich „Soundtrack eines Sommers“ genossen und ich bin geneigt, eine Playlist aller genannten Songs zusammenzustellen – wenngleich diese sicherlich nicht Soundtrack meines Sommers werden würde. Welcher das sein wird, wird sich erst noch zeigen – ich bin jedenfalls ganz Ohr.

10.07.2015, Kraken, Hamburg: FAST SLUTS + RASTA KNAST

fast sluts + rasta knast @kraken, hamburg, 10.07.2015Der zweite Gig überhaupt der neuen Hamburger Oi!-Punk-Hoffnung – und gleich vor der großen Kulisse, die ein Auftritt im Vorprogramm von RASTA KNAST mit sich bringt. Ihre Feuertaufe allerdings hatten die Mädels bravourös vor Kurzem im Linken Laden bestanden und konnten somit zurecht guter Dinge sein. Im ausverkauften Kraken dementsprechend Gedrängel pur, wobei nicht wenige offenbar weniger wegen RASTA KNAST als vielmehr wegen FAST SLUTS gekommen waren! Soundmann Norman schwitzte nicht nur unter den Temperaturen, sondern auch angesichts des Soundchecks, hat dann aber einen grundsoliden Klang gezaubert – wenngleich nicht ganz ohne das berüchtigte „Kraken-Fiepen“, jene Rückkopplungen aus der Hölle, die per Voodoo-Zauber dorthin gelangen, sich jeglicher logischer Erklärungen und technischer Tüfteleien entziehen und mit denen man dort immer mal wieder zu kämpfen hat. 😉 Wie gesagt, halb so wild, bei den Damen flutschte es schon um einiges flüssiger und selbstsicherer als beim Live-Debüt, Bassistin Jule führte mittels launiger Ansagen durch’s Set, Paulines Gitarre schien mir mehr Power zu haben, Rike an den Drums strahlte über’s ganze Gesicht und kannte jeden Einsatz und die gute Alex am Hauptgesang war nicht nur selbstbewusst und textsicher, sondern kam auch stimmlich noch etwas mehr aus sich heraus. Der Gesang in normaler Stimmlage war wieder etwas leise; vielleicht bekommt man das zukünftig noch besser abgemischt, ansonsten gern Mut zu mehr Gebrüll! 😀 Ein besonderer Höhepunkt war das SMEGMA-Cover „Eure Art zu Leben“ mit Unterstützung zweier original SMEGMAner! Wann bekommt man so einen Song schon mal im Duett zu hören?! Ohne Zugabe wurden die FAST SLUTS dann auch nicht von der Bühne gelassen und ich glaube, es befand sich sogar ein neuer Song im Set. Weiter so! In der Umbaupause sorgte ich, wie schon vorm SLUTS-Gig, für handverlesene Mucke aus der Konserve, und nun standen also RASTA KNAST auf dem Plan – ich muss ja zugeben, dass ich die überbewertet finde, spätestens seit man offenbar beschlossen hatte, nach x Besetzungswechseln den Fuß vom Gas zu nehmen und statt flottem „Schwedenpunk“ verstärkt auf Midtempo-„Deutschpunk“ zu setzen. Ich muss aber zugeben, bereits ab einem recht frühem Zeitpunkt den musikalischen Werdegang nicht weiter verfolgt zu haben und das ändert sowieso nichts daran, dass im Kraken natürlich der Schweiß von der Decke tropfte und manch Hit, derer die Band zweifelsohne so einige hat, meine Ohren erreichte – wenn ich mich nicht gerade an der (mehr oder weniger) frischen Luft befand, in Klönschnacks vertieft war oder irgendwas anderes tat. Zwischendurch knallte mehrmals anscheinend hitzebedingt die Endstufe durch, Norman kam wieder ins Schwitzen und alles in allem war das heute nicht mein Konzert, sorry. Vielleicht ein anderes Mal, falls ich die Band mal für mich wiederentdecke. Schön allerdings für den Kraken, dass die Bude dermaßen voll war!

05.07.2015, Indra, Hamburg: THE RIJSEL IRISH BOY’Z + UPPER CRUST

rijsel irish boy'z, the + upper crust @indra, hamburg, 05.07.2015

Die französischen Irish-Folk-Punks THE IRISH RIJSEL BOY’Z waren gerade auf großer Deutschland-Tour und kamen an diesem verkaterten Sonntag aus Gelsenkirchen zurück, um den Indra-Club auf dem Kiez zu beehren. Obwohl der Eintritt nur läppische 5 Taler betrug, hatten sich im Vorfeld nur wenige Gäste angekündigt und letztendlich kamen sogar noch weniger: Als UPPER CRUST als lokaler Opener begannen, befand sich gerade einmal eine Handvoll zahlendes Volk im Laden. Seinen (keinesfalls mit Crustcore zu verwechselnden) Härtner-Sound vollzog das Trio gewohnt versiert und ließ sich kaum irritieren, wenn auch Drummer Lars der immer noch andauernden Hitze Tribut zollen musste, indem ihm öfter mal die Sticks aus den Pfoten flutschten. So richtig in der Stimmung war ich allerdings nicht und lauschte interessiert, ohne jedoch meinen Verstand an die Wand zu werfen. Trotzdem natürlich ein guter Gig, aber kann es sein, dass mein Favorit „Hypochonder“ ausgelassen wurde…? Nach nur kurzer Umbaupause dann die durchgeknallten Franzosen, die unfassbar authentisch auf irisch machen und stilecht in Kilts gewandet die Bühne betraten, um direkt mit einem Sauflied zu starten. Ihren Stil beherrschen sie perfekt, zur klassischen Instrumentierung gesellt sich eine folkige Flöte und Singen darf jeder mal. Es war erwartungsgemäß die pure Energie, die da von der Bühne ausging – und leider im fast leeren Indra verpuffte. Die Boy’Z nahmen’s mit Humor und bewiesen eine unglaubliche Souveränität, doch zum Feiern war niemandem so recht zumute. Das ultraheiße Wochenende schien allen in den Knochen zu stecken und die meisten zogen es daher offenbar vor, an irgendwelchen schattigen Orten Ganztagssiesta zu halten. Von den Anwesenden wollte dann niemand den alleinigen Vortänzer machen und so blieb’s auch hier bei ernstgemeintem Applaus, aber eine Party wie damals, als wir (DMF) mit ihnen zusammen auf dem Gaußplatz spielten, wurde es nicht. Ohne Zugabe verließ man schließlich die Bühne, bedankte sich bei jedem einzelnen Zuschauer per Handschlag persönlich und ich war auch irgendwie froh, endlich ins Bett zu kommen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Eigentlich war es ein Top-Konzert von zwei geilen Bands, aber an diesem Tag leider komplett überflüssig. Ehrlich gesagt war auch ich lediglich anwesend, weil ich mich mit der guten Katharina, Tourbegleiterin der Band, verabredet hatte und in den Genuss der Gästeliste kam. Als die Franzosen am nächsten Tag kurzerhand auf ihren Off-Day verzichteten, um direkt auf dem Gaußplatz noch einmal zu zocken, bekamen sie dann Überlieferungen zufolge endlich ihre wohlverdiente Party und so hätte man’s meines Erachtens von vornherein planen sollen. Ich schließe mit einer Aufforderung: Wenn die RIJSEL IRISH BOY’Z mal wieder für’n Appel und ’n Ei in eurer Nähe spielen sollten, GEHT HIN – bevor sie richtig durchstarten, die Läden größer und der Eintritt teurer werden!

04.07.2015, Monkeys, Hamburg: INFA-RIOT + RAZORS

infa-riot + razors @monkeys, hamburg, 04.07.2015

Die britische Oi!-Punk-Legende INFA-RIOT zusammen mit den lokalen Punk-Urgesteinen RAZORS an einem der heißesten Tage des Jahres live im Monkeys! Da war klar, dass die Bude voll werden würde, zumal sich rund 50 Gäste einer Geburtstagsparty angekündigt hatten – Schaub aus dem Umfeld der RAZORS feierte nämlich seinen runden Ehrentag und hatte reichlich Szenevolk geladen, das sich auch überregional auf den Weg in die Hansestadt gemacht hatte. So bot der Parkplatz des Geländes dann auch ein buntes Bild gehobenen Altersdurchschnitts, so dass ich mir dann auch mal wieder richtiggehend jung vorkam, vor allem aber einer großen, illustren Runde, die zu manch Klönschnack einlud, weshalb ich offenbar einen nicht geringen Teil des RAZORS-Sets glatt verpasste. Endlich drinnen hinzugesellt, zockte man gerade die berüchtigten, von den RAZORS gar nicht mehr wegzudenkenden Coverversionen wie „Razors in the Night“ und „We Love You““, ja, sogar Bowies „Heroes“ bei prächtiger Stimmung. Auf der Bühne die alte Garde, davor ebenfalls, gemischt mit Jungvolk, aber auch Rollstuhlfahrern – welch ein Bild, und es trotzdem oder gerade deshalb 100% Punk as fuck! Gegen die Hitze reichte man Wasserbuddeln ins Publikum und mittels Ansagen, großformatiger Bilder und eines speziellen Songs gedachte man sehr stilvoll des vor wenigen Jahren viel zu früh verstorbenen Andreas Schwabes, eines weiteren Hamburg-Punk-Originals. Das Geburtstags“kind“ schmetterte einen Song zusammen mit den RAZORS (war das „Because You’re Young“ von COCK SPARRER oder schmeiß’ ich jetzt was durcheinander?) und irgendwann war dann leider schon Schluss. Der Sound war gut, die Band topfit und Danker bewies als Sänger einmal mehr Entertainer- sowie mittels eines rotzigen Nölgesangs wahre Oldschool-Qualitäten. Ein geiler Auftritt nimmermüder Herren, die nach wie vor den ’77-Style würdigst vertreten.

INFA-RIOT sind seit einiger Zeit wieder aktiv und obwohl sie zu meinen Favoriten des UK-82-Oi!-Punks gehören, sollte ich an diesem erstmals in den Genuss kommen, sie live zu sehen. Dementsprechend freute ich mich wie Bolle darauf, wenngleich die Meinungen im Vorfeld offenbar auseinandergingen. Umso spannender war es, ob sie es noch draufhaben würden. Als INFA-RIOT zu mittlerweile vorgerückter Stunde dann endlich anfingen, war ich ehrlich gesagt schon gut besoffen, denn die Höllenhitze hatte mich immer wieder zum Tresen getrieben und die allgemein vorzügliche Stimmung trug ihr Übriges dazu bei. Jedes Detail kann ich insofern nun nicht wiedergeben, nur so viel: Ja, verdammt, es ging ab wie Sau, Hit folgte auf Hit, der Drummer spielt denselben Simpel-aber-effektiv-Beat wie anno schießmichtot (wenn das überhaupt der gleiche Typ ist, ich hab’ keine Ahnung) und der Sänger hat sich seine Stimme bewahrt. Das Tempo schien auch zu stimmen und so feierte ich sie alle ab: „Emergency“, „Still Out of Order“, „You Ain’t Seen Nothing Yet“, „Five Minute Fashion“, „The Winner“, „In For a Riot“, dessen Refrain immer wieder vom Publikum skandiert wurde, bis – jetzt hänge ich mich echt aus dem Fenster und hoffe, dass mich meine Erinnerungsfetzen nicht im Stich lassen – „Each Dawn I Die“ als Zugabe kam. Gut, vermutlich mit ein, zwei anderen Songs, aber das bekomme ich jetzt wirklich nicht mehr zusammen. Egal, zwischenzeitlich fand ich mich auch tanzend vor der Bühne wieder, denn dort war’s gar nicht so voll – doch einige schienen der Hitze und/oder dem Alter Tribut zu zollen und drehten nicht vollkommen durch. Den Eindruck einer müden Rentnerveranstaltung machte das alles jedoch ganz und gar nicht und so hoffe, schon bald wieder „In For a Riot“ sein zu können! Lohnt! Die Party ging anschließend noch lange weiter, ich entdeckte das deliziöse, frisch gezapfte „Monkeys Red“ für mich und ließ es mir gut gehen, bis mein Kumpel und Herbergs“vater“ Oli und ich uns bei unserer privaten After-Aftershow-Party endgültig das Genick brachen. Party hard!

20.06.2015, Linker Laden, Hamburg: FAST SLUTS + LOKUSBOMBER

lokusbomber + fast sluts @linker laden, hamburg, 20.06.2015Ursprünglich sollten die rustikalen OI!SLUTS diesen Samstag mal wieder ‘nen Gig abliefern, wurden jedoch ausfallbedingt kurzfristig durch die namensverwandten FAST SLUTS ersetzt. Eigentlich wartete die Szene ja gespannt auf den 10.07., an dem die ausschließlich aus Mädels bestehende, brandneue Hamburger Oi!-Punk-Hoffnung im Vorprogramm von RASTA KNAST im Kraken ihre Feuerteufe bestehen sollte. Diese wurde nun also vorgezogen und in Hamburgs vermutlich kleinsten relevanten Konzertort mit Wohnzimmer-Ambiente verlegt. Dort versammelte man sich und genoss die ersten Kaltgetränke zum Ultraschmalkurs, bevor vier nervöse Deerns die „Bühne“ betraten. Eng war’s, denn kaum jemand wollte sich diesen historischen Augenblick entgehen lassen. Die Unterstützerinnen und Unterstützer entrollten ein schickes FAST-SLUTS-Transparent und die Mädels, die vor Bandgründung kaum bis gar keine Erfahrungen an ihren Instrumenten gesammelt hatten, legten los: „Wir sind nicht Oi!Sluts, wir sind nicht Fast Shit, wir sind die Fast Sluts und spielen Oi!Shit…“. Es folgten Lieder gegen Partypatrioten, die Großveranstaltungen wie Fußball-Weltmeisterschaften missbrauchen, um „endlich“ mal wieder ihre Nation abfeiern zu „dürfen“, eine Liebeserklärung an den FC St. Pauli und weitere Hits wie das bereits im Netz als Demo kursierende „Landgang“, angereichert mit drei Cover-Versionen: „Durstige Männer“ („…das seid IHR!“) von den DIMPLE MINDS, „Eure Art zu leben“ von den stilistisch den FAST SLUTS nicht unähnlichen SMEGMA und der alte Gassenhauer „Wir sind geil, wir sind schön“ von LOIKAEMIE. Klar rumpelte das noch an manch Ecke und Ende, das jedoch sehr charmant. Neben der dem Punk-Spirit entsprechenden Konsequenz, so’ne Band zu gründen und das ungeachtet musikalischer „Perfektion“ wirklich durchzuziehen, verdienen jedoch besonders die eigenen Songs Anerkennung, die allesamt nicht nur über klasse Texte mit gern mal augenzwinkerndem Humor verfügen, sondern mit ihren Ohrwurmmelodien bleibenden Eindruck hinterlassen; der St.-Pauli-Song hatte gar das Zeug zur Hymne! Gitarristin Pauline war übrigens kurzfristig eingesprungen, damit der Gig überhaupt stattfinden konnte und machte ihre Sache ebenso prima wie ihre Kolleginnen. Drummerin Rike vereint ’nen ordentlichen Punch mit Taktgefühl, Sängerin Alex hat eine für solche Mucke prädestinierende heiser-raue Stimme, die besonders zu gefallen weiß, wenn sie lautstarke Refrains schmettert und Bassistin Jule hielt ihre aufgeregte Band zusammen, indem sie souverän like a boss die Ansagen übernahm und durch den Auftritt führte. Zwischenzeitlich wurde sogar ein zweites Transparent entrollt und ohne Zugabe ließ man die Mädels nicht ziehen, die erste Nummer musste wiederholt werden. Ein östrogeniales Live-Debüt, das Hoffnung macht. Sicherlich, dieses fand vor Froinden statt und das wird zukünftig nicht immer so sein, bestimmt wird man sich von Neidern und Nörglern auch mal anhören müssen, von einem „Frauenbonus“ zu profitieren o.ä., doch davon sollten sich die FAST SLUTS nicht beeindrucken lassen und weiter proben, an ihren Songs feilen und Erfahrungen sammeln, denn das Potential ist da!

Nach kurzer Umbaupause kamen LOKUSBOMBER aus Schweinfurt zum Zuge. Angekündigt als „Brutalo D-Punk“ agierte das Trio irgendwo zwischen schnellstmöglich geschrammeltem HC-Punk und brutalem (Fast-schon-)Crust, gebrüllt in Landessprache und die üblichen Themen abdeckend. Das war schon amtlich und vor allem entsprechend deftig serviert, wenngleich ich in diesem Zusammenhang Songs über Anarchie und „Gegen den Staat“ dann doch etwas abgedroschen finde. Insgesamt knallte das alles recht ordentlich und die Band bewies zwischendurch Humor und Selbstironie. Inwieweit das originale Hippie-Outfit des Bassisten auch dazu zu zählen ist, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Zugaben gab’s dann gleich ein paar, die Jungs hatten Bock und sich u.a. BODY COUNTs „Copkiller“ vorgeknöpft. Nicht schlecht!

Am Tresen verweilte man dann noch bis nach Mitternacht, u.a. weil es noch einen Geburtstag zu begießen gab und die alten BROILERS-Scheiben aus der Anlage erschallten, bevor ich mich mitsamt meinen Gesprächspartnern ins Jolly Roger verlagerte. Ein rundum gelungener Abend – und ich freu’ mich auf die FAST SLUTS/RASTA KNAST-Double-Headliner-Show in ein paar Tagen! 😉

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑