Günnis Reviews

Datum: 29. August 2016

25.08.2016, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: MANDELBAJO + SWORDWIELDER + LAUTSTÜRMER

mandelbojo + swordwielder + lautstürmer @el dorado, hamburg, 20160825Die DMF-Probe war ausgefallen und was macht man mit so’nem angebrochenen Donnerstag, wenn man eh schon in Altona ist? Erst mal auf’m Gauß vorbeischauen und wenn dort ohnehin abends ein Konzert stattfindet, warum nicht gleich mal mitnehmen? Bei freiem Eintritt und kalten Bier ab 60 Cent gibt’s da nicht viel zu überlegen. Zunächst waren glaube ich nur die beiden schwedischen Bands angekündigt, später waren die Kolumbianer hinzugekommen. Eigentlich sollte es wohl schon um 19:00 Uhr losgehen, was sich jedoch erwartungsgemäß um einige Zeit verzögerte. Irgendwann eröffneten LAUTSTÜRMER aus Malmö den musikalischen Teil des Abends mit ihrem krassen Hochgeschwindigkeits-D-Beat, der nicht nur laut stürmte, sondern erwartungsgemäß klang, als würde ein Zug durch die Platzkneipe rattern. Bassist und Gitarrist teilten sich das Gebrülle, während der Drummer subgenretypisch vor allem Becken und Snare unaufhörlich durchprügelte, was durchaus beeindruckend anzusehen war. Was ich auf Platte oft zu monoton finde, befreite hier aus dem entspannten Sommerabend wie ein Atomschlag, zumal das eine oder andere rockigere Riff und hier und da gewitzte Breaks die Chose angenehm auflockerten und man (zumindest für meine in Sachen D-Takt etwas ungeübten Ohren) über genügend Eigenständigkeit verfügte, um nicht als der x-te DISCHARGE-Klon die rote Laterne des Originalitätswettlaufs fußlahm durchs Ziel zu tragen. Leider begannen die Gesangsmikros, Probleme zu machen: Mal verstummten plötzlich beide, mal war lediglich eines von beiden zu vernehmen. Ein Problem, das man bei sonst sehr gutem Sound nicht in den Griff bekam.

Die Bude war längst überraschend gut gefüllt, als er mit SWORDWIELDER aus Göteborg Einzug hielt: Der berüchtigte alte Crust-Sound, der noch zu großen Teilen auf Doom-Metal-Riffs fußt, vornehmlich im Midtempo walzt und neben Angepisstheit und Entfremdung zu transportieren dabei eine fast schon hypnotische Wirkung entfacht. Die Band war mit zwei Gitarren angetreten, um das maximale Brett zu fahren und beschränkte sich auf ein Gesangsmic, wodurch die technischen Probleme in Vergessenheit gerieten. Die Meute headbangte sich vor der Bühne in Trance und ließ die Schweden nicht ohne Zugabe ziehen. Auch mir rang die Darbietung Respekt ab, denn das Ganze hatte echt Atmosphäre – viel mehr kann ich als Crust-Laie dazu aber auch nicht sagen (außer vielleicht, dass der Drummer mit HJ-Scheitel und Popelbremse absolut verboten aussah).

So spontan, wie ich erschienen war, hatte ich mir den Flyer gar nicht mehr genauer angeguckt, war demnach hochgradig überrascht, was nach technikbedingter längerer Umbaupause die enge Bude nun noch mal zum Kochen bringen sollte: Astreiner Surf’n’Roll-Punk des kolumbianischen Trios MANDELBAJO, das nicht nur einen heftigen Kontrast zu den vorausgegangenen Bands bot, sondern auch das Flair dieses heißen Hochsommertags zurückbrachte. Angetrieben vom Beat der Drummerin wurden Genreklassiker à la DICK DALE ebenso zitiert wie Eigenkompositionen gezockt, immer mit ordentlich Hummeln im Arsch, Durchschlagskraft und entfesselter Spielfreude, was sich aufs Publikum übertrug. Inkl. meiner Wenigkeit wurde nun ausgelassen getanzt und gefeiert, denn glücklicherweise funktionierten diese Stücke auch instrumental: Die Gesangsmikros legten ihr Schweigegelübde leider nie mehr so ganz ab. Das war eventuell auch ganz gut so, als sich eine extrem aufgedrehte Dame aus dem Publikum als Sängerin versuchte und fortan eines der Mikros in Beschlag nahm. Das Mikro der Drummerin jedoch tat anscheinend noch seinen Dienst und so wurde sie für die Zugaben vom SWORDWIELDER-Trommler an der Schießbude abgelöst, so dass sie vorne noch ein paar Hits trällern konnte. Details verschwimmen jedoch in meiner nachlassenden Erinnerung.

Klasse, gut besuchter und dann doch recht langer Donnerstagabend, der kaum jemanden nüchtern zurückgelassen haben dürfte. Manchmal sind die spontanen Unternehmungen eben doch die besten!

20.08.2016, Großmarkt, Hamburg: SLAYER auf dem ELBRIOT-Festival

elbriot-festival-2016,-hamburg

Dieser Samstag war eigentlich das Datum des „Umsonst & draußen“-Elbdisharmonie-Festivals, wo ich grundsätzlich auch aufschlug, es diesmal jedoch kein einziges Mal die Treppen herunter schaffte. In erster Linie war ich mit Konterbierchen und Vorglühen für SLAYER beschäftigt, die der Headliner des zweiten und letzten „Elbriot“-Open-Air-Tags waren – für den ich wie die Jungfrau zum Kinde zu zwei Gratis-Einlassbändchen gekommen war. Da die US-Thrash-Pioniere die einzigen des Billings waren, die mich elenden Ignoranten interessierten, plante ich, pünktlich zu SLAYER zu erscheinen und so lange mit Freunden und Bekannten an der Balduintreppe herumzulungern. Da die Dame, die ich für das zweite Bändchen auserkoren hatte, dankend abwinkte (unverständlicherweise; was gibt’s schließlich Romantischeres als ’nen SLAYER-Gig?!), nahm ich kurzerhand den guten Hannes mit und da nach kurzer Nachfrage auch noch ein dritter Freifahrtschein übrig war, konnten wir Martin, einem Gast aus Serbien, noch eine große Freude machen. Nun galt es aber Hackengas zu geben, zumal niemand von uns 100%ig mit dem Weg vertraut war. Je näher wir kamen, desto mehr Weichwürste kamen uns entgegen, die trotz teuren Eintritts bereits das Festival verließen. Am Einlass ging dann alles ganz schnell, doch lag noch ein verdammt langer Weg bis zur Bühne vor uns, währenddessen irgendwann bereits „Repentless“, das Titelstück des aktuellen Albums, erklang. Beim folgenden „Disciple“ aber befanden wir uns längst am Bierstand und zu „Postmortem“ hatten wir auf dem anscheinend 15.000 Menschen fassenden Gelände bereits einen okayen Stehplatz gefunden. Dank der Weitläufigkeit und der vielen bereits die Segel gestrichen habenden Süßwassermatrosen ging es auch ziemlich locker immer weiter vorwärts, während SLAYER eine Nummer nach der anderen spielten, mit der ich nicht sonderlich vertraut war – bin ich doch eigentlich ausschließlich Fan der ersten drei Alben (und den EPs jener Ära). Spaß machte das alles trotzdem, insbesondere für umme, mit zwei euphorisierten und trinkfreudigen Genossen an der Seite und in der Dämmerung eines für diese Saison ungewöhnlich warmen und trockenen Sommerabends. Richtig oldschool wurd’s schließlich im letzten Drittel: „Hell Awaits“ gefolgt von, ok, „South of Heaven“, aber dann das Schluss-Trippel „Raining Blood“, „Black Magic“ und „Angel of Death“, das noch mal diverse Schuhe auszog und mich auch endlich meine Nackenkraftreserven anbrechen ließ. Interessant übrigens auch, was man bei ’nem Gang zum Klo dann doch so alles an bekannten Gesichtern trifft. Eigentlich hatte ich noch mit einem zwei, drei Songs umfassenden Zugabenblock gerechnet und auf Höhepunkte wie „The Antichrist“, „Chemical Warfare“ oder „Kill Again“ gehofft, doch die von ein paar hippieesken Publikumslobpreisungen Arayas einmal abgesehen sehr maulfaule Band war nicht mehr zurückzubrüllen, dat war’s tatsächlich schon. Die Spielzeit dürfte ca. 80 Minuten betragen haben, King und der den leider viel zu früh verstorbenen Hanneman ersetzende EXODUS-Holt an den Klampfen hatten sich souverän durchgerifft und der Sound der großen Bühne mit ihrer zwischen höllenfeuerrot und nukleargrün wechselnden Lightshow gab kaum Anlass zur Kritik – so soll es sein. Also Absacker, weiten Weg zurück und noch mal aufs Elbdisharmonie, den Rest geben. Großes Dankeschön an den edlen Spender für dieses Privileg! War das doch tatsächlich erst mein zweiter SLAYER-Gig…

19.08.2016, Menschenzoo, Hamburg: DONNER KARLSSON + MUFASA OZORA

donner karlsson + mufasa ozora @menschenzoo, hamburg, 20160819

Irgendwie wiederholte es sich, dass ich im Menschenzoo auflegen sollte und gar nicht mitbekommen hatte, dass außerdem ein Konzert angesagt war. Das hatten anscheinend auch viele andere nicht auf dem Schirm und so verzögerte sich der Konzertbeginn, bis wenigstens ein paar Gäste vor Ort waren. Alles in allem kam man an diesem Abend auf ca. 20 Leute inkl. Bands, was ja nun echt nicht so doll ist, der Spielfreude des Openers DONNER KARLSSON aber offenbar nicht abträglich war. Dieser begann mit zackigem ’77-Punkrock, der aus eigenem Material bestanden haben dürfte und ab der Hälfte des Sets schwenkte man über zu reichlich Covermaterial: OPERATION IVY, „Teenage Genocide“ von SWINGIN’ UTTERS, „Back to Olympia“ von RANCID, BILLY BRAGGs „To Have and to Have Not“ in der LARS-FREDERIKSEN-Version, noch mal RANCID, ein mir unbekanntes D-Punk-Stück namens „Punkrocker“, das anscheinend von einer Band namens SUPERHORST stammt usw., ab und zu noch mal was eigenes, meist englisch, mal deutsch. War nicht verkehrt, die Band spielte gut und das wenige Publikum, mit dem der Gitarrist und der Sänger regelmäßig auf Tuchfühlung gingen, ging gut mit. Normans Soundmix war wieder glasklar und so machte das alles durchaus Laune.

MUFASA OZORA bedienten sich anschließend desselben Gitarristen, während ihr Sound mehr in Richtung melodischen deutschen Punkrocks mit kompetentem höherem Gesang tendierte, was ebenfalls ok klang. Auch in diesem Falle nutzte die Band die räumlichen Verhältnisse und erweiterte quasi die Bühne in den Publikumsbereich, um mit den Anwesenden zu feiern. Ich hab’ keine Ahnung, woher beide Bands stammen und was die bisher so gerissen haben, aber das wirkte alles recht souverän und hätte sicherlich stärkeren Publikumszuspruch verdient gehabt.

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