Günnis Reviews

Monat: September 2020

René Goscinny / Albert Uderzo – Asterix, Band 31: Asterix und Latraviata

Der im Jahre 2001 erschienene 31. Band der beliebten frankobelgischen Comic-Reihe „Asterix“ war der erste des neuen Jahrtausends. Wie gewohnt umfasst er 50 Seiten und ist als Softcover-Album im Egmont-Ehapa-Verlag erhältlich. Asterix und Obelix haben hier am selben Tag Geburtstag, was eine Inkohärenz der Reihe darstellt, da sich unterschiedliche Bände in dieser Hinsicht widersprechen. Überraschend kommen ihre Mütter zu Besuch, die ihren Söhnen nicht nur ein römisches Schwert und einen Römerhelm schenken, sondern den Nachwuchs auch endlich unter die Haube bringen möchten. Die noch in Condate arbeitenden Väter der Helden wollen später nachkommen, werden jedoch vom römischen Legionär Bonusmalus entführt und inhaftiert. Der Vorwurf: Sie sollen Centurio Pompejus um eben jene Geburtstagsgeschenke bestohlen haben. Pompejus und Bonusmalus schmieden einen finsteren Plan: Die Schauspielerin Latraviata (der Name ist eine Anspielung auf die Verdi-Oper „La traviata“) soll sich als Obelix große Liebe Falbala verkleiden, um sich ins renitente gallische Dorf einzuschleichen und so helfen, die Gegenstände wiederzubeschaffen. Erstmals seit dem Sonderband „Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist“ zählen also Asterix’ und Obelix’ Eltern zu den handelnden Figuren. Diese werden in eine Geschichte um Intrigen, Lug & Trug, männliche Schwächen und Eifersüchteleien verwickelt, die die Protagonisten arg naiv erscheinen lässt, wenn es einer römischen Doppelgängerin gelingt, nahezu perfekt die ach so geliebte Falbala zu imitieren. Weitaus mehr irritieren jedoch im Jahre 2001 aktuelle Bezüge u.a. auf deutsche Politiker(innen) in den Dia- und Monologen (herumstoibern, ausgemerkelt, Westerwelle) sowie die Verwendung moderner, anachronistischer Vokabeln und Floskeln (Obelix ein Rapper, wehtwotscherixen als Anspielung auf die Weight Watchers, Enerdschi-Drinks, Owerneitkurier, BSE…) sowie ein abgewandeltes Die-Ärzte-Zitat („Manchmal, aber nur manchmal, haben Römer ein kleines bisschen Haue gern!“). Eine Spitze gegen die Deutsche Bahn lasse ich mir ja noch gefallen; in dieser hohen Frequenz verhindern die eng ans Entstehungsjahr gekoppelten Bezüge jedoch, dass auch dieser Band zu einem zeitlosen Klassiker reifen kann. Und ist es diesmal nicht vornehmlich der Zaubertrank, der den Galliern aus der Bredouille hilft, spielen nun bei Asterix’ Rettung zu viele Zufälle mit. Dafür gerät der Schluss dann doch noch recht witzig, nachdem zuvor bereits humorvoll mit Elternklischees gespielt wurde. Ein großer Wurf ist dieser Modernisierungsversuch der Reihe wahrlich nicht geworden, insgesamt lediglich (guter) Durchschnitt.

Mad-Taschenbuch Nr. 27: Al Jaffee – Das Mad-Buch der Erfindungen

Al Jaffees viertes Taschenbuch der deutschen Mad-Ausgabe erschien 1980, stammt im US-amerikanischen Original jedoch bereits aus dem Jahre 1978. Über 160 Schwarzweißseiten erstrecken sich seine in 15 Kapitel unterteilten kreativen Auslassungen zu mal mehr, mal weniger bedeutsamen Erfindungen der Menschheitsgeschichte, die überaus fantasie- und einfallsreich absurde „Erfindungen, die sich zunächst mal nicht durchsetzen konnten“, ökologisch wertvolle „Methoden zur Erzeugung alternativer Energie“, die in dieser Hinsicht eher fragwürdige „heile Plastikwelt“ und vielen amüsanten Unfug in cartoonesker Skizzenform mehr umfassen. Insbesondere das Plastik-Kapitel erweist sich als geradezu visionär, zum Beispiel in Bezug auf Ehepartner… Und im Kapitel „So schützt man Heim und Gesundheit“ folgen direkt die Gesichtsmasken, die mittlerweile pandemiebedingt zum Alltag gehören. Auch Kapitel 5 ist nicht weit von der Wahrheit entfernt, hat es doch geplante Obsoleszenz, also das herstellerseitig geplante schnelle Veralten oder Verschleißen von Produkten, zum Inhalt – einen Nachschlag hält Jaffee in Kapitel 9 parat. Angenehmer sind da die selbstreinigenden Toiletten, die (auf Jaffees Anregung hin?) mittlerweile existieren. Und die Einbau-Einrichtung auf Seite 143 hat Ikea längst perfektioniert. In diesem, dem „Erfindungen, durch die winzige Wohnungen größer wirken“-Kapitel konzentriert sich Jaffee aber etwas sehr auf durch Tapeten hervorgerufene Illusionen, wodurch sich der Witz etwas abnutzt. Meist überwiegt jedoch der Jaffee-eigene Humor zwischen hintergründig und abwegig. Es ist doch immer wieder bezeichnend, wenn die Realität die Satire einholt…

12.09.2020, Cruise Inn, Hamburg: LOIKAEMIE + HARBOUR REBELS

Eigentlich sollten beide Bands an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Monkeys Music Club zusammenspielen. Pandemiebedingt stemmte die Monkeys-Crew dann den Kraftakt, daraus eine Open-Air-Veranstaltung unter Einhaltung der Anti-Corona-Regeln auf dem abgelegen Cruise-Inn-Gelände in Steinwerder am Hafen zu machen. Das bedeutete wohl ‘ne Menge Abgekaspere mit den Behörden, bis es endlich das Ok gab, die Nummer für 800 Besucher(innen) durchzuziehen. Es sollte nach meinem Besuch des ARRESTED-DENIAL-Gigs vorm Monkeys mein zweites Konzert in Corona-Zeiten werden, wobei die Neugier, wie das gelöst wurde, wie es funktionieren und sich anfühlen würde, fast die Vorfreude auf die Musik überwog. Die wiedervereinten LOIKAEMIE hatte ich früher gefühlt etliche Male live gesehen, war dem irgendwann aber etwas entwachsen und fand andere Musik spannender. Nichtsdestotrotz habe ich die Band immer geschätzt und ziehe meinen Hut davor, was sie für die antifaschistische Skinhead-Szene geleistet hat. Und mit den HARBOUR REBELS hatte ich mit einer meiner Kapellen auf meinem letzten Konzert vor dem Shutdown noch zusammengespielt und dabei noch dumme Witze über die Corona-Panik gerissen. Nur eine Woche später sah die Situation schon ganz anders aus…

Nun sah man sich also unter völlig veränderten Umständen wieder. Zu dritt machten wir uns per Bus und Bahn auf den Weg von Altona nach Steinwerder, was problemlos funktionierte und mich wohlig an alte abenteuerliche Zeiten erinnerte, in denen ich ebenfalls mit ‘nem Wegbier in der Kralle abseitige, unbekannte Konzertorte aufsuchte. Gegen 18:00 Uhr am Cruise Inn angekommen, das mit dem Containerschiff hinter der Bühne ein imposantes, atmosphärisches Panorama bot, wurde ich jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als ein Security-Chef sich eilig versichern ließ, dass wir auch alle richtige Mundnasenschutzmasken dabeihaben, denn irgendwelche Tücher u.ä. seien nicht gestattet. Kaum hatten wir das Gelände betreten, zog der Himmel zu und ein Wolkenbruch ergoss sich über uns. Doch ein Sicherheitsbediensteter reagierte prompt und verkaufte uns Regenponchos für Stück zwei Euro, unter denen wir fortan ausharrten und am Fassbier (0,5 l für 5,- EUR) nippten. Pünktlich zu den um kurz vor 19:00 Uhr zockenden HARBOUR REBELS zeigte sich das Wetter jedoch von seiner angenehm spätsommerlichen Seite. Zuvor hatte man als Besucher(in) bereits zähneknirschend manch absurd anmutende Auflage befolgen müssen, auf deren Einhaltung das bisweilen etwas überambitioniert wirkende Sicherheitspersonal penibel Acht gab: An die Merch-, Fress- und Saufstände sowie zum Klowagen durfte man auf den dafür vorgesehenen Wegen, unterwegs stehenbleiben war jedoch nicht gestattet, schon gar nicht, sich mit jemandem außerhalb seines fest zugewiesenen Sitzplatzes zu unterhalten – auch nicht bei beständig wehender Hamburger Elbhafenbrise mit Maske auf der Schnauze unter Einhaltung des Mindestabstands. Das ist schon etwas befremdlich. Andere wurden aufgefordert, sich innerhalb ihrer Sitzreihe nicht gegenüber-, sondern nebeneinander zu stellen, wenn sie sich unterhielten. Ständig wurden Menschen auseinandergetrieben oder über Umwege geleitet. Was man sich unter normalen Umständen niemals hätte gefallen lassen, wurde hier akzeptiert und notgedrungen hingenommen. Der Treffen-und-Klönschnack-mit-Gleichgesinnten-Charakter, den solche Konzerte normalerweise haben, litt natürlich darunter.

Zurück zur Musik: HARBOUR REBELS hatten einen klasse Sound und durch die großen Videobildschirme links und rechts an der Bühne wirkte es, als befände man sich auf einem wer weiß wie großen Festival – nur eben mit dem Unterschied, dass vor der Bühne keinerlei Action abging. Wenigstens hielt es kaum jemanden auf den Sitzen und bestand der Sicherheitsdienst nicht darauf, dass man sich auf seine vier Buchstaben zu pflanzen habe. Sängerin Jule und ihre Bandkollegen zockten überaus souverän ihr Set aus deutsch- und englischsprachigen Streetpunk-Songs, von denen erfreulich viele weit mehr als gewohnte Klischeeaussagen transportieren: Textlich ist man am Puls der Zeit und teilt gut begründet gegen Politiker, Autoritäten und mieses Gesindel aus, hat aber auch das obligatorische Sauflied am Start und als letzte Nummer das THE-OPPRESSED-Cover „Skinhead Times“, das mir mit Jules Stimme sogar besser als das Original gefällt. Generell passt ihr kräftiger, melodischer Gesang bestens zum Sound der Band. Lediglich die eine oder andere Ansage war etwas leise und dadurch schwer zu vernehmen. Ansonsten ein klasse Auftritt, Chapeau!

Zwischenzeitlich war auch der vierte im Bunde unserer Konzertdelegation eingetroffen, mit dem ich mir ganz gut einen reingoss und Revue passieren ließ, was eigentlich die letzten Monate so alles passiert ist – wir hatten uns lange nicht mehr gesehen und so ein Austausch tat verdammt gut. Den Soundtrack dazu boten nach der einmal mehr mit geschmackvoller Musik vom DJ unterlegten Umbaupause also die Plauener LOIKAEMIE in Quartettgröße, die ein ordentliches Best-of-Set bei leider etwas widrigen Soundbedingungen hinlegten. Das Snare-Mikro war entweder zu leise oder defekt, jedenfalls war die Snare kaum vernehmbar, wodurch gerade den schrammeligeren Songs der Kick, die Durchschlagskraft, abging. Zudem fiel uns nun auf, wie leise die P.A. eigentlich war, gefühlt konnte man sich fast in Zimmerlautstärke miteinander unterhalten. Aber ich bin taub, ich will Krach! Zumal sich dort nun auch wirklich keine Nachbar(inne)n befanden, die an erhöhter Lautstärke Anstoß hätten nehmen können. Sei’s drum, die Songauswahl war gut und gerade gitarrenmelodiebetontere Songs wie „Unsere Szene“ oder „Alles was er will“ gehen mir nach wie vor genau wie diverse schöne Singalongs bestens in Ohr, „Rock’n’Roller Johnny“, „Wir sind geil, wir sind schön…“ und „Uns’re Freunde“ sind großartige Hits vom starken „III“-Album, das mit einem Bein im Hardcore stehende „Good Night White Pride“ gilt seit seiner Veröffentlichung zurecht als Hymne einer subszenenübergreifenden Haltung und wurde mit geschwenkten Fahnen präsentiert – und das Lied von der Trinkfestigkeit dürfte auch nach wie vor jeder im Ohr haben. Die Band machte einen gut eingespielten Eindruck, Sänger/Gitarrist Thomas hielt seine Ansagen meist knapp und erlaubte sich nur einen unfreiwillig komischen Versprecher. Die meisten dürften ihren Spaß gehabt haben, die Stimmung wirkte gelöst. Zugaben allerdings gab’s keine und sofort nach Verklingen des letzten Akkords wurde das Areal geleert.

Ein, zwei Besucher sind im Laufe des Abends wohl kräftig mit der Security aneinandergeraten und wurde rausgeschmissen, und gegen Ende gab’s anscheinend noch ‘ne kurze Hauerei im Publikum. Ansonsten ging das für mein Empfinden aber alles überraschend reibungslos und diszipliniert über die Bühne. Das Open-Air-Festival-Gefühl überwog während des Gigs die meiste Zeit, erst wenn ich mich vom Platz wegbewegte und mir die Maske überziehen musste, wurde mir wieder so richtig bewusst, wie wenig hier eigentlich so war, wie man es bis vor ‘nem halben Jahr noch kannte. Gut funktioniert hat der Bierausschank, der auch bei höherem Andrang angenehm flott ging und für den ordentliche Mehrweg-Festivalbecher zum Einsatz kamen, die sich an ihren Henkeln so zusammenstecken ließen, dass man auch ohne Monsterpranken vier auf einmal transportieren konnte, ohne die Hälfte zu verschütten. Mein Dank gilt Sam und Ralf vom Monkeys sowie ihrem Team, die allen Widerständen zum Trotz dieses Konzert durchgezogen haben und damit ein, wie ich finde, bei allen einzugehenden Kompromissen wichtiges Zeichen gesetzt haben. All diese Kompromisse in Kauf zu nehmen ist aber auch ein nicht zu verachtender Akt der Solidarität des Publikums, denn unbeschwerte Party sieht natürlich anders aus.

Das Monkeys & Co. gehören nun jedenfalls zu denen, die gezeigt haben, dass etwas geht und auch, wie es geht. Nun dürften die damit verbundenen Auflagen gern auf den Prüfstand und auf ihre Sinnhaftigkeit abgeklopft werden. Andererseits ist die Open-Air-Saison hierzulande nun auch vorbei. Ich bin gespannt, wie’s weitergeht und hoffe weiterhin das Beste…

14.08.2020, Monkeys Music Club, Hamburg: ARRESTED DENIAL

Mein erster Eintrag hier seit Langem – Covid-19 sei Dank. Aber irgendwie muss es ja weitergehen. Das dachten sich auch die Organisatorinnen und Organisatoren der „Solidary Punk Rock Days“, die vom 6 bis 9. August ein Programm unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen auf die Beine gestellt hatten. Ich hatte keine Karten und eigentlich auch keine Teilnahme geplant, auf Kai Motherfuckers Anruf hin verschlug es mich am frühen Samstagabend dann aber doch auf den Lattenplatz vorm Knust, wo man auch außerhalb des eingezäunten Gebiets, in dem kleine Grüppchen an Bierzeltgarnituren platzgenommen hatten, Blicke auf die kleine Bühne bzw. den Bildschirm, auf dem das Spektakel übertragen wurde, erhaschen und sich den Sound als Hintergrundbeschallung zu ein, zwei Wochenendbierchen geben konnte. Die Bremer Funpunks DIE MIMMIS machten den Anfang und coverten u.a. SLIMEs „A.C.A.B.“ mit deutschem Text, gefolgt von Hamburgs dienstältester Punkband: Die RAZORS zockten ihren ersten Gig mit ihrem neuen Gitarristen Stoffel von YACØPSÆ, der den ausgestiegenen Witte ersetzt. Stoffel schrubbte sich absolut souverän durchs gewohnt hitgespickte Set und die ganze Band freute sich ebenso sichtlich über den Gig wie das Publikum, soweit ich das von außen beobachten konnte. Das abschließende WONK-UNIT-Akustikset schenkten wir uns aber.

 

„Nicht links, nicht rechts, nur Gestell“

Das erste Konzert, an dem ich wieder als zahlender Gast teilnahm, wurde schließlich der ARRESTED-DENIAL-Freiluftauftritt auf dem Parkplatz des Monkeys Music Clubs, für den Madame und ich uns rechtzeitig Karten des auf 80 Exemplare begrenzten Kontingents sichern hatten können – bei anderen Monkeys-Veranstaltungen dieser Art waren wir bisher leer ausgegangen, mit Spontaneität kommt man in diesen Zeiten nicht mehr weit. Das Spektakel war Teil der „SOS – SAVE OUR SOUNDS“-Solidaritätskampagne, die Gäste nahmen an weit genug auseinandergestellten Tischen platz und Getränke konnten von dort aus direkt beim Personal geordert werden. Pogo, Circle Pit und Wall of Death entfielen, leider auch die avisierte Vorgruppe LAST LINE OF DEFENSE, da ansonsten die Veranstaltung so lange gedauert hätte, dass sich irgendwelche Nachbarinnen und Nachbarn in ihrer Abendruhe gestört gefühlt hätten…

Doch erfreulicherweise bedeutete dieser Gig nicht nur endlich mal wieder Livemucke, sondern auch ein Wiedersehen mit vielen Bekannten, die man aufgrund der ansonsten brachliegenden Konzertsituation schon länger nicht mehr gesehen hatte. Die Zeit bis zum Beginn verging also wie im Fluge. Da die Bassposition bei ARRESTED DENIAL nach wie vor vakant ist, war kurzerhand Martin Shitler am Viersaiter eingesprungen, der seinen Job sehr ordentlich verrichtete und zum heiteren Sidekick Valentins avancierte. Letzterer begrüßte den Gaußplatz, zählte 22.000 Leute und konstatierte: „Bei uns tanzt eh nie jemand, wir sind viel zu langsam!“. Für die Band war’s also wie immer. Sie bekam einen schön knackigen, dreckigen Sound gemischt, der lediglich bei Martins Background-Gesang etwas schwächelte – welcher aber ohnehin eher schräg klang. Mit viel Humor spielte man sich durch ein kurzweiliges Set und kommunizierte anekdotenreich mit den sich zwischenzeitlich auf einem angrenzenden Dach eingefundenen Gaußplatzbewohner(inne)n und -freund(inn)en. Neben dem TOCOTRONIC-Cover „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ schmetterte man auch die Hardcore-Nummer „Welcome“ von HATECLUB, für welche Eloi von LAST LINE OF DEFENSE, der trotz der Absage erschienen war, das Mikro übernahm – und davon überrascht wurde, dass das Stück plötzlich in den Klassiker „Hate The State“ seiner eigenen Band überging. „Wir sind die SMEGMA des Hardcore!“, gab Valentin anschließend zu verstehen, sodass in diesem Zuge gewissermaßen auch einer dritten Band Tribut gezollt wurde. Martin wirkte im Konzertverlauf zunehmend derangiert, kam aber auch immer mehr aus sich heraus und machte sich u.a. über Valentins Mundharmonikagestell lustig, das für einen Song des Sets zum Einsatz kam. Und als Valentin sah, dass sich Ex-Bassist Timo zwischenzeitlich unters Publikum gemischt hatte, bat er ihn spontan zum ROXETTE-Medley aus „Dressed For Success“ und „Sleeping In My Car“ auf die Bühne. Klasse Schlusspunkt eines Gigs mit hohem Unterhaltungsfaktor, der bei idealen Wetterbedingungen, Musik von DJ Fozzy und Monkeys Red vom Fass noch angenehm ausklang. Danach ging’s erst mal zwei Wochen in den Urlaub, weshalb ich erst jetzt dazu kam, meiner selbstauferlegten Chronistenpflicht nachzukommen.

Bleibt zu hoffen, dass wir uns in nicht allzu ferner Zukunft mit einem Lächeln an den Ausnahmezustand, der zu dieser Art der Konzertimprovisation zwang, erinnern werden, weil er längst wieder der Vergangenheit angehören wird – wenngleich ich diesbezüglich doch arge Zweifel habe…

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