Günnis Reviews

Datum: 30. April 2026

Derber Trash #2

Der zweite „Derber Trash“-Sammelband des deutschen Weissblech-Comicverlags erschien im Jahre 2011 und umfasst auf seinen 100 Schwarzweißseiten im Softcover in halber Albumgröße erneut drei ältere Schundhefte, ergänzt um eine eigens für diesen Band angefertigte Rahmenhandlung.

Diese entpuppt sich als selbstironische Justizposse um die Urheberschaft an den Comics. „Unglaubliche Sexfiction“ enthält Sexploitation-Science-Fiction-Geschichten, aus denen jene von Bella Star erzählte, auf Erden spielende qualitativ heraussticht. Diese ist zwar ausnahmsweise leider nicht handgelettert, dafür aber ein überraschend und zugleich angenehm klassisches Moralstück um russische Mädchenhändler und Vergewaltiger. „Drogengeile Teenieschlampen auf Mallorca“, der zweite Teil der Saga um die drogengeilen Teenieschlampen, nimmt unter anderem Mallorca-Klischees sexploitativ aufs Korn, das Party-Erklärbild erinnert gar an „Mad“. „Amazonen – Busenwunder der Bronzezeit“ ist vielleicht das interessanteste Heft dieses Sammelbands und eröffnet mit einer barbusigen, aber sexfreien, sogar recht „seriösen“ Amazonen-Fantasy-Handlung, gefolgt von „Morag“, einem Monstrum von einer Kriegerin in einer humorigen Geschichte, die Altertum-Fantasy mit der Moderne mischt. Die dritte Erzählung wartet wieder mit einer expliziten Sexszene auf (was diesen Bänden wohl stets die Jugendfreigabe kostet), eingebettet in einer in der Gegenwart spielenden Expedition zu den Amazonen.

Ein Rückblick auf die Entstehung der Comic, sozusagen ein Metatext mit Hintergrundinformationen, ergänzt die Sammlung. Geschrieben wurde er von Verleger Levin Kurio, der unter anderem von erfolglosen Messebesuchen als Aussteller berichtet. Auch schön: Ein Abriss über Hefte, die es nie gab. Und ein Bonuscomic handelt vom Besuch einer Comicmesse in Essen, für den Kurio sich grandios auf die Schippe nehmend selbst zeichnete und der zudem einmal mehr fabelhaft satirisch ausfällt. Eine leichte Das/dass-Schwäche und den einen oder anderen Zeichensetzungsfehler muss man hinnehmen, Laune machen die von Roman Turowski, Levin Kurio, Eckart Breitschuh mal mit gröberem, mal feinerem Strich gezeichneten Elaborate allemal – ein Affinität zu spekulativem, bewusst Geschmacksgrenzen hinter sich lassendem Trash vorausgesetzt!

Erich Rauschenbach – Der kleine Herr Gott – ganz gross!

Der gebürtige Sachse und freiberufliche Karikaturist und Illustrator Erich Rauschenbach veröffentlichte von 1984 bis ins Jahr 2004 hinein diverse Cartoon-Bände im Eichborn-Verlag. Einer davon ist „Der kleine Herr Gott – ganz gross!“ aus dem Jahre 1986, der rund 80 unpaginierte Seiten in Schwarzweiß und Graustufen im A5-Softcover umfasst.

Der erste Eindruck verspricht sozial- und religionskritische, vielleicht gar blasphemische Cartoons im satirischen Funny-Stil und somit gute, im Idealfall hintergründige Unterhaltung, was der Inhalt jedoch nicht einlöst. Rauschenbachs auf bis zu sechs Panels pro Seite verteilte Zeichnungen seiner eine bis ein paar wenige Seiten umfassenden Gags und Geschichtchen sind niedlich, der Inhalt hingegen meist profan und hin und wieder für einen Schmunzler gut, wenn tatsächlich Bezug auf die christliche Mythologie und ihren Monotheismus genommen wird. Weitaus häufiger jedoch widmet Rauschenbach sich dem „frivolen“ Herrenwitz, mit dem man damals vielleicht in Praline & Co. für Erheiterung sorgte, der heute aber ziemlich überholt und zuweilen plump sexistisch wirkt.

Interessanterweise jedoch bestehen nicht alle Geschichten aus Zeichnungen, sondern auch aus Aneinanderreihungen gestellter Fotos, mutmaßlich aus diversen Prospekten und – passenderweise – „Herrenmagazinen“, die er mittels seiner handgeletterten Sprech- und Gedankenblasen rekontextualisiert und zu „Foto-Love-Storys“ verarbeitet. Damit greift er gewissermaßen mancher satirisch mit Stockfotos arbeitender Spaßseite in den sozialen Netzwerken (bspw. „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ [sic]) vorweg.

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