Der Braunschweiger Frank Schäfer schreibt gern und viel über Musik und publiziert regelmäßig in diesem Metier, schiebt aber auch immer wieder Texte und Bücher zu Literatur dazwischen. Einige habe ich bereits gelesen und hier besprochen. Sein „Comic(ver)führer“ mit dem von Karsten Weyershausen ausgesprochen hübsch illustrierten Titel erschien im Jahre 2014 als rund 130-seitiges Taschenbuch im Reiffer-Verlag und widmet sich in seinen 25 Kapiteln ganz der Neunten Kunst.
Nach einem Vorwort, in dem ich mich mehr als nur ein bisschen wiedererkenne, skizziert Schäfer zunächst die Geschichte dieser besonderen Literaturform, geht auf Marvel und insbesondere deren Spiderman ein, empfiehlt einige anspruchsvoller klingende Titel, ehrt Charles M. Schulz und dessen Peanuts und huldigt Robert Crumb als erstem kommerziell erfolgreichen Underground-Zeichner. Er schreibt über Jean Giraud und vermittelt, was dessen Blueberry-Westerncomics so besonders macht, sowie über Girauds Science-Fiction-Alter-Ego Moebius, unter dem er freier und offener arbeiten konnte. Durchaus auch kritische Worte findet er zu Comics mit Musik(er)-Bezug und stellt Titel vor, die noch nicht ins Deutsche übersetzt vorlagen. Im Zuge der Auseinandersetzung mit „Zappaesk“ wird’s etwas hochtrabend und verkopft, ansonsten liest sich alles sehr angenehm und flüssig. Das Adjektiv „skrupulös“ verwendet er aber vielleicht etwas häufig und Schäfer-typisch haben sich wieder ein paar abgefahrene Fremdwörter eingeschlichen.
Mit einigen Zeichnern hat Schäfer persönlich gesprochen, beispielsweise mit Mawil und Kleist – wobei ich dieses Interview bereits aus dem Buch „Alte Autos und Rock’n’Roll. Der rasende Rezensent I“ zu kennen meine. Das darauffolgende zweite Gespräch mit Mawil jedoch war mir, wenn mich nicht alles täuscht, neu. Folgerichtig geht’s mit einem Interview mit Coming-of-age-Zeichner Arne Bellstorf weiter, den ich wohl unbedingt einmal lesen sollte. Dies gilt auch für Adrian Tomine, den mir dieses Buch näherbrachte. Mit Sascha Hommer spricht Schäfer über „Insekt“, bevor er weitere Musik-Comics vorstellt. Schäfer las Walter Moers‘ „Der Bunker“ ebenso wie „Phineas & Ferb“ und bespricht Ulli Lusts Comicadaption des Zweiter-Weltkrieg-Romans „Flughunde“. Über Tardis Kriegscomics lässt er sich ebenso aus wie über diverse auslandskorrespondistische Reportage-Comics und Howard Cruses in den 1960ern angesiedelten „Stuck Rubber Baby“ über Homosexualität und Rassismus in den USA sowie die erkämpften Veränderungen. Craig Thompsons Werk und „The Walking Dead” schließen das Büchlein ab.
Zum Thema des jeweiligen Kapitels werden Rezensionen anderer passender Werke eingeschoben, einige Schwarzweiß-Abbildungen peppen die Textsammlung auf. Dieser merkt man den Essay-Sammelbandcharakter an, als roter Faden zieht sich aber – wie üblich – Schäfers ehrliches Interesse und persönliche Begeisterung für die Gegenstände seiner Betrachtungen durch die Kapitel und Seiten. So erweitert sich auch der eigene Horizont beim Lesen, bekommt man doch einen Eindruck davon, welch breites Spektrum die Comicwelt bereithält und wie unterschiedlich die jeweiligen inhaltlichen Ansätze sein können. Der eine oder andere Comic-Tipp fällt dabei in jedem Falle ab.












Ein Kuriosum meiner Comicsammlung: Peter Bursch, Musiker und mit seinen zahlreichen Lehrbüchern „Gitarrenlehrer der Nation“, veröffentlichte zusammen mit seiner Frau Marita und dem Zeichner Kim Schmidt im Jahre 1996 dieses rund 50-seitige, vollfarbige Softcover-Comicalbum im Kieler Achterbahn-Verlag.
Der gebürtige Passauer Günter Ohnemus ist Schriftsteller und Übersetzer englischer Literatur ins Deutsche. Im Jahre 1982 veröffentlichte er seine erste Prosa „Zähneputzen in Helsinki“ im MaroVerlag, von der mir ein Exemplar der dritte Auflage der Neuausgabe vorliegt. Frank Schäfer hatte irgendetwas darüber in
Die deutsche Ostseeinsel Hiddensee war für mich schon lange ein kleiner Sehnsuchtsort. Da traf es sich gut, im Fundus meiner Großmutter auf dieses Buch zu stoßen, das ich auf meiner im Frühjahr endlich angetretenen Reise in den Hiddenseer Kurzurlaub zu lesen begann und gemütlich in der Pensionskoje liegend beendete – schräg gegenüber übrigens ein Buchhandel, der historische Hiddensee-Bücher führt und unter anderem eben dieses im Schaufenster ausliegen hatte.