Günnis Reviews

Datum: 20. September 2008

DIE PARASITEN – WAT FOTT ES, ES FOTT… CD

(www.dieparasiten.net) / (www.antirockstar-industries.com)

Obwohl nach drei EPs und einem Album schon die fünfte Veröffentlichung dieser Kölner Fast-All-Girl-Combo, höre ich mit der neuen Platte zum ersten mal von den PARASITEN – und bin überrascht! Supergeil produzierter, rockiger, poppiger deutschsprachiger Punkrock mit einer VERDAMMT GEILEN weiblichen Stimme! Sängerin rAff kann richtig gut und vor allem kraftvoll singen (besser als „Deutschrock“-Trullas á la Christina Stürmer und Konsorten), aber auch rotzig oder aggressiv klingen und variiert perfekt, jeweils passend zur Musik, die größtenteils recht flott, aber extrem eingängig ist und so manchen Ohrwurm zu bieten hat. Zusätzlich aufgelockert wird das Ganze mit vereinzelten Saxophon und Klaviereinsätzen. Und keine Sorge: Die trotz des Albumtitels glücklicherweise nicht in Mundart vorgetragenen Texte sind gänzlich unpeinlicher, meist persönlicher Natur und überschreiten eigentlich lediglich bei „Gefunden“ ein wenig die Grenze zum Kitsch. Ist aber nicht schlimm, denn gleich der nächste und damit letzte Song lautet „Kein Punk mehr“ und ist ein ganz schönes Brett, das auf ironische Weise Szeneregeln und –zwänge thematisiert, wobei der Ausbruch aus jenen ein Freiheitsgefühl ähnlich dem vom Ausbruch aus der Gesellschaft, der die meisten ja erst in die Punkszene trieb, erzeugen kann. Die Band scheint wenig Wert auf Etiketten zu legen und ich gehe davon aus, dass es ihr ziemlich Schnurz sein wird, ob man sie nach diesem Album dem Punkrock, dem „Deutschrock“ oder dem radiotauglichen Pop zuordnen wird. Die Texte sind im Booklet nachzulesen, aufgrund der lupenreinen Produktion aber sehr gut zu verstehen. Zehn Songs in 35 Minuten, Anspieltipp: „Kein Plan“. Tolle Band, tolle Platte! 2. Günni

TAUGENIX #6

(www.taugenix-fanzine.de)

In Zusammenarbeit mit Nix-Gut-Jürgen schmeißt Chefredakteur und ALARMSIGNAL- bzw. CHRISTCORE-Musiker Steff eine neue Ausgabe seines Magazins zur Rettung des „Deutschpunk“ auf den Markt, in dem es diesmal Interviews mit den ÄRZTEN (ok), DIE BILANZ (ok), THE SECRETAREES (sehr interessant), MUFF POTTER (sehr kurz) und KNOCHENFABRIK (lustig), den uralt-Fun-Punks von RUDOLFS RACHE (auch recht interessant), NI JU SAN (Peinlich. „Für mich ist das Fräulein Roth mehr Punk als Campino es je sein wird.“ Jungs, ich glaube, wir haben grundsätzlich unterschiedliche Ansichten von „Punk“…) und außerdem die übliche Mischung aus guten bis weniger guten Kolumnen (gut ist alles, was Rübi schreibt), alten Bands/Platten (diesmal mit HIGHZUNG) Copy/Paste-Politik- und Tierrechtskram, Neuigkeiten/Terminen, unkritischen Reviews und komplett Überflüssigem wie Rezepten und Foto-Comics zu lesen gibt. Hervorheben möchte ich noch den interessanten Artikel zur Schwaben-Türkei-Connection der FORBIDDEN KINGS/PRODUZENTEN DER FROIDE, der in diesem Zine allerdings etwas fehl am Platze scheint. Wie üblich wird ein großer Teil des Hefts dafür aufgebracht, die größtenteils ziemlich belanglosen Bands der beigefügten CD vorzustellen/zu bewerben; darüber hinaus feiert man die eigene „Taugenix-Tour“ in einem ausführlichen, mehrseitigen Tourbericht ab, der von verschiedenen Mitgliedern der verschiedenen Bands geschrieben wurde, die sich allesamt gegenseitig Zucker in den Arsch blasen. 3.- Deutscheuro am Kiosk. Günni

BÖWLRIDER – BIG ROCK MOUNTAIN HIGHS CD

(www.risingrecords.co.uk) / (www.bowlrider.co.uk)

Schweinerock mit tiefen Gitarren, bollerndem Bass und erdigem bis überdrehtem Wechsel-Gesang verschrieben sich BÖWLRIDER aus Brighton und versuchen, jegliche Innovationen, die es seit den 70ern gegeben hat, geflissentlich zu ignorieren – zumindest laut Promo-Wisch. Trotzdem covert man mit „In ’N’ Out Of Grace“ einen Song von MUDHONEY und kommt meines Erachtens durchaus frisch und unverbraucht rüber. Die basslastige Produktion klingt dann für mein ungeübtes Ohr auch eher nach Moderne denn künstlich auf alte Kacke getrimmt. Keine verkehrte Platte, die sich für Fans solcher Mucke ganz bestimmt lohnen wird. Sowohl Fetthaarrocker- als auch Punk’n’Roller-kompatibel. Texte sind leider keine abgedruckt, dafür gibt’s Fotos und Infos zu den Bandmitgliedern. 13 Songs in ca. 58 Minuten inkl. eines mehr oder weniger versteckten Bonus-Live-Tracks, Anspieltipp: „Rhino Rhide“. Ohne Wertung. Günni

RAUMSCHIFF WUCHERPREIS 23

(www.scumfuck.de)

Gesundheitsbedingt erklärt Willi Wucher die Nummer 23 zur letzten Ausgabe seines Raumschiffes Wucherpreis – schade, aber durchaus nachvollziehbar. Wie üblich handelt es sich um eine Art aufgemotzte Scumfuck-Verkaufsliste, d.h., die erste Hälfte besteht aus dem redaktionellen Teil, die zweite Hälfte ist dann dem Kommerz gewidmet. Dafür ist das Raumschiff gratis zu haben und kommt diesmal, zumindest in Teilauflage, edel gebunden statt geheftet daher. In Willis persönlichen Beiträgen spielen natürlich seine Herzinfarkte und sein Umgang damit eine große Rolle und ich möchte ihm an dieser Stelle ausdrücklich alles Gute und noch ein langes, erfülltes Punkrock-Leben wünschen! Aber da mache ich mir keine Sorgen, schließlich schwor er ja Stein und Bein, dass es ihn und das restliche Gesocks ewig geben wird. Ansonsten gibt’s ein sehr interessantes, klärendes Interview mit Zoni bzgl. seines Ausstiegs bei den VERLORENEn JUNGS und der Gründung seiner neuen Band LOST BOYZ ARMY, Huesch von den ATOMSPIONEn berichtet Schauermärchen aus seinem Proberaum, der gleichzeitig Raum für die halbe Ruhrpottszene zu sein scheint, die BRIGADE S. plaudert über ihre neue Platte, HSV-Christian besuchte das RAZORS-Jubiläumskonzert sowie COCK SPARRER und die SEX PISTOLS in England (!) und nimmt den Song „If The Kids Are United“ amüsant auseinander, die PÖBEL-Crew war eingeladen zur Chaostage-Trailer-Release-Party (oder so) und es gibt natürlich reichlich Platten-, Zine- und DVD-Besprechungen. Würdige letzte Ausgabe eines Zines, das einige Höhen und Tiefen durchlebt hat und das ich eigentlich viel zu selten las. Günni

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