Günnis Reviews

Monat: Februar 2010

V.A. – ES LEBE DER PUNK VOL. XII CD

(www.nix-gut.de)

Ein weiterer „Deutschpunk“-Labelsampler aus dem Hause Nix Gut mit Bands wie FREIBEUTER AG, NI JU SAN, ALARMSIGNAL, DIE GEFAHR, KONDOR, LÜKOPODIUM etc., der viel belanglosen Durchschnitt, ein paar Ausflüge in formvollendeten Stumpfpunk (ZECKENTERROR, ABFLUSS) und ganz wenige Highlights (wenn überhaupt) bietet. Meilenweit entfernt von der Qualität anderer Labelsampler und erst recht von Kult-Samplern aus deutschen Landen, wie man sie von früher noch kennt. Überflüssig. 20 Songs in 63 Minuten. Günni

POPPERKLOPPER – WAS LANGE GÄRT, WIRD ENDLICH WUT! CD

(www.nix-gut.de) / (www.popperklopper.com)

Die Herren POPPERKLOPPER blicken mittlerweile auch schon auf ein über 20-jähriges Bestehen der Band zurück und haben sich auf ihrem neuen Longplayer weitestgehend vom ruppigen HC-Punk, wie ich ihn von alten Platten noch im Ohr habe, verabschiedet. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich keines der jüngeren Erzeugnisse der Band so wirklich kenne und daher nicht beurteilen kann, ob hier ein radikaler Stilwechsel vollzogen wurde oder es sich um eine „natürliche Weiterentwicklung“ handelt; ich tendiere aber zu Letzterem. Den Gesang jedenfalls übernimmt immer noch das mir vertraute raue Organ, und jenes trägt die ausgewogen sozial- und kapitalismuskritischen und persönlichen Texte, z.B. über Drogenabhängigkeit und Liebeskummer, schön abwechselnd in deutscher und englischer Sprache vor, während der Rest der Band eine Mischung aus klassischem ’77-Punkrock und Streetpunk zelebriert und dabei insgesamt mehr Wert auf Melodie als auf Aggression legt. Das Album läuft ohne Ausfall, aber auch ohne allzu große Aha-Momente durch; eine grundsolide Angelegenheit, die mir bisweilen aber etwas zahm erscheint. Bei „Up In The Smoke“ kommt ein schönes Rock’n’Roll-Klavier zum Einsatz, in diese Richtung hat man sich also auch geöffnet. Gecovert werden THE BOYS mit „Contract Hustle“ und THE HEARTBREAKERS mit „One Track Mind“. Leider ist die Reihenfolge der Songs gegen Ende durcheinandergeraten und stimmt nicht ganz mit der auf dem Digipak angegebenen überein. Der eigentliche Hammer ist für mich hingegen das „Booklet“, das hier in Form einer Art Zeitung, „Der Popperklopper“, im Posterformat mit viel Humor und Liebe zum Detail gestaltet wurde. Das ist wirklich mal was Anderes und sehr gelungen! Zusätzlich enthalten ist darüber hinaus ein professionelles, vier Songs umfassendes Live-Video vom „Resist To Exist“-Festival 2008 in guter Qualität. 15 Songs in 43 Minuten. 3. Günni

05.02.2010, Trabrennbahn, Hamburg: IN VINO VERITAS + CUTTING EASTSIDE CREW + STULLE & DAVID

Ich war Freitag an der Bahrenfelder Trabrennbahn bei IN VINO VERITAS + CUTTING EASTSIDE CREW + STULLE & DAVID

Eigentlich sollten auch noch DOGS ON SAIL spielen, mussten aber auch dieses Trabrennbahn-Konzert leider absagen, weil Flo erkrankt war. Aufgrund der Kurzfristigkeit der Absage war es nicht mehr möglich, für Ersatz zu sorgen, weshalb der Eintrittspreis gesenkt wurde.

Um das Ende des St.-Pauli-Spiels abzuwarten, wurde erst relativ spät begonnen, was zur Folge hatte, dass ein guter Teil des Publikums bereits einen beachtlichen Alkoholpegel aufwies. Stulle (Dogs On Sail) und David (Grølbüdels) machten den Anfang mit einem Akkustik-Set, alberten herum, coverten u.a. „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ von den Kassierern und irgendwat von Joint Venture, was begeistert vom Publikum aufgenommen wurde („Joint Venture ist Skinhead Rock’n’Roll!“). Es folgten die, wie ich sie gerne nenne, Spinal Tap des Oi!-Punk In Vino Veritas, die ein tolles Party-Set ablieferten, vor guter Laune sprühten und mit Pogo und Gegröle bedacht wurden. Sehr schöner Auftritt! Endgültig den Rest gab mir dann die Cutting Eastside Crew, eine neuere Rostocker HC-Band mit Leuten der Meck-Pommer-HC-Institution Crushing Caspars, deren Sound, wie übrigens bei allen Interpreten heute abend, live super druckvoll und nahezu perfekt abgemischt rüberkam und mich zum exzessiven Tanzbeinschwingen zwang.

War mal wieder ein toller Abend mit sympathischen Bands und ebensolchem Publikum, eine komplett stressfreie alkoholgeschwängerte Party.

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