Günnis Reviews

Monat: Januar 2010

FOIDAL – THE SPIRIT OF 1669 CD

(www.kb-records.com) / (www.myspace.com/foidal)

FOIDAL ist wohl so etwas wie die Nachfolgeband der Hallenser Asi-Punkband SÜFFIG-WÜRZIG, die sich neben einem neuen Namen aber auch gleich mal ein neues Konzept geleistet hat: Man gibt sich ganz „foidal“ dem Spirit der Aristokratie des 17. Jahrhunderts verpflichtet und macht einen auf Monarchie-Freaks. Und was diese einem bieten, würde ich mal grob als Mischung aus RAUSCHANGRIFF (Mucke, Stimme) und KNORKATOR (Texte) bezeichnen. Die Songs heißen „Schimpfe Oi“, „Badehose“, „Reneeboy“ (!), „Candlelightdöner“ oder auch „Wallhalla la la long“, wobei letzterer eine eigenwillige Coverversion des schweinischen Pop-Reggae-Hits von INNER CIRCLE ist. Spätestens da war ich der Band erlegen, das muss man mal gehört haben! Funpunk mit abgefahrenem Humor, der gut bei mir ankommt und mit seinen simplen, ungehobelten Riffs wesentlich erfrischender klingt als das xte Klischee-Oi!-Brett. Aufgelockert wird das Ganze durch kurze Samples u.a. aus Monthy-Python-Filmen, einem aus SYMARIPs „Skinhead Girl“ entlehnten Ska-Part (bei „Reneeboy“), nach Mittelalter klingenden Instrumenten bin hin zu Gejodele („Divisionen nach Bavaria“), was RAUSCHANGRIFF allein schon aufgrund ihrer Herkunft aber wesentlich besser beherrschen. Schade nur, dass die Texte im absichtlich potthässlich gestalteten Booklet nicht abgedruckt wurden. Ich würde die Band sofort als Hofnarren engagieren! 13 Songs in 41 Minuten. 2. Günni

DIE BONKERS – KEINE GNADE SAUFGELAGE CD

(www.burnout-records.net) / (www.myspace.com/bonkerscrew)

Punkiger Party-Schweine-Rock’n’Roll von ein paar trinkfesten Jungs aus Rostock mit ordentlich Spaß inne Backen. Fast jeder Song dreht sich ums Saufen, insofern kann man durchaus von einem Konzeptalbum sprechen. Ist live bestimmt ein Kracher, aber auch die Platte kann sich hören lassen. Nette Partymucke für Besäufnisse, nüchtern allerdings nicht ganz einfach zu ertragen – was aber in der Natur der Sache liegt. Erwähnenswert ist in jedem Falle noch die Neuinterpretation von TORFROCKs „Rollo der Wikinger“, woraus kurzerhand „Bonkers aus Rostock“ wurde. Booklet mit allen Texten, 13 Songs + In- und Outro in 52 Minuten. Ohne Wertung. Günni

THEKENPROMINENZ – AUF EIN WIEDERSEHEN CD

(www.kb-records.com) / (www.thekenprominenz.de.vu)

Aus der östlichsten Stadt Deutschlands, Görlitz, beehrt uns die THEKENPROMINENZ mit ihrem Debütalbum. Die vier Skins spielen typischen deutschen Oi!-Punk, dessen Texte sich um Themen wie Party, Freundschaft und Rache und Humoristisches drehen und die ich jetzt als nicht allzu gehaltvoll bezeichnen würde. Man hat aber viel Spaß bei der Sache und legt musikalisch ein souverän gespieltes Oi!-Punk-Brett härterer Gangart á la LOIKAEMIE hin. Der Gesang klingt mir allerdings etwas zu aufgesetzt hart. Wer immer noch nicht genug von prolligem deutschen Oi! hat, sollte ruhig mal reinhören. Die Band zählt zunächst nur lokal zur A-Prominenz, ist aber sicherlich noch steigerungsfähig. Das Booklet wurde mit seinen vielen Fotos und allen Texten grafisch sehr angenehm gestaltet, aber wie viele Plattencover mit am Tresen sitzenden Skins gibt es mittlerweile eigentlich…? Elf Songs in 36 Minuten, Anspieltipp: „Der Osten rockt“. 3-. Günni

JUNGE RÖEMER – DEKUBITUS PROPHYLAXE CD

(www.myspace.com/jungeroemeronline)

Von den österreichischen JUNGEn RÖEMERn mit der eigenartigen Schreibweise hatte ich bislang nur dann und wann was in Fanzines gelesen, wurde darüber hinaus aber nie mit ihnen konfrontiert. Diese musikalische Bildungslücke kann nun auch geschlossen werden, da mir der neue Tonträger der drei Jungs vorliegt. Gespielt wird ziemlich punkiger Streetrock, der sehr gut, aber nicht überproduziert wurde. Musikalisch ist das eigentlich ganz lecker, einige Refrains sind verdammt gelungen und ohrwurmtauglich und die angenehme Stimme des Sängers verfügt über Wiedererkennungswert. Textlich ist das aber alles ziemlich ernst und humorlos ausgefallen. Man versucht, poetisch zu klingen, stolpert mitunter aber ganz schön durch die Sprache. Inhaltlich gibt man sich gesellschafts- und systemkritisch, aber auch persönlich und nachdenklich. Ich weiß nicht, über wie viele Platten man genau das schreiben kann, aber so ist’s nun mal. Gewisse Allgemeinplätze hängen aber auch selbst mir Pathoserprobtem langsam aber sicher irgendwie zum Hals raus, solange sie sich nicht durch irgendwelche Besonderheiten von der Masse abheben. Ok, man merkt den nicht mehr ganz JUNGEn RÖEMERn schon an, dass sie sich Mühe gegeben haben, was sich allein schon an der Länge so manchen Textes bemerkbar macht – trotzdem setzen diese sich nicht wirklich fest und rauschen bei vielen Songs eher an mir vorbei. Am prägnantesten ist da sicherlich „Justitia“, ein Song, der zur Lynchjustiz an Sexualstraftätern aufruft. Je mehr so ein Song danach klingt, nicht wütend aus dem Bauch, sondern berechnend aus dem Kopf heraus zu kommen, desto skeptischer macht mich so etwas. Mit seinem musikalisch genialen Refrain ist „Justitia“ aber dennoch mein Highlight des Albums – so widersprüchlich das jetzt auch klingen mag. Ebenfalls sehr gelungen, wenn auch etwas poppig (hab ich da ein Keyboard rausgehört?) klingt „Wie früher“ und mit „Schlafe, wenn du tot bist“ gibt’s dann auch noch einen Text, der mir wirklich gut gefällt. Das Digipak im „Stempelcover“-Look ist sehr schlicht geraten und im Booklet sind alle Texte inkl. leider vieler Rechtschreibfehler abgedruckt. Elf Songs in 39 Minuten. 3. Günni

DROP OUT CHAOS – KALT UND DRECKIG CD

(www.burnout-records.net) / (www.drop-out-chaos.de)

Drei Jahre nach ihrem Debüt „Lebenslänglich“ legen die Berliner um Profiboxer Dennis Rosendahl mit „Kalt und dreckig“ einen nach und das erste, das auffällt, ist die deutlich bessere, wenn auch zu basslastige Produktion, der allerdings auch etwas der ruppige Charme der alten Aufnahmen abgeht. Ebenfalls auffällig ist die musikalische Weiterentwicklung, die zwar immer noch voll und ganz in die Streetrock-Kerbe schlägt, aber klingt, als wären die Jungs noch souveräner im Beherrschen ihrer Instrumente geworden und hätten einen metallischeren Einschlag. Und, mein lieber Scholli, Dennis klingt noch stärker nach ONKELZ-Sänger Kevin Russell als zuvor, verhaut dafür aber das Intro von „Straße“ durch ziemlich schiefen Gesang. Textlich halten sich wie auch schon beim Vorgänger die prolligen Songs und die nachdenklichen, traurigen Inhalte in etwa die Waage, jedoch sind die auf textliche Härte getrimmten und pathosgetränkten Proll- und Gewaltsongs hier so dermaßen übertrieben ausgefallen, dass sie alle anderen in den Schatten stellen. Ich weiß nicht, ob sich die Band mit der Glorifizierung ihres „Streetfighter-Lifestyles“ mit Texten wie „Wir koksen, saufen, hauen dann alles platt (…) Hier gibt’s nichts für kleine Strapsboys“ (aus „Streetfighter“) oder „Einmal Hardcore, immer Hardcore (…) Ich knall Dich weg (…) Ich bin ein Junge von der Straße / Und ich hab hier viel gelernt / Wer Fotze spielt, der kriegt eine harte Strafe“ (aus „Ich knall Dich weg“) einen Gefallen getan hat. Ich möchte nämlich nicht wissen, welche Flachzangen so ein Zeug ernst nehmen und zugekokst durch die Gegend rennen, um Schwächere zu verprügeln. Am harmlosesten ist da noch das stumpfe Ficklied „Zier Dich nicht“ („Ficken, ficken, ist alles was ich kann / Ficken, ficken, ist alles was ich will“). Die persönlichere, sentimentale Schiene bei Songs wie „Anders als ihr“, „All meine Liebe“ oder „Auf der Suche nach dem Glück“ gehen da einfach unter – was aber auch daran liegt, dass nicht alle so gelungen sind wie z.B. „Warum ich mich hasse“ oder „Sterben gehen“ vom Erstling. Andererseits ist ein Song wie „Streetfighter“ offensichtlich eher als humoristische Reflektion der Reaktionen auf die Band gedacht, sozusagen ein Spiel mit dem Klischee – welches gleich im übernächsten Song aber selbst kräftig bedient wird. Am besten ist meines Erachtens „Hurrikan“ gelungen, ein starker Song über persönlichen Freiheitsdrang. Mein Fazit: Textlich ein zweischneidiges Schwert, musikalisch aber wahrlich nicht von schlechten Eltern – obwohl mir das raue Debüt mit seinem scheppernden Schlagzeug besser gefiel. Ein richtiger Griff ins Klo ist aber das schlimme Poser-Cover geworden. Würde ich die Band nicht kennen, würde ich allein schon wegen eben jenem die Platte niemals anrühren. Das Booklet inkl. aller abgedruckten Texte wurde hingegen wirklich ansprechend gestaltet. Elf Songs in 42 Minuten. 3. Günni

SCHARMÜTZEL – FORWARD INTO WAR CD

(www.bandworm.de) / (www.scharmuetzel.info)

Die Baden-Württembergische Skinhead-Combo SCHARMÜTZEL treibt ja nun schon seit einiger Zeit wieder ihr Unwesen und mit ihrem neuen Werk „Forward Into War“ landet auch endlich mal ein Longplayer der Band bei mir. Der kommt im verdammt schicken Digipak mit 24-seitigem Booklet mit allen Texten und zahlreichen Illustrationen. Wie anscheinend im Hause SCHARMÜTZEL üblich wird sowohl auf deutsch als auch englisch gesungen und zudem viel Wert auf Abwechslung gelegt. Hier folgt ein metallischer, aggressiver Oi!-Song auf stampfendes Midtempo, ein punkigeres Stück auf ein balladeskes und sogar Folk-Einflüsse (z.B. mit der Schottenhymne „Flower of Scotland“) finden sich auf dem Album ein. Man legte Wert auf eine zeitgemäße Produktion, bei der zwar der Bass gut aus den Boxen bollert, das Schlagzeug aber für meinen Geschmack gerne etwas knalliger abgemischt hätte werden können. Textlich gibt man sich klassenkämpferisch (ich habe nicht mitzählen können, wie oft der Begriff „Working Class“ bemüht wurde) und sozialistisch, allerdings ohne in linke Klischees zu verfallen. Außerdem wird die eigene Szene (nicht nur positiv) besungen und auch persönliche Anklänge finden sich. In „The Invisible“ werden Verschwörungstheorien („WTC was an inside job“) wiedergekäut, was ich in dieser Form dann doch etwas befremdlich finde. Schlecht ist die Platte nicht, mir mit seinen 18 Songs (+ In-/Outro) in satten 59 Minuten Laufzeit aber zu lang. Das Weglassen einiger schwächerer oder thematisch sehr ähnlicher Songs hätte das Album gut straffen und ihm zu einem insgesamt besseren, homogenen Eindruck verhelfen können. Auf Balladen wie „Love Is Dead“ komme ich überhaupt nicht klar, aber die Schnulze „To Die For“ mit ihrem galoppierenden Rhythmus ist klasse und das folkige „Tribute To The Working Class“ ebenfalls großartig. So einen Sound hört man von einer deutschen Oi!-Band nicht alle Tage. Mein Anspieltipp aber lautet: „Having A Laugh“. 3. Günni

David Gilmour – Unser allerbestes Jahr

gilmour, david - unser allerbestes jahrEltern sind auch nur Menschen. Und was macht man mit einem Sohn, der nicht mehr in die Schule gehen möchte? David, der Vater, schlägt Jesse einen ungewöhnlichen Handel vor: freie Kost und Logis, aber drei Filme pro Woche. Von Truffaut über Hitchcock bis hin zu „Basic Instinct“. Nachmittage und Abende gemeinsam auf dem Sofa. Kein Kurs in Filmgeschichte, sondern viel Zeit zum Reden über falsche Freundinnen, die richtigen Fehler, verlorene und gefundene Liebe. Und darüber, wie lebenswichtig Leidenschaft ist.
Ein wahres und weises, zärtliches und urkomisches Buch über gebrochene Herzen und gelungene Beziehungen und darüber, dass Erwachsenwerden nichts mit dem Alter zu tun hat.

Bekam ich letztes Jahr geschenkt. Positiv: Das Anschauen von Filmen wird hier nicht als dämliche Zeitverschwendung dargestellt, sondern von einem leidenschaftlichen Film-Fan und -Kritiker als interessante und mitunter sogar lehrreiche Freizeitgestaltung beschrieben. Und im pubertierenden Sohn vermag man sich mitunter durchaus wiederzuerkennen, denkt man an seine eigene Jugend zurück. Darin liegt aber auch schon der Knackpunkt: Was diesem widerfährt, ist die meiste Zeit ziemlich unspektakulär. Er entspringt einer Mittelklasse-Familie, die sich gleich höchst besorgt zeigt und über jeden Scheiß mit ihm redet. Das offene Verhältnis, das er zu seinem Vater, der das Buch aus der Ich-Perspektive schreibt, hat, ist eines, von dem viele andere nur träumen können und mir persönlich viel zu weit ginge. Denke ich an meine eigene Jugend zurück, in der es wesentlich drunterer und drüberer ging, habe ich für die hier beschriebenen Problemchen nur ein müdes Lächeln übrig, und so plätschert die eigentliche Geschichte vor sich hin. Vielleicht müsste man auch selbst Vater sein, um dem Ganzen mehr abgewinnen zu können. Nichtsdestotrotz sind im Nachhinein betrachtet viele Tipps, die der Erzähler für seinen Sohn parat hat, sicherlich nicht verkehrt. Am interessantesten waren für mich aber die vielen Filmtipps, die man diesem Buch entnehmen konnte. Aufgrund des sehr einfach gehaltenen Schreibstils liest sich die Schwarte sehr schnell.

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