Günnis Reviews

Monat: November 2010 (page 2 of 2)

V.A. – DRUSHB ANTIFA – FIGHT LOCAL RESIST GLOBAL CD

(www.true-rebel-records.com)

Immer wieder hört man von ganz übler Scheiße, die in der ehemaligen Sowjetunion abgeht: Ausgerechnet im Staat, der seinerzeit bei der zum Glück erfolgreichen Bekämpfung Hitlers und seiner verbrecherischen Nazi-Schergen die meisten Opfer der Alliierten zu beklagen hatte, ermorden hirnverbrannte Neonazis Menschen, die nicht in ihr abartiges Weltbild passen und verbreiten ein Klima von Schrecken und Einschüchterung. Aus diesem Grunde veröffentlichte das engagierte Hamburger Label True Rebel Records diesen Solidaritäts-Sampler, der mit satten 22 Songs und über einer Stunde Spielzeit vollgepackt ist mit vornehmlich deutschen und russischen Bands aus dem Punk-, Oi!- und Hardcore-Bereich. An für uns vermutlich bekannteren Namen beteiligten sich u.a. WHAT WE FEEL, LOIKAEMIE, STAGE BOTTLES, EIGHT BALLS, SMALL TOWN RIOT, SS-KALIERT, JESUS SKINS und SMEGMA und setzen damit unmissverständliche Zeichen. Und auch musikalisch kann sich dieser Sampler hören lassen, er enthält einige astreine, kämpferische Hymnen, ein paar Obskuritäten und andere Musikrichtungen sorgen für Abwechslung und die eine oder andere russische Band lässt sich natürlich ebenfalls für sich entdecken. Mit diesem Sampler soll allerdings nicht nur auf die beschissene Situation in Russland hingewiesen, sondern auch Geld für die Freunde vor Ort erwirtschaftet werden, weshalb ich hiermit dazu aufrufe, die CD zu ordern. Sie befindet sich im Vertrieb von Broken Silence, kann aber auch direkt bei True Rebel Records per E-Mail an chef@true-rebel-records.com oder frankiertem Rückumschlag an True Rebel Store, Große Bergstraße 193, 22767 Hamburg für 10,- EUR bestellt werden. Das Booklet enthält einen Infotext zum Hintergrund des Samplers in drei Sprachen. Definitiv eine unterstützungswerte Aktion. 1. Günni

BILLY RÜCKWÄRTS – IM MÄRCHENWALD CD

(www.billyrueckwaerts.de)

Gnadenlos Crazy-United-inkompatibles Zeug, das mir hier auf einer vier Songs umfassenden Vorab-CD dieser seltsamen Studentencombo vorliegt. Irgendwie ganz seltsame, alternative, deutsche Folklieder oder sowas mit Mandoline, Akkordeon etc., das ich gar nicht näher typisieren kann. Ziemlich nichtssagend und harmlos. Dafür hat man aber gleich eine knapp eineinhalbseitige Bandbiografie beigelegt. Kann ich nichts mit anfangen und das wird vermutlich auch keiner unserer Leser. Keine Ahnung, wie sich das hierher verirrt hat. Vier Songs in 15 Minuten. Ohne Wertung. Günni

SMALL TOWN RIOT – SUICIDAL LIFESTYLE CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.myspace.com/smalltownriothamburg)

Nach dem großartigen “Selftitled”-Album von vor zwei Jahren legen SMALL TOWN RIOT aus Hamburg und Umgebung ihren dritten, nach einem Zitat von ICE-T (!) betitelten Longplayer nach. Die Songs erscheinen nach dem ersten Hören etwas weniger abwechslungsreich, dafür poppiger als auf dem Vorgänger, sie gehen SOFORT ins Ohr und setzen sich dort fest. Selten eine so dermaßen eingängige und dabei trotzdem nicht glatt polierte Punkplatte gehört. Bei näherer Auseinandersetzung mit den lesenswerten, diesmal ausschließlich englischen Texten wird allerdings schnell deutlich, dass die teils fröhlichen Melodien der Untermalung von fatalistischen, verzweifelten, nachdenklichen Inhalten dienen, die der eigenen Orientierungslosigkeit, Unzufriedenheit und Widersprüchlichkeit selbstkritisch Ausdruck verleihen. Also quasi „gute Mine zum bösen Spiel“, wenn man so will. Mit „Bad Taste In Our Big Mouth“ hat es dann auch ein ziemlich hardcorelastiger Song auf die Platte geschafft, inkl. einem klasse Refrain. Ab diesem Punkt wird das Album wütender und angepisster bzw. auch musikalisch „ernster“ und härter. Ein ganz großes Plus der Band ist immer noch der Wechselgesang zwischen Gitarrist Norman und Drummer Timo, die sich nach wie vor ganz hervorragend ergänzen. Man beherrscht melodischen Gesang ebenso wie die Kelle Dreck und Aggression. Einer der größten Ohrwürmer dürfte „Cry Out“ sein, ein melancholisch angehauchter Song mit Hitgarantie. Beim ruhigen „Meaning Of Life“ kann Norman mal so richtig zeigen, was für ein überaus fähiger Sänger er ist, denn der steht hier im Vordergrund. „Falling Apart“ wiederum ist eine rasante Melodic-HC-Nummer geworden, die mich an den Sound von den SATANIC SURFERS oder VENERA erinnert. Bassist Rock’n’Rolf, der noch auf „Selftitled“ den Viersaiter bediente, wurde übrigens kurz nach Veröffentlichung jenes Albums durch Heiko Billy ersetzt, so dass die Band auch in dieser Besetzung längst ein eingespieltes Team ist. SMALL TOWN RIOT haben es mit „Suicidal Lifestyle“ erneut geschafft, ein Album mit verdammt hoher Hitdichte und ohne einen einzigen Ausfall zu veröffentlichen, so dass ich gar nicht anders kann, als die Höchstnote zu zücken. Zu bemängeln ist lediglich die kurze Spielzeit, zumal ich weiß, dass man noch einige Hits auf Vorrat hat, die darauf brennen, endlich veröffentlicht zu werden. Im schicken Booklet gibt’s alle Texte und viele Fotos und das Cover ist auch wieder ein echter Hingucker geworden. Schönes Ding, Jungs! 13 Songs in 39 Minuten. 1. Günni

DATENSTAU – GIFT-EP CD-R

(www.datenstau.net)

Die „Gift-EP“ dieser Band aus Mittelreidenbach (woher?) ist einfach eine CD-R mit den vier Songs, die kostenlos auf der Website der Band heruntergeladen werden können. Und das solltet ihr evtl. wirklich mal tun, denn die Songs im gut abgemischten und der Band gut zu Gesicht stehendem Lo-Fi-Soundgewand überzeugen mit rauerem, melodischen Punkrock in englischer Sprache und einigen ohrwurmverdächtigen Momenten. Das Tempo wird auch gern mal etwas angezogen, was ebenfalls gut rüberkommt. Und Gitarre spielen kann man definitiv, wie z.B. das Solo in „Won’t find a tear“ beweist. Bei „Tonight“ hingegen sticht der Gesang heraus, wenn er aggressiver wird. Wer Bands wie z.B. SMALL TOWN RIOT mag, wird bestimmt auch hieran Gefallen finden. Gebt der Band eine Chance! Vier Songs in 13 Minuten. 2. Günni

OIRE MUTTER – MUTTERTAG Demo-CD

(www.oiremutter.de)

Ehemalige Mitglieder von NON CONFORM, RAUSCHANGRIFF und FLUTWELLE gründeten zusammen mit einem gewissen Chris an Gesang und Gitarre diese deutschsprachige Oi!-Band, die nun eine Demo-CD fertiggestellt hat. Stampfende Midtempo-Songs mit Ufta-Drums und Klischeetexen. Aufhorchen lässt aber „Geschichten aus der Kurve“, der bereits auf einem Ultras-Soli-Sampler zu hören war, sich gegen Faschos und Bullen in der Fußball-Fankurve ausspricht und mit einem „Fußballfans sind keine Verbrecher“-Schlachtgesang endet. Gar nicht schlecht. Ansonsten ist das aber alles noch ziemlich unspektakulär, aber irgendwie sympathisch. Wer Lust verspürt, unaufgeregten Rumpel-Oi! mit einem gewissen textlichen Niveau anzutesten, bei dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, kann ja mal reinhören. Für eine Bewertung ist es gerade im Vergleich mit ausgereifteren Produktionen glaube ich noch etwas zu früh, gute Ansätze sind aber erkennbar. Sieben Songs + Intro in 19 Minuten. Günni

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