Günnis Reviews

Datum: 27. August 2026

Eric Schreurs – Hein Jammerhauf (Band 1 + 2)

Die Comicfigur mit dem sprechenden Namen Hein Jammerhauf heißt im niederländischen Original Joop Klepzeiker und entstammt der Feder Eric Schreurs‘, der die Funnys ursprünglich für eine holländische Illustrierte anfertigte. Hierzulande erschienen sie in den Jahren 1990 und ’91 im Verlag comicplus+ in Form zweier rund 50-seitiger, vollfarbiger und handgeletterter Softcover-Alben.

Diese enthalten jeweils eine Seite umfassende Erlebnisse des titelgebenden Verlierertypen, der nur mit seinem Hund Harry zusammenlebt. Mit ihren häufig sexualisierten Themen sind diese Comics eher etwas für ältere Leserinnen und Leser. Den Slapstick- und Situationskomik-lastigen Humor empfinde ich als eher durchschnittlich, der stark karikierende Zeichenstil wirkt – passend zu Hein – etwas zittrig. Die dynamische Panelstruktur weiß ebenso zu gefallen wie die erzählerisch pointierte Anordnung des Gezeigten. Schreurs arbeitet mit ein paar wiederkehrenden Figuren wie zwei Nachbarsjungen, die es immer wieder auf Hein abgesehen haben, und einem halluzinierenden Alkoholiker. In seinen Träumen wird Jammerhauf gern zu Superhein, der trotzdem alles verpatzt.

Eine witzige Eigenart stellen die zahlreichen an die Häuserwände gesprühten Parolen dar. Schreurs schien um Zeitkolorit der 1980er-Jahre bemüht und sah sich dafür vorrangig im Urbanen und in der Unterschicht um.

Im Anhang des ersten Bands finden sich ein Kurzporträt Schreurs‘ sowie eine Fotocollage.

Im zweiten Band bauen die eigentlich in sich abgeschlossenen Onepager stärker aufeinander auf, beispielsweise Hein am Strand, Hein auf Freiersfüßen – und die jeweiligen Folgen… Insgesamt erscheint mir Band 2 witziger als Band 1, manches ist in beiden Bänden beim Versuch, provokant zu sein, aber auch schlicht ziemlich niveaulos.

22.08.2026, Tipsy Apes, Hamburg: Tobsucht-Party mit TOBSUCHT + NIXDA! + FREVEL + THORSTEN FEHLT + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

Die seit weiß der Geier wie vielen Dekaden bestehende Buxtehuder Oldschool-Kellerpunk-Institution TOBSUCHT lud auf dem Gelände des legendären Hamburger Metal-Clubs Tipsy Apes im Süden der Hansestadt zur Umsonst-und-draußen-Party mit diversen befreundeten Bands, und wir (DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS) durften mitmachen.

Ich stand im Vorfeld mit TOBSUCHT-Gitarrist Tierchen in Kontakt, der die Organisation federführend am Hut hatte und unter anderem berichtete, dass die noch auf dem ersten Flyer aufgeführten ANTIMATERIE leider ausfallen, man mit einer Combo namens SPAM REPORTS (o.ä.) aber Ersatz gefunden habe. Diese sagten dann aber doch auch wieder ab, sodass „nur“ fünf Bands zum Tanze aufspielten. So 100%ig spielte das Wetter dann leider auch nicht mit. Als die herzallerliebste Jana uns behände vom Proberaum durch den zähflüssigen Verkehr zum Clubgelände chauffierte, kam noch mal ein deftiger Regenschauer runter, von dem wir hofften, es sei der letzte des Tags gewesen. Pustekuchen! Immer wieder sollte Petrus sich melden, mal nur nieselnd, hin und wieder auch doller. Einige, die ihr Erscheinen eigentlich geplant hatten, hatten daher wohl kurzfristig abgesagt, erzählte man mir – dadurch aber eine geile Sause verpasst, an der laut Zählung eines Tipsy-Apes-Silberrückens um die 140 Besucherinnen und Besucher (inklusive Bandmitgliedern) teilnahmen.

Der Eintritt war frei, das gekühlte Bierchen gab‘s mit 2,- EUR zum Taschengeldpreis, die Bratwurst brutzelte auf dem Grill und für die Bands war ein liebevoll gemachtes Catering aus Deluxe-geschmierten und -belegten Brötchen und Salaten am Start. Großartig!

Als wir eintrafen war ich erst mal von der Größe der Bühne überrascht, denn die hatte ich nach meinem bisher einzigen Besuch des Geländes irgendwie kleiner in Erinnerung. Tierchen war noch mit dem Aufbau beschäftigt; zumindest ein Teil wurde per P.A. abgenommen, die Gitarre hingegen direkt aus der Box geblasen. Unser technikversierter Drummer Mike half mit, die Kabel richtig zu verteilen usw., bis irgendwann eine bespielbare Bühne mit amtlichem Sound stand. Mit Flaschenhaltern und -öffnern an den Mikroständern war an alles gedacht. Den Soundcheck führten kurzentschlossen wir aus, da TOBSUCHT entgegen der ursprünglichen Planung nicht als erste Band spielen konnten: die Drummerin war noch verhindert und traf erst später ein. Kein Ding, eröffneten eben wir den Reigen. Mit etwas für Festivalbedingungen zurechtgestutztem Set und noch halbwegs nüchtern servierten wir unser Repertoire und waren anschließend recht zufrieden, da wir von etwaigen selbst- oder fremdverschuldeten Pannen weitestgehend verschont geblieben waren und das Wetter, das den Beginn zuvor noch weiter hinausgezögert hatte, mitspielte.

THORSTEN FEHLT, eine noch relativ junge Band mit, wie ich vor Ort feststellen durfte, meinem alten Bekannten Didi an der Klampfe, zockte dann rustikalen deutschsprachigen Punkrock mit mal ernsteren, mal eher heiteren Texten, der gut rüberkam und Laune machte. Der aufgrund einer Beinverletzung gehandicapte Basser behalf sich mit einem Stuhl. Da sind in jedem Falle kreative Köpfe aktiv und ich bin gespannt, was da noch so kommen wird. Böse Zungen behaupteten, man höre, dass Thorsten fehlt, aber mit diesem Vor Ort aufgeschnappten Gag ging ich der Band schon direkt nach dem Auftritt auf die Nerven.

FREVEL, die ich schon mehrmals gesehen hatte, auch im Rahmen gemeinsamer Konzerte, werden (bewusst) immer metallischer, ihre jüngste Veröffentlichung trägt gar den Titel „Thrash Punk Inferno“. Und übertreibt nicht: Der angriffslustige HC-Punk/Thrash-Crossover mit Tim Terrors deutsche und englische Texte herausbrüllendem, kehligem Gesang macht schwer was her und kam entsprechend gut an. Der Sound war direkt vor der Bühne am besten, wo man auch vorm Regen geschützt war (eine Erkenntnis, die sich nach und nach durchsetzte), die Klampfe orientierte sich viel an klassischem ‘80er-Thrash-Riffing (und beherrschte auch die eine oder andere melodische Passage, die mich gar an alte METALLICA-Großtaten erinnerten), der neue Drummer rührte seine Kessel wie ein Berserker – Killer! Verdientermaßen wurden FREVEL zu einer Zugabe genötigt, derer sie gleich zwei spielten: „No War“ und „Out Of Control“. Während ich früher RAWSIDE als einen der Haupteinflüsse ausmachte, emanzipiert man sich anscheinend immer mehr davon und findet seinen eigenen Brachialsound mitsamt filigraner Einsprengsel, der den kämpferischen Texten gut zu Gesicht (bzw. Gehör) steht.

Ich war nun gut auf Betriebstemperatur, das Bühnenprogramm hinkte dem ohnehin nur grob gesteckten Zeitplan aber weit hinterher – insbesondere die Umbaupausen dauerten länger als geplant. Irgendwann standen dann aber auch NIXDA! auf der Bühne – eine Band, die schon seit geraumer aktiv ist, mir bisher aber seltsamerweise nicht über den Weg gelaufen war. Mittlerweile war es dunkel und ein Lagerfeuer brannte, was ein Plus an Atmosphäre bedeutete. NIXDA! spielen sympathischen deutschsprachigen Punkrock zwischen von klassischem Drei-Akkorde-Songwriting bis melodiebetonten Nummern, die einem im wahrsten Sinne des Wortes Flötentöne beibringen. Den vor einiger Zeit ausgestiegenen langjährigen Sänger Hajo beerbte eine Sängerin mit guter Stimme, die eine andere Klangfarbe einbringt. Leider war die Gitarre zunächst selbst direkt vor der Bühne gar nicht zu hören und das Background-Gesangsmikro des Klampfers ausgeschaltet. Letzteres wurde korrigiert und auch die Gitarre etwas angehoben, so richtig Druck entwickelte sie aber den ganzen Gig hindurch leider nicht. Auch der Hauptgesang hätte ein paar Dezibel mehr vertragen können. Vielen war’s egal; nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne wurde getanzt und gefeiert – denn als die Band die Kinder zum Tanz auf die Bühne bat, hatten diese offenbar nicht mehr so recht Lust, sodass die Eltern kurzerhand den Part übernahmen. Ich musste dabei an die Castingszene aus „Kein Pardon“ denken, in der ein Mädchen mit verschränkten Armen dasitzt und dessen Mutter die Nummer singen muss, haha… NIXDA! würde ich mir mit voluminöserem Sound noch mal ankieken wollen, also mal die Augen offenhalten.

Aufgrund der vorgerückten Stunde und weil sich bei Jana eine Mitfahrgelegenheit auf den Kiez bot, strich ich nun vorzeitig die Segel und verpasste damit leider TOBSUCHT, bei denen ich mich aber noch einmal ausdrücklich für diese schöne Sause bedanken möchte. Das Gleiche gilt für die gastfreundlichen Tipsy Apes und alle, die aufopferungsvoll bei Organisation und Durchführung mitgeholfen haben. Gerne mal wieder!

P.S.: Nicht zuletzt danke allen, die den Arsch hochbekommen und mitgefeiert haben sowie nicht zuletzt Jana fürs Fahren und die Schnappschüsse unseres Auftritts!

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