Günnis Reviews

Autor: Günni (page 6 of 115)

Henning Schöttke – Die Abenteuer der Kannibalin Latona

Der Hamburger Comiczeichner, Illustrator und Autor Henning Schöttke debütierte im Jahre 1983 mit seiner Graphic Novel „Latona“ im Kieler Semmel-Verlach (damals noch „Verlag“). Die rund 120 unkolorierten Seiten des großen Taschenbuchs sind handgelettert und im Gegensatz zu anderen frühen Semmel-Veröffentlichungen paginiert.

Latona ist eine sog. Wilde, eine im fernen Dschungel lebende Häuptlingstochter, die dort mit einem weißen Diamantensucher zusammenlebte. Nach dessen Tod reist sie in die Zivilisation, um dessen letzten Willen zu erfüllen und Diamanten an eine Vera Morales zu übergeben. Dabei lernt sie Max, einen jungen weißen Städter, kennen, der ihr erst hilft, sich zurechtzufinden, sich dann in sie verliebt und schließlich zurück in ihren Dschungel begleitet. Doch Latona, die ihren Max nur Utumba nennt, ist Kannibalin…

Schöttke trumpft mit schönen detaillierten Zeichnungen auf, eingebettet in eine sehr aufgeräumte Panelstruktur. Die Panels in flexibler Größe sehen auf dem großzügigen Seitenhintergrund zwar echt schnieke aus, manchem hätte ein etwas größerer Abdruck aber gutgetan. Ein paar wenige Rechtschreibfehler („hälst“ statt „hältst“) haben sich eingeschlichen, halten sich aber in sehr überschaubaren Grenzen. Die Geschichte unterhält zunächst mit Culture Clash und arbeitet mit Begriffen aus der fiktionalen Sprache Latonas. Max verknallt sich in die Kriegerin, während sie sich ihn schon als Braten vorstellt und wiederum missversteht, dass er sie „vernaschen“ will. Nach erledigter Diamantenübergabe bei Vera Morales und Sex mit Max will sie zurück in den Urwald, doch Max überredet sie, ihn mitzunehmen – ohne Visum, Schutzimpfung oder Reiseapotheke, wie er schließlich bemerkt. Was er nicht ahnt: Zurück in Latonas Dorf soll er gegessen werden.

Sie weiht ihn während der Reise ein, wie sie und ihr Volk in Einklang mit der Natur leben. Sie jagen Tiere, die sie grillen und verspeisen, kämpfen mit einem Krokodil… Max versucht, sie zu beeindrucken, bringt sich und sie damit aber öfter mal in Gefahr. Zwei Männer der vermeintlichen Vera Morales sind hinter ihnen her, weil sie mehr Diamanten und den Goldschmuck will. Einer von ihnen landet überm Feuer und wird verspeist, wobei Max Glauben gemacht wird, es handle sich um ein Sumpfschwein. Erst bei Ankunft kapiert Max, dass seine Angebetete eine Kannibalin ist.

„Die Abenteuer der Kannibalin Latona“ wird vom Culture-Clash-Spaß zum Abenteuer im Dschungel, inklusive gezeichneter Sexszenen. Eine quasi-feministische Geschichte, weil eine Ehrerbietung an starke, kräftige, selbstbewusste Frauen, zugleich durch die männliche Perspektive fetischiert. Und es geht um Cockringe. Das Ende ist ein offenes  inklusive Ankündigung einer Fortsetzung, die aber offenbar leider nie erschien. Als Bonus finden sich die Entstehung eines Bilds in acht Phasen sowie ein Kurzporträt  Schöttkes.

Neue Pullover Comics

Hierbei handelt es sich um eine weitere Kompilation des Kieler Semmel-Verlachs. Mittlerweile schrieb man das Orwell-Jahr 1984 und der Verlag trat inzwischen mit seiner kultgewordenen „Verlach“-Schreibweise auf dem Buchumschlag auf. Der Band vereint auf den gewohnten rund 150 unkolorierten, handgeletterten (und leider unpaginierten) Seiten im großen Taschenbuch Comic-Beiträge der Künstler Brösel, Volker Reiche, Bernd Pfarr, Fritsche, Drühl und Michael Gutmann.

Pullover also – auf dieses Thema für eine Comiczusammenstellung muss man erst mal kommen. „Der Pilz“ ist wilder Slapstick Brösels um das zusammenlebende Paar aus Wolf Wolfgang und Bär Dietlof, beide anthropomorph, und Wolfgangs neuen Pullover, auf dem ihn die Abbildung eines Pilzes nervt. Größere Panels und einfachere Zeichnungen finden sich bei Bernd Pfarr, dessen anthropomorphe, sich als Maurer verdingende Ente Dulle einen Pullover braucht – was zu einer etwas arg harmlosen Verwechslungsgeschichte gerät. Der Erwin-Ärmel-Onepager erinnert mich an den hessischen Badesalzhumor. Völlig genial: Brösels quasi dialoglose, zumindest schriftfreie Geschichte über mediale Beeinflussung durch das Fernsehen, die surreal wird. Drühl dröselt in hochwertigem Zeichenstil die Geschichte der Pullover auf – als handle es sich bei ihnen um parasitäre Lebewesen, die irgendwann eine unheilige Allianz mit den Menschen eingingen. Per grobschlächtigerem Zeichenstil schickt Fritsche seinen Käptn Pulver auf die Jagd nach dem wollenen Vlies. Die Geschichte entpuppt sich jedoch als Traum dieses versoffenen alten Seefahrers, in dem er sogar vom weißen Hai gefressen wird, der ihn prompt wieder auswürgt.

Auf einen Wortspiel-Quickie Brösels folgt noch einmal Dulle, der jemanden beauftragt, das Grab seiner Mutter während seiner Abwesenheit zu pflegen und den Grabstein mit einem Pullover zu polieren – naja… Gutmann ist mit einem satirischen Modejournal über Männer in Pullovern vertreten und zeichnete ferner ein etwas müde pointiertes Gespräch auf der Straße. Brösel und Reiche arbeiteten für den Frankfurter Heinz zusammen, der mit seinem Kumpel Ossi an die Nordsee schüsselt und eine Wattwanderung mit ihm unternimmt. Heinz findet dort einen alten Pullover und man picknickt; Ossi besorgt Flens und man lässt es sich gutgehen. Die Dialoge finden ausschließlich im Dialekt statt, aus der Mundart ergibt sich der eigentliche Witz dieser Geschichte.

Und als Fan befunde ich: Sollte man allein schon aufgrund der Beiträge Brösels im Comicregal stehen haben.

Rolf Boyke – Die gesemmelten Abenteuer von Hanni und Kutte

Aus dem Jahre 1984 stimmt diese weitere Veröffentlichung des seinerzeit noch immer jungen Kieler Semmel-Verlachs (damals noch „Verlag“). Sie umfasst wie gewohnt rund 150 unkolorierte, handgeletterte (und leider erneut unnummerierte) Seiten im verlagstypischen großen Taschenbuch – und passt mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung einmal mehr zum Verlagsprogramm wie das Bierchen zum Fußball: Perfekt.

Auf den ein- bis fünfpaneligen, standardmäßig vier Panels im, wann immer nötig, flexiblen Grid umfassenden Seiten finden sich humorige bis satirische Geschichtchen und Geschichten im Funny-Stil um das Paar Hanni und Kutte aus der Anarchoszene, das in einem besetzten Haus lebt und sich gegen das Abrissunterfangen wehrt. Die erste längere Geschichte dreht sich um Beziehungskisten sowie gebetene und ungebetene Gäste – und überzeugt mit köstlichem Humor. In der nächsten längeren Erzählung wollen die beiden spontan in den Urlaub fahren, woraus leider nur Camping auf dem Lande inklusive zahlreicher Widrigkeiten sowie Begegnungen mit einer Neo-Hitlerjugend und dem Militär wird. Grandios und vermutlich aktueller denn je. Und der dritte längere Schwank aus dem Leben unserer Titelhelden wird als Liebedrama angekündigt und nimmt Esoterikgeschwurbel aufs Korn. Hanni lässt sich wahrsagen, sie werde einen tollen Typen kennenlernen. Daraus resultiert eine furiose Geschichte über Suff und Eifersucht.

Am Schluss ist das besetzte Haus dann leider abgerissen worden, bis dahin aber präsentierte sich die ja oft bei Semmel vertretene (ich nenne sie mal) linksalternative Szene erfrischend selbstironisch. Onepager und Kurzgeschichten fungieren als Intermezzi dieses wiederentdeckungswürdigen, hintergründigen Spaßes.

Zeichner und Autor Boyke hatte zuvor für „Hinz & Kunz“ gezeichnet und sein Semmel-Stelldichein durch seine Mitarbeit an „Friede · Freude · Eierkuchen“ gegeben. Ich freue mich schon auf seine weiteren Arbeiten für den Kieler Kultverlag.

Christine Coring – Das Levikon

Dieses im Jahre 2021 im Münchner Kunstmann-Verlag erschienene, rund 210-seitige Taschenbuch ist eine Mischung aus einer Sammlung mehr oder weniger kurioser und für Nichtmuttersprachler nicht gleich verständlicher Wörter und Redewendungen – teils vornehmlich regional auftretend oder als veraltet bzw. jugendsprachlich geltend – und einem Vokabelheft zum Selbstausfüllen.

Es möchte zum einen Freude am Umgang mit Sprache vermitteln, indem es für im Grunde kuriose Wortschöpfungen und den Metapherreichtum des Deutschen sensibilisiert, und zum anderen ganz konkrete Hilfestellung denjenigen bieten, die häufig nur Bahnhof verstehen. Zudem ruft es dazu auf, es eigenhändig zu erweitern, wenn man selbst etwas aufschnappt. Das ist ein lobenswerter Ansatz, den das Buch mit seinem bunten Layout unterstreicht. Besonders gelungen ist die humorige grafische Gestaltung vieler Wörter, die ihre Bedeutung dadurch visualisieren.

Wer es jedoch nicht selbst vollschreiben und nur kurzweilig unterhalten werden möchte, wird schnell feststellen, dass er eben etliche fast leere Seiten gekauft hat. Hier und da runzelte ich dann auch etwas mit der Stirn: Jemanden zu zeigen, was eine Harke ist, bedeutet nicht, schlicht jemandem zu zeigen, wie man etwas richtig macht, sondern eine absolute Demonstration eigener Überlegenheit. Manche Begriffe habe ich noch nie gehört, Wörter wie „wehleidig“, „Dings“, „Kerzendocht“, „apathisch“, „Gräte“ oder „Weiche“ sollte man wiederum nun wirklich niemandem erklären müssen. Mancher Abschnitt ist auch enttäuschend knapp geraten: „Zinnober“ und „Bahö“ sind enthalten, „Bohei“ fehlt. „Astrein“ ja, das besonders schöne pseudoitalienische „picobello“ nein. Sich blümerant zu fühlen bedeutet nicht unbedingt Unwohlsein, und „verschlimmbessern“ bezieht sich nicht ausschließlich auf die Optik von etwas.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf regionale Begriffe gerichtet. Schön, dass auch die deutschsprachigen Nachbarn aus Österreich und der Schweiz zum Zuge kommen. Alles in allem ist das unsortierte und ohne Inhaltsverzeichnis oder Index auskommende Buch aber ein ziemliches Durcheinander. Gelernt habe ich dennoch etwas, z.B. dass das perverse Wort „Fleischpflanzerl“ gar nicht Österreichisch, sondern Bayrisch ist.

Kay Czucha – Fliegende Piranhas

„Fliegende Piranhas“ aus dem Jahre 1983 ist eine weitere Veröffentlichung des seinerzeit noch jungen Kieler Semmel-Verlachs (damals noch „Verlag“). Mit seinem Umfang von rund 150 unkolorierten, handgeletterten (und leider unnummerierten) Seiten im verlagstypischen großen Taschenbuch reiht es sich nahtlos ins damalige Verlagsprogramm ein.

Cartoonist Kay Czucha versammelt hier Cartoons und Kurzcomics im gröberen Karikaturstil – vom sich verschwenderisch über zwei Seiten erstreckenden riesigen Einzelbild bis zur sechspaneligen Seite. Manche querformatige Zeichnung hätte sich im ebensolchen Format gedruckt besser gemacht als im Hochformat. Viel satirische Politik- und Systemkritik sowie Verballhornung einer reaktionären Exekutive und eines bigotten Klerus, beseelt vom damaligen Zeitgeist innerhalb der progressiven Linken und Anarchos, hinterlassen einen positiven Eindruck. Demgegenüber stehen viele alberne bis lahme Gags, die es eben auch in dieses Buch schafften, das man zudem sehr schnell durchgeblättert hat.

Frank Schäfer – Metal Antholögy: Ansichten und Meinungen eines Schwermetallsüchtigen

Nach „111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“ aus dem Jahre 2010 und „Talking Metal“ (2011) komplettierte der Braunschweiger Autor, Journalist und Ex-Metal-Gitarrist Frank Schäfer im Jahre 2013 mit „Metal Antholögy – Ansichten und Meinungen eines Schwermetallsüchtigen“ seine Metal-Buch-Trilogie für den Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf. Allen drei Werken ist gemein, dass Lemmy Kilmister den Schutzumschlag ziert. Nachdem „Talking Metal“ ausschließlich aus Interviews mit Szene-Protagonistinnen und -Protagonisten bestand, mischt Schäfer hier wieder Platten-, Festival- und Musikbuch-Rezensionen mit Coming-of-age-Anekdoten und Vergangenheitsbewältigung, in die er Songempfehlungen situativ einflicht, Band-/Musiker-Kurzbiographien, jüngeren persönlichen Geschichten, Beobachtungen usw. miteinander – rund 260 zwischen zwei feste Buchdeckel gebundene Seiten und 81 Kapitel lang sehr abwechslungsreich und pointiert, aber nur witzig, wenn intendiert.

Wie oft bei Schäfer dreht es sich dabei nicht ausschließlich um das, was man sich heutzutage unter Metal vorstellt, der Mann hat auch ein Faible für Musik der 1970er und noch frühere. So finden sich auch hier immer wieder Ehrerbietungen an THIN LIZZY, eine seiner Lieblingsbands. Manches hat nur sehr am Rande überhaupt mit Musik zu tun, beispielsweise wenn er ausgehend von einem Zahnarztbesuch auf Italo-Film-Erlebnisse zu sprechen kommt. Einer meiner Höhepunkte ist sein Bericht von VICIOUS RUMORS live in Gifhorn. Aus der Vorstellung seiner 59 favorisierten Livealben habe ich mir das eine oder andere zum Reinhören notiert, VENOMs „Eine kleine Nachtmusik“ darf man hier aber nicht erwarten – BLIND GUARDIANs famose „Tokyo Tales“ leider auch nicht, was mich etwas überrascht hat.

Schäfer testet ein Rock-Gesellschaftsbrettspiel und spricht sich witzigerweise im nächsten Kapitel gegen ebensolche aus. Musiker Jari Antti kommt zu Interview-Ehren. Im schön geschriebenen Abriss über die Eidgenössen KROKUS hätte er auf den AC/DC-Vergleich hin vielleicht noch schreiben können, dass sie nach ihrer zwischenzeitlichen Versoftung in den 1980ern wieder metallischer wurden, vgl. das Album „Heart Attack“. Ein weiterer Höhepunkt ist sein Erlebnisbericht vom Besuch einer Plattenbörse. Er beschreibt sein erstes Mal – bzw. das Drumherum – und huldigt Tony Jasper sowie dessen Heavy-Metal-Show im Radioprogramm der ‘80er, den er ebenfalls interviewt. Nicht so zwingend finde ich die mehrseitige schlichte Auflistung von Songs, die „Metal“ im Titel tragen.

Ansonsten stellt er die eine oder andere Band jüngere Band vor und beschreibt das Gitarrenspiel diverser Gitarristen mit einigen musiktheoretischen Fachbegriffen, geht also über das übliche in Musikzeitschriften gebotene Niveau hinaus. Ein weiteres Steckenpferd ist das Schreiben über andere, die über Musik geschrieben haben – diesmal über Lester Bangs, was einen weiteren Höhepunkt des Buchs darstellt und mit dem er gemein hat, als Musikkritiker weit mehr als reine Gebrauchsliteratur zu erzeugen. Folgerichtig wird Schäfer auch auf Lesungen eingeladen, die er hier rekapituliert. Eine fand sogar auf einer dieser unsäglichen Wacken-Kreuzfahrten statt. All dies und mehr wird von einem diesmal verhältnismäßig hohen (Schwarzweiß-)Bildanteil aufgelockert, der unter anderem Fotos und Scans historischer Eintrittskarten zeigt. Bei manchen Kapiteln handelt es sich sogar um reine Fotostrecken, deren Material sich jedoch nicht durchweg für farblose Abbildung oder die Verkleinerung auf Briefmarkengröße eignet; zudem habe ich einen Doppler entdeckt.

Weitere kritische Anmerkungen: Tony Iommi hat Lymphdrüsen-, nicht Blutkrebs, und HELLOWEEN spielten anfänglich Speed Metal, nicht Thrash Metal – das würde ich schon gern unterscheiden. Das eine oder andere Kapitel kommt mir auch wie üblich aus vorausgegangenen Büchern Schäfers verdächtig bekannt vor. Davon unabhängig habe ich die Lektüre aufgrund Schäfers persönlich geprägten und kreativen Schreibstils, seines sympathischen Humors und gerade auch seiner steten Sicht über etwaige Tellerränder hinaus einmal mehr genossen.

31.01.2026, Kulturforum am Hafen, Buxtehude: HEADLIGHT

Mein erstes Country-Konzert

Norman war zusammen mit Timo (R.I.P.) das kreative Zentrum der Streetpunk’n’Roll-Band SMALL TOWN RIOT, aber auch schon immer Vollblutmusiker, der an allen möglichen Stilen handgemachter Musik nicht nur Freude findet, sondern diese auch spielt. Eine ganze Weile war er als Mitglied der APPELTOWN WASHBOARD WORMS sogar jüngster Skiffle-Musiker Deutschlands. Als irgendwann gefühlt alle nach Hamburg zogen, hielt Norman als echtes Dorfkind die Stellung und trat lieber überall im Nirgendwo live auf, ob mit einem seiner Bandprojekte oder als Alleinunterhalter, statt sich stumpf auf dem Kiez zu besaufen. Mit den APPELTOWNs hatte ich ihn früher dann und wann live gesehen, mit der spektakulären Oldschool-Rock’n’Roll-Cover-Combo SPECTATORS leider nur einmal (das aber tatsächlich auf dem Kiez). Seit langem wirkt er auch als Gitarrist und Sänger bei der Country-Cover-Band HEADLIGHT mit, die Ende Januar zwei Gigs in Niedersachsen unweit von Hamburg spielte. Als ich bei Facebook zufällig Wind davon bekam, dachte ich mir kurz, dass es vielleicht nett sein könnte, da mal vorbeizuschauen. Früher hatte Timo das zumindest hin und wieder getan, was ich immer klasse fand. Hätte ich eigentlich auch mal mitkommen können. Tja…

Naja, jedenfalls dachte sich Kiki, die HEADLIGHT bereits live gesehen hatte, ähnliches, und so klügelte sie den Plan aus, noch ein paar Freundinnen und Freunde zusammenzutrommeln, ohne Norman davon zu erzählen. Von allen, die Interesse bekundet hatten, blieben neben Kiki und mir letztlich George, Leiti alias Holger und Eike übrig, außerdem hatte ich den wieder in Buxtehude lebenden Rolf akquiriert. Bei lausig kaltem Winterwetter und nach einer weiteren verkackten Partie des FCSP (während der bereits meine ersten Biere flossen) traten wir per Bahn den Weg in die sympathische Kleinstadt an der Este an und trudelten kurz vor knapp am Kulturforum ein. Jene Location ist eine wichtige, ehrenamtlich betriebene Buxtehuder Institution, um ein kulturelles Programm das ganze Jahr über abseits von Jugendzentrum, Altstadtfest oder Irish Pub anzubieten. Die Mischung aus „Kiki +1“ auf der Gästeliste, QR-Codes auf den Kauftickets ohne vorhandenem QR-Code-Leser und seitens der Veranstalter ausgedruckten Namenslisten der Kartenbesteller, die in unserem Falle aber nicht immer identisch mit den Karteninhabern waren, sorgte für leichte Konfusionen beim Einlass. Und die Bude war quasi ausverkauft, im bestuhlten Saal hatten längst alle platzgenommen. Außer uns. Damit wir zusammensitzen konnten, blieb nur noch die erste Reihe direkt an der Bühne. Also getreu dem alten Hardcore-Motto „Always first row!“ hingefläzt und am Bierchen genippt. Noch schnell eine zu dampfen blieb keine Zeit mehr, pünktlichst um 20:00 Uhr betrat das Sextett die Bühne.

Nun hatte ich also den Schlamassel: Ich saß angetrunken zwischen weiteren angetrunkenen und mitunter etwas aufgedrehten Mitgliedern unserer Delegation, mein Nikotinspiegel sank in bedenkliche Tiefen, hinter und neben uns ein Publikum, das konzentriert der Darbietung der Band lauschen wollte und dessen Altersdurchschnitt selbst wir noch deutlich messbar drückten, und fragte mich, was ich eigentlich mit Country-Musik am nicht vorhandenen Cowboy-Hut habe? Eike protzte stolz mit seiner eigens mitgebrachten Stirnleuchte („Guckt mal, ein Headlight!“), womit er sofort im Mittelpunkt stand. Die Band zeigte sich begeistert und konterte mit einer LED-Lichterkette. Norman erkannte uns nach und nach, als er durch die Noten- und Mikroständer hindurchblicke, lachte und freute sich. Was aber hatte ich denn nun also mit Country am Hut? Klar habe ich die JOHNNY-CASH-Standards in der Sammlung (und sogar ein bisschen mehr), und JOHN LEYTON, CHIP HANNA und MR. BLUE finden sich hier ebenfalls, dann wird’s aber auch schon eng. Und Ahnung habe von Country nun wirklich null.

Doch HEADLIGHT sorgten dafür, dass das völlig egal war, um den Abend genießen zu können. Als Norman zu spielen begann, wurde mir wieder bewusst, welch großartiger Musiker er ist. Er könnte wahrscheinlich auch ‘90er-Eurodance- und Schlumpftechno-Scheußlichkeiten nachspielen und dabei das Telefonbuch singen, es würde geil werden. Zusammen mit Manuela teilte er sich den Hauptgesang, mal jeweils solo, mal abwechselnd, mal gleichzeitig, und nicht nur diese beiden Stimmen harmonierten perfekt miteinander. Die Backgrounds waren bestens auf die Stücke abgestimmt. Die klassische Rock-Instrumentierung mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Bass ergänzte Klaus am Keyboard, der die Nummern dezent begleitete. Die Rhythmusfraktion aus Volker am Tieftöner und Matthias am Schlagzeug war supertight. Zunächst offerierte man ein paar eher getragene Nummern, bis Norman die akustische gegen die E-Gitarre tauschte und die flotteren Stücke ausgepackt wurden (im weiteren Verlauf wurde die Klampfe immer mal wieder gewechselt). Das machte tierisch Laune; die in Sachen Country vorbelasteten Kiki und Eike waren in ihrem Element und kannten jeden Song, während ich vieles zum ersten Mal hörte. Aber bei Weitem nicht alles! Einiges erkannte ich beispielsweise aus dem Radio wieder und hätte ich gar nicht zwingend im Country-Bereich verortet, bei mancher Nummer dürfte es sich auch um eine genrefremde, durch den Countrywolf gedrehte gehandelt haben. Überhaupt wiesen die meisten Songs eine angenehm starke eigene Note auf. Ein Lied über Alkohol widmete man der ersten Reihe, warum auch immer!? Manuela erwies sich nicht nur als Spitzensängerin mit ebenso viel Kraft und Ausdruck wie Seele, sondern auch als Entertainerin, ferner gar als Country-Dozentin, die immer wieder ins Publikum fragte, ob es Fragen zum Stück gebe. Sie plauderte aus dem Nähkästchen, u.a. über die Schriftgröße der Setlists, und forderte das Publikum dazu auf, sich untereinander bekannt zu machen. „Blue Moon of Kentucky“, unheimlich stark von Norman gesungen, war mein persönlicher zwischenzeitlicher Höhepunkt. Nach der Hälfte des Sets gab’s eine Pause.

Geil, endlich eine schmauchen. Vorher galt es aber noch, die von Manuela prophezeite Theken-Polonaise zu überstehen, womit nichts anderes als die mordslange Schlange am Tresen gemeint war. Doch das Kulturforum-Ausschankteam war auf zack. Zeit zum Durchzählen: Einer von uns hatte die Biege gemacht, sogar schon nach zehn Minuten. Er war von seinen Körperfunktionen übermannt worden. Ok, kommt vor. Der Rest war am Start und holte Runde um Runde. Als es weiterging, sang Eike lautstark „Wagon Wheel“ mit, woraufhin die Band ihm für die Dauer des Songs ein Mikro überließ. Wäre die Bude nicht bestuhlt gewesen, wäre wohl spätestens jetzt ausgelassen getanzt worden. So aber blieb es dabei, mit dem Fuß zu wippen, unruhig auf dem Sitz hin und her zu rutschen und sich seiner Hyperaktivität darin zu ergeben, ständig Teile des Bühnenaufbaus zu befummeln (wie es zumindest einer von uns tat, was etwas kurios anzusehen war). Zugegebenermaßen erreichte unsere erste Reihe auch der eine oder andere Ordnungsruf, vor allem, wenn zwischen den Songs zu laut miteinander gequatscht wurde. Harndrang und Bierdurst trugen ihr Übriges dazu bei, Unruhe zu verursachen und unangenehm aufzufallen, aber wat willste machen? Diese zweite Hälfte des Sets jedenfalls hatte es so richtig in sich, ein Hit (und „Das kennste doch…“-Moment meinerseits) jagte den nächsten, Norman und Finn-Ole gniedelten voller Spielfreude Soli und Leads, „Valerie“ (einst bekannt gemacht von AMY WINEHOUSE) machte auch in dieser Interpretation eine tolle Figur, und erst mit der zweiten Zugabe („Aber nur, wenn ihr alle dann auch geht!“), dem unvermeidlichen „Country Roads“, endete der Abend.  Das war ‘ne Eins-A-Performance auf spielerisch höchstem Niveau von einer Band, die zudem echte Leidenschaft in die Musik legt und diese auch ihrem Publikum zu vermitteln versteht.

Als Eindruck nehme ich vor allem mit, welch breites Spektrum Country-Musik doch ist, vor allem, wenn man es mit den Genregrenzen etwas lockerer nimmt – zudem wie bereichernd es sein kann, auch in Sachen Livemusik ab und zu mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Schön natürlich auch, dass Norman begeistert war, uns Kapeiken mal wiederzusehen. Zu einer echten Herausforderung wurde es dann noch, auf dem Weg zum Bahnhof noch ein paar Pilsetten für die Fahrt aufzutreiben, aber selbst das hat irgendwie noch geklappt. Danke allen, die den Arsch hochbekommen haben, an Kiki fürs Organisieren unserer kleinen Ausfahrt sowie an HEADLIGHT und das Kulturforum für den fantastischen Abend! Buxtehude – immer einen Ausflug wert!

24.01.2026, Lobusch, Hamburg: STUMBLING BOI!S + HARBOUR REBELS

Dieses Konzert mit zwei Hamburger Oi!-Bands war in mehrfacher Hinsicht ein Besonderes: Es war das erste Konzert der HARBOUR REBELS, nachdem ihr Drummer Chris wegen gesundheitlicher Probleme mehrere Monate ausgefallen war (Willkommen zurück, Chris!), zudem das erste Konzerte mit Keith als zweitem Gitarristen der HARBOUR REBELS, nachdem die Band die letzten Jahre mit Dennis als alleinigem Klampfer unterwegs war, und es war das erste Konzert der STUMBLING BOI!S, das ich zu sehen bekam – schön, dass es endlich mal geklappt hat, zumal dort nun wieder mein BOLANOW-BRAWL-Bandkollege Christian als zweiter Gitarrist eingestiegen ist. Und nicht zuletzt handelte es sich um eine Soli-Veranstaltung, um Geld für jemanden zu sammeln, der von Repressionskosten betroffen ist.

Als ich gegen Viertel nach neun oder so die Lobusch betrat, traf ich lediglich einen versprengten Haufen an, was sich innerhalb der nächsten halben Stunde aber ändern sollte: Bald war die Bude voll. Etwas überraschend machten die HARBOUR REBELS den Anfang. Man war sich noch nicht ganz sicher, wie lange Chris, dem es natürlich erst einmal noch an Live-Routine mangelte, durchhalten würde. Antwort: offenbar problemlos das ganze Set durch. Nach einem Intro aus der Konserve führte Sängerin Jule souverän durch die deutsch- und englischsprachigen, eingängigen und überwiegend pogotauglichen Songs und war auch um keine inhaltlich durchaus gehaltvolle Ansage verlegen. Einer meiner Favoriten, „Die Masken sind gefallen“, kam gleich als zweite Nummer zum Zuge, während der kurioserweise kurz die Lichtanlage ausfiel. Vorm Anti-Scholz-Song erklang wie auf der Platte das G20-Lügengelaber des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters und ja sogar Ex-Bundeskanzlers, „Raus aus dem Dreck“ ist einer meiner weiteren Lieblinge dieser Band und spätestens der Ska-Punk-Sommerhit „Beach, Beer & Sun“ brachte richtig Stimmung ins altehrwürdige Gemäuer. Das geniale „Trunkenbold“ gab’s als Zugabe. Die zweite Gitarre macht den Sound deutlich satter, mehr ist eben manchmal einfach mehr. Fazit: Die HARBOUR REBELS sind back – aber so was von!

„Ich verliere mich hier in der Ansage…“ (Stammling Boi! Christian)

Die STUMBLING BOI!S haben sich nicht nur um Christian verstärkt, sondern auch den Drumposten neu besetzt. Für meinen ehemaligen Bandkollegen Keith geriet der Abend zur Doppelschicht, denn auch hier spielt er Gitarre. Frontmann der Band ist Bommy, der mit schön heiserer Gesangsstimme die sich an klassischem 80s-UK-Oi! orientierenden englischsprachigen Stücken schmettert. Da Christian jedoch der Meinung ist, dass dieser zu wenig mit dem Publikum kommuniziere, übernahm kurzerhand er diese Aufgabe. Und zwar vor jedem Song. Da verwechselte er Bommy auch schon mal mit mir. Dass er die Bandkollegen meist erst fragen musste, worum es im jeweils folgenden Song überhaupt geht: geschenkt. Tat er’s nicht, wurde beispielsweise aus „Stumbling BOi!s Beat“ schnell ein „Song über Beatmusik“. Irgendwann kritisierte er seine Band sogar – von der Bühne aus durchs Mikro an mich gerichtet. Das hatte abseits der Musik bereits einen hohen Unterhaltungsfaktor; die Boi!s nahmen’s mit Humor und taten das, was sie am besten können: musizieren. Die Melodien wurden meist durch den dominanten Bass vorgegeben; keine Ahnung, ob das beabsichtigt war, kam aber sehr geil. Und zockte Keith mal ein herausstechendes Gitarrenlead, setzte es sich im Sound trotzdem durch. Wie bereits bei den HARBOUR REBELS gefiel mir der P.A.-Sound (wie meist in der Lobusch) ziemlich gut, zumal das Songmaterial der STUMBLING BOI!S – insbesondere bei den ältesten Stücken – mehr Pepp und Wucht aufwies als aus der Konserve. Auch hier macht sich die zweite Gitarre positiv bemerkbar. Am besten gefällt mir der leichte Anflug von Melancholie, den die STUMBLING BOI!S in ihren „Casual Oi!“ legen und der zur No-Bullshit-Attitüde beiträgt. Zwischen den eigenen Songs coverte man „Emergency“ von GIRLSCHOOL bzw. MOTÖRHEAD in einer sehr geilen, flotten Version, die als frenetisch geforderte Zugabe ein zweites Mal erklang und den Sack zumachte. Die Band hat mich überzeugt und ich wünsche ihr, dass sie in der aktuellen Besetzung mehr Glück hat als mit der vorherigen.

Spitzenabend bei Top-Stimmung wieder, der hoffentlich reichlich Soliknete eingebracht hat!

Cinema-Sonderband Nr. 15: Sex im Kino ’87

Titel wechsel dich: Statt „Erotik im Kino“ kehrte man für diese Fleischbeschauvorschau aufs Kinojahr 1987 wieder zum ursprünglichen Titel der Cinema-Sonderbandreihe zurück. „Sex im Kino ‘87“ also – und anhand des Umfangs (132 statt wie zuvor 100 Seiten) könnte man meinen, das erotische Kino habe einen Aufschwung erlebt.

Dem war natürlich nicht so (bis „Basic Instinct“ waren es noch ein paar Jährchen), doch dürften sich diese Bücher, bei denen es sich mehr oder weniger um Bildbände mit ein wenig Text handelt, nach wie vor gut verkauft haben. Also wurde der Markt bedient, so lange es ging. In Ermangelung echter Erotikfilme, die die Seiten füllen könnten, ohne auf den Pornographie-Bereich zurückgreifen zu müssen, knallte man aufs Papier, wer immer sich in den letzten Jahren als attraktive Frau einmal im Rahmen einer Spielfilmrolle vor der Kamera ausgezogen hatte (oder nicht einmal das: Helen Slater, WTF?!). Damit dies gelang, wich man vom bisherigen Konzept, Filme vorzustellen, ab und präsentierte Schauspielerinnen, ähnlich wie in den Sonderbänden „Sexstars“ oder „Göttinnen des erotischen Films“. Damit ist „Sex im Kino ‘87“ zwar ein retrospektiv nicht uninteressanter Überblick darüber, welche als sexy empfundenen Schauspielerinnen seinerzeit angesagt waren, aber weniger die erwartete Kino- oder Videovorschau. Nichtsdestotrotz lässt sich den Filmographien entnehmen, dass in vielen Fällen der jeweils jüngste Film der Damen nach Deutschland in den Verleih kam – darunter eben auch Familientaugliches.

Jeder Schauspielerin wurde ein von der Redaktion erdachter Titel zuteil; so ist Maruschka Detmers „die Wildkatze“, Béatrice Dalle „die Sensation“, Jessica Lange „die Intellektuelle“ und Madonna „der Megastar“. Von der sei übrigens, so heißt es im Text, ein „Pornofilm“ aufgetaucht. Ist damit „A Certain Sacrifice“ gemeint (der nun wahrlich kein Porno ist)? Das Bildmaterial ist wie gewohnt hübsch anzusehen, in Teilen aber lediglich in Schwarzweiß gedruckt worden und wiederholt sich in den zahlreichen Cinema-Veröffentlichungen zum Thema. Die Textinhalte gehen als Kurzporträts durch und größtenteils in Ordnung, die Fehlerquote scheint sich in Grenzen zu halten (in die Bildunterschrift auf S. 25 schlichen sich aber gleich zwei Stück). Am Schluss liefert der Band noch einige Szenenbilder inklusive eines Russ-Meyer-Specials und ein paar Bond-Girls. Ein Inhaltsverzeichnis und ein Namensindex erleichtern das schnelle Auffinden der Inhalte.

Friede · Freude · Eierkuchen

Die nach „Semmels Satire Sammelsurium“ zweite Kompilation des Kieler Semmel-Verlachs (damals noch „Verlag“) stammt aus dem Jahre 1982 und umfasst rund 150 unkolorierte, handgeletterte Seiten im verlagstypischen großen Taschenbuch, das einen sehr hübschen bunten Einband aufweist. Es enthält sowohl ganz kurze als auch relativ lange Geschichten satirischer Natur.

Nicht nur Tomas M. Bunks „Die Flasche!“ zum Einstieg ist sehr vom Kalten Krieg und der Wahl Reagans zum US-Präsidenten geprägt, ließe sich aber auch 1:1 auf den Schwachmaten Trump übertragen. Selbst Rolf Boykes lange, köstliche Geschichte zweier verfeindeter Froschvölker weisen Parallelen zu Reagan auf, heißt einer der Froschkönige doch Bonzo (Reagans Spitzname). „Krieg der Frösche“ ist aber eine allgemein gehaltene Parabel auf sinnlose Kriege und die Idiotie nationalautoritärer Staatsformen. Auch schön: In Detflef Surreys „Die Hex‘ im Wald“ geraten zwei Hexen in die Auseinandersetzungen um die Erweiterung eines Militärgeländes, wobei die eine nicht im Wald, sondern in der Stadt lebt und statt auf einem Besen ganz fortschrittlich auf einem Staubsauger reitet. Haralds „Friedenslärm und Kriegsgeflüster“ ist ein interessanter Comic mit extra viel Zeitkolorit, in dem eine Westberliner Punkerin und Hausbesetzerin einen westdeutschen Friedensaktivisten kennenlernt, mit ihm sexuell wird und er sie daraufhin in Berlin besucht, wo eine Militärparade der Alliierten gestört werden soll. Harald greift damit damalige Debatten nicht nur um Militanz und Pazifismus auf. Leider geriet die Durchführung der Aktion gegen die Parade etwas unübersichtlich.

Bunks „Szenen eines Flops“ ist superdetailreich und dabei superböse, sein aufwändiger und detailverliebter Schraffurstil kommt besonders in seiner Karsten-Dose-Geschichte „Affentanz“ zur Geltung – herrlich makaber, wie ein naiver Pazifist den dritten Weltkrieg auslöst. Fuchsi steuert neben seinem Zorro eine abgefahrene Geschichte über Maschinen mit Bewusstsein, die die Erde beherrschen, sich im Krieg selbst ausrotten und damit Platz für den aus Eiern schlüpfenden Menschen machen, bei.

Alle Geschichten handeln auf die eine oder andere Weise von Krieg, womit dieser Band den damaligen (zahlreiche Parallelen zur Gegenwart aufweisenden) vorherrschenden Zeitgeist dokumentiert – zumindest jenen innerhalb der sich ob der Zuspitzung des Kalten Kriegs besorgt zeigenden Anarcho-/Indie-Comicszene. Lesenswert sind grundsätzlich alle Geschichten, auch die nicht von mir herausgestellten, wenngleich die eine oder andere qualitativ etwas abfällt.

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