Nur wenige Monate, nachdem unser Basser Holler in der Lobusch mit einem Konzertabend seinen Geburtstag gefeiert hatte, standen wir dort wieder auf der Bühne, an der sogar noch unsere Setlist aus dem November hing. Mit einer Thrash-Metal- und zwei aggressiveren, eher riffbetonten HC-Punkbands ein, wie ich finde, ebenso interessantes wie stimmiges Line-Up. Aufgrund eines zeitgleich stattfindenden Punkkonzerts in den Fanräumen war ich etwas skeptisch, ob die Bude voll werden würde – aber das wurde sie. Von meiner Atemwegsinfektion war ich so weit genesen, dass die letzte Probe passabel hingehauen hatte und ich mir den Gig zutraute. FREVEL aus Schleswig-Holstein kannten wir bereits von einem gemeinsamen Gig im Indra und machten den Soundcheck, da sie diesmal als erste Band spielten. Den nahmen sie relativ genau und testeten mehrere Songs an – soll ja auch vernünftig ballern. Am Mischpult übrigens wieder Eisenkarl in Personalunion als P.A.-Beauftragter und unser Drummer.
Mit leichter Verzögerung öffneten sich auch offiziell die Pforten und um 21:40 Uhr legten FREVEL los. Die vierköpfige Band peitschte ihren wütenden Hardcore-Punk mit deutschen und englischen Texten durch, der von einer metallisch gespielten Gitarre veredelt wurde. Sänger Tim shoutete herrlich kehlig und pogte zwischenzeitlich mit dem Publikum, das vom ersten Song an voll dabei war und für Action vor der Bühne sorgte. Waren mir während des Indra-Gigs vor allem die Parallelen zu RAWSIDE aufgefallen, konzentrierte ich mich jetzt mehr auf die Unterschiede, zu denen z.B. von System- und Sozialkritik und generell „Polit-Punk“-Typischem abweichende, persönlichere Inhalte zählen. Und dass man beileibe keinen Stock im Arsch hat, bewies u.a. das GG-ALLIN-Cover „Bite It You Scum“. Zurecht wurden Zugaben verlangt, derer es zwei an der Zahl gab, darunter eine geile neue Nummer. Spitzen-Gig!
- Frevel
Im Anschluss zockten wir unser Set aus dem November noch mal durch, seitdem neu entstandene Songs müssen noch etwas im Proberaum nachreifen. Auch bei uns war gut was vor der Bühne los, was uns zusätzlich anheizte und manch Song schneller als üblich spielen ließ. Ich glaube, meine Stimme machte weitestgehend mit – unser Bühnensound war lauter als zuletzt, weshalb ich mich weniger selbst hörte –, besonders gegen Ende hin merkte ich aber deutlich, dass mir schon noch was auf den Bronchen lag und meine Kondition entsprechend nachließ. Und da ich Depp mir vor ein paar Wochen auch noch die Hand verstaucht hatte, was noch nicht vollständig abgeheilt war, macht sie noch nicht immer das, was sie soll – sodass mir das Mikro mitten im Song aus der Flosse ins Publikum flog. Es ist, wie es ist, und irgendwas ist immer! Als Zugabe gab’s „A.C.A.B.“ von PROJEKT PULVERTOASTMANN; auf die weiteren Rufe gingen wir aber nicht mehr ein, da ich um Luft japsend intervenierte und FATAL COLLAPSE schließlich auch noch auf die Bühne wollten.
Hamburgs D.I.Y.-Thrasher FATAL COLLAPSE teilen sich mit den THRASHING PUMPGUNS Gitarrist Buddy, und unser Bassist Holler spielt ebenfalls bei den PUMPGUNS – ein bisschen Hamburger Inzest also. FATAL COLLAPSE waren mir kürzlich erstmals über den Weg gelaufen, als sie im Kir für PIZZA DEATH eröffneten. Der Stimmung des wunderbar gemischten Publikums von jung bis alt, aber hauptsächlich punkiger, weniger metallischer Szenezugehörigkeit tat der nun deftig thrashende Sound keinerlei Abbruch, die Bewegungsfreunde blieb erhalten und die Band wurde abgefeiert. Und dies völlig zurecht, denn verglichen mit dem Kir-Gig wirkte das Quartett irgendwie befreiter, frischer und aggressiver auf mich. Vielleicht lag’s an der Energie im Raum, vielleicht am Sound, der Thrash-Riffs und -Rhythmik ebenso voll zur Geltung brachte wie Shouter Niklas‘ derbes Organ. Dieser berichtete zwischenzeitlich, seinen allerersten Gig mit dieser Band seinerzeit auf eben dieser Bühne gespielt zu haben, und führte durchs knackige Set, an das ebenfalls eine Zugabe angehängt werden musste. Toller Gig und krönender Abschluss eines rundum gelungenen Konzertabends, der mich in meiner Auffassung bestätigte, dass HC/HC-Punk und Thrash Metal prima zusammenpassen.
- Fatal
- Collapse
Danke an Jesus und das ganze Lobusch-Team, an FATAL COLLAPSE und FREVEL und an alle, die vorbeigekommen waren!













































Dieses Konzert kam für mich genau zur rechten Zeit, denn gerade nach all den schlechten politischen Nachrichten in letzter Zeit stand mir (ungeachtet der 



















„Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“, kurz: BStU, von 2011 bis zum Schluss in Person: Roland Jahn, hat zahlreiche Publikationen zum Thema Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR herausgegeben – einige entgeltlich, andere gratis. Zu den Gratispublikationen, derer ich bereits zwei durchgesehen (und hier besprochen) habe, zählt auch dieser rund 110-seitige, großformatige Softcover-Band aus dem Jahre 2016, in dem wie gewohnt Originalauszüge aus MfS-Akten auf Hochglanzpapier nachgedruckt sind.
Unser Bassist Holler feierte in seinen 21. (oder so) Geburtstag rein und hatte dafür die Lobusch gekapert, wo neben uns zwei weitere Bands auf seine persönliche Einladung hin auftraten. Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung bei freiem Eintritt (wobei in paar Märker in den Spendentopf gern gesehen wurden), für Bands und Freunde standen jede Menge Freigetränke bereit. Geil!


















Klings „Känguru-Chroniken“ sowie die beiden Fortsetzungen, „Das Känguru-Manifest“ und „Die Känguru-Offenbarung“ (aus den Jahren 2009 bis 2014) um das Leben eines nicht unsympathischen, aber eher zurückhaltenden und introvertierten Kleinkünstlers mit einem plötzlich auftauchenden kommunistischen und sich überraschend menschlich verhaltenden, nun ja, Känguru eben, sind Bestseller. Die sich jeweils aus etlichen kurzen, pointierten Episoden zusammensetzenden Bände gab ich mir in Hörbuch-Form, live aufgenommen während Lesungen Klings, der sein literarisches Kleinkünstler-Alter-Ego sowie das Känguru (mit leicht verstellter Stimme) selbst liest. Die authentischen Publikumsreaktionen unterstützten den lebendigen Eindruck. Am besten gefielen mir jene, insbesondere frühen Episoden, in denen das Känguru, wenngleich mit sämtlichen menschlichen Schwächen ausgestattet, äußerst treffende Gesellschaftsanalysen in kabarettistisch-humoriger Form vornimmt und es den Anschein hat, als sage und tue es all das, was Kling vielleicht denkt und selbst gern täte, sich aber nicht traut – bzw. schlicht lieber einer klar als solche erkennbaren Kunstfigur in den Mund legt. Spätere Episoden, in denen das Känguru immer mehr Hintergrundgeschichte bekam, sind i.d.R. zwar noch immer gehobener Humor, wurden mir aber etwas zu abstrakt und verrückt.
Dieses Vierer-Paket befindet sich auf Tour, zum Halt auf dem Hamburger Kiez bekam ich von meinen DMF-Bandkollegen eine Karte zum Geburtstag geschenkt – besten Dank, Jungs! Anderenfalls wäre ich aber auch nie auf die Idee gekommen, hinzugehen. CANNIBAL CORPSE als Headliner interessieren mich nicht zwingend und den Laden meide ich normalerweise, war seit Äonen nicht mehr da. Da der Einlass bereits für 16:30 Uhr terminiert war und es pünktlich um 17:15 Uhr losging, musste ich auf Arbeit viehisch ranklotzen und Cheffe bitten, mich ‘ne Stunde früher gehen zu lassen. Trotzdem waren die belgischen Death-Thrasher SCHIZOPHRENIA, deren „Voices“-Mini-LP es mir besonders angetan hat, die ersten Songs lang lediglich Soundtrack zum Einlass und zur Plünnenabgabe an der Garderobe.
























