Günnis Reviews

Datum: 27. Mai 2007

DIE SCHON WIEDER – SCHLAND CD

(www.nix-gut.de) / (www.dieschonwieder.de)

Ach du Scheiße, was ist DAS denn für Mucke? Soll das Punk sein? Klingt nach eingeschlafenen Füßen bzw. ’ner ganz dünnen Diät-Suppe. Darüber Deutschpunk-Texte (nachlesbar im Booklet) zwischen schontausendmalgehört, reimdichoderduweißtschon und peinlich. Der Vogel abgeschossen wird letztendlich beim dümmlichen Laber-Intro und den gesprochenen (!) Grüßen als Outro. Gruselige Scheibe. 14 Songs + In-/Outro in 36 langen Minuten. 5. Günni

KOLLATERALSCHADEN – FLIEHKRAFT Mini-CD

(www.nix-gut.de) / (www.koscha.net)

„Außen hui, innen naja bis pfui…“, bin ich geneigt zu konstatieren. Sechs mal deutschsprachiger Punk der Sorte „Gääääähn…“ aus München mit bedeutungsschwangeren Texten. Dazu passend der kraftlose, irgendwie nervige Gesang. Nee, nix für mich. Dafür gab man sich aber bei der Aufmachung Mühe: Digipak inkl. illustriertem Booklet mit allen Texten. 20 Minuten Spielzeit. 4-. Günni

THE SILVER SHINE – DON’T TRUST THE GIRL WITH THE CHAINSAW CD

(www.crazyloverecords.de) / (www.thesilvershine.com)

Bekanntlich ist nicht alles SILVER, was glänzt – ob auch hier der SHINE trügt? Aber genug der albernen Wortspiele – die Band stammt aus Ungarn, ist (zumindest laut Info) „straight edge“, spielt punkigen Psychobilly und präsentiert ihr zweites Album, bis auf eine Ausnahme komplett in englischer Sprache und mit den üblichen Texten über Mucke, Mädels und den Leibhaftigen, nachzulesen allesamt im Booklet. Solider Stoff, nur leider vermisse ich etwas die Hits, die wirklich hängenbleiben. Wer seine DEMENTED-ARE-GO-und-Konsorten-Platten alle schon abgenudelt hat und nicht mehr hören kann, könnte hierin aber Nachschub finden. 15 Songs in 36 Minuten, davon zwei Coverversionen von den COLLINS KIDS und NYOLCVANNYOLCAS CSOPORT und zwei Instrumental-Stücke. Anspieltipp: „Hell Break“. 3. Günni

ABSTURTZ – LINKE PROPAGANDA CD

(www.nix-gut.de) / (www.absturtz.de)

ABSTURTZ sah ich früher öfter mal in Hamburg live, das war richtig ungehobelter Pogo-Punk, vorgetragen von einer paar milchgesichtigen Kid-Punks aus Schleswig-Holstein. Mittlerweile ist man ein paar Jährchen älter und hat vor zwei Jahren sogar das erste Album veröffentlicht, das aber gänzlich an mir vorbeilief. Insofern kann ich beim vorliegenden zweiten Album nichts zu etwaigen musikalischen Unterschieden oder dergleichen sagen. In jedem Falle gibt’s hier weiterhin die grobe Kelle, versehen mit vielen Metal-Riffs und aggressivem Gröhl- und Schrei-Gesang. Da das nicht so ein überproduzierter Mist wie manch anderer Metal-Punk heutzutage ist, geht der Sound erstmal ok. Sage und schreibe 22 Songs trug man hier zusammen, durchweg in Landessprache vorgetragen, und bemühte sich um eingängige, hymnische Refrains, die gut ins Ohr gehen und sich sicher klasse mitbrüllen lassen. Überhaupt wurde hier Abwechslung zur Chefsache erklärt; so folgen auf HC-Punk-Knaller lokalpatriotische Hymnen, auf kritische Abrechnungen Seemannslieder bis hin zu balladesken Ausflügen ins Nachdenkliche. Zu mäkeln gibt’s für mich aber trotzdem hin und wieder was an den Texten. Songs wie „Unzufriedenheit“ mit Zeilen wie „Bis dann das nächste Auto brennt“ und naiven Vorstellungen von Revolten etc. hätte man sich m.E. sparen oder zumindest subtiler verpacken können. Ebenso finde ich den Titel des Albums ziemlich beknackt. Alles in allem wirkt das Werk aber ehrlich, engagiert und besitzt ordentlich Power. Würde mich freuen, wenn sich diese Band noch weiterentwickeln und man auch in Zukunft von ihr hören würde. Booklet mit allen Texten und vielen Bandfotos ist am Start und die Spielzeit von 54 Minuten verspricht „value for money“, ohne, dass Langeweile aufkäme. Anspieltipp: „Deichrock“. 2-3. Günni

BANG BANG BAZOOKA – HELL YEAH!!! CD

(www.crazyloverecords.de) / (www.bangbangbazooka.com)

Diese holländische Band dürfte so manchem durch die beiden ’88 und ’90 veröffentlichten Alben ein Begrifff sein, zumindest in ’billy-Kreisen. Mir war sie es ehrlich gesagt nicht – aber angesichts dieses Reunion-Albums bin ich froh, dass ich diese Bildungslücke schließen konnte. Feinster (wie es das Info nennt) „Neo-Rockabilly“ entert meine Gehörgänge, um dort eine mächtige, feucht-fröhliche Party zu veranstalten. Hier stimmt soweit alles – Songs mit Hitcharakter, feine Melodien, Credibility und ’ne kräftige Produktion, die das musikalische Vermögen der Band eindrucksvoll unterstreicht. Gute Platte! Zwar gibt’s auch hier keine abgedruckten Texte, dafür einige schicke Fotos im Booklet. Zwölf Songs in 39 Minuten, Anspieltipp: „Werewolf On The Prowl“. 2. Günni

JOHNNY JOKER & THE TWILIGHT KIDS – SOMEWHERE FAR AWAY CD

(www.crazyloverecords.de) / (www.johnnyjoker.de)

Moderne ’billy-Mucke irgendwo zwischen Psychobilly und Rock’n’Roll bieten J.J. und seine zwielichtigen Kinder feil. Eher locker, poppig und beschwingt denn evil oder krampfhaft auf oldschool getrimmt. Kann man sich mal reintun, ist mir persönlich auf Dauer aber zu zahnlos. Einige Songs können aber durchaus wat, z.B. „Sin City Sinners“, bei dem der Sänger mehr mit seiner Stimme variiert.. Ist im Endeffekt wieder eine dieser Platten, die ich a) weder verreißen noch in den Himmel loben und über die ich b) nicht allzuviel schreiben und deshalb letztendlich nur den Tipp geben kann, dass, wer ein Faible für so’ne Mucke hat, am besten mal selbst reinhört und sich ein eigenes Bild macht. 13 englischsprachige Songs in 34 Minuten, Anspieltipp: „Rambling Days“. Leider etwas dürftige Aufmachung ohne Abdruck der Songtexte. 3. Günni

FREIBEUTER AG – BEWEGT EUCH CD

(www.nix-gut.de) / (www.freibeuter-ag.de)

Fast exakt ein Jahr nach der letzten Album-VÖ haut die FREIBEUTER AG aus Franken den dritten Longplayer raus. Man wechselte den Sänger, versucht sich aber nach wie vor an pogo-tauglichem Mid- bis Uptempo-HC-Punk mit kritischen deutschen Texten. Diese holpern immer noch stellenweise recht arg, bedienen sich der einen oder anderen Parole und die zwanghaften Reime nerven dann doch ziemlich. Schlimmstes Beispiel: „Doch irgendwann ist das Maß voll / jetzt tret’ ich diesen dummen Proll / bei mir machst du dich nicht mehr wichtig / ich schlag ihn tot und das mal richtig“ (aus „Arbeitsamt“). Da gefiel das zweite Album besser, das erschien mir frischer und abwechslungsreicher. Von allen heute durch mich besprochenen Platten weist diese CD aber die liebevollste Aufmachung auf: Verdammt fettes, mit passenden Fotos illustriertes Booklet mit allen Texten und Liner-Notes der Band. Vielleicht sollte sich die Band bis zur nächsten Veröffentlichung aber etwas mehr Zeit nehmen und länger an ihren Songs feilen. 15 Songs in 45 Minuten, Anspieltipp: „Polizei-Paranoia“. 4+. Günni

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