Günnis Reviews

Datum: 14. Juli 2007

V.A. – A STREET TRIBUTE TO BUD SPENCER & TERENCE HILL

(www.sunnybastards.de)

Als ich vor einiger Zeit zum ersten Mal davon hörte, dass Sunny Bastards die Veröffentlichung dieses Tribut-Samplers plant, ließ mich das verhältnismäßig kalt, da ich kein großer Freund der im TV bis zum Erbrechen rauf- und runtergelaufenen Blödel- und Prügelklamotten des Duos bin. Trotzdem habe ich sie als Kind natürlich alle gesehen und mich bei dem einen oder anderen Streifen doch königlich amüsiert. Je näher die Veröffentlichung dann rückte, desto höher wurde die Vorfreude, da die eingängigen Film-Soundtracks des italienischen Musiker-Brüderpaars „OLIVER ONIONS“ bis heute hängengeblieben sind und wohlige Kindheitserinnerungen wecken. Außerdem bietet das Thema eine hervorragende Ausgangssituation für witzige Trash-Songs- und Texte, auf deren Umsetzung man gespannt sein durfte. So bewiesen letztlich 21 Bands Humor und musikalisches Vermögen und widmeten sich dem gepflegten Italo-Trash und seinen Ohrwürmern. Die Bandbreite reicht hier von Punk und Oi! über Psychobilly bis Ska; MR. BLUE machen aus „In The Middle Of All The Trouble Again“ eine astreine Country-Nummer und PROJEKT KOTELETT überraschen mit einem genialen Surf-Stück („Mein Name ist Schulze“/“My Name is Zulu“). Mein persönlicher Überhit ist „Sphinx“ aus „Plattfuß am Nil“ von SMALL TOWN RIOT. Unglaublich, was die aus dieser ollen Schnulze rausgeholt haben. Weitere Gewinner sind die EASTSIDE BOYS mit dem eigens von Spencer geschriebenen „Grau Grau Grau“, ANGER MANAGEMENT LEAGUE, die sich „I’m The Sheriff“ annahmen, um es mit einem gepflegten Offbeat zu unterlegen, SPRINGTOIFEL mit einer mit vielen Filmzitaten gespickten Ode an die Helden ihrer Kindheit, EMSCHERKURVE 77, die das Kunststück vollbrachten, „Flying Through The Air“ zu verpunken, ohne zuviel vom Feeling des Originals einzubüßen, THEE FLANDERS, denen eine fiese Psychobilly-Version von „Six Ways“ zu verdanken ist und ZWAKKELMANN, der sein Leiden, mit einer intellektuellen, proletarischem Vergnügen nichts abgewinnen könnenden Freundin gestraft zu sein, schildert. Aber auch fast alle anderen Tracks von ANNEX 5, LOS PLACEBOS, den GUMBLES, EIGHT BALLS, AUSGELEBT etc. fügen sich prima ins Gesamtkonzept ein. Ein abwechslungsreicher, kurzweiliger Trip in die Vergangenheit, eine Hommage an die italienische Filmmusik und ein augenzwinkerndes Bekenntnis zum simplen Filmvernügen – nicht nur für Spencer/Hill-Fans! Das Fette Booklet mit Wendecover und einer Seite pro Band und teilweise sogar abgedruckten Originaltexten macht ebenfalls ordentlich was her. 69 Minuten Spielzeit. 2. Günni P.S.: Das Ganze ist zwar in Kooperation mit CRAZY UNITED entstanden, allerdings habe ich damit nicht das Geringste zu tun gehabt. Will sagen: Hätte mir das Teil nicht gefallen, hätte ich es gnadenlos verrissen. 😉

V.A. – RHEIN-NECKAR FUCK – DER SAMPLER CD

(www.nixgut.de) / (www.pogoradio.de)

Das Pogoradio präsentiert diesen Lokal-Sampler, der ausschließlich Bands aus der Rhein-Neckar-Region vereint. Dabei scheint es sich um die Ecke Mannheim/Darmstadt etc. zu handeln. Eine Ecke Deutschlands also, die mich bis auf die lustige Sprache eher weniger tangiert. Laut Rüdi vom Pogoradio handelt es sich bei den versammelten 28 Stimmungskapellen um die „besten Bands dieser Region“. Ich hingegen bin ob der dargebotenen Qualität(sschwankungen) eher geneigt, zu glauben, es handelt sich schlicht um ALLE Bands der Region. Bekanntere Namen sind hier LOADED (die den Reigen auch folgerichtig eröffnen dürfen) und WKZ, der Rest hört auf Namen wie „DER HÖFLICH UND DER KLAUS“, „KOMMANDO VOLLSAUFEN“, „STRESSFAKTOR“, „DON KANAKOS“, „ÜBERDOSIS GRAU“ oder ruhig auch mal „ACHTUNG SPITFIRE SCHNELL! SCHNELL!“. Die Songs wurden mal im Studio, mal live aufgenommen, einige klingen allerdings, als wären sie auf irgendwelchen halb verschimmelten Demo-Tapes in der letzten feuchten Kellerecke gefunden worden. Für ’nen guten Sampler ist mir das Teil viel zu durchwachsen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Für Freunde der „Rhein-Neckar-Region“ (gibt es solche?), Sammler von Lokal-Samplern (gibt es solche?) oder Bewohner eben jener Region (die gibt es!) aber vielleicht interessant. Kommt im Digipak, das Booklet enthält einige Texte und viele Fotos. 74 Minuten Spielzeit. Ohne Wertung. Günni

THE SOUNDS OF ANIMALS FIGHTING – TIGER & THE DUKE CD

(www.equalvision.com)

Heilige Scheiße! Alternativ, progressiv und experimentell – und völlig zum kotzen! Die allerschlimmsten Stumpf-Oi!- und Schrammelpunk-Scheiben sind mir 10.000 mal lieber als diese dahingefrickelte Fabel in vier Akten, die sich über sage und schreibe 62 Minuten erstreckt. Wenigstens war man konsequent – nämlich im Verzicht auf Songstrukturen oder irgendwas etwas anderem, das die Band (?) dem Verdacht aussetzen könnte, in irgendeiner Weise eingängig zu sein oder mit bewährten Songwriting-Mustern zu kollaborieren. Das wäre vermutlich zu konservativ. Die schlimmsten Hippie-Ausflüge von Bands wie den GOLDENEN ZITRONEN sind dagegen 1-2-3-4-fuck-you-Punkrock. Mir kann niemand erzählen, dass sich das außerhalb der geschlossenen Abteilung jemand anhört. Kommt von irgendwo überm Teich im Pappschuber und die Story gibt’s zu „kunstvoll-abgespacten“ Bildern, die vermutlich während eines LSD-Trips entstanden sind, im Booklet nachzulesen. Frank, warum quälst du mich so?? 6. Günni

TAUGENIX #1

(www.taugenix-fanzine.de)

„Deutschpunk-Fanzine“ steht auf diesem 68seitigen, 3,- € teuren Hochglanz-A4er, das auf dem Mist von Jürgen „NIX GUT“ Kamm gewachsen ist, der von einem gewissen Steff (etwa der Christ von CHRISTCORE/ALARMSIGNAL?) tatkräftig unterstützt wird. Im Vorwort stellt man erstmal klar, was man von Kritik am geliebten „Deutschpunk“ hält, nämlich nicht viel, und bemüht sich, so oft und penetrant wie möglich, jenes Unwort im Heft fallen zu lassen. Von den bemühten Kolumnen, Artikeln über Tierrechte und einen vermeintlichen „Kampf der Kulturen“ sowie veganen Rezepten (gääääähn…) mal abgesehen kommt mir das Ganze oft wie ein Werbeblättchen für NIX GUT vor; ähnlich wie seinerzeit das „Slam“-Magazin, als es noch mitsamt A.M.-Music-Katalog ausgeliefert wurde – der eine oder andere wird sich erinnern. Ich kenne nun zwar weiß Odin nicht das Labelprogramm aus dem FF, trotzdem erweckt sich mir der Eindruck, als würden in erster Linie hauseigene Bands interviewt (MOLOTOW SODA, LAK, FAHNENFLUCHT, DDP) und vorgestellt (ÜBERFLÜSSIG, KREFTICH, NI JU SAN, ÜBERDOSIS NICHTS und natürlich die 20 Songs umfassende CD-Beilage mit na ratet mal was für Bands?). Ausführliche Konzert-Berichte gibt’s von ALARMSIGNAL + T.B.C. und der „NIX-GUT-Dagegensein“-Tour, klar. Ok, RASTA KNAST und VKJ sind nun meines Wissens wahrlich keine Labelbands, wobei ich besonders das Interview mit ex-VKJler Micha sehr witzig fand’ – der hat mit Punk nämlich fast gar nichts mehr zu tun und hört RAMMSTEIN und ROBBIE WILLIAMS, kommt dabei aber wesentlich sympathischer rüber als ein großer Teil des NIX-GUT-Klientels. Der absolute Höhepunkt waren für mich aber die Tonträgerrezensionen. Man wies extra darauf hin, dass man wisse, wie viel Arbeit in so einer Platte stecke und dass man deshalb so fair wie möglich bleiben wolle – und fand’ einfach jeden einzelnen Tonträger toll! Herrlich, wie sich Steff für jeden einzelne Scheibe dafür eine neue Formulierung aus den Finger saugen musste, haha. Da lacht das Herz des Rhetorikers. Der Sänger der unsäglichen TAKE SHIT durfte dann noch über seine Ossi-Punk-Zeit berichten, „Alf + Cobi“ begaben sich auf Punkrock-Spurensuche in den Harz, Fred vom UNDERDOG-Fanzine wurde ausgequetscht und die Hakenkreuz-Affäre wurde nochmal beleuchtet. Obligatorisch die Neuigkeiten, Termine und ein paar dümmliche Comics. Ok, die Idee, unterbewertete „Deutschpunk“-Bands aus der Mottenkiste zu holen und posthum abzufeiern (in diese Fall AD NAUSEAM) ist ja wirklich ganz nett und mit den Beiträgen von COR, KONFUZ, WEHRLOS, PROPAGANDA NETWORK und FRUSTKILLER sind auch tatsächlich ein paar gute Songs auf der beiliegenden CD. Alles in allem ist das aber entweder ein NIX-GUT-Katalog mit Fanzine-Seiten oder ein Fanzine mit NIX-GUT-Katalog-Seiten, in jedem Falle aber weder das eine, noch das andere. Grenzwertig. Günni

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