Günnis Reviews

Datum: 28. Juni 2008

ABENTEUER WILDNIS – IRGENDWIE GLÜCKLICHER CD

(http://fizz-records.com) / (www.abenteuerwildnis.de)

Wäre diese Scheibe von „Nix Gut“ gekommen und mir als der neue Deutschpunk-Knaller angekündigt worden, hätte ich wahrscheinlich nach dem ersten Song ausgemacht. Glücklicherweise nimmt der Beipackzettel aber kein einziges mal das Wort „Punk“ in den Mund, denn mit der abenteuerlichen Wildnis sind mitnichten unsere subkulturellen Weiten oder das sich „Gesellschaft“ nennende Bootcamp gemeint, sondern vielmehr die zwischenmenschlichen Gefühlsebenen, über die untermalt von Indie-Pop/-Rock 15 Songs lang leicht nasal gesungen wird. Dieses geschieht in deutschen Texten, die mich stellenweise zum Schmunzeln brachten, auf einem gewissen sprachlichen Niveau auf unaufdringliche Weise, ohne pseudointellektuelles Geschwafel, aber auch ohne musikalische Ausflüge in härtere Gefilde. Radiotauglicher Pop-Rock mit dezenten Synthie-Einsätzen, der keinem wehtut, das aber auch gar nicht beabsichtigt und mir mit insgesamt 56 Minuten Spielzeit etwas zu lang geraten ist. Kommt mit einem nett gestalteten Booklet, das alle Texte enthält. Nur mit Subkultur, der Ausrichtung unseres kleinen Online-Fanzines, hat das Ganze nun wirklich nichts zu tun… Anspieltipp: „Mischen“. Ohne Wertung. Günni

EINSTURZ – KONFRONTATION CD

(www.nix-gut.de) / (www.einsturz.com)

Uuaaah, heftigst klischeebeladener Deutschrock irgendwelcher Gymnasiasten, der sich als Punk auszugeben versucht, wie die Kopie einer Kopie einer Kopie klingt und mit seinem drittklassigen Pathosgehabe hochgradig nervt. Spätestens beim Schlager (!) „Wir wollen Kannen, keine Teller, keine Pfannen“ war dann auch der letzte Funken meines guten Willens aufgebraucht, dem Dargebotenen irgendetwas positiv abzugewinnen. Geht gar nicht! Da hilft auch die schicke CD im Vinyl-Stil mit draufgepressten Rillen nichts mehr. Das Booklet besteht zur Hälfte aus „Nix Gut“-Werbung, der Rest sind schlimme Fotos und Texte. 13 Songs in 42 Minuten. 5. Günni

DOGS ON SAIL – WALKING WITH GODS CD

(www.dogsonsail.de)

Diese norddeutschen Straßenköter sind mir schon mit ihrer vor ein paar Jahren veröffentlichten 5-Song-Scheibe „Rules / No Rules“ positiv aufgefallen und setzen ihren individuellen Stil auf dem Ende letzten Jahres endlich erschienenen ersten Longplayer konsequent fort: Ohrwurm-Melodien, Texte und Interpretationen selbiger zwischen Aggression und Melancholie, die sowohl beim HC als auch beim Pop mit einem Sänger, der mit seiner kratzigen Stimme beides beherrscht, mal anklopfen und untermalt von streetpunkigen Chören über das Leben und die damit einhergehenden Probleme wie Aggressionen, Süchte und der Suche nach dem eigenen Platz, der Position in dieser Welt berichten. Absoluter Überhit ist dabei das fast schon nordisch-folkige, melancholische „Tell Me“, das es als Bonus auch als Akustik-Version mit Akkordeon zu hören gibt. Astreine Hymne! Aber auch der Großteil der restlichen in deutscher und englischer Sprache vorgetragenen Songs überzeugt mit nachdenklichen Texten und hohem Hit-Faktor. Was da für Melodien aus dem Ärmel geschüttelt werden, ist nicht von schlechten Eltern und kann sich verdammt noch mal hören lassen! Das einzige, was mir aufstößt, ist die sporadisch eingesetzte zweite Stimme, die im Opener noch halbwegs hinhaut, in anderen Songs aber einfach nicht passt. Da sie die starken Songs aber nicht zu versauen vermag, kann man da geflissentlich drüber hinwegsehen. Live ist die Band besonders durch Sänger, Entertainer und Rampensau Stulle eine echte Granate – was mich zu folgender Bemerkung hinreißen lässt: Das Album wurde komplett in Eigenregie herausgebraucht und hat keinen Vertrieb oder ähnliches. Leider ist die Band anscheinend etwas unbeholfen, wenn es darum geht, ihre Scheiben unters Volk zu bringen und Konzerte klarzumachen, so dass ich hier eine klare Empfehlung abgeben möchte – ich denke, man hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn man ihr etwas unter die Arme greifen würde. Also, wer durch diese Kritik neugierig geworden ist, kann auf der Band-Website reinhören und Kontakt für etwaige Gigs, die Aufnahme der Platte in den Mailorder-Katalog o. ä. aufbauen. 2. Günni

PLASTIC BOMB #63

(www.plastic-bomb.de)

Die aktuelle Kunststoff-Bombe wartet mit einem bunten Strauß für mich persönlich hochinteressanter Dinge auf, die da wären: Interviews mit KNOCHENFABRIK, UPRIGHT CITIZENS (Helge Schreiber bringt u.a. so einiges über die Entstehung der alten Scheiben sowie manche Anekdote in Erfahrung), SS-KALIERT (mehr ein Verhör als ein Interview, aber interessanter Spagat der Band zwischen „zu ihrem Ding stehen“ und Rechtfertigungen…), GARRY BUSHELL (Klasse Fragen, klasse Antworten, klasse Interview!), REAGAN YOUTH (bzw. deren neuer Sänger), DIE STRAFE (kurzweilig, humorvoll), Anne von der POP (ex-APPD, hier hätte ich mir ein paar kritischere Fragen bzgl. angeblichen Sexismus’ etc. gewünscht), außerdem wurden die MAD PIGS, ESCAPADO, die Ami-Pop á la GOOD CHARLOTTE hörenden grönlandischen Kid-Punks LOST INSULT und Konzertfotograf Bomber (www.punkasfuck.de) befragt. Ansonsten halt die üblichen Rubriken: Ausführliche Vorworte (Michas „Geht gar nicht“-Liste zum Umgang mit Bullen, sehr geil, Helge völlig un-p.c. über nervige Insekten, Sport, Saufen etc., Ronja über Michas Umzug, Konzerte mit den ARTLESS-Bauern und umsich beißende Aggro-Typen sowie Swen über Leben & Tod. Nur Kuwe hat immer noch nichts zu sagen.), ’ne spaßige Kolumne über die letzte PB-Bootstour, Vascos großartige „Wunderbare Welt der Propganda“, diesmal „vom ‚anders sein’ und vom ‚sich anders fühlen’“, Kritiken und Verrisse, Kleinanzeigen, Zepps Zoom, Stanley Heads Ska-Ecke, „Anders leben“ (diesmal mit der Myspace-Alternative (na ja) www.hxcspace.com und der Freiburger Straßenzeitung „FREIeBÜRGER, außerdem berichtet der Verein „Bon Courage“ über schlimme Nazi-Umtriebe in der sächsischen Provinz), Exoten-Punk-Tonträger-Kritiken, Neuigkeiten und Termine plus natürlich Chris Scholz’ Kolumne, die mir wie so oft aus der Seele spricht. Grünen-Wähler, geht doch kacken!!! Insbesondere interviewtechnisch diesmal eine starke Ausgabe! Schlägt immer noch mit 3,50 € zu buche und kommt mit „Pay to Play“-CD. Günni

VERBOTENE FRÜCHTE NR. 14

(www.verbotenefruechte.de.tl)

Nettes kleines Fanzine – bedingt durch das A6-Format im wahrsten Sinne des Wortes – von Karsten Conform (ex-NON CONFORM) und Albert (BIRD COCAINE), das neben einigen Kolumnen hauptsächlich aus Rezensionen und Konzertberichten besteht und damit in erster Linie von regionalem Interesse sein dürfte (Barntrup und Umgebung). Positiv fällt das Nichtvorhandensein musikalischer Scheuklappen auf, negativ das Interview mit irgendwelchen Hip-Hop-Spacken, die „Aggro Berlin“ toll finden. Kost’ nix und kommt mit Postkarte. Günni

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