Günnis Reviews

Datum: 1. September 2009

28.08.2009, Consortium, Hamburg: HIGHSCHOOL NIGHTMARE

freitag highschool nightmare + irgend’ne rockabilly-combo im consortium in hamburg-harburg.

der eintritt in diesem mir vollkommen unbekannten laden war frei und die bierpreise fair. dafür ging’s aber überpünktlich los, so dass ich den anfang von highschool nightmare in dieser kneipe, die wohl öfter mal bands auftreten lässt und das auch zukünftig verstärkt vorhat, verpasste. glücklicherweise aber nur die ersten beiden songs, wovon einer für die zu-spät-gekommenen später als zugabe noch mal gespielt wurde. aufgrund irgendwelcher lärmschutzbedingungen war man dort übrigens sehr penibel und lief beim soundcheck tatsächlich mit ’nem dezibel-messgerät rum, riet dem drummer, doch bitte seine becken abzukleben (!), hing stattdessen als kompromiss eine decke vor die eine seite des schlagzeugs und ließ die band um jeden dezibel feilschen – was zum running gag des abends wurde.

der highschool-nightmare-gig war natürlich klasse, wenn auch bei den letzten songs die lautstärke des gesangs zu weit runtergedreht wurde. aber die neuen songs können einfach alles und das vinyl der neuen platte ist übrigens nun auch endlich da!

die nun folgende rockabilly-band, deren namen ich leider vergessen habe, coverte sich durch die musikgeschichte und hatte durchaus fähige musiker am start, die z.b. auch mit ’nem fetten kontrabass umkönnen. optisch hätte ich aber was anderes als z.b. zöpfe erwartet, aber was soll’s – geht ja um die mucke. und zu der konnte man gut das eine oder andere pilsken runterspülen. so endete dann auch ein lauer sommerabend in einem sympathischen laden mit sehr gemischtem publikum, der, wie sich hinterher herausstellen sollte, die bands auch sehr fair behandelt hat – diese mussten nämlich mitnichten kostenlos spielen. scheint also eine gute adresse dort südlich der elbe zu sein.

stargast des abends war übrigens maschine von den puhdys. ok, zumindest jemand, der ihm bis aufs ei glich.

Egon Krenz – Herbst ’89

krenz, egon - herbst '89Statt einer Kurzkritik eine Diskussion zum Thema, die ich einst in einem Forum führte.

Wann das genau war, kann ich nicht mehr nachvollziehen, müsste aber der Herbst 2009 gewesen sein.

Die hell unterlegten Passagen stammen von meinem Diskussionspartner:

Egon Krenz,der noch heute vor Stasioffizieren seine wirren Selbstbetrüge als Geschichte vorträgt und erzählt, wie die Stasi dafür sorgte, dass die 89er Revolution überhaupt stattfinden konnte und so friedlich blieb?

Ich weiß so gut wie nichts über Egon Krenz, weshalb ich eben dieses Buch jetzt lese. Der letzte Beitrag über ihn, den ich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sah, war so dermaßen billig und offensichtlich auf reine Polemik und Vorführung ausgerichtet, dass man meinen könnte, der Kalte Krieg wäre noch in vollem Gange, was letztendlich den entscheidenden Ausschlag dazu gab, dass ich mich dieser Lektüre annahm. Möglicherweise liegt die wahrheit wie so oft irgendwo in der mitte?

Du bezweifelst, dass die DDR-Führung zum weitestgehend friedlichen Ablauf des Umbruchs ihren Beitrag geleistet hat? (keine rhetorische, sondern ernstgemeinte Frage)

Zu seiner Ehrlichkeit und seinem Bild der Vergangenheit reicht es eigentlich zu wissen, dass er bis heute sagt, es habe in der DDR an der Grenze keinen Schießbefehl gegeben. (obwohl die etwaigen Paragraphen ja bekannt sind)

Wie bekannt ist, wurde wenige Tage vor der großen Leipziger Demo noch jedes Treffen von der Stasi und nicht zu vergessen, den Betriebskampfgruppen zusammengeknüppelt, in dermaßen brutaler Form, da ist das, was die Hamburger Polizei diesen Sommer so macht, Kindergeburtstag gegen.

Zwei Dinge haben sie dann zum Nachlassen gebracht:
1. Die schiere Größe der Demos.
2. Fehlende Rückendeckung aus Moskau. Dies verschweigt Krenz ja gern und kann sich so als friedliebender Demonstrantenfreund zeigen.

Bernd Lade sagte dazu passend:
Wenn Breshnew noch an der Macht gewesen wäre, dann hätte Krenz schießen lassen. Die Planungen dafür gab es ja.

Wie gesagt, ich lese mich gerade erst etwas intensiver in die Thematik hinein. Vielleicht schreib ich da später noch mal was zu. Von „was wäre wenn (z.B. Breshnew noch an der macht gewesen wäre)“-Spekulationen halte ich aber nicht viel. Es waren ja nicht nur personelle Faktoren, die den Zusammenbruch der UDSSR bewirkt haben, sondern auch politische und wirtschaftliche.

Dein letzter Satz ist richtig, mein Beispiel sollte nur verdeutlichen, wie wenig unabhängig die DDR-Führer in ihren Entscheidungen waren, sondern sich immer nur im jeweils vorgegebenen Freiraum entscheiden konnten.

Das stimmt natürlich, ist aber nicht Krenz anzulasten. Diesen Umstand macht er in seinem Buch, das ich mittlerweile durch habe, ebenso deutlich wie den völligen Realitätsverlust und die Paranoia des Politbüros, die letztendlich kontraproduktive Machtauf- und -verteilung und vieles andere. Gleichzeitig übernimmt er die Verantwortung, soweit es ihm möglich ist. Er beschreibt auch recht nachvollziehbar den damit einhergehenden, aus meiner Sicht quasi unmöglichen Spagat zwischen Reformwillen auf der einen und Verantwortung für den bewaffneten Machtapparat auf der anderen Seite. Im Übrigen gab es durchaus einen Befehl Honeckers, Gewalt anzuwenden, den Krenz unverzüglich abgewendet und damit seine Kompetenzen überschritten hat. Die in der DDR stationierten Sowjettruppen haben, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ihre Unterstützung angeboten, wurden aber aufgefordert, sich zurückzuhalten. Ich denke nach meinem aktuellen Kenntnisstand sehr wohl, dass er unter seiner Führung einen großen Anteil am unblutigen Verlauf der Wende hat. Das wurde ihm im Urteilstext zu seiner Verurteilung wegen Totschlags sogar höchstrichterlich bestätigt.

Ich muss sagen, ein sehr, sehr interessantes Buch. Man muss natürlich auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen können. Aber Krenz äußert sich tatsächlich sehr kritisch der DDR gegenüber, aber eben auch ggü. der westdeutschen Politik seinerzeit. Ich glaube, wer sich für das Thema interessiert, kann hier viele interessante Hintergrundinformationen aus erster Hand erfahren. Fast alles, worauf er sich bezieht und woraus er zitiert, wurde übrigens mit Quellenangaben beinhaltenden Fußnoten unterlegt, um für soviel Objektivität wie möglich zu sorgen. Man sollte allerdings etwas Grundwissen mitbringen, da Krenz direkt im Herbst ’89 einsteigt und es leider auch kein Organigramm oder ähnliches gibt, das das damalige System anschaulich mit seinen Abhängigkeiten und Zuständigkeiten skizziert.

Was den Schießbefehl an der Grenze vor dem Herbst ’89 betrifft, so äußert er sich in diesem Buch leider nicht. Spätere Aussagen erscheinen mir widersprüchlich. Es gab ja sozusagen zwei „Versionen“: einen offiziellen Paragraphen (ab 1982?) und „interne“ Handlungsaufforderungen. Wenn ich das richtig (aus zweiter oder dritter Hand) verstanden habe, sagt er, es habe zwar einen Schießbefehl gegeben, der aber nicht mit der Aufforderung zum Töten einhergegangen sei. Inwieweit ihm zu seinen Politbüro-Zeiten die internen Auslegungen bekannt waren, weiß ich nicht.

29.08.2009: MØGENKLADDER-TOUR

am samstag dann früh hoch und raus, denn erstmalig wollte ich an der møgenkladder-tour teilnehmen, die einmal jährlich auf ’nem über die elbe tuckerndem schiff stattfindet. ist halt etwas teurer, aber muss man eigentlich mal mitgemacht haben. um 12:30 uhr war einlass an den landungsbrücken und es ging auf die ms „max brauer“. insgesamt sollte der spaß bis um 19:00 uhr gehen und satte sechs zum pogo aufspielen, so dass sich der preis von 29,- € durchaus relativiert. der altersdurchschnitt auf dem schiff war recht hoch und, nein, das lag nicht nur an meiner anwesenheit. ein frisch gezapftes bier kostete 1,80 €, auch das war fair. den anfang machten les roeveren, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte, mit einer sex-pistols-coverversion. damit kann man natürlich nicht viel falsch machen. leider ließen die anschließend zumindest für meinen geschmack stark nach, weshalb ich mich wieder aufs oberdeck verzog. der fahrtwind tat sehr gut, das wetter erwies sich aber als sehr wechselhaft und so ergossen sich irgendwann so viele schauer, dass der bierstand an der frischen luft abgebaut wurde. zu projekt kotelett ging’s dann wieder nach unten, die ein sehr unterhaltsames set hinlegten und gut ankamen. spätestens jetzt fiel mir auf, wie GUT der sound in diesem raum mit der niedrigen decke war – spitzenmäßig! die nächste band schenkte ich mir. es folgten highschool nightmare, die meines erachtens ihren bisher besten gig hinlegten – perfekter sound, absolut geil! total euphorisiert tanzte ich mir die seele aus dem leib. die letzte band, die ich mir ansah, war dann strongbow aus dresden, die melodischen, hymnischen streetpunk zum besten gab, der zum mitfeiern und -singen einlud, obwohl ich keinen einzigen song kannte. der raum unter deck war mittlerweile aber sowas von aufgeheizt, dass ich das gefühl hatte, der schweiß würde von der niedrigen decke tropfen und so dermaßen am schwitzen war, dass meine augenbrauen vollends versagten und mir der schweiß rinnsal-artig in die augen lief, bis ich nun wirklich gar nichts mehr sehen konnte. pünktlich um 19:00 uhr legte der kutter dann auch wieder an und es ging mit ordentlich schlagseite auf den kiez, wo noch bis um mitternacht weitergefeiert wurde.

fazit: hammerparty, perfekter sound, mal ’ne etwas andere lokalität. nur die bands c.y.d. und gutbucket habe ich ignoriert, weil ich es so lange am stück einfach nicht im aufgeheizten unterdeck ausgehalten habe. der zeitplan war auch sehr eng, die bands folgten quasi schlag auf schlag. hat sich gelohnt!

stargast des abends war übrigens wolfgang petry.

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