Günnis Reviews

Datum: 17. März 2014

24.02.2014, MarX, Hamburg: ENFORCER + SKULL FIST + VANDERBUYST + GENGIS KHAN

enforcer + skull fist + vanderbuyst + gengis khan @marx, hamburg, 20140224Ein Montagabend im Zeichen des Metals. Bandprobe abgesagt, pünktlich Feierabend gemacht und auf zur Markthalle (bzw. deren kleiner Schwester, dem MarX), leider allein – niemand in meinem Freundeskreis ist so irre, an einem Montagabend ein solches Konzert aufzusuchen. Egal, vorgenommen, nüchtern zu bleiben und den Bands, ähm, „interessiert zu folgen“, was bei Metal-Shows eigentlich immer ganz gut klappt. Kutten wohin das Auge blickt, entspannte Leute, und ein pünktlicher Start von GENGIS KHAN. CSU-Bonze Leslie Mandoki zu feuern war längst überfällig, die musikalisch etwas härtere Ausrichtung stand der Band auch nicht schlecht zu Gesicht und besonders der Drummer lieferte eine geile Show, ließ die Sticks kreisen, warf sie hoch, fing sie wieder auf und durfte die Chose durch ein gelungenes Drum-Solo auflockern. Das Songmaterial erschien mir trotz allem aber eher unspektakulär und auf den alten Smashhit „Dsching, Dsching, Dschingis Khaaan, hey Reiter, ho Reiter…“ musste ich ganz verzichten. Oder hab ich da was verwechselt? Im Ernst: Italo-Metal der okayen Sorte.

VANDERBUYST kannte ich schon live, spielen partytauglichen Hardrock/Metal mit ‘70s-Vibe. Machen live immer Laune, zumindest dann, wenn die Kaasköppe bischn härter zur Sache gehen. Die Bude war mittlerweile voll, die Band wurde sehr gut angenommen, aber mir gelüstete es nach mehr Speed.

Die Kanadier SKULL FIST scheinen voll und ganz für ihre Musik zu leben und veröffentlichen Platten mit geilen gezeichneten Covern mit so’nem Totenwasserkopp druff und spielen einen interessanten atmosphärischen Oldschool-(Speed-)Metal-Sound. Der Sänger agiert in den höheren Tonlagen und manch hochmelodische Akkordfolge schmeichelt sich zu hymnenartigen Refrains ein. Das kommt irgendwie gut und war ehrlich gesagt der Hauptgrund für mich, dieses Konzert zu besuchen. Da die als einzige aber keinen eigenen Banner dabei hatten, hielt nicht nur ich die Jungs auf der Bühne aufgrund der Ähnlichkeit des Sounds zunächst für ENFORCER, deren Banner von der Bühne prangte. Ließ sich aber auch schlecht heraushören, denn der Livesound war zunächst für den Allerwertesten: Gesang zu leise, die Tiefen haben alles überdröhnt – und zwar total verzerrt. Wurde später aber besser und die Band war supergeil! Grandiose Show, feinster Street Speed Metal mit Hymnencharakter. Die Band steigerte sich voll rein, setzte Unmengen Energie frei, sprang in den feiernden Mob, ließ sich im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen tragen. Auch das Publikum setzte immer wieder zum Crowdsurfen an, manch Brille wurde von der Nase gefegt, einer dürfte sich auch verletzt haben. Die Stimmung blieb aber positiv und friedlich. SKULL FIST mussten folgerichtig für ’ne Zugabe ran und haben mich vollends überzeugt!

skull fist live @marx, hamburg, 24.03.2014

Skull Fist live – da wird auch schon mal über den Kopf des Publikums hinweg soliert

Die Schweden von ENFORCER bildeten dann den krönenden Abschluss und waren ’ne glatte Eins, unfassbar intensiver Speed Metal, wahnsinnige Konditionsleistung der Band, viel geiler als auf Platte, Energie pur! Und dann coverten sie auch noch „Countess Bathory“ von VENOM… Gab zwei Zugaben und war der absolute Oberhammer! „Katana“, „Live for the Night“, „Satan“ ein energisch vorgetragener Kracher nach dem anderen, Adrenalin pur, 100%ig authentische Darbietung. Ich wusste, dass ENFORCER gut sein würden, ich kannte die ersten beiden Alben und war vertraut mit dem schnörkellosen, melodischen Oldschool-Speed-Ansatz der Truppe um den blonden Frontmann, aber einen solchen Orkan hatte ich nicht erwartet. Schwer beeindruckt und tatsächlich quasi-nüchtern ging’s ins Bett, während ich noch darüber grübelte, woher diese Band ihre Energie auf einer solchen Tour nehmen, während ich nach nur einem Gig mit einer meiner Combos eigentlich schon ein Fall für die Reha bin…

08.02.2014, Lobusch, Hamburg: OI POLLOI + HAMBURGER ABSCHAUM

oi polloi + hamburger abschaum @lobusch, hamburg, 08.02.2014Endlich mal wieder die schottischen Anarchos von OI POLLOI, und dann auch noch zusammen mit dem HAMBURGER ABSCHAUM, der nun endlich sein Album draußen hat – das klingt nach ‘ner geilen Party! Dank BOLANOW-BRAWL-Gesangsaufnahmen schon gut angeheitert, kam ich reichlich spät und hatte Glück, überhaupt noch in die rappelvolle Lobusch hineingelassen zu werden. Dort gab der ABSCHAUM gerade sein eigens für den Soli-Sampler für die Lampedusa-Flüchtlinge eingespielten Song zum Besten, der zum Fäusterecken und Mitgrölen einlädt und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, folgte das mittlerweile hinlänglich bekannte Programm mit all seinen Hits, das entsprechend gefeiert wurde. Die Lobusch glich allerdings mittlerweile einer Sauna, worunter meine Kondition litt. Ein paar Bieraufgüsse später standen OI POLLOI auf den Brettern und wie einen guten Wein hätte ich die altbekannte Show mit den längst zu Klassikern gewordenen Ansagen und Show-Elementen – wie immer vorgetragen in höchst respektablem Deutsch! – genießen können, wäre der raue, schnelle Hardcore-Punk der Band nicht derart aufpeitschend gewesen, dass ich mich wider alle Vernunft in den Pogo-Mob stürzte und angesichts meines desolaten Zustands vermutlich mehr herumstolperte, als, äh, tänzerische Akzente zu setzen. Ein nasser Sack wäre Fred Astaire dagegen gewesen. Ächzend und keuchend fand ich irgendwann in der Nacht dann glücklicherweise noch den Weg nach Hause. Irgendwie ganz schön anstrengend alles, aber manchmal siegt die Abenteuerlust eben doch noch vor der Altersweisheit.

17.12.2013, Bambi Galore, Hamburg: STRIKER + SCREAMER + EVIL INVADERS

striker + screamer + evil invaders @bambi galore, hamburg, 17.12.2013Auf eine positive Kritik im „Rock Hard“ hin hatte ich mal in das Mini-LP-Debüt der belgischen EVIL INVADERS hineingehört – und umgehend zum heißesten Oldschool-Speed-Metal-Scheiß überhaupt zurzeit erkoren. Klar war demnach, dass ich die sympathische Bambi Galore in Hamburg-Billstedt heimsuchen werde, um mir das Spektakel live nicht entgehen zu lassen. Der Laden füllte sich für einen Dienstagabend erstaunlich schnell und ansehnlich mit kuttentragenden Metalheads und atmete ordentliche ‘80er-Atmosphäre. EVIL INVADERS machten dann auch den Anfang des Dreier-Pakets und erfüllten all meine Erwartungen! Die Band gab alles, spielte ihre pfeilschnellen Stücke quasi fehlerfrei in einem wahren Rausch und Gitarrist und Sänger Jöe Anus malträtierte seine Stimme mit hohen Frequenzen und spitzen Schreien – genial! Als Extra-Bonbon gab’s das EXCITER-Cover „Violence and Force“, das wie die Faust aufs Auge passte. Der Sound war ebenfalls klasse und auch meine Freundin, in Sachen Speed-Metal-Konzerte (wie ich eigentlich auch) eher unbeleckt, fand Gefallen an der Sause, was mir den Abend zusätzlich versüßte. Für mich stand jetzt schon fest, den Höhepunkt des Konzerts bereits erlebt zu haben, hatte die folgenden Bands aber auch gar nicht so recht auf dem Zettel. Die Schweden SCREAMER forderten allerdings vehement Aufmerksamkeit ein, spielten ebenfalls ein superflinkes Brett, schreckten nicht vor Hochfrequenz-Tönen der Gitarre und der Stimme zurück und wurden entsprechend abgefeiert. Besonders gefallen haben mir die Songs „Demon Rider“ und „Screamer“ und auch der Rest war nicht von schlechten Eltern sowie höchst unterhaltsam und mit Nachdruck dargeboten. Eine ungekünstelte Band, übrigens mit einem Punk am Schlagzeug, die ihre Songs lebt und mit ehrlicher Inbrunst darbietet. Live ‘ne volle Kante – Respekt! Und siehe da, STRIKER aus Kanada schlugen in dieselbe Kerbe, spielten um ihr Leben und lieferten eine geile Show, an der es rein gar nichts zu mäkeln gab! Der Sound war noch immer 1a und der Mob feierte, das IRON-MAIDEN-Cover „Two Minutes to Midnight“ wurde aus hunderten Kehlen mitgesungen. Obwohl SCREAMER und STRIKER nominell gar nicht zwingend dem Speed-Subgenre zugerechnet werden, erschien mir der ganze Abend wie einziger Geschwindigkeitsrausch, der selbst dann permanent Adrenalin produzierte, wenn man nur dastand und sich von den Darbietungen an die Wand drücken ließ. Alle Bands waren wild, spieltechnisch bemerkenswert, energiegeladen und authentisch und sicherten mir ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit viel Underground-Flair, das ich so schnell nicht vergessen werde – wenn auch das Pfeifen in den Ohren glücklicherweise schnell wieder nachließ. SO macht Metal verdammt viel fucking Spaß!

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