
Cinema, die größte deutsche Kino-Zeitschrift, existiert seit 1976 und war einst ein wichtiges Informationsmedium, das es sich jedoch oftmals mit simplen Handlungsnacherzählungen zu Filmen inklusive Spoilern etwas zu einfach machte. In der zweiten Hälfte der 1980er jedoch war aus dem einst eher den Eindruck eines Werbeblatts der Filmindustrie hinterlassenden Heft ein inhaltlich durchaus ernstzunehmendes Periodikum geworden. Im Jahre 1980 brachte man in Form dieser 68-seitigen Sonderausgabe einen Sammelband nach Dafürhalten der Redaktion besonders lesenswerter Artikel aus den vergriffenen Startausgaben heraus, um der Nachfrage nach längst vergriffenen alten Heften gerecht zu werden. Schade indes, dass sich nirgends entnehmen lässt, in welcher Ausgabe die jeweiligen Inhalte erstabgedruckt worden waren.
Auf das mit dem Inhaltsverzeichnis verwobene Vorwort folgt ein achtseitiger Bericht über Stanley Kubricks „Barry Lyndon“, in dem Wolf Donner sich redlich Mühe gibt, den Film wohlwollend zu umschreiben, ohne allzu sehr durchblicken zu lassen, dass er ihn als eigentlich eher langweilig empfand. Die sich durchs Heft ziehenden zahlreichen großformatigen Fotos sehen aus heutiger Perspektive nach Platzschinderei aus, erfüllten in Zeiten nicht überall auf Mausklick verfügbarer Trailer oder Fotostrecken aber den nachvollziehbaren Zweck, optische Eindrücke eines visuellen Mediums zu vermitteln – und entfalten dann und wann beim Blättern in diesen alten Zeitschriften ihren ganz eigenen Reiz.
Weiter geht’s mit dem Disney-Zeichentrickfilm „Bernard und Bianca“ und einem schönen Interview mit Bud Spencer, worauf ein reich bebildertes, fünfseitiges Porträt B.O. Wulffs der Erotikdarstellerin Sylvia Kristel folgt. Anstelle des im Inhaltsverzeichnis und auf dem Titelblatt angekündigten Berichts zu „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ wird das Katastrophenfilm-Genre mit „Achterbahn“ bedient. Laut James Goldstone seien „suspence-Klassiker wie Alfred Hitchcock und Carol Reed“ Vorbilder gewesen. Wenn das keine Stilblüte ist… Kommen wir zu James Bond mit „Der Spion, der mich liebte“, der auf den satten acht Seiten nach allen Regeln der Kunst gespoilert wird. Immerhin finden sich hier neben einigen Kästen mit Zusatzinformationen aber auch kritische Worte zu den vorausgegangenen Bond-Filmen. Zwei Seiten widmet man „Schwarzer Sonntag“, bevor man zu einem wirklich interessanten Hintergrundbericht zum die Watergate-Affäre verarbeitenden „Alle Männer des Präsidenten“ übergeht. Eine Witzseite sorgt für Zerstreuung und der anschließende Artikel zu „Bilitis“ ist so weit ok, wenn auch sehr unkritisch – vermutlich dem damaligen Zeitgeist geschuldet.
Nach noch mehr Witzen bekommt der Polit-Thriller „Julia“ zwei Seiten spendiert, der Hintergrundbericht „Kino zwischen Profit und Pleite“ beschreibt knapp das unternehmerische Risiko von Filmproduktionen und die sieben Seiten zu „Die Tiefe“ lesen sich leider fast wie ein reiner Promo-Text. Einige Bildunterschriften sind verschwommen und daher nur schwer lesbar. Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ wird abschließend mit sage und schreibe zehn Seiten bedacht, inklusive vieler großer Bilder, die hier aber insbesondere deshalb ihre Berechtigung haben, weil sie das besondere Farbenspiel des Films erahnen lassen. Der mit oberflächlichen Infokästen über Regisseur Spielberg und Spezialeffektkünstler Trumball versehene Artikel spoilert die Handlung jedoch wieder komplett und steckt mehr noch als die anderen Heftinhalte voller Zeichensetzungs- und Grammatikfehler.
Eigenartige Phänomene wie Bindestriche flankierende Leerzeichen und Rechtschreibschwächen wie „Jagten“ als Plural von „Jagd“ finden sich immer mal wieder und das Vorwort wurde offenbar auf den allerletzten Drücker eingereicht, sodass es kein Korrektorat mehr durchlaufen konnte. Um einen Eindruck der Stärken und Schwächen alter Cinema-Ausgaben zu erhalten, eignet sich dieser Sonderband also gut. Dass diese durchwachsene Sammlung tatsächlich „Das Beste“ aus den Startausgaben sein soll, stimmt hingegen nachdenklich…
Später folgte übrigens eine auf knapp 200 Seiten erweiterte Neuauflage mit neuem Cover. Vielleicht findet sich darin ja etwas über den bereits auf diesem Titel angekündigten Schauspieler Marty Feldman, der mir auch beim nochmaligen Durchblättern verborgen blieb. Marty, wo hast du dich versteckt?

Dieses 116-seitige broschierte Buch auf hochwertigem, festem Papier habe ich vor einiger Zeit aus einer „Zu verschenken“-Kiste am Straßenrand gefischt. Da ich selbst VHS-Bänder aufbewahre, hatte es mein Interesse geweckt. Herausgegeben wurde der sämtliche Inhalte in einer deutschen und einer englischen Fassung enthaltende, dadurch zweispaltig gestaltete Sammelband vom Kunstmuseum Wolfsburg im Jahre 1997. Anlass war das dessen Videosymposium am 25. November 1995. Aufgeteilt in neun Kapitel plus zwei Vorworte und ein paar Begleitinformationen wird der Begriff „audiovisuelle Kunstwerke“ dahingehend verengt, dass es vornehmlich um Videoinstallationen in Ausstellungen geht, weniger um z.B. fiktionale Spielfilme und Serien auf Videobändern. Anlass des Symposiums war die Ausstellung „High-Tech-Allergy“ des Künstlers Paik; abgedruckt sind die Vorträge verschiedener Referentinnen und Referenten jener Tagung sowie ein Interview mit Paik.
…und ANTI-HEROS. Die waren mein primärer Grund für den Konzertbesuch, sollte die US-Oi!-Band, die bereits seit den 1980ern besteht, doch erstmals seit über 20 Jahren drei Gigs in Deutschland absolvieren: in Essen, tags darauf in Hamburg, anschließend in Berlin. Dazu später mehr. Wäre nicht viel potenzielles Publikum bereits zum „Spirit of the Streets“-Festival aufgebrochen gewesen, wäre das Monkeys an diesem Donnerstag sicherlich noch um einiges besser besucht gewesen. Trotzdem bot sich eine ordentliche Kulisse, als ich mir endlich meinen zweiten RED-BRICKS-Gig anschauen konnte. Die machen sich ja eigentlich nicht gerade rar, aber seit sie ihren neuen Sänger haben, hat es irgendwie nie bei mir gepasst. Im Vorprogramm von 















Eine der faszinierendsten (Super-)Helden-Comic-Reihen ist seit jeher Batman, gerade weil er über gar keine Superkräfte verfügt. Von DC im Jahre 1939 erstmals ins Rennen geschickt, durchlebte der dunkle Ritter zahlreiche Metamorphosen, Spin-Offs und Reboots. Im Jahre 1999, also zum sechzigjährigen Jubiläum, stellte der deutsche Dino-Verlag für diesen Sonderband besonders relevante oder herausragende Batman-Comics aus den 1960ern zusammen, um sie auf rund 150 Seiten angereichert mit zahlreichen Hintergrundinformationen und einem eingehefteten Bastelbogen (für je einen Batman- und Robin-Aufsteller) neu zu präsentieren und so nachgewachsenen Leserinnen- und Lesergenerationen nahezubringen. Es handelt sich um einen vollfarbigen, handgeletterten Softcover-Band im bewährten Heftchenformat, der dem 1998 verstorbenen Batman-Erfinder Bob Kane gewidmet ist.
Noch vor der großen ‘80er-Jahre-Retrowelle, genauer: im Jahre 2007 veröffentlichte der Kölner Verlag Naumann & Göbel (NGV) Markus Caspers gebundenen großformatigen und kommentierten Bildband mit abwischbarer Oberfläche und auf festem, hochwertigem Papier: Rund 260 Seiten stark, mit über 400 Bildern. Böse Zungen behaupten, die ‘80er hätten auch eine abwischbare Oberfläche gehabt, verkennen dabei aber, dass unterkühlte Neo-noir-Ästhetik und synthetische Musik Ausdruck eines Zeitgeists und eines Lebensgefühls waren (und sind), das sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzte und entwickelte – und gern an konformistischen, konsumorientierteren Oberflächlichkeiten kratzte.
Nach dem
Bevor die Renaissance der Popkultur des 1980er-Dezenniums in den 2010er-Jahren erfolgreich vollzogen wurde, gab es in der ersten Hälfe der 2000er bereits Unternehmungen in diese Richtung. Spielzeughersteller Mattel legte die „Masters of the Universe“-Actionfiguren wieder auf und gab sogar eine neue Zeichentrickserie in Auftrag, Modern Talking waren bedauerlicherweise bereits seit 1998 (bis 2003) wieder aktiv, Iron Maiden brachten mit ihrer Reunion den klassischen Heavy Metal der ‘80er international weit über den Underground hinaus zurück aufs Tapet, Nena feierte mit Neuaufnahmen alter Hits ihr 20-jähriges Jubiläum, No Doubt beherrschten mit ihrer Talk-Talk-Coverversion „It’s My Life“ die Charts – und der Kölner Privatsender RTL, selbst eine Geburt der ‘80er, ließ von Günther Jauch, einem Unterhaltungssendungsmoderator, der in den 1980ern seine Popularität erlangte, die mehrteilige „80er Show“ produzieren. Diese wirkte etwas bemüht, als gelte es, ein Revival zu erzwingen, und war schlicht ungefähr zehn Jahre zu früh dran.