
Zwischen Mett und Wurscht
BOCKWURSCHTBUDE live in Hamburg, zusammen mit zwei lokalen Bands, an ‘nem Samstagabend inner Lobusch? Geil! Da lässt es sich doch prima in den Geburtstag der besseren Hälfte reinfeiern, zusammen mit unserem Berliner Besuch.
In der amtlich gefüllten Lobusch machte das Trio SOKO METTIGEL den Anfang, eine von zwei jungen Hamburger Bands an diesem Abend. Vor zwei Jahren ist das Debütalbum „Dienst nach Vorschrift“ mit deutschsprachigem Punkrock, der auch inhaltlich gen Hardcore-Punk tendiert, erschienen. Von den Inhalten kam live nun nicht so viel rüber, denn weder der Bassist noch der Gitarrist waren an ihren Mikros gut zu verstehen, obwohl es sich um gar nicht allzu kehliges oder gutturales Shouting handelte. Umso deutlicher zu vernehmen war das Schlagzeug, das selbst mir dann doch zu viel Uffta-Uffta fabrizierte. Besser gefiel mir die SOKO, wenn sie etwas den Fuß vom Gas nahm und der Drummer ‘nen normalen Beat dazu spielte. So oder so sehr rustikaler, angepisster, aber noch ausbaufähiger Punk, der auf den Studioaufnahmen besser klingt als live an diesem Abend. Das Publikum störte das aber wenig, vor der Bühne war einige Bewegung.
Noch jünger sind NÖÖS, die derzeit an jeder Steckdose spielen und auch gern kurzfristig einspringen, so auch hier für die ursprünglich eingeplanten, aber leider krankheitsbedingt verhinderten WHAT. NÖÖS sind hungrig und haben anscheinend immer Zeit und Bock, ihren Sound zwischen melodischem Hardcore- und Streetpunk mit englischen Texten unters Volk zu bringen. Trotzdem sah ich sie an diesem Abend erst zum zweiten Mal. Gegenüber dem Gig im Monkeys ist das Set um ein paar Songs gewachsen. Der Sänger macht immer noch gleichzeitig den Animateur, was manchmal etwas drüber wirkt, auf alberne Sperenzien wie eine Wall-of-death-Aufforderung verzichtete er diesmal aber dankenswerterweise. Mit kräftiger Stimme sang und shoutete er sich bei nun hörbar besserem Sound durch die Songs, darunter der kleine Hit „Baptized in Blood“, zu dem NÖÖS ein überraschend professionelles Video gedreht haben, und das LOIKAEMIE-Cover „Good Night, White Pride“. Letzteres wurde zusammen mit „Attack Attack“ (oder so, kein TROOPERS-Cover) einfach noch mal hinten drangehängt, diesmal dann auch mit allen Drumbreaks fehlerfrei durchgeholzt. Überzeugender Gig, der von den Anwesenden entsprechend goutiert wurde.
BOCKWURSCHTBUDE aus Frankfurt anner Oder hatte ich noch nie livegesehen, und auch wenn ich ein älteres Album im Schrank habe, rangierten die mit ihrer eher simpel gezockten Mischung aus Deutsch-, Fun- und Oi!-Punk bei mir – im Gegensatz zu einer aus Lübeck angereisten Fanclub-Clique – eher unter ferner liefen. Dies änderte sich mit dem aktuellen Langdreher „Sippenhaft“ und mit dem Einstieg des CHAOS-Z/FLIEHENDE-STÜRME-Düsterpunk-Urgesteins Andreas Löhr. Das Ding ist ‘ne Hammerscheibe mit, passend zum Zeitgeschehen, vornehmlich ernsten Inhalten geworden, intoniert mit gleich zwei versiert aufspielenden Klampfen und dargereicht von Mikro Mostrichs giftigem Gesang. Eröffnet wurde das Liveset mit dem Klassiker „5 Minuten“, meinem Favoriten unter den alten Songs. Weitere alte Hits waren der Anti-Hamburger-Schule-Song und die von den vor der Bühne Alarm machenden Fans herbeigesehnte und inbrünstig mitgesungene Schwarzfahrhymne „Blackriding Underground“. Am stärksten aber waren die zahlreichen aktuellen Songs von der „Sippenhaft“, von denen ich keinen speziell hervorheben will. Andreas zockte ‘nen fetten Bass dazu und beteiligte sich an den Backgrounds, bevor er für die letzte Zugabe Position und Instrument mit Mostrich tauschte und den CHAOS-Z-Klassiker „Duell der Letzten“ zum Besten gab. Das war dann der gänsehautverursachende Schlusspunkt eines fantastischen Gigs einer unheimlich gut gereiften Band. Knaller! Und dann hatte die Liebste auch schon Geburtstag.
P.S.: Beim Verfassen dieser Zeilen wurden zwei (vegetarische) Bockwürschte verzehrt. Mit Senf!







































Die F.A.Z. – liest man nicht, aber kennt man: Politisch reaktionäres Käseblatt mit jedoch einem ambitionierten Feuilleton, dessen Redakteure Patrick Bahners und Andreas Platthaus erklärte Freunde der neunten Kunst und sogar Donaldisten sind, sodass Comics, einst Alptraum des deutschen Spießers, dort einen guten Leumund genießen. Dies ging so weit, dass der F.A.Z.-Verlag in den Jahren 2005 und 2006 eine 20-bändige Reihe ausgewählter Comic-Klassiker kompilierte und mit anspruchsvollen Vorworten versehen als preisgünstige Taschenbücher veröffentlichte. Bei für mich interessanten Titeln – und das waren gar nicht so wenige – griff auch ich seinerzeit zu, verfasste aber leider noch keine Besprechungen für Blog oder Forum.
Wie bereits erwähnt, war ich nach Flohmarktfund und Lektüre von Funny-Comiczeichner Wolfgang Sperzels zweitem Album
Die anarchischen, agentenparodistischen Slapstick-Funnys des Spaniers Francisco Ibáñez um die TIA-Agenten Fred Clever und Jeff Smart existieren seit 1958 und erschienen hierzulande ab 1972 im Condor-Verlag als Softcover-Alben und Taschenbücher, unter anderen Namen aber sporadisch auch bei anderen Verlagen. 2018 übernahm der Carlsen-Verlag die Reihe, 2023 verstarb Ibáñez leider. Als Kind habe ich sie geliebt, im Gegensatz zu anderen Comics habe ich sie aber als Erwachsener nicht „wiederentdeckt“. Als ich sah, dass ein Sonderband zu einer meiner Lieblings-Fußballweltmeisterschaften, der WM 1986 in Mexico, existiert, musste der aber her. Das Album bringt es auf 50 computergeletterte, vollfarbige Seiten mit dynamischer Panelanordnung (also alles wie gehabt).
Die Graphic Novel „Fuck“ (im Original „I Never Liked You”) des kanadischen Comiczeichners Chester Brown erschien ursprünglich von 1991 bis 1993 als Fortsetzungsgeschichte in seiner Heftreihe „Yummy Fur“. Mir liegt die deutschsprachige Ausgabe aus dem Reprodukt-Verlag vor, die dort im Jahre 2008 als rund 200-seitiges, unkoloriertes Taschenbuch erschien.
Diese Veranstaltung stand unter keinem wirklichen guten Stern. Während die ersten beiden von Bitzcore-Juergen durchgeführten Ausgaben mit großen Namen oder einer kultigen Oldie-Punk-Fraktion auftrumpfen konnten, wirkte das Indra diesmal leicht überdimensioniert. Der Vorverkauf war schleppend und als kurzfristig auch noch ASTRA ZOMBIES und – noch kurzfristiger – RESTMENSCH absagten und auch BULLSHIT BOY von der krass grassierenden Krankheitswelle erwischt wurden, stand das Ding sogar komplett auf der Kippe. Als Hoffnungsschimmer erwies sich, dass PSYCH OUT von einem Tag auf den anderen als Ersatz gewonnen werden konnten und BULLSHIT BOY sich bereiterklärten, statt als Trio kurzerhand als Duo aufzutreten. Die Parole lautete also: Durchziehen!





































Im Jahre 1974 veröffentlichte der Melzer-Verlag innerhalb seiner „Brumm Comix“-Reihe die erste und bis dato anscheinend einzige deutsche Übersetzung der „Pogo“-Comicstrips Walt Kellys, die der US-Amerikaner von den 1940ern bis in die 1970er hinein vorrangig für eine Vielzahl von Tageszeitungen anfertigte. Der Band im Taschenbuch/Softcover-Album-Zwischenformat muss leider ohne Seitenzahlen auskommen, dürfte aber auf um die 100 bis zu sechs Panels umfassende Schwarzweißseiten kommen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind hier 14 Geschichten abgedruckt.
Von alten Sexklamotten, wie sie hierzulande nach der sexuellen Revolution ab Ende der 1960er produziert wurden, geht auf manch Filmfreund eine seltsame Faszination aus, wovon auch ich mich nicht freisprechen kann – illustrieren sie doch nicht zuletzt die Entwicklung des Umgangs mit Themen wie Erotik und Sexualität auf der Leinwand und sind sie nicht selten entlarvende Zeitdokumente. Die ab 1978 produzierte, diegetisch Ende der 1950er angesiedelte deutsch-israelische „Eis am Stiel“-Reihe vermengte Coming-of-Age-Elemente mit Sex und Humor in unterschiedlicher Gewichtung und Qualität, wobei es sich zumindest bei den ersten beiden Teilen um tatsächlich gute Filme handelt. Ausgemachter Fan dieser Reihe ist der Düsseldorfer Schauspieler und Autor Martin Hentschel, der bereits zur Commedia sexy all’italiana sowie zur „Kumpel“-Reihe publiziert hatte und im Jahre 2016 – wie gewohnt im Eigenverlag – dieses rund 380-seitige Taschenbuch zum Thema veröffentlichte.

















