Das im Jahre 2013 im Kölner Komet-Verlag veröffentlichte Buch „Kindheit in der DDR“ lässt 160 großformatige Seiten auf hochwertigem Glanzpapier im festen Einband lang und mit über 200 Fotos gespickt mehrere Autorinnen und Autoren ihre Kindheitserinnerungen an die DDR Revue passieren – subjektiv, aus kindlicher Perspektive, anekdotisch.
Auf ein knappes Vorwort folgen 32 kurze Kapitel, die einen Zeitraum von Kinderwunsch und Geburt über Kindergarte, Pionierzeit und Schule bis zur Jugendweihe behandeln. Welche oder Welcher der acht mitunter weitestgehend anonym bleibenden Autorinnen („Ina C., Köln“) und Autoren jeweils welchen Abschnitt verfasst hat, wird dabei nicht genannt. Nun gibt es bekanntlich eine Menge Gründe, weshalb die DDR untergegangen ist, und nicht alle, aber doch einige davon waren systemimmanent. Und dass die Vormachtstellung der SED, zu Beginn stalinistisch geprägt, später unter der Knute einer altersstarrsinnigen Führungselite stehend, nur ebenso schwer mit einem allgemeinen Demokratieverständnis zu vereinbaren ist wie die mangelnde Gewaltenteilung, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.
Stellt sich also die Frage, inwieweit ein Buch wie dieses einen kritischen Blick auf die DDR wagt. Um es kurz zu machen: So gut wie gar nicht. Eine andere Frage wäre aber auch, inwieweit dies für Texte, die die damalige kindliche Perspektive zu reproduzieren versuchen, angemessen wäre. Denn zur Wahrheit über die DDR gehört auch, dass, wer nicht gerade einer Familie angehörte, die aus welchen Gründen auch immer unter verschärfter Beobachtung der DDR-Behörden stand oder gegängelt wurde, eine relativ sorgenfreie Kindheit ohne Konsumdruck und Werbeterror, bei den Eltern beobachtete Existenzängste oder religiöse Indoktrination verleben konnte und meist eine respektable frühkindliche Förderung genoss. An die Grenzen des Systems stieß man am ehesten, empfing man das BRD-Werbefernsehen oder hatte man BRD-Verwandt- oder Bekanntschaft, die man gern einmal besucht hätte, meist aber erst in der Jugend, wenn sich ein eigenes politisches Bewusstsein herausbildete und man die Zwänge des Staats und die eingeschränkten Möglichkeiten zur Einflussnahme realisierte.
So mag einem dieses Buch eventuell absurd unpolitisch erscheinen, doch spiegelt es bei genauerer Überlegung im Prinzip wider, dass die Politik im DDR-Alltag für viele schlicht eine untergeordnete Rolle spielte. In lockerer, allgemeinverständlicher, bisweilen aber auch etwas erzwungen naiver Schreibe wird also in der 1. Person Singular oder Plural mit Anspruch auf Authentizität aus der eigenen Kindheit und von der eigenen Familie sowie dem persönlichen Umfeld berichtet, wobei die Erinnerungen sowohl mit ein wenig Humor als auch mit Hintergrundwissen ergänzt werden. Letzteres besorgen auch einige Infokästen, die in das sehr ansehnliche, aber auch sehr großzügige Layout integriert wurden. Dass zwar das Schulessen kritisiert wird, die Personenkult-Indoktrination, für die bereits im Kindergarten vermittelt und abgefragt wurde, wer gerade der ach so großartige SED-Obermufti ist, jedoch unerwähnt bleibt, irritiert mich dann aber doch – wobei das von Region zu Region oder auch Kindergarten zu Kindergarten unterschiedlich ausgeprägt gewesen sein kann. Auf S. 59 findet sich dann aber zumindest auch ein Kommentar zum „Kommunikations-Dualismus“ und zum latenten Misstrauen, was meint, dass aus Sorge vor der Stasi in den eigenen vier Wänden privat über politische und staatliche Belange anders miteinander geredet wurde als in der Öffentlichkeit.
Ein eingeflochtener Bericht zur DDR-Wohnungsnot bleibt derweil komplett unkommentiert, wodurch dieses Thema unvollständig, wenn nicht gar fehlplatziert erscheint. Reisen und ähnliche Unternehmungen werden dagegen durchaus realistisch und mit einem Hauch Selbstironie geschildert. Kurioserweise widerspricht die Bildunterschrift auf S. 125, gemäß derer man in den sozialistischen Bruderländern „immer nur auf freundliche Menschen“ getroffen sei, dem Text daneben. Dass sich die Erinnerungen der Autorinnen und Autoren ähneln, liegt nahe, dass dadurch jedoch gleich zwei weitestgehend identische Ferienlagergeschichten im Buch gelandet sind, erscheint mir redundant. In einem der letzten Kapitel, jenem zum Wehrunterricht an den Schulen, geht es inhaltlich passend bereits ziemlich erwachsen zu, wenn die Grenzen der politischen Indoktrination beim mittlerweile jugendlichen Nachwuchs aufgezeigt werden, was wiederum für ein durchaus vorhandenes politisches Bewusstsein der Autorin oder des Autors spricht.
Viele Erinnerungen, die in dieses Buch fanden, sind gar nicht unbedingt DDR-spezifisch, was die vorhandenen Parallelen zur Kindheit in der BRD oder auch in anderen Nationen verdeutlicht. Dass interessierten Leserinnen und Lesern, die mit der DDR-Kultur weniger vertraut sind, Bummi und Pittiplatsch nicht erklärt werden, ist etwas schade, auch wären ein paar Auszüge aus den lesenswerten Printerzeugnissen für Kinder wie der Frösi, der ABC-Zeitung und Konsorten oder auch Standbilder aus den liebevoll gestalteten Kindersendungen im Fernsehen schön gewesen. So oder so dürfte sich „Kindheit in der DDR“ in erster Linie an diejenigen richten, die ihre eigene Kindheit selbst dort verbracht oder ihre Kinder in der DDR zur Welt gebracht haben. Dieses Publikum wird zum Schmökern, Schwelgen in eigenen Erinnerungen und natürlich zu (n)ostalgischen Gefühlen eingeladen, vielleicht auch zu Vergleichen mit der jetzigen Situation in Bezug auf Soziales, Kinder und Familie. Aber auch, wer sich ohne eigene DDR-Vita dafür interessiert, wie es „dort drüben“ aus Kindersicht zuging, findet niedrigschwellige Ansätze in einem bewusst unpolitisch, aber auch ideologiefrei konzipierten Buch, das sich aufgrund seiner vielen großen Abbildungen und dem im Verhältnis dazu eher geringen Textanteil an einem Abend bewältigen lässt.

Der deutsche Cartoonist Ivica Astalos – der einzige Mad-Zeichner nicht-amerikanischer Herkunft, von dem Taschenbücher innerhalb der Mad-Reihe erschienen – veröffentlichte im Jahre 1982 seinen zweiten Band, der weit mehr ist als eine Verballhornung bekannter Märchen. Auf ein gewohnt humoristisches Vorwort des Herausgebers Herbert Feuerstein folgen auf rund 160 unkolorierte Seiten verteilte acht Kapitel.
Scheißhaus an Marmeladeneimer
Den US-Comiczeichner Peter Bagge hatte ich Mitte der 1990er dadurch kennenlernt, dass der Carlsen-Verlag seine punkig-anarchische, im Seattle des Grunge-Booms angesiedelte Funny-Reihe „Hate!“ unter dem deutschen Titel „Leck mich!“ veröffentlichte. Nach neun großartigen Heften war Schluss, und was ich nicht ahnte: Bereits vor „Hate!“ hatte Bagge Comics um sein Alter Ego Buddy Bradley gezeichnet und veröffentlicht. In diesen hatte es Buddy noch nicht nach Seattle verschlagen, sondern er lebte mit seiner Familie (Mutter, Vater, Schwester, kleiner Bruder) in einer New Yorker Vorstadt und pubertierte fröhlich vor sich hin. Der Alpha-Verlag veröffentlichte 1991 innerhalb seiner „U-Comic präsentiert“-Reihe als Band Nr. 45 ausgewählte Geschichten, die im US-Original im Zeitraum 1985 bis ’89 – also noch vorm die erste Hälfte der ‘90er popkulturell prägenden Grunge-Hype – erschienen waren.
Die im US-amerikanischen Original bereits im Jahre 1978 erschienenen fünfzehn neuen Spionageabenteuer wurden innerhalb der deutschen Mad-Taschenbuch-Reihe 1982 als fünfter „Spion & Spion“-Band veröffentlicht. Auf den gewohnten rund 160 unkolorierten und nun leider wieder unnummerierten Seiten werden die jeweils im „Der Fall mit…“-Muster betitelten Geschichten in einem Umfang von ein bis drei Panels pro Seite erzählt, wobei nach wie vor auf jeglichen Text verzichtet wird (abgesehen von einigen Beschriftungen). Und einmal mehr habe ich den Eindruck, dass diese Kalter-Krieg-Satire verglichen mit Prohias‘ älteren Zeichnungen abermals ein neues Level an Absurdität in den Methoden, mit denen sich beide Spione gegenseitig den Garaus machen, erreichen. Dass eine Geheimkonferenz öffentlich angeschlagen wird, um den Gegner in eine Falle zu locken, ist da noch das Harmloseste. So wird aus einer stinkenden Socke ein Handschuh gestrickt und einer Dame zugespielt, damit diese ihn anzieht und dem Gegner zum Handkuss hinhält, woraufhin dieser ob der Geruchsemission in Ohnmacht fällt; so wird ein Alligator dazu gebracht, eine Sprungfeder mit angebundenem Wecker zu verschlucken; so werden Handschuhe ferngesteuert und wird zu guter Letzt ein Magnet auf die denkbar komplizierteste Weise mit Reißnägeln in Verbindung gebracht. Bei 15 Fällen muss es einen Sieger geben, den ich hier aber nicht verrate. Auch dieser fünfte Band ist ein Musterbeispiel für kreative Niedertracht und Brutalität und erfordert eine gewisse Konzentration auf die Zeichnungen, um die Pläne und die aus ihnen resultierenden Kettenreaktionen in vollem Umfang zu erfassen. Eine Besonderheit dieser Ausgabe: Mehrfach tauchen Zeitungen in verschiedener Form auf, die hier mit zufällig ausgewählt wirkenden deutschsprachigen Texten bedruckt sind.
Nach Don Martin im ersten Mad-Taschenbuch wurde dem Zeichner Sergio Aragones die Ehre zuteil, das zweite deutsche Mad-Taschenbuch auszufüllen: „Viva Mad!“ erschien im Jahre 1973 und gab dem aus den Mad-Heften lediglich als „Randerscheinung“ bekannten Aragones die Möglichkeit, seine sonst auf winzige Heftrandzeichnungen beschränkten Comics großzügig auf die diesmal nur rund 130 schwarzweißen Taschenbuchseiten auszudehnen. Mit „großzügig“ ist gemeint, dass sich nur maximal drei Panels auf einer Seite befinden, häufig sogar lediglich eines. Vom ein oder anderen Soundword abgesehen findet sich keinerlei Text, lediglich die acht Kapitel, in die das Buch thematisch unterteilt wurde, tragen Überschriften: „Es lebe Karate“, „[…] der Schatten!“, „[…] der Sommer!“, „Es leben die Monster!“, „Es lebe die Jagd!“, „[…] das Krankenhaus!“, „[…] das Fischen!“ und „[…] die Revolution!“
Das vierte Mad-Taschenbuch des New Yorker „Reporters“ Dave Berg ist auf den gewohnten rund 160 (leider unnummerierten) Schwarzweiß-Seiten in die drei Hauptkapitel „Dave Berg linst“, „…lauscht“ und „…grinst“ unterteilt – jedoch ohne wirkliche inhaltliche Entsprechung. Die im US-amerikanischen Original im Jahre 1979 und in dieser deutschen Bearbeitung 1982 erschienene Sammlung maximal vierseitiger Comic-Strips, die aus lediglich ein bis zwei Panels pro Seite bestehen, widmet sich einmal mehr satirisch dem US-Alltag, den Berg auf einzelne, i.d.R. jeweils unterschiedliche Figuren und ihr familiäres Umfeld oder ihren Bekanntenkreis herunterbricht. Insbesondere widersprüchliches menschliches Verhalten hat es ihm angetan, das Hauptbestandteil zahlreicher Pointen ist. Diese gehen auf Kosten sämtlicher Generationen und Stereotypen, niemand wird verschont – und mancher dürfte sich wiedererkennen, ohne gleich beleidigt zu sein, denn Bergs Humor ist recht verträglicher, nichtsdestotrotz sehr sympathischer und charmanter Art, sein unverkennbarer halbrealistischer Zeichenstil gut dazu passend. Einblicke in Zeitgeist und Populärkultur seiner Entstehungszeit (der Videospielpionier „Pong“!) sind inklusive und viele Gags zünden nach wie vor; als Beispiel sei die Formulierung „Amt und Hürden“ genannt, zu der natürlich auch die deutsche Übersetzung ihren Teil beigetragen hat. Aus heutiger Sicht irritiert indes die eine oder andere Eindeutschung: Im Original wurde beispielsweise sicherlich ein Football-Spiel geschaut und kein Kick des FC Schalke 04.
Sex? Im Kino? Nein, hier geht es natürlich nicht um Nümmerchen zwischen den Sitzreihen der Lichtspielhäuser, sondern ums ebendort Gezeigte. Nach den Sonderausgaben/-bänden
Es dauerte bis zum Jahre 1980, bis auch Mad-Zeichner Don Edwing sein eigenes Taschenbuch bekam. Dieses widmete er seinem Entdecker und Freund Nick Meglin und gewann seinen Kollegen und Namensvetter Don Martin für ein köstliches, ironisches Vorwort. Im gewohnten Umfang von rund 160 unkolorierten, diesmal leider auch unnummerierten Seiten frönt Edwing dem schwarzen Humor: Seine drei- bis fünfseitigen, i.d.R. lediglich ein Panel pro Seite umfassenden, gern mit „Neulich, bei…“, „Am Montag, auf…“ oder „Schon wieder bei…“ betitelten Cartoons im karikierenden Funny-Stil enden nicht selten tödlich. Das am häufigsten wiederkehrende, stets variierte Motiv ist die Hinrichtung eines vor einer Mauer gefesselten Delinquenten, dicht gefolgt vom schwierig zu erreichenden, an Rapunzel gemahnenden Mädchen im Turm. Dazwischen tummeln sich jedoch auch einige harmlosere Vertreter Edwing’schen Humors, bei denen die Pro- oder Antagonisten geringeren oder gar keinen physischen Schaden erleiden. Etwaige Dia- oder Monologe sind aufs Allernötigste beschränkt, nicht wenige Cartoons kommen ganz ohne Sprechblasen aus und beschränken sich auf Soundwords. Ein schöner Spaß für zwischendurch, wenngleich problemlos in 15 bis 20 Minuten und damit etwas arg schnell durchge“lesen“.