
Weiter geht’s mit den Jahren 1967 und 1968 im neunten Band der Peanuts-Werkausgabe des Hamburger Carlsen-Verlags: Auf rund 330 gebundenen Seiten werden alle jeweils vier Panels umfassenden Zeitungsstrips und großformatigen Sonntagsseiten jenes Zeitraums aus der Feder Charles M. Schulz‘ in chronologischer Reihenfolge unkoloriert in deutscher Übersetzung präsentiert. Für das Vorwort gewann man diesmal den provokativen US-amerikanischen Regisseur John Waters, der seine Liebe zu Lucy gesteht und seine Begründungen dafür mit genauestens Panel-Angaben als Quellen belegt. Auf ähnliche Weise lobt er Schulz‘ Zeichenstil, bringt eine Reihe von Strips mit damals zeitgenössischen Themen in Verbindung und, für Cineastinnen und Cineasten besonders interessant: zählt auf, welche Einflüsse welche Peanuts-Figuren oder -Topoi auf seine Filme hatten. Nicht minder aufschlussreich ist wie üblich das Glossar, das aus heutiger mitteleuropäischer Sicht erklärungsbedürftige Strips erläutert und auf möglicherweise sinnverändernde deutsche Übersetzungen hinweist. Gary Groths bekanntes Nachwort und der Stichwortindex runden auch diesen Band ab.
Los geht’s mit Snoopy in seiner Paraderolle als Flieger-Ass auf der Jagd nach dem Roten Baron, eine Rolle, in die er in diesen zwei Jahren so oft wie nie zuvor schlüpfen wird. Kurioser- und beschämenderweise erscheint Linus‘ Angst vor der Masernimpfung vom 2. bis 7. Januar 1967 aktueller denn je. Am Valentinstag sind die zahlreichen Karten, die Snoopy erhält, auch ein Indiz für die überbordende Beliebtheit speziell dieser Peanuts-Figur. Der Running Gag um Charlie Browns Unfähigkeit, einen Papierdrachen in der Luft zu halten, wird um den „drachenfressenden Baum“ erweitert, wofür am 2. März 1967 sogar das Vier-Panel-Prinzip aufgebrochen wird. Mit José Peterson wird am 20. März ’67 eine neue Figur eingeführt, der jedoch keine allzu lange Existenz im Ensemble vergönnt sein sollte. Snoopy erfreut sich weiterhin an den Imitationen anderer Tiere und mimt im März ’67 gar einen Piranha, seine bevorzugte Inspiration bleiben aber Geier. Ein Woodstock verdammt ähnlich sehender, aber noch namenloser Vogel landet Anfang April auf Snoopys Hütte. Eine „Alice im Wunderland“-Hommage, genauer: an die Grinsekatze findet sich am 18. April ’67, wenn Linus die Geschichte liest und Snoopy in die Katzenrolle schlüpft.
Eben jener Beagle verliebt sich am 5. Juni ’67 in Twiggy, jenes reale, damals angesagte Fotomodell, und Charlie Brown bekommt wieder Frühlingsgefühle wegen des, na klar, kleinen rothaarigen Mädchens – im Gegensatz zu Snoopys kurzer Schwärmerei ein nahezu traumatischer Dauerzustand Charlies. Im Ferienlager treffen Charlie und Snoopy wieder auf Peppermint Patty, die zwei Jahre zuvor eingeführt worden war. Doch auch dort sind zu Charlies Verdruss Leistungsdruck, Hohn und Spott an der Tagesordnung. Ganz wie beim Baseball also, bei dem Charlie weiterhin an seiner Mannschaft verzweifelt. Weitere wiederkehrende Späße sind der obligatorische Football-Tritt Charlies, der große Kürbis, auf den Linus jedes Halloween vergeblich wartet, und natürlich Lucys Psychoberatungen und ihre einseitige Liebe zu Schroeder, der übrigens 1967 glatt Beethovens Geburtstag vergisst! Am 12. Juli 1967 greift Schulz erstmals das Hippie-Phänomen auf, jedoch ohne es zu vertiefen. Snoopy tanzt ab Herbst ’67 mit Vorliebe und trainiert im Winter Eiskunstlauf für die Olympiade in Grenoble. Im November tauscht Charlie seinen Hund doch tatsächlich bei Peppermint Patty gegen fünf gute Baseballspieler ein, eine sich über mehrere Strips ziehende Handlung, die leider schon am 20. November ’67 endet – daraus hätte man weitaus mehr machen können.
Wie eine Art Retourkutsche dafür, löst Snoopy im Frühjahr 1968 Charlie kurzzeitig als Kapitän des Baseball-Teams ab. Linus sorgt sich, dass seine Lieblingslehrerin Fräulein Othmar ihn nicht mehr mögen könnte, während Snoopy die Sportart wechselt: Statt Eiskunstlauf trainiert er nun für die Weltmeisterschaft im Armdrücken, die in Petaluma stattfinden soll. Das ist alles unterhaltsam und komisch, andere Ereignisse dieses Jahres sind jedoch von größerer Bedeutung: Am 18. Juni 1968 betritt Peppermint Pattys Freundin Marcie erstmals die Bildfläche, damals leider noch unter anderem Namen. Eine sehr pointierte Figur, die perfekt bestimmte Charaktereigenschaften karikiert und wie zuletzt auch Patty zeigt, wie gut Schulz das Entwerfen spannender, memorabler neuer Figuren inzwischen gelang. Noch bedeutender ist es, dass sich Schulz am 6. Juli erstmals eindeutig politisch positioniert, indem er Snoopy hinter einem an die Ikonografie der Black-Power-Bewegung angelehnten Plakat unterstützend herlaufen lässt. Und wer das noch nicht verstanden hatte oder nicht verstehen wollte, durfte sich am 31. Juli 1968 über eine neue Figur namens Franklin freuen respektive ärgern, einen schwarzen Jungen, mit dem sich Charlie Brown anfreundet. Das sorgte in den rassistischen USA für Unruhe, einige Zeitungen verweigerten den Abdruck dieser Comic-Strips.
Am 10. August 1968 wird Snoopys Geburtstag gefeiert und immer mal wieder wird eine Ex-Was-auch-immer Snoopys namens Lila erwähnt, deren Kontakt er fürchtet und sich verbittet wie ein gebrannter Mann. Doch am 24. August besucht er sie im Krankenhaus, sie entpuppt sich als blondes Mädchen. Zu Charlies Entsetzen stellt sich heraus, dass es sich bei Lila um Snoopys Vorbesitzerin handelt! Strips voller Melancholie, aber auch Herzenswärme – wunderbar. Snoopys Vermenschlichung führt unterdessen so weit, dass er im Herbst ’68 sogar die Schule besuchen möchte – keine Hundeschule, wohlgemerkt. Nach Eiskunstlauf und Armdrücken entdeckt er auch das Eishockeyspiel für sich, was jedoch zu erhöhter Aggression führt, unter der andere leiden müssen – obwohl er allein spielt…
Nachdem Schulz in den Jahren 1965/’66 entscheidende Weichen für die weitere Entwicklung seiner Reihe gestellt hatte, kamen insbesondere 1968 die letzten Puzzlestücke hinzu, die zukünftig viele weitere Jahrzehnte lang das Bild der Peanuts prägen sollte. Das macht diesen neunten Band der bis hierhin geradezu perfekten Werkausgabe zum sich bisher am komplettesten anfühlenden. Charlie Brown ist mit seinen Versagensängsten und den daraus resultierenden tatsächlichen Unzulänglichkeiten und depressiven Verstimmungen weiterhin der neben Snoopy dominanteste Charakter, der jedoch nur Teil eines Mikrokosmos voller zu ausdrucksstarken Charakteren gereiften Figuren ist, die zahlreiche weitere menschliche Emotionen und Facetten abdecken und entscheidend zum unverwechselbaren „Peanuts“-Humor, -Lebensgefühl und -Lesespaß beitragen.

Mit KIM WILDE verbinde ich allem voran natürlich das fantastische, selbstbetitelte Debütalbum aus dem Jahre 1981 mit seinen unverwüstlichen New-Wave-Hits, gefolgt vom sehr angenehmen Pop-Album „Close“, das gerade chartete, als ich mich so richtig für Musik zu interessieren begann. „You Came“ war auf meinem allerersten selbstzusammengestellten Mix-Tape, „Never Trust A Stranger“ auf einem der nächsten. Das zweite Album „Select“ (1982) schlug mit mehreren Songs noch in eine ähnliche Kerbe wie das Debüt, bevor sich die Britin stärker in Richtung Pop orientierte. Nach „Closer“ verlor ich ihre Karriere aus den Augen, die sie Mitte der 1990ern beendete, um Fernsehgärtnerin zu werden. Rund zehn Jahre später gelang ihr mit u.a. mit Hilfe NENAs ein Comeback.
„Schindel-Schwinger: Kampf um Flohheim“ war eine von 1975 bis 1977 im Illu-Press-Verlag in Form rund 50-seitiger großformatiger Softcover-Alben erschienene Comicreihe aus der Feder Peter Schulz‘ und Michael Rybas. Die auf drei Seiten umrissene Rahmenhandlung dieser vollfarbigen Anarcho-Funnys bilden die verzweifelten Versuche Gottes, seine „Proben“, Prototypen von Geschöpfen, die es eigentlich nicht bis zur Schöpfung geschafft haben, wieder einzufangen, nachdem er diesen irren Kreuzungen aus Merkmalen verschiedenster Tiere mit den Attitüden unterschiedlichster Menschen versehentlich Leben eingehaucht und sie entkommen lassen hat. Am Tullamore-Fluss haben sie die Stadt Flohheim gegründet, wo sie aber nicht in Frieden leben können, weil Gott sowohl Petrus als Luzifer auf sie gehetzt hat. Wer sie einfängt und ihm wiederbringt, soll später einmal die Erde beherrschen dürfen. Doch die Bewohnerinnen und Bewohner Flohheims wissen sich zu wehren.
Nachdem Wahlhamburger und Comiczeichner Wolfgang Sperzel 1989 im Semmel-Verlach mit seinem Album „Kabelbrand im Herzschrittmacher“ debütiert hatte, folgte zwei Jahre später ebendort der Nachfolger „Rast(h)aus“. Das großformatige Softcover-Album umfasst rund 50 vollfarbige, handgeletterte Seiten mit dynamischen Panel-Grids, die vor allem eines sind: ein im Funny-Stil gezeichneter Amoklauf gegen die Hamburger Verkehrssituation.
Nach fünf Jahren wurde erstmals wieder das selbstorganisierte, unangemeldete Schanzenfest gefeiert. Das bedeutet: Anwohner(innen)-Flohmarkt (der diesmal aber recht klein ausfiel), Infostände zu gesellschaftlichen und politischen Themen, Verzehrstände, Soundsystems und eine Bühne für Musik- und Redebeiträge, ohne Standgebühren und ohne von Stadtfest zu Stadtfest tingelnde Profihändlerinnen und -händler. Spenden werden gesammelt und die Gewinne mehrerer Stände guten Zwecken wie beispielsweise der Seenotrettung zugeführt. Das Motto lautete diesmal „Antifa por la vida“, man solidarisierte sich mit von Repression betroffenem antifaschistischen Widerstand im Allgemeinen und den Leidtragenden des „Antifa Ost“-Verfahrens, u.a. Lina, im Speziellen. Details zum Selbstverständnis des Schanzenfests lassen sich 




























Einer der Ableger der herkömmlichen Barks Library des Ehapa-Verlags, die sämtliche Comics des Erfinders der Familie Duck, Carl Barks, umfasst, ist die sechs Alben umfassende Daniel-Düsentrieb-Reihe, die sich ganz dem Entenhausener Erfinder widmet. Dieser mir vorliegende dritte Band der Reihe erschien im Jahre 1994 und enthält auf rund 60 Seiten sieben mehrseitige Geschichten, zwei Onepager sowie einen zweiseitigen Essay Geoffrey Blums und den ersten Teil eines Nachschlagewerks der Erfindungen Düsentriebs und ihres Auftauchens in den Comics. Das Inhaltsverzeichnis gibt zudem Auskunft über die US-amerikanischen und deutschen Erstveröffentlichungen. Einer der Onepager und eine mehrseitige Geschichte wurden hiermit erstmals in Deutschland veröffentlicht und eigens von Stammübersetzerin Dr. Erika Fuchs übersetzt. Alle Comicseiten sind koloriert.
Erster Hafengeburtstag seit 2019, vom Mai in den September verlegt. Also lecker Spätsommer? Nix da: Hamburger Schietwetter! Zudem abgespecktes Programm, weil ohne die famose Jolly-Roger-Bühne. Dass ich mich am Freitag trotzdem auf den Weg durch den Regen machte, lag zum einen am DIY-Alternativprogramm auf der „Hafengeburtstag von unten“- alias Affengeburtstag-Bühne vorm Störtebeker und zum anderen daran, dass sich mir die Gelegenheit bot, gratis dann doch mal wieder EXTRABREIT zu sehen. Die spielen zwar, so glaube ich zumindest, immer mal wieder auf Stadtteilfesten und sowat, habe sie dort selbst mal gesehen – doch das ist gefühlt hundert Jahre her. In den letzten Jahren waren mir EXTRABREIT medial immer mal wieder über den Weg gelaufen, wenn ich mich mit ‘80er-Retrospektiven und artverwandten Formaten beschäftigt hatte. In diesem Kontext hatte ich auch meine Plattensammlung ein wenig erweitert und so letztlich richtig Bock bekommen, mir die Hagener aus heutiger Perspektive endlich mal wieder live zu geben, zumal sie auch studiotechnisch weiter aktiv sind, vor zwei Jahren das Album „Auf Ex! (weiter breiter)“ veröffentlicht haben. Als ich hörte, dass sie auf der Bühne des Radiosenders Rock-Antenne zocken würden, wusste ich, was zu tun war.





















„Lobusch goes Hafenklang“, lautete das Motto: Ein paar im selbstverwalteten Wohn-/Veranstaltungs-/Proberaum-Komplex in der Lobuschstraße probende Bands sollten unentgeltlich im zum Hafenklang gehörenden Goldenen Salon auftreten, um das Minus, das die Covid-19-Pandemie-bedingten Schließungsphasen in die Kasse gerissen hatten, etwas abzufedern. Zusammen mit der Lobusch-Hausband JAUCHENPUMPE sollten’s derer vier werden, krankheitsbedingt blieben die o.g. drei übrig. Zusätzlich wurde eine liebevoll gestaltete Tombola mit etlichen kuriosen bis verdammt töften Gewinnen anberaumt, die auf viel Zuspruch stieß; diverse Merch-Stände rundeten das Ambiente ab. Jede Band durfte sich ‘ne XXL-Pizza beim Bringdienst aussuchen und bekam Freibier sowie zusätzliche Getränkemarken. Eigentlich alles knorke, bis auf den Umstand, dass unser Basser Holler sich die Seuche eingefangen hatte und wir daher ohne ihn auftreten mussten…
Schon am Nachmittag hatten sich meine Bandkollegen zusammen mit Teilen der Veranstalter auf den Weg gemacht, um das Equipment rüberzuwuchten und aufzubauen. Eisenkarl bastelte das Schlagzeug zurecht und trommelte sich sowie das Instrument so lange warm, bis der Sound stimmte. Ich stieß etwas später direkt von der Lohnarbeit kommend hinzu und musste diese erst mal mit ein paar Bierchen abschütteln. Der Einlass war mit 19:00 Uhr relativ früh terminiert und wurde offenbar ernstgenommen, denn überraschend schnell füllten sich der direkt an der Elbe gelegene Vorplatz und der Club.












Katastrophen und kein Ende in Sicht – so nicht nur in der realen Welt, sondern auch in der relativ behüteten des pubertierenden schwedischen Jungen Berg Ljung, „Held“ einer fünfzehnbändigen Jugendbuchreihe der schwedischen Vettern, Lehrer und Schriftsteller Sören Olsson und Anders Jacobsson. Diese enthalten Berts Tagebucheinträge vom zwölften bis zum 17. Lebensjahr und bilden so etwas wie eine launige, sich eigentlich eher an Gleichaltrige richtende Coming-of-Age-Reihe, die zwischen 1987 und 1999 im schwedischen Original und zwischen 1990 bis 2005 in den deutschen Fassungen bei der Verlagsgruppe Friedrich Oetinger erschien.