Von alten Sexklamotten, wie sie hierzulande nach der sexuellen Revolution ab Ende der 1960er produziert wurden, geht auf manch Filmfreund eine seltsame Faszination aus, wovon auch ich mich nicht freisprechen kann – illustrieren sie doch nicht zuletzt die Entwicklung des Umgangs mit Themen wie Erotik und Sexualität auf der Leinwand und sind sie nicht selten entlarvende Zeitdokumente. Die ab 1978 produzierte, diegetisch Ende der 1950er angesiedelte deutsch-israelische „Eis am Stiel“-Reihe vermengte Coming-of-Age-Elemente mit Sex und Humor in unterschiedlicher Gewichtung und Qualität, wobei es sich zumindest bei den ersten beiden Teilen um tatsächlich gute Filme handelt. Ausgemachter Fan dieser Reihe ist der Düsseldorfer Schauspieler und Autor Martin Hentschel, der bereits zur Commedia sexy all’italiana sowie zur „Kumpel“-Reihe publiziert hatte und im Jahre 2016 – wie gewohnt im Eigenverlag – dieses rund 380-seitige Taschenbuch zum Thema veröffentlichte.
Markus Hagens Covergestaltung ist ein echter Hingucker und macht Lust darauf, das Buch aufzuschlagen. Bereits das „Eis am Stiel“-Regisseur und -Autor Boaz Davidsons filmische Inspirationsquellen weit über „American Graffiti“ hinaus aufzeigende Vorwort vermittelt viele wertvolle Informationen und ist ein eleganter Einstieg in die chronologische Abhandlung aller „Eis am Stiel“-Teile und -Ableger. Jedes Filmkapitel beginnt mit ausführlichen Stab-Angaben, schildert auf aufschlussreiche Weise die jeweiligen Produktionsumstände, versammelt Inhaltsangaben und Trivia und geht biographisch auf die Schauspielerinnen der jeweiligen weiblichen Haupt- und bedeutenderen Nebenrollen ein, beziffert ferner die Einspielergebnisse und arbeitet die Unterschiede internationaler Fassungen heraus. Und da die Musik in diesen Filmen stets eine große Rolle spielte, wird der jeweilige Soundtrack minutiös aufgelistet und ebenfalls in Bezug auf unterschiedliche Fassungen kommentiert. Darüber hinaus – und das ist es dann auch, was das Buch auf seine stattliche Seitenzahl bringt – druckt Hentschel massenweise Original-Werbe- und Infomaterial sowie zeitgenössische Stimmen und Kritiken ab, jedoch leider oft ohne Beschreibung oder genauer Quellenangabe. Das ist trotzdem grundsätzlich nicht verkehrt, wenn es auch in Farbe noch einmal eindrucksvoller (aber vermutlich im Druck unbezahlbar) wäre und ich mich frage, wem in Hebräisch abgedruckte Originalbriefe ohne Übersetzungen etwas nützen.
Ausgiebig ergänzt wird dieser Hauptteil des Buchs mit einem mehrseitigen Exkurs zur Produktionsfirma Cannon Films, ausführlichen Biographien der männlichen Hauptdarsteller und einer genaueren Inaugenscheinnahme im Fahrwasser des „Eis am Stiel“-Erfolgs entstandener Epigonen. Innerhalb der Biographien schweift der Autor mitunter aber stark ab, im Kapitel über Zachi Noy beispielsweise geht es plötzlich um Dolly Dollar und Klaus Lemke. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eines der stärksten Kapitel des Buchs. Yftach Kazurs und Jonathan Sagalls Biographien enthalten gar sehr informative, exklusive Interviews, die Uwe Huber mit ihnen führte und in denen es nicht nur um „Eis am Stiel“ geht.
In all seinen Kapiteln bleibt Hentschel betont sachlich, persönliche Meinungen bringt er nicht ein und Kritik, wenn überhaupt, nur in Form von Zitaten anderer an – mit zwei Ausnahmen: Der Film „Russian Roulette – Moscow 95“, in dem Zachi Noy mitspielt, ist anscheinend selbst für Hentschel eine Nummer zu abstrus, wie er auf S. 307 zu Papier bringt. Und auch mit dem „Eis am Stiel“-Rip-Off „Hometown U.S.A.“ alias „California Graffiti” konnte er nichts anfangen, wie er einen wissen lässt. Zur politisch-kulturellen Dimension der Filmreihe bzw. dessen Gattung im Allgemeinen hält er sich leider auch vollständig bedeckt. Wer kontextualisierende Filmanalysen sucht, wird hier demnach nicht fündig.
Auf das unsägliche Namenswirrwarr der Hauptfiguren in den deutschen Fassungen, bei dem die deutsche Synchronarbeit auf beschämende Weise versagte, geht der Autor seltsamerweise erst im Kapitel zu „Hasenjagd, 2. Teil“ ein, obwohl es sich um eine verwirrende Kuriosität handelt, die fast ein eigenes Kapitel verdient gehabt hätte. Das Buch enthält zudem einige Anzeigen, die nicht immer als solche gekennzeichnet wurden, aber dennoch klar als solche erkennbar sind. Beim Foto auf s. 258 ging offenbar etwas schief, das ist fast nicht zu erkennen. Ansonsten macht „Zitroneneis, Sex & Rock’n Roll“ bis auf ein paar Zeichensetzungsfehler und die oben erwähnten fehlenden Quellenangaben zum die Filmaufführungen begleitenden Material aber für das, was es ist und offenbar sein will, einen ordentlichen Eindruck. Es bietet einen schönen Rundumschlag zum Thema und einen guten Überblick über die durchwachsene Filmreihe, wenn eben auch ohne analytischen Tiefgang oder Diskussion mit den Filmen verbundener Kontroversen. Und nicht zuletzt liest es sich im Sommer am Strand angenehmer als sich das Klicken durch etliche Internetlinks beim Versuch gestalten würde, die in diesem zusammengetragenen harten Fakten aus dem Netz zu fischen.




















Es wurde wirklich mal Zeit, mich mit den Erzeugnissen des deutschen Weissblech-Comics-Verlags zu beschäftigen. Dieser gründete sich, zunächst als Hobby-Projekt, in den 1990ern und lehnte sich hommagenartig an den US-amerikanischen Kultverlag „EC“ an – entsprechend kürzt er sich „WC“ ab… Und dort würde manch Sittenwächter(in) sicherlich auch gern dessen Heftchen hinunterspülen, allen voran vermutlich solche, wie sie in diesem, sich an eine 


















Als ich dieses rund 200-seitige Softcover-Album aus der Carlsen-Qualitätscomicschmiede in einer Wühlkiste auf der Comic- und Manga-Convention in der Hamburger Fabrik entdeckte, fühlte ich mich wohlig an meine Kindheit erinnert, als ich mich immer freute, ein extradickes Ferien-Comicsonderheft auf dem Flohmarkt zu finden und es genüsslich während des Sommers zu verschlingen. Also sackte ich den im Mai 1996 veröffentlichten, vollfarbigen, auf mattem Qualitätspapier gedruckten Wälzer ein und vergrub mich auf meinem Urlaubsflug nach Mallorca darin.

















Der Braunschweiger Frank Schäfer, Autor zahlreicher Veröffentlichungen aus den Bereichen Literatur- und Musikkritik, Populär- und Subkultur sowie autobiographisch geprägter Romane, machte sich mit dem im Jahre 2009 im österreichischen Residenz-Verlag veröffentlichten „Woodstock ‘69“ daran, ein ganz dickes Brett zu bohren: eine sich über rund 200 Taschenbuchseiten erstreckende Rekonstruktion des legendären Hippiefestivals, die sich auf eine beachtliche Zahl an Quellen stützt. Natürlich war der 1966 geborene Schäfer seinerzeit nicht selbst vor Ort. Dank seiner akribischen Quellenauswertung liest sich das in fünf Hauptkapitel unterteilte Buch jedoch mitunter, als sei er es gewesen.















Dieses 116-seitige broschierte Buch auf hochwertigem, festem Papier habe ich vor einiger Zeit aus einer „Zu verschenken“-Kiste am Straßenrand gefischt. Da ich selbst VHS-Bänder aufbewahre, hatte es mein Interesse geweckt. Herausgegeben wurde der sämtliche Inhalte in einer deutschen und einer englischen Fassung enthaltende, dadurch zweispaltig gestaltete Sammelband vom Kunstmuseum Wolfsburg im Jahre 1997. Anlass war das dessen Videosymposium am 25. November 1995. Aufgeteilt in neun Kapitel plus zwei Vorworte und ein paar Begleitinformationen wird der Begriff „audiovisuelle Kunstwerke“ dahingehend verengt, dass es vornehmlich um Videoinstallationen in Ausstellungen geht, weniger um z.B. fiktionale Spielfilme und Serien auf Videobändern. Anlass des Symposiums war die Ausstellung „High-Tech-Allergy“ des Künstlers Paik; abgedruckt sind die Vorträge verschiedener Referentinnen und Referenten jener Tagung sowie ein Interview mit Paik.