Der französische Comiczeichner, -autor und Karikaturist Jean-Marie Ballester alias Maëster war von Franquin, Uderzo und Gotlib inspiriert, als er selbst zu zeichnen begann. alpha-comic veröffentlichte als Nr. 75 der „U-Comix präsentiert“-Softcover-Albenreihe im Jahre 1993 diesen unkolorierten, handgeletterten, rund 50-seitigen Band mit zwölf Kurzgeschichten, die, wenn ich das Impressum richtig deute, im französischen Original bereits im Jahre 1986 in Gotlibs und Alexis‘ Comic-Magazin „Fluide Glacial“ erschienen waren.
Da passt Maëster auch bestens hin, denn zum einen ist er mit seinem karikierenden Funny-Stil zeichnerisch voll auf der Höhe, zum anderen ist sein Humor oft satirisch und zuweilen tiefschwarz – insbesondere in „Supergnom der Rächer“, jener Geschichte um einen Kindermörder, die das Album eröffnet und abrupt endet. „Ein besonderer Tag im Leben von Schnee Siebenzwerg“ veralbert Schneewittchen und Belästigungen durch Umfragen gleichermaßen, „Der Riesenslip“ persifliert in Person von Privatdetektiv Joe Champion Hard-boiled-Detektivgeschichten und McDonald’s, zudem ein bisschen Disney. „Die Nacht der lebenden Toten“ ist ein kurzer Zombiespaß, in „Die Alte“ kommen die Grauen Panther zum Zuge, für „Ein klebriger Fall“ muss Joe Champion erneut ran.
„Das Geheimnis des Lebens“ findet Baron Frankenstein heraus, „All you need is love“ ist eine Anti-Bullen-Geschichte und „Eine Männergeschichte“ involviert erneut Joe Champion, dabei Homophobie aufs Korn nehmend. „Dreckputtel“ entpuppt sich als Werbesatire mit einigen Gags, die man vielleicht nur versteht, wenn man die damals zeitgenössische, eventuell gar spezifisch französische Werbung kennt, und die schließlich Meister Proper als Dschinn aus der Putzflasche lässt. „Die Zeugen“ verulkt die Zeugen-Jehovas-Sekte und „Der Todesbiss“ schließt das Album mit einer völligen Gaga-Handlung um eine bissige Krawatte.
Maëster zeichnet innerhalb einer dynamischen, aber sehr aufgeräumten Panelstruktur und sich dann und wann eigene Cameos, die ihm ob ihrer Selbstironie gegönnt seien. Je pointierter er in seinen Geschichten zu Werke geht, desto besser sind sie. Schön zu sehen, wie der Staffelstab von den Älteren an die nächste Generation weitergereicht wurde. Auf der Rückseite des Einbands befindet sich übrigens eine köstliche Cicciolina-Karikatur.
