Günnis Reviews

Autor: Günni (page 108 of 111)

YELLOWCAKE – FASTEN YOUR SEATBELT CD

(www.yellowcake.eu)

In Eigenregie veröffentlichtes Album einer jungen Band aus dem Ruhrpott, die melodischen Punk mit englischen Texten spielt. Erinnert in seinen besten Momenten an die BEATSTEAKS. Sehr fett und professionell produzierter Sound, harte Riffs wechseln sich mit langsameren Parts ab, mal mehr, mal weniger eingängig, kräftige Chöre. Wer auf so einen Sound kann, sollte mal reinhören. Mir sind die Songs bisweilen zu vertrackt und ich vermisse etwas Dreck und Rotz. Worüber man sich textlich auslässt, kann ich leider nicht sagen, da das Digipack ohne Booklet auskommen muss… 3-. Günni

KICK JONESES – STREETS FULL OF IDIOTS CD

(www.rookie-records.com)

Neuauflage des ersten Studio-Albums von 1997 der Pop-Punk-Band um SPERMBIRDS/WALTER-ELF-Musiker, angereichert mit sieben Bonussongs. Sehr poppig und „modern“ klingender Sound. Zwar ist durchaus die eine oder andere nette Melodie dabei, aber leider wurde der Gesang zu sehr in den Hintergrund gemischt, wodurch er harm- und drucklos daherkommt, während mir die Mucke zu überproduziert ist. Da wollte man es wohl ZU eingängig gestalten… insgesamt ist mir die Scheibe zu glatt und „mainstreamig“ und erinnert häufig eher eine Ami-Indie-/Punk-Combo mit MTViva-Bestrebungen denn an eine deutsche Punk-Combo – auch, wenn die englischsprachigen persönlichen bis kritischen Texte voll ok gehen und das Booklet mit seinen Comic-Illustrationen wirklich liebevoll gestaltet wurde. Gecovert werden übrigens MEN WITHOUT HATS („Safety Dance“) und SAILOR („A Glass Of Champagne“). 23 Songs in 71 Minuten. 4. Günni

FRAU DOKTOR – WER MICH LEIDEN KANN, KOMMT MIT PicLP / CD

(www.rookierecords.de) / (www.ritchierecords.de) / (www.fraudoktor.de)

Nach vier Jahren Studioabstinenz meldet sich die zehnköpfige, hessische FRAU DOKTOR mit einem neuen Album voll tanzbarem, poppigem Ska-Punk zurück. Das Tempo ist recht abwechslungsreich und schwankt zwischen ruhigen, balladesken Nummern wie „O.k.“ und schnelleren, punkigeren Stücken wie „Generation anspruchslos“. Ausgeliehen hat man sich „Babylon’s Burning“ von den RUTS und „Maggie May“ von ROD STEWARD. Ehrlich gesagt sind mir die langsameren Songs zu öde und soft, der Rest ist aber so übel nicht – nur eben nicht so unbedingt meins. Wo poppige, saubere Punkklänge auf traditionelle Ska-Elemente treffen, bin ich einfach nicht zu Haus. Schade, dass man sich für ein so dünnes CD-Booklet entschied, in dem lediglich ein, zwei Songtexte Platz fanden. Ich geb’ mal ’ne faire 3 und merke noch an, dass FRAU DOKTOR ihr Handwerk aber durchaus versteht, so dass sich diejenigen unter euch mit Entzugserscheinungen mal ’ne neue Dosis von ihr spritzen lassen sollten. 12 Songs + Dub-Bonus-Track in 45 Minuten. Günni

RED UNION – BLACK BOX RECORDER LP / CD

(www.oi-punk.de) / (www.redunion.info)

Auf dem zweiten Longplayer der Serben gibt’s klassischen Punkrock/Streetpunk mit tollen, eingängigen Melodien und kraftvollem, klarem Gesang marke LURKERS oder STIFF LITTLE FINGERS mit kämpferischen, proletarischen Texten Richtung THE CLASH oder ANGELIC UPSTARTS. 12 englischsprachige Songs ohne Ausfall, dafür voller Kraft, Energie und Punkrock-Spirit! Die LP ist auf 500 Exemplare limitiert, die CD im Digipack (mit Booklet mit allen Texten und zwei Videos) auf 1000 Stück. 12 (eigentlich 13 inkl. Elvis-Costello-Cover am Ende) kämpferische, parolenfreie Songs alter Schule in 41 Minuten. Glatte 2! Günni

WORKING CLASS SKINS #5

(WCS Fanzine, c/o Andreas Falk, Im Hänfert 22, 66709 Steinkirchen, WCSFanzine@aol.com)

Saarländisches A5-Skinhead-Fanzine mit dem Schwerpunkt auf Oi!. Neben massig Reviews und Konzertberichten gibt es Interviews mit IRON FIST, BITCHES ’N’ BASTARDS, THE YOUNG ONES, PARIS VIOLENCE, STOMPER 98, SILVERCITY, UNE VIEN POUR RIEN?, ein Kreuzworträtsel + Gewinnspiel, eine Erzählung sowie Porträts der Urväter des Ska. Auffallend ist die Affinität zu Frankreich (ist beim Saarland also nicht nur ein Klischee, hehe): Es werden mehrere französische Bands ausgequetscht und locker die Hälfte (wenn nicht sogar noch mehr) der Reviews behandeln französische Veröffentlichungen. Haben da Labels wie Bords de Seine fette Promo-Pakete geschickt? Auf Aktualität legt man dabei nicht unbedingt wert und bespricht auch einiges älteres Material – warum auch nicht. Mir persönlich sind die Reviews oft zu nichtssagend und scheinen mir recht unkritisch, wenn ich sehe, was da alles abgefeiert wird. Aber wehe, es wagt sich jemand über den anscheinend recht engen musikalischen Horizont des Autors hinaus – ein gnadenloser Verriss ist die Folge, so geschehen mit den jüngsten Werken von 4 PROMILLE und den BROILERS. Die Konzertberichte umfassen oftmals nicht nur das Konzert an sich, sondern auch, was man vorher noch so machte (angefangen beim Aufstehen) und wann man sich letztendlich in die Furzmulde legte. Leider schien man hier nicht viel vom Korrekturlesen zu halten… neben Rechtschreibfehlern sind teils abenteuerliche Satzkonstruktionen die Folge. Die Interviews sind solide, besonders die Antworten von STOMPER-98-Sebi sind sehr ausführlich, persönlich und interessant. Wenn eine Band wie THE YOUNG ONES allerdings von sich gibt, das belgische „De Kastelein“ sei ein normaler Skinhead-Pub, der Interviewer dazu nichts weiter sagt und die vorangegangene Frage schon implizierte, dass man Kritik daran ohnehin für „PC-Getue“ halte, habe ich a) schonmal überhaupt keine Lust mehr, so eine Band zu supporten und nehme b) dem Zine die angeblich antifaschistische Grundhaltung nicht so recht ab. Der (selbstgeschriebenen?) Erzählung, die vor infantilen Oi!-Klischees nur so tropft, fehlt es irgendwie an einem Ende oder wenigstens einem Hinweis darauf, dass es sich möglicherweise um eine Fortsetzungsgeschichte handeln solle sowie um eine Angabe des Autors – wie übrigens ärgerlicherweise auch fast allen Reviews und der sehr guten und informativen Legenden-des-Ska-Story, die mir – sorry – irgendwo geklaut zu sein scheint. Positiv erwähnen will ich aber die selbstgebrannte CD, die dem Heft beiliegt und auf der sich diverse interviewte Bands ein Stelldichein geben, so dass sich der Leser gleich selbst ein Bild von ihren Qualitäten machen kann. Alles in allem ein Fanzine, das sich bemüht und in dem sichtlich viel Arbeit steckt (ist auch ein ziemlich dicker Schinken geworden), dem es aber für meinen Begriff an Identität, Standpunkten und Mut zur Kritik/Polarisation mangelt – und ich fürchte, dass man zugunsten einer „unpolitischen“ Haltung darauf verzichtete. Aber warten wir mal ab, wie sich das Ganze entwickelt.

VCR – POWER DESTINY CD

(www.sideonedummy.de) / (www.scaredofvcr.com)

Flotte(r) EBM / New Wave aus Richmond. Die Instrumentierung besteht aus drei Keyboards, Bass, Schlagzeug – damit dürfte klar sein, womit man es zu tun bekommt. Ist aber keine Depri-Mucke für Knochenlutscher, so dass durchaus der eine oder andere Punkrocker hiermit was anzufangen wissen könnte. Ich zumindest hab’ aus diesem Bereich schon sehr viel Langweiligeres gehört. Mir geht nach ’ner gewissen Zeit zwar das Keyboard-Gedudel dann doch etwas auf die Eier, aber Freunde von DEPECHE MODE, THE STRANGLERS, PROJECT PITCHFORK oder JOY DIVISION sollten unbedingt mal reinhören! Leider wurde mir kein Booklet mitgeschickt, so dass ich zu den Text-Inhalten nicht viel sagen kann. 12 Songs in 38 Minuten. Keine Note, da etwas genrefremd und kaum Vergleichsmöglichkeiten zur Hand. Günni

LIMBUS – DEMO MMVI CD-R

(www.enterlimbus.com)

Überproduzierter NOFX-Klon aus Schweden mit einer recht professionell gestalteten 4-Track-Demo-CD. Die Gitarren sind zwar schön heavy, dem Rest fehlt es aber an Aggressivität und Eigenständigkeit sowie an Melodien, die nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgehen. Handwerklich gut, aber ohne jeglichen Wiedererkennungswert. 4. Günni

THE CREETINS – (THE) CITY SCREAMS MY NAME LP / CD

(www.roadrunnerrecords.de) / (www.creetins.com)

Schon das dritte Album der drei Kieler Jungs, die ich mir früher ab und zu live angesehen habe, wobei sie stets rockten wie Sau und sich derbe verausgabten – was ich sehr sympathisch fand’. Ein Album schaffte ich mir trotzdem irgendwie nie an, so dass dieses jetzt das erste ist, das ich komplett zu hören bekomme. Eingängiger, teils poppiger Punk’n’Roll mit geilen Melodien, fetten Chören und einer passenden, weil nicht aalglatten Produktion, die, bei entsprechender Lautstärke abgespielt, doch glatt wieder Lust auf diese Band live, schwitzend und sich verausgabend in einem kleinen Laden irgendwo in Norddeutschland macht. Den ganz kleinen Läden dürften sie aber vermutlich längst entwachsen sein – und das verdientermaßen. Leider liegen meiner Promo keine Songtexte bei, aber bei Titeln wie „Electric Boy“, „Where Did Your Hate Go?“ oder „Sharpen Your Knife“ wird es sich wohl kaum ausschließlich um Liebeslieber handeln. Sänger/Gitarrist Frederick behauptet „die Pladde hat Eier“ – und die hat sie definitiv! 2. Günni

GOTTKAISER – S/T CD

(www.sunnybastards.de) / (www.gottkaiser.info)

Neue Hamburger Band mit Leuten von COMBAT SHOCK, …BUT ALIVE, EMILS und und und…. dieses Name-Dropping haben sie aber nicht nötig. Sie klingen weder nach KAREL GOTT, noch nach ROLAND KAISER – und auch nach keiner Fortsetzung einer der o.g. Bands. Hier gibt’s druckvollen, sehr melodischen, oftmals recht fixen Punkrock, ohne ins Kitschige abzugleiten; emotionale, persönliche Texte, ohne in „Hamburger Schule“- oder Emo-Gejammere auszubrechen und eine saubere Produktion mit cleanem, deutlichem Gesang (von ex-COMBAT SHOCKer Fred), die den Songs aber keinerlei Energie oder Authentizität raubt. Die fast ausschließlich in der Ich-Perspektive geschrieben Songs handeln oft von menschlichen Unzulänglichkeiten, persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die dadurch, dass man nicht mit dem Finger auf andere zeigt, ehrlich und unaufdringlich wirken. Wie hier stellenweise mit der deutschen Sprache gearbeitet wird, ist meilenweit entfernt von erzwungenen Reimen oder pseudointellektuellem Phrasengedresche und man beweist auch Sinn für zynischen Humor: „Erst spät hast du verstanden: Du bist ein Leogostein. Ich bau dich nach Belieben in mein Ego ein. Kaum eine Stunde später, beladen mit Gepäck, hast du mir eröffnet, statt hin seiest du nun weg.“ Ohne Ausfall laufen die abwechslungsreichen 15 Songs durch und hinterlassen einen durchweg guten Eindruck. Gerade die Gitarrenarbeit erinnert bisweilen dann doch an …BUT ALIVE zu ihren besten Zeiten. Aufmerksam auf die Band wurde ich übrigens durch Konzerte in kleinen Läden, wo man gute Shows lieferte und anscheinend Spaß daran hatte, nochmal „ganz unten“ anzufangen. Eine verdammt gute Scheibe und sympathische Band, die aber sicherlich nicht jedem auf Anhieb gefallen wird. 2. Günni

DIE DÖDELSÄCKE – HERRENGEDECK CD

(www.nixgut.de) / (www.doedelsaecke.de)

Deutschsprachiger Punkrock mit Dudelsack und manchmal Flöte, aber kein Irish-Folk-Verschnitt oder sowas. Live mit Sicherheit eine Partygranate, auf Konserve ist der Gesang leider etwas unterproduziert. Trotzdem sind einige echte Hits mit geilen Melodien dabei, ist auf jeden Fall nicht verkehrt, das Ganze. Textlich verarbeitet man meist humorvoll den alltäglichen Wahnsinn, von nervigen Telefonanrufen bis hin zu bombardierenden Präsidenten in Übersee. So richtig folkig wird’s dann doch noch bei „Mixed Pickles“, ansonsten bedient man sich geradeaus gespieltem Punkrock, um ihn gekonnt mit dem dudelnden Sack zu unterlegen. Gewidmet wurde das Album übrigens eben jenem Dudelsackspieler Niko, der kurz vor Fertigstellung des Booklets verstarb! Üble Sache – wäre schade, wenn daran die Band zerbräche. Booklet mit allen Texten und vielen Fotos, 15 Songs in 48 Minuten. 3. Günni

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