Günnis Reviews

Autor: Günni (page 110 of 111)

OI! THE PRINT #20

(www.oitheprint.at)

Wow, schon die 20. Ausgabe des „One & Only Drinkingclass“-Fanzines aus Österreich, das sich mittlerweile längst zum wichtigsten Zine für den Oi!-Punk-Bereich im deutschsprachigem Raum gemausert haben dürfte. Pros(t)pekt dafür nach Austria! So lässt Bomml auch genüsslich die ersten fünf Ausgaben Revue passieren, sehr kurzweilig und amüsant. Kaum zu glauben, dass das OTP mal als kopierter Stapel A4-Seiten anfing, der dilettantisch am Rand zusammengetackert wurde. Neben einer selbstverständlich vernünftigen Heftung gibt es diesmal sogar ein Farbcover, das Atze Trooper beim Fotoshooting zum letzten Albumcover zeigt, und satte 60 Seiten folgenden Inhalts: Abrechnung mit koksenden Szenezugehörigen, Massenmörder Fritz Haarmann (ihr wisst schon, „warte, warte nur ein Weilchen…“) wird uns nähergebracht, 180-GRAD-Studioreport, Plattensammler-Story (diesmal von Bomml persönlich), Interviews mit 4 PROMILLE, BOMBSHELL ROCKS, STOMPER 98, THE SENIOR ALLSTARS, ROIMUNGSTRUPP (sehr sympathisch, die Jungs) und EMSCHERKURVE 77 (wo auch auf den Labelwechsel eingegangen wird – auf der nächsten Seite schildert dann Mosh von Knock Out seine Sicht der Dinge), Vorstellungen der BATTLE CRUISERS, KING STITT, BORN TO LOSE, UNITED KIDS REC., CONDITION, ANTICOPS, PENETRAITORS und MENACE, Reviews, ein BAD-MANNERS-Poster in der Mitte (könnte man meiner Meinung nach auch weglassen – wer hängt sich denn so’n kleines schwarz-weiß-Poster auf; insbesondere, wenn die Rückseite noch mit Redaktionellem bedruckt ist?), ’ne American-Oi!-Story, in der Bomml uns unbekanntere US-Oi!-Punkbands schmackhaft machen will sowie zu guter Letzt ein erschreckender Erlebnisbericht aus einer Ösi-Kneipe, in der Staatsbedienstete vom gegenüberliegendem Gericht Nazi-Parolen gröhlen, den Arm zum Gruß heben und alle es völlig normal finden… wie immer macht Bomml den Großteil der Arbeit selbst, wird aber etwas von Sunny Bastards und Coretex unterstützt. Pork Pie ab vor dieser erneuten Glanzleistung. Klasse Heft! Günni

RADIO BADLAND NR. 13 – JUNI 2006 CD-R

(www.radiobadland.de)

Die subkulturelle Radiosendung aus dem Radio WMW feierte mit dieser Sendung ihr Einjähriges, dazu erstmal Glückwunsch! Mucke gibbet ’ne knappe Stunde lang von ZWAKKELMANN, THE UNSEEN, POISON IDEA, GOOD CLEAN FUN, MOTHER’S PRIDE, aber auch APHEX TWIN (als „Rausschmeißer“ am Schluss) und einigen anderen Interpreten; insgesamt wurden 15 Songs gespielt. Zwischendurch interviewte man den Sänger von CHAOS Z / FLIEHENDE STÜRME und erzählte was zum einen oder anderen gespielten Song bzw. der entsprechenden Band. Recht abwechslungsreiche Geschichte also, nichts für Puristen. Das Sektkorken-„Plopp“-Sample zum Einjährigen gefällt mir besonders. 😀 Solide Kost, dürfen also gerne um ein weiteres Jahr verlängern! 2. Günni

NADA – VAMOS CD

(www.nixalsnada.de) / (www.nixgut.de)

Argh, ich hasse drittklassigen Kindergitarrenpop mit Bläsereinsatz, oftmals fälschlicherweise mit den Genres „Punk“ oder „Ska“ in Verbindung gebracht. Diese wild Pubertierenden oder Hobby-Jugendlichen aus Wermelskirchen legen noch einen richtig ekelhaften, schwülstigen Gesang drüber, der die peinlichen deutschen Texte rezitiert und hauen diese CD raus. Aus der Gebrauchsanleitung: „Die Mischung aus sozialkritischem und Fun Punk lässt kleine Mädchenherzen höher schlagen“ – klar, ist bestimmt der Knaller zwischen Schlumpftechno und Tokio Hotel. Aber so kann man eben aus der Not bzw. dem eigenen Unvermögen eine Tugend machen… Und jetzt alle: Das hat mit Punk-, das hat mit -rock, das hat mit PUNKROCK NICHTS ZU TUN! 13 Songs in 41 Minuten. 6. Günni

LÜKOPODIUM – ÜBERWACHUNGSSTAAT CD

(www.luekopodium.tk) / (www.nixgut.de)

Metal-Punk mit deutschen Texten, wie er oft als „Deutschpunk“ bezeichnet wird, aus Österreich. Erinnern in ihren besten Momenten etwas an POPPERKLOPPER oder UNGUNST, erreichen aber nie die Klasse einer Band wie DRITTE WAHL z.B. Rauscht etwas an mir vorbei. Zwar variiert man das größtenteils recht flotte Tempo häufiger, nur leider nicht zugunsten von Melodie oder Wiedererkennungswert. Inhaltlich bietet man auch nichts Neues oder Außergewöhnliches, holpert sich aber nicht so sehr durch die Reime wie zahlreiche Kollegen. Der Gesang ist zum Glück akzentfrei. Booklet mit allen Texten, 10 Songs in 34 Minuten. 4+. Günni

MINNIE’S – IL PANE E LE ROSE CD

(www.minnies.it) / (www.antstreet.de) / (www.noreasonrecords.com)

5-Song-Mini-CD dieser italienischen Band, die sie sich auch hätten sparen können. Die ersten beiden Songs sind irgendein balladeskes Gitarrengeklimper, die restlichen drei völlig austauschbarer Pop-Punk / Indie-Pop. Von den Texten verstehe ich nüscht, weil ich des Italienischen nicht mächtig bin. Wage aber zu bezweifeln, dass da großartig was bei rumgekommen wäre. Als Bonus gibt’s ‘nen PC-Video-Track, den ich mir aber erspart habe. 5. Günni

V.A. – ES LEBE DER PUNK 6 CD

(www.nixgut.de)

Wieder ein NIX-GUT-Labelsampler zum Spottpreis. Enthält (bis auf einen Song) ausschließlich deutschsprachige Punkmucke von Bands wie KOLPORTEURE, THANHEISER, STAATSPUNKROTT, SCHMUTZIGE TATEN etc… und das ist nun echt seltenst mein Fall. Mit dem Großteil der Songs kann ich nichts anfangen. Zu infantil, musikalisch einfach daneben, gesanglich schrecklich, einfach nicht Fisch, nicht Fleisch, wie man so schön zu sagen pflegt. Soll das teilweise harter Polit-Punk sein? Da lachen ja die Hühner (um bei den Tieren zu bleiben). Am ehesten sagen mir noch die Songs von SPEICHELBROISS („Our Town“), IRRENOFFENSIVE („Stadt, Land, Fluss“), USK („20 Jahre“) sowie der erste von NI JU SAN, der völlig anders als der zweite, nämlich ausnahmsweise mal wirklich hart und dreckig, klingt, zu. Der Rest ist entweder belangloser Durchschnitt oder total fürchterlich. 20 Songs. 4-. Günni

GUTS ’N’ GLORY – DESTINATION NOWHERE CD

(www.guts-n-glory.net) / (www.halb7records.de)

Yeah, klassischer, rauher Mid-Tempo-Oi!-Sound britischer Prägung aus Hannover. Gut-, aber nicht überproduziert, dreckiger Gesang, fette Refrains und Chöre und Melodien, von denen einige nach zwei- bis dreimaligem Hören gut hängenbleiben. Besonders der Titelsong ist ein Hit! Die Fünf Skinheads an den Instrumenten bzw. dem Mikro sind anscheinend nicht mehr die Jüngsten, was sich auch textlich widerspiegelt. Man spielt(e) auch schon bei Bands wie SOULS ON FIRE, MIOZÄN, SANITYS DAWN, MELONES (RAMONES-Coverband) oder KONSUMSCHADEN, so dass man über einen beachtlichen musikalischen Horizont verfügt und anscheinend nicht viel von Scheuklappen hält. Die (durchgehend englischen) Texte gefallen mir richtig gut. Man erklärt mehr als einmal auf unpeinliche und mutmachende Weise, dass man sich auch im mittleren Alter noch mit der Szene identifiziert und auch nicht vorhat, das zu ändern, ohne dabei altklug zu wirken. Darüber hinaus verarbeitet man Erfahrungen aus dem täglichen (Klassen)kampf ums Überleben und Zwischenmenschliches. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die klaren, phrasen- und klischeefreien Absagen an Penner“punks“ und rassistische Arschlöcher. Schönes Booklet mit vielen Fotos und allen Texten, 14 Songs in 43 Minuten. Vinyl soll im September folgen. Würde ich gern mal live sehen – glatte 2! Günni

MANIFESTATION – F.T.W. CD

(www.manifestation-music.de) / (www.vinyl-junkies-rec.de)

Diese Platte der Saarländer ist Anfang 2005 bereits als 10“ erschienen, nun wurde die um drei Live-Bonussongs aufgestockte CD hinterhergelegt. Soll Oldschool-Hardcore sein; wer krachigen, scheppernden, ungestümen Ami-HC der Frühzeit erwartet, wird aber enttäuscht. Ist dann doch eher moderner klingender, prolliger HC mit ’nem gewissen Metal-Einschlag bei der Gitarrenarbeit, Gröhlgesang und allem, was dazugehört. Handwerklich auf jeden Fall sauber. Textlich das Übliche – Kampf ums Überleben, Arschhochkriegen, „True-Sein“… und bei „Time To Die“ wird man konkret, als man sich mit der aggressiven, kriegerischen US-amerikanischen Außenpolitik auseinandersetzt. In „Till The End“ heißt es dann noch „I Hate Everybody, Everything … Hippies And Junkies“. Ganz harte Jungs also… 3. Günni

CRUSADERS – THE ANGER INSIDE CD

(www.crusaders-dresden.de) / (www.randale-records.de)

Eigenständiger Oi!-Punk aus Dresden – schon das dritte Album, allerdings das erste, welches ich zu hören bekomme. „Eigenständig“ im Sinne von: man versucht weder, nach den Onkelz, noch nach den 4-Skins zu klingen. Es wurde viel wert auf Melodie gelegt, ohne ins Poppige abzudriften. Der Gesang ist recht markant, relativ hoch und dabei heiser. Die durchgehend englischen Texte machen einen guten, durchdachten Eindruck. Es wird das typische Oi!-Kontingent abgedeckt: Way Of Life, Selbstverwirklichung, Feiern aber vor allem auch Kritisches. Da spricht man eine recht deutliche Sprache und setzt sich u.a. kritisch mit der Wiedervereinigung und dem Versagen der Politik im Allgemeinen auseinander. Rechte, reaktionäre Scheiße sucht man hier vergebens. Nicht so 100%ig meine Mucke, könnte nach meinem Geschmack etwas heftiger zur Sache gehen. Wird aber auf jeden Fall seine Freunde finden. Einfach mal reinhören! Booklet mit Fotos und allen Texten, 15 Songs in 47 Minuten. 3+. Günni

BREAKS – KILLING ILLUSIONS CD

(www.thebreaks.de)

Der Beipackzettel fing schon „gut“ an: „Wenn die drei smarten Jungs aus der Nähe Marburgs die Bühne betreten, stehen vor allem Mädels in den ersten Reihen. Denn gut sehen sie aus, die drei.“ Naja, ich hab’ trotzdem mal reingehört und erwartungsgemäß wurde ich Opfer von langweiligem, nichtssagendem Pop-Punk (oder „Indie“ oder „Alternative“), der hörbar nach MTViva (und vermutlich auch nach 12 – 15jährigen Groupies) schielt und dem es an allem fehlt, was guten Punkrock ausmacht. Die CD hat die Band übrigens selbst rausgebracht – haben die dann auch ihre Bandinfo mit oben genannten Zitat selbst geschrieben? „Please help me to kill these illusions“, heißt es im Titelsong. Kein Problem, immer gerne. 8 englischsprachige Songs in 37 Minuten. 5. Günni

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