Günnis Reviews

Autor: Günni (page 114 of 114)

24.11.2002, Juki 42, Ahrensburg: SMALL TOWN RIOT + THE STARTS + PUK + PESTPOCKEN

[Abt. „Klassiker“, mein ältester Konzertbericht überhaupt (man beachte das Datum), meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht:]

Dieses Konzi war die Geburtstags-Party von Friedel (HH) und Torsten (Cuxhaven), die sich ein paar Bands eingeladen hatten. Tja, und nach einigen idiotischen Gerüchten im Vorfeld sollte eine Band, nämlich Small Town Riot, schon wieder ausgeladen werden. Zum Glück hat sich aber alles noch rechtzeitig geklärt, so dass das Konzi wie geplant über die Bühne gehen konnte. Das Juki 42 in Ahrensburg ist ein saugeiler Laden – nicht so’ne kleine Bude, wie man es sonst von JUZes eher gewohnt ist, sondern richtig geil auf Konzerte ausgerichtet, mit großer Bühne und viel Platz für die Crowd und, am allerwichtigsten: Bier für ´nen schlappen Euro!! Da schlägt das Punkrockherz in den höchsten Frequenzen, ebenso wie bei den Frisen von The Starts und Pestpocken, die die wohl perfektesten Iros vonne Welt haben: Millimetergenau wird da gefeilt, bis der blöde Tropfen vonner Wasserwaage endlich genau inner Mitte ist. Die Bandreihenfolge wurde ausgelost, den Anfang machten Small Town Riot. Deren Mischung aus feinstem Punk’n’Roll, Streetpunk und Hardcore-Kloppern kennen seit Erscheinen der Demo-CD „DEMOlition“ inzwischen auch schon einige und das 42 war schon ganz gut gefüllt mit ´nem absolut gemischten Publikum, Punks und Skins hielten sich in etwa die Waage. Sogar ein paar aus dem Ruhrpott waren da, die grad ´nen Kumpel in HH besucht hatten. Die Stimmung war recht gut, ein paar Leute waren immer am tanzen und beim „Pöbel & Gesocks“-Cover versammelte sich der Mob vor der Bühne, um ohne Ende mitzugröhlen. Leider war der Sänger ein kompletter Volltrottel und vergaß den gesamten Text der zweiten Strophe – und das, obwohl der Song in den Top 10 der bekanntesten Punkrocksongs ist! Egal, lag am Suff. Dafür hatte Timo, der Drummer, auch schon beim ersten Song seinen Drumstick sinnlos durch die Gegend geschmissen. Nun kamen PUK („Politisch Unkorrekt“) von irgendwo aus dem Osten. Zwar sah der Sänger mehr aus wie ein Rockabilly, die Mucke ging aber, natürlich, mehr in Richtung Punk. Ehrlich gesagt hab‘ ich von denen gar nicht so viel mitgekriegt, war wahrscheinlich damit beschäftigt, irgendwelche Leute mit uninteressantem Scheiß vollzulabern (eines meiner Hobbies, wenn ich ein‘ im Tee hab‘). The Starts aus Schwerin starteten nun auf die Bühne und waren absolut genial! Richtig geile Live-Band, Top HC-Punk und GEILE Schleim-Keim-Cover! Nicht nur ich hab’ da das Tanzbein geschwungen, ebenso wie bei Pestpocken, die ich in meinem Suff auch ziemlich abgefeiert hab‘… nunja, im Prinzip hätte da jede andere Band stehen können, mir war’s zu diesem Zeitpunkt egal. Aber Pestpocken mag ich eh ganz gerne, auch wenn längst nicht alle auf ihren schleppenden HC-Punk mit eingebauten Pogo-Knüppel-Explosionen und männlich/weiblichem Wechsel-Gesang so klarkommen. Über die würde übrigens vorher auch viel rumgesabbelt, von wegen, arrogante Leute, mögen keinen Oi!, usw. blabla… alles Blödsinn! Auf jeden Fall geiles Konzi in ´ner coolen Location, viel Spaß gehabt!

PLASTIC BOMB #41

(www.plasticbomb.de)

[Abt. „Klassiker“: Mein ältestes Review überhaupt (man beachte das Datum), noch lange vor Crazy-United-Zeiten geschrieben, meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht:]

Tja, das Plastic Bomb gibt es nun also auch an Bahnhöfen etc., und Frank ist ab sofort leider nicht mehr dabei. Wahrscheinlich im Streit um dieses „Unpolitisch“-Thema gegangen (worden). Schade, hatte er doch immer, gerade zuletzt, eine angenehme Lockerheit ins Heft eingebracht. Aber genau dieses Thema zieht sich mal wieder durchs gesamte Heft. So finde ich es zwar gut, dass ordentlich Leserbriefe abgedruckt wurden, nur sind leider alle zu diesem Thema und die meisten wenig kompetent. Da pöbelt der eine gegen dieses, der nächste gegen jenes und fast alle sind super-politisch und lehnen „Unity“ etc. ab. Natürlich werden auch viele Begriffe wieder völlig durcheinander geworfen, so dass das Ganze für mich doch eher sinnfrei bleibt. Überhaupt scheint das Plastic Bomb schon seit einigen Ausgaben auf negative Art „erwachsen“ geworden zu sein – die Lockerheit, das Unverkrampfte, ja, der SPASS der früheren Ausgaben fehlen fast völlig. Herausheben muss man allerdings wieder den „Plastic Girl“-Teil, der noch all dieses enthält. Ansonsten gibt’s Intis mit Abel (Projekt Kotelett), Billy Bragg (sehr interessant, da merkt man, dass da kein Freizeit-Revoluzzer erzählt, sondern jemand, der sich wirklich tiefergründig mit der Materie politischer Zusammenhänge etc. auseinandergesetzt und gut durchdachte Schlüsse gezogen hat), Scrapy, Bonehouse, Avail und Extrabreit. ATAKEKS labert mit Einleben über Politik (ausgerechnet mit denen… aber der labert wohl mit ALLEN über Politik. Da Fallen Begriffe wie „anarcho-syndikalistisch“ – das ist alles furztrocken, stinklangweilig und besonders über vier Seiten überflüssig wie ein Pappkarton voll Scheiße). Sehr gelungen der zweite Teil des Venezuela-Reiseberichts sowie der Afghanistan-Report vom afghanischen A.C.K.-Mitglied – hochinformativ und wohltuend kritisch, nicht langweilend-politisch und von oben herab! Ansonsten wieder Reviews, Reviews, Reviews, bei denen man merkt dass Michas Oi!-Abneigung anscheinend doch ein wenig zurückgegangen ist (vielleicht lag’s an den teilweise doch kritischen Zuschriften zu o.g. Thema?). Alles in allem ist das Plastic Bomb aber nach wie vor eines der informativsten Fanzines und hebt sich immer noch Meilenweit von solchen Langweilern wie dem „OX“ ab. Und auf der CD tummeln sich einige geile Stücke!

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