Günnis Reviews

Kategorie: Tonträger (page 22 of 28)

PASSAROUNDERS – AUDITION AT THE WHOREHOUSE CD

(www.dambusterrecords.com) / (www.passarounders.com)

Die PASSAROUNDERS aus Schweden treten an, zu beweisen, dass auch in Skandinavien gescumpunkt wird. Keine Ahnung, ob die tatsächlich eine entsprechende Bühnenshow abziehen, die Fresse vom Sänger auf der Rückseite sieht aber schon nach GG-ALLIN-Gedächtnislook aus. Vonner Mucke her würd’ ich das mal als straighten, aggressiven Punkrock mit schweren Motörhead-, paar Hardcore- und leichten Metal-Anleihen umschreiben. Leider liegt als Booklet nur ein nichtssagendes Faltblatt bei, so dass ich zu den Texten nicht viel sagen kann. Aber ich denke, Songtitel wie „Texas Scumfiest Massacre“ und „I Did It With The Devil“ sprechen eine deutliche Sprache. Ob man das nun hochgradig albern findet und als überflüssigen Rip-Off ansieht oder sich vielleicht doch genau in seinem Element befindet, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Musikalisch find’ ich das ganze jedenfalls nicht verkehrt und ein paar wirkliche Hits sind schon dabei. 13 Songs + versteckter Bonustrack in 42 Minuten. Anspieltipp: „Texas Scumfiest Massacre“. 3. Günni

DROP OUT CHAOS – LEBENSLÄNGLICH CD

(www.sunnybastards.de) / (www.drop-out-chaos.de)

Diese recht neue Band aus Berlin kann man schwer einem Genre zuordnen. Am ehesten träfe wohl der in letzter Zeit immer öfter bemühte Begriff „Streetrock“ zu. Mich erinnert der DROP-OUT-Sound enorm an die BÖHSEn ONKELZ in ihrer mittleren Phase, so um 1990 herum. Nun, normalerweise mag ich keine ONKELZ-Klons, wirken sie doch oft zu verkrampft und wenig authentisch auf mich. Das ist hier aber anders. Das Schlagzeug scheppert noch ordentlich, die Gitarrenarbeit kann nicht nur daherschrammeln, sondern versorgt mich auch mit schönen Melodien, die durch die meist hymnenartigen Refrains ihre volle Wirkung entfachen und sich in den Gehörgängen festsetzen. Dazu wird reichlich vom ONKELZ-typischen „Jaaa!“-Geschreie Gebrauch gemacht, wozu sich herrlich die Faust ballen lässt. Sowieso hat Profiboxer Dennis’ Gesangsstil einen rauhen Charme, da er nicht wirklich singen kann, es aber trotzdem tut und somit für eine schön dreckige Credibility sorgt, ohne, dass es peinlich würde. Hinzu kommt das lyrische Geschick der Band: Alle Texte sind auf ihre Art extrem – sei es extrem traurig und melancholisch in persönlichen Songs wie „Warum ich mich hasse“ oder „Sterben gehen“, krank wie in „Du bist die Schönste“ oder „Kaltes Herz“ oder eben auch prollig wie in „Drop Out“, „Länderspiel“ und „Ich gegen alle“ (Hymne auf Dennis’ Boxclub). Für die kranken Texte wählte man die Ich-Perspektive, was sie einerseits wirkungsvoller macht, aber auch zu Missverständnissen führen kann. So weigerte sich ein namhafter Vertrieb, die Scheibe in sein Sortiment aufzunehmen. Textprobe: „Kaltes Herz in meiner Hand, gestern hast du noch gelacht. Kaltes Herz in meinem Bauch, jetzt gehörst Du mir!“ Bzgl. der prolligen Texte, in denen extrem dick aufgetragen wird („Was Schmerz ist, weiß ich nicht, ich weiß nur eins: ich bin härter als Du!“ aus „Ich gegen alle“ oder auch „…fahren wir zum Länderspiel, alle harten Jungs sind schon hier“ aus „Länderspiel“) hoffe ich einfach mal, dass man sie eher augenzwinkernd verstanden wissen will… Bei den traurigen Songs kann das im Prinzip recht hohe textliche Niveau leider nicht immer ganz gehalten werden. So heißt es z.B. in „Nie vergessen“: „Du hast einen Neuen, er fickt nur halb so gut wie ich“. Schade, durch solche Platitüden bleibt ein fader Beigeschmack eines an sich guten Stückes. Alles in allem ist mir die Platte aber eigenständig und unverkrampft genug, damit ich den Jungs das alles halbwegs abnehmen kann – wodurch sie mich letztendlich sehr positiv überrascht hat. Hervorheben möchte ich noch das toll gestaltete Booklet mit allen Texten. Ich geb’ mal ’ne 2-, da ich mir sicher bin, dass sich die Band textlich wie musikalisch noch steigern kann und hoffentlich auch wird – sofern sie sich von den sicherlich folgenden herben Verrissen in der Punk-Presse, die mit diesem Sound einfach nichts anzufangen wissen wird, nicht unterkriegen lassen und weiterhin ihren eigenen Weg gehen wird, ohne sich von seltsamen, bräunlichen Gestalten vereinnahmen zu lassen, die auch ganz gerne mal auf prollig-männliche Texte in Verbindung mit dieser Art Musik abfahren. Ich wünsche der Band alles Gute und werde sie mir hoffentlich bald mal live ansehen können. 2.-. Günni

THE UNKNOWN – UNPOPULAR CD

(www.rookierecords.de) / (www.theunknown.us)

ALL-Klon aus Cleveland, USA, sprich: Das volle Pop-Punk-Brett. Diese Band gibt’s auch nicht erst seit gestern und sie beherrscht ihr Handwerk verdammt gut. Dumm nur, dass ich nie ALL-Fan war, deshalb mal ohne Wertung. Diese wäre aber auf jeden Fall in der oberen Hälfte der Skala anzusiedeln gewesen. Booklet mit Texten ist auch am Start. 12 Songs in kurzweiligen 30 Minuten. Günni

JUNK PILE – EINEN VIERTELTON UNTERM A CD

(www.junkpile.de) / (www.myspace.com/junkpileband)

Sechs englischsprachige Songs umfassende Mini-CD (25 Min. Laufzeit) einer Münchener Band, die ihren Stil als Prog-Punk-Rock klassifiziert. Das bedeutet: Melodicore wechselt sich mit langsamen, experimentellen Parts ab. Nee, danke. Wer was für sowas übrig hat, kann ja mal reinhören. Aufnahmequalität etc. gehen in Ordnung und die Aufmachung mit farbigem Booklet mit allen Texten stimmt auch soweit. 4. Günni

VAN NORDEN – S/T LP bzw. CD-R

(www.flight13.com) / (www.vnrdn.de)

Hippie-Frickelrock der übelsten Sorte. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen, da das Label nur eine gebrannte CD verschickte. 6. Günni

MR. IRISH BASTARD – ST. MARY’S SCHOOL OF DRINKING CD

(www.reedo-records.com) / (www.mririshbastard.com)

„Fine Irish Punk Drinking Music“ – Wieder so’ne Band, bei der alles streng auf irisch getrimmt wurde, die aber gänzlich unirish aus Düsseldorf und Münster stammt… den Iren aber trotzdem zeigt, wie geil Irish-Folk-Punk klingen kann. Schön versoffener Gesang, ’ne handvoll traditioneller Instrumente und unpeinliche Texte mit dem Gespür für die passenden Geschichten machen das ganze zu einer authentischen Angelegenheit nicht nur für Freunde von Kilkenny und Co. Musikalisch übrigens mehr FLOGGING MOLLY als DROPKICK MURPHYS, ums mal grob zu umreißen. Kommt im Digipak mit Texten und Fotos. Leider mit sieben Songs in 25 Minuten etwas kurz geraten. 2. Günni

DAILY TERROR – LEBENSWUT Picture-LP

(www.psychotrecords.de)

Das letzte DAILY-TERROR-Album vor dem Split nun also auch als Pic-LP. Wurde seinerzeit ja herb verrissen. Klar ist jedenfalls, dass die Band ohne Frage ihren Zenit längst überschritten hat. Wie bei anderen, jüngeren D.T.-Platten gibt es aber auch hier ’ne handvoll für meinen Geschmack guter Songs. Fängt mit „20 Jahre – Danke“, einer Art mit allerlei Zitaten aus D.T.-Klassikern gespicktem Dankeschön an die Fans gar nicht schlecht an, steigert sich mit „Zeitbombe“, einer leicht sentimentalen, vermutlich autobiographischen Hymne, wie sie nur aus der Feder eines Herrn Teumer kommen kann („Und die Zeit – du siehst sie nicht – doch sie gräbt sich ein in dein Gesicht“) über „1000 Kreuze“, einem ironischen Song über vom Leben gezeichnete Abgefuckte, die dennoch nichts bereuen, bis „USA“, dem 1a-Pogo-Kracher wie aus alten Zeiten, schwächelt dann aber ziemlich. Uninspiriertes Gebolze, doofer Kinderchor und schwacher Refrain bei „Nur!“, Durchschnittskost bei „Gnadenlose Güte“, erneute Steigerung bei der Mutmachhymne „Lebenswut“, Tiefpunkt bei „Deutschland“. Amüsant wird’s beim „London Calling“-Cover „Braunschweig ruft uns“, auch wenn der eine oder andere Clash-Fan wenig begeistert sein dürfte. 😉 „Wie auch immer“ nervt, „Was für ein Gefühl“ ist erneut Durchschnitt und mit der abschließenden Fußball-Ballade „Zugabe“ werden auch nur die Wenigsten was anfangen können. Sehr durchwachsenes Album mit auffallend vielen persönlichen Texten übers Aufstehen nach Rückschlägen, das Schöpfen neuer Kraft und neuen Mutes bzw. neuer „Wut“ zum Leben. Was soll ich da für ’ne Note geben?! 4+? Ist jedenfalls schön aufgemacht, dat Dingen. Günni

STYRIAN BOOTBOYS – VIOLENCE & PROFIT CD

(www.baddogrecords.de) / (www.styrianbootboys.com)

Ordentlich weiterentwickelt haben sich Ösis und spielen nun eher Punkrock denn Oi!, aber das haben sie wirklich drauf! Die größtenteils auf Englisch vorgetragenen Songs besitzen ordentlich Energie, Melodien, Chöre und zudem gute Texte, da bleibt nicht viel zu meckern. Besonders angetan hat es mir „Conservative Punk“. „Ever Fallen In Love“ von den BUZZCOCKS wurde gecovert, auch das nicht schlecht. Leider ist Reihenfolge der 13 Songs auf dem Tonträger anders als in der Tracklist aufgeführt, da ist wohl was durcheinander geraten. Schade. Dafür sind Cover und Booklet schön gestaltet und meisten Texte abgedruckt. 34 Minuten langes Punkrock-Vergnügen ohne Ausfall.. Außerdem auf der CD enthalten sind Bilder der Band und ein Live-Video. 2. Günni

RADIO DEAD ONES – KILLERS AND CLOWNS Mini-LP

(www.wandarecords.de) / (www.radiodeadones.de)

Das Cover-Artwork stach mir sofort ins Auge – geniales Tribut an Clashs „Black Market Clash“. Machte mich gleich neugierig auf die Mucke, da man Geschmack zu haben scheint. Und ich wurde nicht enttäuscht! Die vier Berliner zelebrieren Streetpunk mit ’77er-Einschlag und derbem Nägelgurgler-Gesang, wie Onkel Günni das gefällt. Im Info stand was von pessimistischen Texten. Kann man so stehenlassen – in den in englischer Sprache hingerotzten, aggressiven, aber nie unmelodischen Songs macht sich wirklich niemand mehr Hoffnung auf ein Leben außerhalb des Randes der Gesellschaft – aber warum auch, wenn man so ohne sein Gesicht zu verlieren seinen Hass in fünf geile Punkrock-Nummern kanalisieren und anderen Leuten in die Fresse brüllen kann? „No future for this fucked up place / for the human race / for yer fucken face“ (aus „East Side Of The City“)! Dem bleibt nichts hinzuzufügen… außer vielleicht, dass FRONTKICK-Marti an der Gitarre aushalf und sich auch für die gelungene Aufmachung verantwortlich zeichnet. 2+. Günni

JETSET RADIO – FROM ASHES TO LIFE LP

(www.wandarecords.de) / (www.jetset-radio.com)

Kamikaze-Records haute letztes Jahr die CD-Version raus, Wanda zieht nun nach mit schwarzem Gold und edler Klappcover-Aufmachung. Aus Kronach (woher??) versucht man den geneigten Hörer mit poppigen Punkrock-Klängen zu becircen. Ist alles ziemlich druckvoll produziert, aber der Funke will nicht so recht auf mich überspringen. Der Gesang ist mir zu ausdruckslos und wird, statt mal böser zu klingen, lieber oft irgendwie komisch und leicht schief hochgezogen… Und während die ersten Songs noch kritisch von Medienmacht und desaströsen modernen Zeiten handeln, widmet sich der Rest der Scheibe fast ausschließlich der Liebe bzw. dem Kummer, den selbige erzeugt oder allgemeinem Weltschmerz-Gejammer, was nicht so recht zur poppigen Mucke passen will. Für meinen Geschmack hätte man zu Gunsten des Wiedererkennungswertes die Melodien besser ausarbeiten oder facettenreicher gestalten sollen. Texte sind alle abgedruckt. Zehn Songs + Intro. 4. Günni

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑