„Treibsand“ ist einer der Comics (bzw. Graphic Novels), die zum 25-jährigen Jubiläum der innerdeutschen Grenzöffnung, also 2014, erschienen. Gezeichnet von Kitty Kahane und erdacht sowie getextet von Max Mönch und Alexander Lahl, die – obwohl selbst Zeitzeugen – im Vorfeld zahlreiche weitere Zeitzeugen befragten, wurde auch dieses Werk von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert. Der rund 180-seitige broschierte Band erschien im Metrolit-Verlag.
Im Gegensatz zu anderen staatlich geförderten Comics erzählt „Treibsand“ eine fiktionale Geschichte: die des als Auslandskorrespondent für eine große New Yorker Tageszeitung arbeitenden US-Amerikaners Tom Sandman, der, 1989 gerade vom Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens in China zurückgekehrt, von seinem antikommunistischen Vorgesetzten Raymond Burnes nach Berlin geschickt wird, um über die aktuellen Vorgänge dort zu berichten. Tom wird von heftigen Zahnschmerzen geplagt, hat jedoch Angst, einen Zahnarzt aufzusuchen. Zudem trennt sich seine Freundin Mary von ihm. Dafür erlebt Sandman hautnah die Entwicklungen mit, die schließlich zur Öffnung der Berliner Mauer führen.
Der kaum räumliche Tiefe erzeugende, reduzierte, geradezu naive Zeichenstil wurde von einer regelrechten Sauklaue verbrochen und bleibt bis zum Ende gewöhnungsbedürftig; der Hang, Wortspiele und Redewendungen zu visualisieren, nervt in seinem bemühten Witz. Sandmans zahnschmerzbedingte Fieberträume kommen ohne Panel Grid aus, seine Notizzettel werden immer wieder abgebildet und in die Handlung integriert, ein handschriftliches Glossar mit Begriffserläuterungen im Anhang soll ebenfalls den Anschein eines Notizbuchauszugs erwecken. Soweit zu den gestalterischen Besonderheiten des in 14 Kapitel inkl. eines Prologs aufgeteilten Buchs, das im Paratext um eine Danksagung der Autoren ergänzt wird.
Inhaltlich bildet der blocktextlastige „Treibsand“ eine Außenperspektive auf einen politischen Prozess aus der Sicht eines fiktionalen Erzählers ab, der seine Erinnerungen in der Vergangenheitsform mit den Leserinnen und Lesern teilt. Ausgehend von seinem Bericht über den „Tank Man“, jenen Chinesen, der sich auf dem Tian’anmen-Platz den Panzern der Staatsmacht entgegengestellt hatte und damit zur Widerstands-Ikone geworden war, widmet man sich den letzten Zügen der DDR-Historie und stellt die DDR ausschließlich negativ als diktatorischen Unrechtsstaat dar. Die Ereignisse des 9. November 1989 werden stark überspitzt bis verfälschend derart dargestellt, dass Egon Krenz habe zeigen wollen, dass er „die Hosen anhat“ und auf „die Regierung geschissen“ habe, während das SED-Zentralkomitee von den Folgen nichts mitbekommen habe, weil es in seiner Sitzung fast kollektiv eingeschlafen sei (die Geschichte vom „schnarchenden Staat“). Vermengt wird der geschichtliche Hintergrund mit der fiktionalen Geschichte um einen Grenzsoldaten, der gezwungen war, seine eigene Schwester zu verraten, indem er unter Druck deren Fluchtpläne beichtete. Diese Schwester wiederum wird Sandmans neue Lebensgefährtin und schließlich Ehefrau.
Mönch und Lahl vermischen Fiktion mit Satire, belegte mit sehr interpretierter Geschichtsüberlieferung, einer seifigen Liebesgeschichte und einem Familiendrama – und verheben sich dabei. Das ist einfach zu viel. Positiv ist jedoch die durchklingende Kritik an Presse und Gesellschaft, die auch große, komplexe Zusammenhänge am liebsten in Form auf Einzelschicksale heruntergebrochener Geschichten veröffentlichen bzw. konsumieren, zu werten. Darüber hinaus weigert sich „Treibsand“, eine Erfolgsgeschichte zu sein. Es gibt kein Happy End, eine Katharsis bleibt aus. Während der Grenzöffnung liegt Tom Sandman im Koma, sodass den Rezipientinnen und Rezipienten Bilder jubelnder Menschenmassen und ähnlich fröhliche Szenen bewusst vorenthalten werden. Dies stört die Erwartungshaltung des Publikums. Und auch nach dem Untergang der DDR ist nichts gut geworden: Das Geschwisterpaar bleibt gespalten und Sandmans Ehe zerbricht. Auch nach dem Ende der DDR können sich ihre Opfer nicht von den erfahrenen/erlittenen Einflüssen der Politik auf ihr Privatleben befreien, sind sie unfähig, sie zu überwinden, wider besseres Wissen. Damit legt „Treibsand“ seinen Fokus auf Wunden, die niemals verheilen und sensibilisiert für dauerhafte Schäden, die politische Systeme anrichten können. Das fatalistische Ende wurde dann auch erst gar nicht mehr gezeichnet, sondern lediglich in Form eines Epilogs aufgeschrieben. Liest man Comics analog zu Spielfilmen, entsteht hier der Eindruck eines Voice-overs aus dem Off. Dadurch wird der negative Eindruck von der DDR noch einmal verstärkt, wobei ich die einseitige Schuldzuweisung durchaus kritisch sehe. Der Kalte Krieg findet in „Treibsand“ lediglich am Rande statt und eine andere Perspektive auf diese Zeit – z.B. jener Menschen, die individuelle Freiheit in gewissem Maße gegen die Freiheit von Existenzängsten bereitwillig eingetauscht haben und überwiegend positiv auf die DDR zurückblicken – fehlt völlig und erscheint mir innerhalb dieses Themenkomplexes generell unterrepräsentiert – obgleich meines Erachtens nicht minder interessant.
Doch so oder so: Nostalgie oder Ostalgie sind mittels „Treibsand“ nicht möglich. Mönch und Lahl gehen sogar einen Schritt weiter und verweigern sich nicht nur eines möglicherweise verklärenden Blicks zurück (der im Diskurs um DDR-Erinnerungen so häufig und gern kritisiert wird), sondern führen diese Haltung konsequent weiter: Auch Mauerfall– oder Wende-Nostalgie sucht man hier vergeblich. Die Autoren deuten damit an, dass der 9. November 1989 kein Tag X war, ab dem schlagartig alles gut wurde und jubelnde Menschenmassen plötzlich ein sorgenfreies Leben genießen konnten. Und das ist trotz all meiner geäußerten Kritikpunkte an diesem Buch richtig und wichtig.






















Als dieses Konzert der kubanischen Ethno-Groove-Metaller TENDENCIA anberaumt wurde, hatte Menschenzoo-Booker Martin ursprünglich meine Krawallcombo gefragt, ob wir die Vorband machen könnten. Das fiel leider aufgrund beruflicher Verpflichtungen Eisenkalles flach und auch das Angebot, dort als DJ aufzulegen, musste ich ausschlagen, da ich am nächsten Tag relativ früh raus musste. Das Konzert wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Die norddeutschen SOULFORGER machten den Anfang im ca. halbvollen Zoo. Ihren Stil beschreibt diese Band, von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte und die sich anscheinend sehr rar macht, als Melodic Death Metal – anfänglich klangen sie mir jedoch angenehmerweise mehr nach alten SEPULTURA, also nach ruppigem Oldschool-Aggro-Thrash. Tatsächlich wurd’s dann zunehmend melodeathiger mit atmosphärischen bis epischen Melodiebögen, manch Blastbeat-Passage klang sogar richtiggehend angeschwärzt. Kleinere Timingprobleme hier und da änderten nichts am gelungenen Gig, der augen- und ohrenscheinlich recht gut ankam, wenngleich es sich kaum um die bevorzugte Musikrichtung der meisten Anwesenden gehandelt haben dürfte. Diese schienen diesen Blick über den Tellerrand aber durchaus wohlwollend zu goutieren.























Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, zu denen die DDR kaum Thema im Schulunterricht war. U.a. um dies zu ändern haben Bundesstiftungen wie diejenige „zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ eine Reihe von Comics gefördert, die sich möglichst sachlich zumindest mit einzelnen Aspekten der DDR-Geschichte auseinandersetzen und sich effektiv als Unterrichtmaterialien einsetzen lassen sollen. Die Comicform soll dabei helfen, Berührungsängste abzubauen, niedrigschwellig jungen Lesern den Zugang zu ermöglichen und diese für die Thematik zu interessieren. Eines dieser Werke ist der rund 100-seitige broschierte Band „Grenzfall“, der im März 2011 im Avant-Verlag erschienen ist. Die Autoren und Zeichner Thomas Henseler und Susanne Buddenberg widmen sich hier der zu DDR-Zeiten oppositionellen Untergrundzeitung gleichen Namens, die es ab 1986 auf 17 in Ostberlin von der „Initiative Frieden und Menschenrechte“ produzierte Ausgaben brachte. Mitherausgeber war Peter Grimm, der an diesem Buch mitgearbeitet hat und aus dessen Sicht die Ereignisse geschildert werden. Dabei wurden „aus dramaturgischen Gründen […] Abläufe und Personengruppen zusammengefasst“, heißt es im Vorfeld.
Mawil alias Markus Witzel, Berliner Comiczeichner des Geburtsjahrgangs 1976, arbeitete sieben Jahre an seinem Wende-Comic „Kinderland“, der rund 300 Seiten umfassend 2014 im Reprodukt-Verlag erschien – im Softcover sowie in einer limitierten gebundenen Ausgabe mit festem Einband. Im Gegensatz zu Mawils vorausgegangenen Werken ist „Kinderland“ nicht unmittelbar autobiographischen Inhalts, wenngleich sich zahlreiche Parallelen zum Protagonisten Mirco Watzke allein schon aufgrund dessen Ähnlichkeit des Namens und seines Äußeren (wie ein abgedrucktes altes Passfoto Mawils zeigt) geradezu aufdrängen. Und wie Watzke erlebte auch Mawil die Maueröffnung vom Osten Berlins aus als zu pubertieren beginnender Dreikäsehoch mit.
Anlässlich ihres mittlerweile vierjährigen Bestehens gab die umtriebige Beyond-Borders-Konzertgruppe sich und allen, die Bock darauf hatten, eine Riesenparty in der Fabrique des Gängeviertels, als Headliner hatte sie sich die Duisburger DÖDELHAIE zu ihrem unfassbarerweise erst zweiten (!) Gig in Hamburg geangelt. Ich weiß nicht mehr, welches mein erstes Beyond-Borders-Konzert war. Wenn bereits 

































Als der niedersächsische Radiosender FFN noch nicht endgültig zum gesichtslosen Dudelfunk verkommen war (in den ‘80ern und frühen ‘90ern hörte ich sogar keinen Sender so gern wie diesen), leistete er sich ein allsonntägliches komödiantisches, kabarettistisches Humorprogramm, das kultgewordene Frühstyxradio, in dem spätere TV-Größen wie Oliver Kalkofe oder Oliver Welke sich ihre Sporen verdienten. Zum festen Kreis gehörte auch Dietmar Wischmeyer, auch bekannt als „Der kleine Tierfreund“ oder eben Führer des „Logbuchs einer Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten“. Der Ullstein-Verlag war es, der 1997 seine Sammlung polemischer Glossen in Buchform unters bekloppte und bescheuerte Volk brachte, 59 Stück auf rund 130 Seiten. Trocken, sarkastisch und böse metzelt er sich scharfzüngig und pointiert durch eine verspießte Gesellschaft, die zahlreiche längst als normal erachtete Absonderlichkeiten, nervige Schikanen und dummdreiste Auswüchse gebar, und knöpft sich insbesondere diejenigen vor, die diese befeuern und bedienen oder sich als ihre Nutznießer erweisen: die tumbe breite Masse ebenso wie vorsätzliche Volksverblöder, elitäre Klüngel und privilegierte Minderheiten. Oder genauer: Anwohner, Karnevalfeiernde, Kinder, Beamte, Gaffer, Lindenstraße-Glotzer, „Funsportler“, Rentner, Kellner, Jäger, Bauarbeiter, … Dabei geht er ohne Rücksicht auf Verluste oder Kollateralschäden vor und fächert seine beobachtete Alltagserfahrungen suggerierenden „Logbuch-Einträge“ derart breit, dass beinahe alles und jeder sein Fett wegbekommt. Wischmeyer prangert an und schärft den Blick dafür, was man uns antut, was die Menschen sich selbst antun und wie diejenigen, die da nicht mitmachen wollen, darunter leiden müssen. Dabei findet er durchaus originelle Themen und überrascht mit seinem Blickwinkel auf diese, suhlt sich aber auch gern in Klischees, wenn er Altbekanntes und bereits zuhauf Persifliertes aufgreift. Dass bei all dem auch Phänomene ausgewählt werden, die doch eigentlich gar nicht nerven, gehört vermutlich zum Konzept, soll ich mich doch beim Lesegenuss wahrscheinlich auch selbst hin und wieder ertappt fühlen. Wischmeyers Freude am Umgang mit und Formen von Sprache ist allgegenwärtig, selten wurden Hass und Verachtung derart geschliffen formuliert, ohne auf Reiz- und Schimpfwörter zu verzichten – manch Formulierung wirkt indes dennoch etwas umständlich erzwungen und sein Stil droht sich etwas abzunutzen, liest man zu viele Kapitel unmittelbar nacheinander. Um sicherzugehen, auch wirklich und überall anzuecken, pfeift er zudem auf jegliche politische Korrektheit. So sind Schwarze für ihn recht penetrant nach wie vor Neger und widmet sich konsequenterweise auch ein Kapitel der „Political Correctness“, für die, da muss ich ihm widersprechen es eben doch einen deutschen Begriff gibt – s.o. Als besonders bemerkenswert erachte ich jedoch dessen Inhalt, wenn er sich sprachliche Neuschöpfungen und erzwungene Modifikationen verknöpft und ganz richtig feststellt: „In Lübeck schon brannte das Asylbewerberheim sicherlich genauso gut, wie es das Asylantenheim getan hätte.“ Und widersprechen kann ihm auch niemand, der die gesellschaftliche und politische Entwicklung der letzten Jahre mitbekommen hat, wenn er jenes Kapitel mit dem Ratschlag schließt: „Drum seid lustig und seid froh, ihr Hottentotten, Kaffern und Kanaken, und gebt Obacht, wenn sie euch die neuen schönen Namen geben, denn dann geht’s euch ganz gewiß recht bald an den Kragen.“ Weder er noch ich positionieren sich damit ernsthaft gegen nicht- oder zumindest weniger diskriminierende Sprache, sondern gegen eine politische Korrektheit, die mittels Euphemismen und schönem Schein dieselbe Menschenverachtung verschleiert, die ohne sie auch für die Bekloppten und Bescheuerten leichter auszumachen wäre. Entrückte pseudophilosophische Kommentare seines Alter Egos Kassowarth von Sondermühlen sowie einige Illustrationen in Form von Fotos runden Wischmeyers erstes Logbuch ab, das mittlerweile immer wieder neu aufgelegt wurde und gleich mehrere Fortsetzungen fand. Für die Bekloppten und Bescheuerten ist das nichts. Für isoliert lebende Freunde von Sprache und Satire ist’s ein vergnügliches Beispiel für den Versuch, bissige Polemik bis an die Grenze zum Zynismus auszureizen. Für diejenigen, die ständig mit den Bekloppten und Bescheuerten konfrontiert werden, handelt es sich hingegen um irgendetwas zwischen Ventil zur Frust- und Wutabfuhr und einer witzigen, hämischen Form des Sich-verstanden-Wähnens fernab jeglicher Verständnispädagogik: Wie einer dieser laut polternden Kumpel, die man nicht ständig um sich haben möchte, mit denen man aber einfach ab und zu mal einen trinken gehen und den Trümmertango tanzen muss. In einem Punkt muss ich Wischmeyer aber korrigieren: Glasflaschen gehörten noch nie in den gelben Sack!
„Woran erinnert sich eine Generation, die fast genauso lange in einem geteilten Land gelebt hat wie in einem wiedervereinten?“, fragt der Einband dieser Sammlung der seit 2006 auf den Sonntagsseiten des Berliner Tagesspiegels erschienenen Comicstrip-Reihe des deutschen Zeichners Felix Görmann alias Flix, die 2009 im Carlsen-Verlag erschienen ist und deren dritte erweiterte Auflage, die anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Öffnung der Berliner Mauer veröffentlicht wurde, ich mir gekauft habe. Sie umfasst im Hardcover 34 inkl. jeweiligem Titelblatt je vierseitige, meist aus zwölf Panels bestehende „Erinnerungen an hier und drüben“, die auf Interviews basieren, die Flix mit Freunden und Bekannten aus Ost- und Westdeutschland geführt hat, um deren individuelle Erinnerungen an die DDR im Funny-Stil auf Papier zu bringen. Die erste entspringt dabei seinem eigenen Hirn, eingeführt durch ein Splash-Panel, das ihn mit einer Gesprächspartnerin in einem Café sitzend zeigt, die ihn explizit nach seiner eigenen Erinnerung fragt. Während die Farbgebung dieses Panels blass ist, wird der Fokus auf diesen Dialog gelegt, indem dessen Figuren und ihr unmittelbares Umfeld durch kräftige Farben hervorgehoben werden. Dies ist deshalb erwähnenswert, weil die bunte Vielfalt der Erinnerungen sich im breiten Farbspektrum des Comics widerspiegelt: Jedes Kapitel verfügt über seine eigene Farbwelt. Inhaltlich reichen sie von kindlich-naiv und -rührend fantasievoll oder absurd-komisch über bemerkenswerte kleine Details des großen Ganzen wie unterschiedliche Gerüche oder den regen DDR-Tauschhandel bis hin zur Dialektik bzw. den Dualismus, den man den Menschen aufzwang, zu Nostalgie, Melancholie und Verklärung, zerplatzten Illusionen und Träumen, Tragik, schreiender Ungerechtigkeit und Tod. Doch nicht nur die DDR wird kritisch betrachtet, mitunter auch die Wiedervereinigung bzw. die BRD. Positive und negative Erinnerungen dürften sich in etwa die Waage halten, völlige Gleichgültigkeit ist selten. Es verdichtet sich jedoch ein Bild von einer in der DDR möglichen sorglosen Kindheit und einer von Widersprüchen geprägten Erwachsenenwelt. Fast sämtliche Facetten des Erinnerungsspektrums werden abgedeckt, ohne dass sie bewertet würden. Große Teile wurden aber sehr humoristisch aufbereitet, ihre Erzähler karikiert und hintergründig ironisiert. Der Humor, den Flix hier an Tag legt, ist ebenso herzlich wie erfrischend, doch auch in den tragikomischen bis tieftraurigen Abschnitten trifft er den richtigen Ton und schafft es, den Leser zu berühren. Wie es Flix gelingt, den Leser auf eine solche Achterbahn der Gefühle in dieser Kompaktheit mitzunehmen, ist große Kunst. Damit ist „Da war mal was…“ ein Wende-Comic, der sich stilistisch wie inhaltlich wohltuend von staatlich geförderten Beiträgen zur Erinnerungskultur abhebt und mir den unlängst mit Preisen überhäuften Flix als Zeichner und Autor eindrücklich empfiehlt. Ich möchte mehr von ihm lesen!
Mittwoch, der 27.06.2018, war ein geschichtsträchtiger Tag. Nein, nicht etwa, weil wir zusammen mit den HARD-ONS im Hafenklang spielten, sondern weil die deutsche Herrenfußballnationalmannschaft erstmals in ihrer Historie die Vorrunde einer Weltmeisterschaft nicht überstand. Der blamablen 0:2-Niederlage gegen Südkorea wohnte ich nach der Maloche bei Hermann im Osborne bei, von wo aus ich mich anschließend auf den Weg zum Hafenklang begab, wo sich die australische Punkrock-Legende bereits beim Aufbau befand. Nach kurzer Zeit trafen auch meine Mitstreiter ein, die mich diesmal freundlicherweise vom Equipmentschleppen befreit hatten, da die HARD-ONS bis auf eine Gitarrenbox die komplette Backline stellten und es somit endlich einmal wieder nur einen Bruchteil unseres Gelöts zu wuchten und zu transportieren galt. Die Aussies befanden sich mittlerweile beim Soundcheck und ihr offenbar koreanischstämmiger Bassist ließ keine Gelegenheit aus, seiner Freude über den Spielausgang Ausdruck zu verleihen. Mein Shirt des mexikanischen Teams, das ich während der Partie getragen hatte, hatte ich eigentlich längst gegen ein Punkshirt ausgetauscht, wechselte daraufhin jedoch noch einmal zurück, um ihn daran zu erinnern, wie Südkorea gegen die Mittelamerikaner gespielt hatte… Im Hafenklang lief die Organisation sehr entspannt und gleichzeitig professionell ab, unser Soundcheck stand alsbald an und als sowohl der Mischer mit dem Klang der P.A. als auch wir mit unserem Bühnensound zufrieden waren, konnten wir zum wirklichen wichtigen Teil des Abends übergehen: dem Catering. Im Goldenen Salon kredenzte uns der Koch raffiniert gewürzte Vleischbällchen mit von Curry geküsstem, gegartem Blumenkohl, einer frischen Salatkreation der Saison und gekochtem Reis, dazu frisches Brot mit köstlichem Dip. Während ich mir die Plauze vollschlug, hatte ein Teil meiner Band bereits wieder ignoranterweise im Vorfeld Fremdspeisen konsumiert, blieb also mehr für mich. Auf dieser Grundlage schmeckten dann auch die Getränke des Sponsors Jever ausnehmend gut, von uns aus konnte es also losgehen.





























Die 1980 gegründeten SUBHUMANS touren seit geraumer wieder in schöner Regelmäßigkeit, bisher hatte es bei mir aber irgendwie nie gepasst. Das war an diesem Freitagabend endlich anders, zumal das Hafenklang auch mit der Wahl der Vorband Geschmack bewiesen hatte. Die alten britischen Anarcho-Punks haben sich ihren Anspruch an Bodenständigkeit und den D.I.Y.-Ethos bewahrt und achten stets auf faire Eintrittspreise, was die Entscheidung Pro-Konzertbesuch zusätzlich vereinfachte. Für EAT THE BITCH war’s der erste Gig im Hafenklang und der wurde bravourös gemeistert: Sängerin Jona schrie Zeter & Mordio, dass einem das Adrenalin durch die Adern schoss, und holte alles aus ihrer Stimme heraus, immer wieder unterstützt von den Backgrounds der Saitenfraktion und angetrieben von Lindas schnellem Punkdrumming. Wie immer Hamburger Hardcore-Punk mit jeder Menge Widerhaken, geil angepissten deutschen Texten und hohem Aggressionslevel. Eine echte Überraschung war das brandneue Stück „Fucking Fighter“, ebenso hart wie eingängig und – auf Englisch! So’n 100%iges Heimspiel war’s für EAT THE BITCH aber nicht, größeren Teilen des SUBHUMANS-Publikums dürften sie noch gänzlich unbekannt gewesen sein. Diesen wurde auf jeden Fall kräftig der Scheitel mit der Axt gezogen und eine Gruppe Jünglinge, die ein paar Songs lang interessiert vom Rand des Saals aus lauschte, zog’s irgendwann zum Pogo in die Mitte – Publikum erspielt! Der Sound klang anders als im Menschenzoo oder Gängeviertel, für meine Ohren aber nicht verkehrt, bischn differenzierter, weniger Soundwall. Lediglich die Stand-Tom schien mir nicht richtig abgenommen worden zu sein, das fiel mir aber erst beim letzten Song auf. Geiler Gig, während dessen ich mich aber erst mal warmtrinken musste.










