Günnis Reviews

Autor: Günni (page 90 of 111)

05.07.2008, Fährstraße 105, Hamburg: ATTACK OF THE MAD AXEMAN + SUNDOWN VALLEY + GENTLE ART OF CHOKIN‘

im keller eines zum großteil von punks bewohnten wohnhauses in der hamburger migranten-hochburg wilhelmsburg hat man initiative ergriffen und einen kleinen aber feinen konzertort geschaffen, wo für wenig geld regelmäßig veranstaltungen stattfinden. klasse sache. samstag war ich zum ersten mal da, um mir drei grind-baller-bands anzutun. da ich völlig verpeilt hatte, dass die da wegen der wohngegend schon um 20:00 uhr anfangen, hab ich „gentle art of chokin'“, zweitband von „axeman“-ralf, verpasst. „sundown valley“ konnte ich aber im mini-konzertraum, der die große eines proberaumes hat, beiwohnen, floh nach zwei oder drei songs aufgrund der unfassbaren lautstärke aber vor die tür, wo es immer noch laut genug dröhnte. ich bin ja echt nicht empfindlich, was lautstärke auf konzerten angeht und hab mir auch noch nie was in die ohren gestopft, aber DAS war einfach zuviel. dann auch noch gefühlte 50°C in der kleinen hütte, was mich endgültig zum tresen trieb. danach dann der eigentliche grund meines besuchs, „attack of the mad axeman“ als tiere verkleidetet und mit rüdiger nehbergs abenteuern als hintergrunduntermalung vom band. der sound war aufgrund der tiefgestimmten instrumente etc. erträglicher, trotzdem stopfte ich mir lieber taschentücher in die ohren und sah eingeengt im rappelvollen raum eine verdammt geile show. spitzenband, 1a entertainer.

dem laden weiterhin viel erfolg und durchhaltevemögen. meine ohren allerdings fangen nur bei dem gedanken an die zweite band schon wieder zu schmerzen an. hölle!

ABENTEUER WILDNIS – IRGENDWIE GLÜCKLICHER CD

(http://fizz-records.com) / (www.abenteuerwildnis.de)

Wäre diese Scheibe von „Nix Gut“ gekommen und mir als der neue Deutschpunk-Knaller angekündigt worden, hätte ich wahrscheinlich nach dem ersten Song ausgemacht. Glücklicherweise nimmt der Beipackzettel aber kein einziges mal das Wort „Punk“ in den Mund, denn mit der abenteuerlichen Wildnis sind mitnichten unsere subkulturellen Weiten oder das sich „Gesellschaft“ nennende Bootcamp gemeint, sondern vielmehr die zwischenmenschlichen Gefühlsebenen, über die untermalt von Indie-Pop/-Rock 15 Songs lang leicht nasal gesungen wird. Dieses geschieht in deutschen Texten, die mich stellenweise zum Schmunzeln brachten, auf einem gewissen sprachlichen Niveau auf unaufdringliche Weise, ohne pseudointellektuelles Geschwafel, aber auch ohne musikalische Ausflüge in härtere Gefilde. Radiotauglicher Pop-Rock mit dezenten Synthie-Einsätzen, der keinem wehtut, das aber auch gar nicht beabsichtigt und mir mit insgesamt 56 Minuten Spielzeit etwas zu lang geraten ist. Kommt mit einem nett gestalteten Booklet, das alle Texte enthält. Nur mit Subkultur, der Ausrichtung unseres kleinen Online-Fanzines, hat das Ganze nun wirklich nichts zu tun… Anspieltipp: „Mischen“. Ohne Wertung. Günni

EINSTURZ – KONFRONTATION CD

(www.nix-gut.de) / (www.einsturz.com)

Uuaaah, heftigst klischeebeladener Deutschrock irgendwelcher Gymnasiasten, der sich als Punk auszugeben versucht, wie die Kopie einer Kopie einer Kopie klingt und mit seinem drittklassigen Pathosgehabe hochgradig nervt. Spätestens beim Schlager (!) „Wir wollen Kannen, keine Teller, keine Pfannen“ war dann auch der letzte Funken meines guten Willens aufgebraucht, dem Dargebotenen irgendetwas positiv abzugewinnen. Geht gar nicht! Da hilft auch die schicke CD im Vinyl-Stil mit draufgepressten Rillen nichts mehr. Das Booklet besteht zur Hälfte aus „Nix Gut“-Werbung, der Rest sind schlimme Fotos und Texte. 13 Songs in 42 Minuten. 5. Günni

DOGS ON SAIL – WALKING WITH GODS CD

(www.dogsonsail.de)

Diese norddeutschen Straßenköter sind mir schon mit ihrer vor ein paar Jahren veröffentlichten 5-Song-Scheibe „Rules / No Rules“ positiv aufgefallen und setzen ihren individuellen Stil auf dem Ende letzten Jahres endlich erschienenen ersten Longplayer konsequent fort: Ohrwurm-Melodien, Texte und Interpretationen selbiger zwischen Aggression und Melancholie, die sowohl beim HC als auch beim Pop mit einem Sänger, der mit seiner kratzigen Stimme beides beherrscht, mal anklopfen und untermalt von streetpunkigen Chören über das Leben und die damit einhergehenden Probleme wie Aggressionen, Süchte und der Suche nach dem eigenen Platz, der Position in dieser Welt berichten. Absoluter Überhit ist dabei das fast schon nordisch-folkige, melancholische „Tell Me“, das es als Bonus auch als Akustik-Version mit Akkordeon zu hören gibt. Astreine Hymne! Aber auch der Großteil der restlichen in deutscher und englischer Sprache vorgetragenen Songs überzeugt mit nachdenklichen Texten und hohem Hit-Faktor. Was da für Melodien aus dem Ärmel geschüttelt werden, ist nicht von schlechten Eltern und kann sich verdammt noch mal hören lassen! Das einzige, was mir aufstößt, ist die sporadisch eingesetzte zweite Stimme, die im Opener noch halbwegs hinhaut, in anderen Songs aber einfach nicht passt. Da sie die starken Songs aber nicht zu versauen vermag, kann man da geflissentlich drüber hinwegsehen. Live ist die Band besonders durch Sänger, Entertainer und Rampensau Stulle eine echte Granate – was mich zu folgender Bemerkung hinreißen lässt: Das Album wurde komplett in Eigenregie herausgebraucht und hat keinen Vertrieb oder ähnliches. Leider ist die Band anscheinend etwas unbeholfen, wenn es darum geht, ihre Scheiben unters Volk zu bringen und Konzerte klarzumachen, so dass ich hier eine klare Empfehlung abgeben möchte – ich denke, man hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn man ihr etwas unter die Arme greifen würde. Also, wer durch diese Kritik neugierig geworden ist, kann auf der Band-Website reinhören und Kontakt für etwaige Gigs, die Aufnahme der Platte in den Mailorder-Katalog o. ä. aufbauen. 2. Günni

PLASTIC BOMB #63

(www.plastic-bomb.de)

Die aktuelle Kunststoff-Bombe wartet mit einem bunten Strauß für mich persönlich hochinteressanter Dinge auf, die da wären: Interviews mit KNOCHENFABRIK, UPRIGHT CITIZENS (Helge Schreiber bringt u.a. so einiges über die Entstehung der alten Scheiben sowie manche Anekdote in Erfahrung), SS-KALIERT (mehr ein Verhör als ein Interview, aber interessanter Spagat der Band zwischen „zu ihrem Ding stehen“ und Rechtfertigungen…), GARRY BUSHELL (Klasse Fragen, klasse Antworten, klasse Interview!), REAGAN YOUTH (bzw. deren neuer Sänger), DIE STRAFE (kurzweilig, humorvoll), Anne von der POP (ex-APPD, hier hätte ich mir ein paar kritischere Fragen bzgl. angeblichen Sexismus’ etc. gewünscht), außerdem wurden die MAD PIGS, ESCAPADO, die Ami-Pop á la GOOD CHARLOTTE hörenden grönlandischen Kid-Punks LOST INSULT und Konzertfotograf Bomber (www.punkasfuck.de) befragt. Ansonsten halt die üblichen Rubriken: Ausführliche Vorworte (Michas „Geht gar nicht“-Liste zum Umgang mit Bullen, sehr geil, Helge völlig un-p.c. über nervige Insekten, Sport, Saufen etc., Ronja über Michas Umzug, Konzerte mit den ARTLESS-Bauern und umsich beißende Aggro-Typen sowie Swen über Leben & Tod. Nur Kuwe hat immer noch nichts zu sagen.), ’ne spaßige Kolumne über die letzte PB-Bootstour, Vascos großartige „Wunderbare Welt der Propganda“, diesmal „vom ‚anders sein’ und vom ‚sich anders fühlen’“, Kritiken und Verrisse, Kleinanzeigen, Zepps Zoom, Stanley Heads Ska-Ecke, „Anders leben“ (diesmal mit der Myspace-Alternative (na ja) www.hxcspace.com und der Freiburger Straßenzeitung „FREIeBÜRGER, außerdem berichtet der Verein „Bon Courage“ über schlimme Nazi-Umtriebe in der sächsischen Provinz), Exoten-Punk-Tonträger-Kritiken, Neuigkeiten und Termine plus natürlich Chris Scholz’ Kolumne, die mir wie so oft aus der Seele spricht. Grünen-Wähler, geht doch kacken!!! Insbesondere interviewtechnisch diesmal eine starke Ausgabe! Schlägt immer noch mit 3,50 € zu buche und kommt mit „Pay to Play“-CD. Günni

VERBOTENE FRÜCHTE NR. 14

(www.verbotenefruechte.de.tl)

Nettes kleines Fanzine – bedingt durch das A6-Format im wahrsten Sinne des Wortes – von Karsten Conform (ex-NON CONFORM) und Albert (BIRD COCAINE), das neben einigen Kolumnen hauptsächlich aus Rezensionen und Konzertberichten besteht und damit in erster Linie von regionalem Interesse sein dürfte (Barntrup und Umgebung). Positiv fällt das Nichtvorhandensein musikalischer Scheuklappen auf, negativ das Interview mit irgendwelchen Hip-Hop-Spacken, die „Aggro Berlin“ toll finden. Kost’ nix und kommt mit Postkarte. Günni

THE DALTONZ – S/T EP

(www.uvpr.fr) / (www.myspsace.com/thedaltonz)

Franzosen-Oi!, teils in Landessprache, teils auf Englisch, der sich hören lassen kann und mich vom Sound her an Perkele erinnert, wobei der Sänger aber anders klingt. Zu Texten und Aufmachung kann ich nichts sagen, da mir nur eine CD-R vorliegt (das Label verschickt keine Vinyls…), aber wer auf schnörkellosen Skinhead-Oi!-Sound mit einem gewissen Gefühl für Melodie steht, macht hiermit sicher nichts falsch. Leider nur drei Songs. 2. Günni

BADLANDS – WHEN ANGELS ARE CRUCIFIED CD

(www.rebellionrecords.nl) / (www.myspace.com/pitbullrocknl)

Diese holländische Skinhead-Band war mir bislang lediglich vom Namen her ein Begriff, was sich durch dieses mir nun zum Rezensieren vorliegende Album geändert hat. Wer hier typischen Oi!-Sound erwartet, liegt völlig verkehrt. Sowohl Cover als auch viele der düsteren (englischen) Texte würde ich eher dem Horrorpunk-Subgenre zuordnen denn klassischem Oi!-Punk/Skinhead-Rock’n’Roll. Den meisten Songs liegt eine traurige/melancholische Stimmung zugrunde, was dann auch in vielen balladesken, teils sogar nur per Akustik-Klampfe vorgetragenen Songs Ausdruck findet. Teilweise erinnert mich das Dargebotene auch etwas an weniger ’billyeske Songs der TIGER ARMY bis zu relaxten SOCIAL-DISTORTION-Songs – allerdings jeweils ohne den charismatischen Gesang. Wer durch diese Beschreibung neugierig geworden ist, kann ja mal reinhören, ich werde mit der Scheibe nicht so richtig warm… Die Texte können im schlichten schwarzen Booklet nachgelesen werden, eine Vinyl-Version soll wohl auf Bandworm Records folgen. Zwölf Songs in 40 Minuten, Anspieltipp: „If You Wanna Know The Underground“ (der einzige Song, der mir wirklich gut reinläuft). 4. Günni

SMALL TOWN RIOT – SELFTITLED LP/CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.smalltownriot.de)

Wie soll ich halbwegs objektiv über eine Platte schreiben, die von einer Band stammt, deren Wege ich seit ihrer Gründung begleite und auf der mir eine bewegende Hymne, schlicht “Günni” betitelt, gewidmet wurde? Ich versuche es einfach mal: Mit „Selftitled“ legt die aus Hamburg bzw. dem Hamburger Umland stammende Band ihren zweiten Longplayer vor, der sie abwechslungsreich wie eh und je, aber musikalisch weiter gereift und dadurch fast noch souveräner als zuletzt bereits auf der genialen „Skulls & Stripes“-EP und dem Kult-Split-Album „Let The Bombs Fall…“ präsentiert. In diesem Falle kann ich es tatsächlich nicht besser formulieren als der Beipackzettel, der die Songs als „irgendwo zwischen herzzerreißenden Melodien und dem Dreck von der Straße“ beschreibt. Der Sound des übrigens weitaus besser als der Erstling produzierten Albums lebt von seinem Variantenreichtum, ohne dabei das Wesentliche, nämlich ehrlichen Streetpunk mit reichlich Melodie, zu vernachlässigen. Ob nun das dreckige Intro, der pop-punkige Opener „Addicted To Authority“, der Punk’n’Roll-Dorfpunk-Hit „Working Class Family“, der HC-Kracher „No Unity“, inkl. von Bassist Rolf gebrüllter unmissverständlicher Ansage („Diese Modeopfer sollen sich wieder in ihr Studentenwohnheim verpissen!“), die bereits eingangs erwähnte melancholische Akustik-Ballade „Günni“ (einziger deutschsprachiger Song), das herrlich angepisste „Our Values (Once Again)“ oder der lupenreine Surf-Rock-Rausschmeißer „Elbstrand Rocker“ – hier reiht sich eine Perle an die andere und sie gewinnen von Durchlauf zu Durchlauf mehr an Glanz. Gesanglich ergänzen sich Lead-Gitarrist Norman und Drummer Timo ganz hervorragend, der mehrstimmige Gesang kommt besser denn je. Normans cleane Stimme, die auf dieser Platte sogar dann und wann in ungeahnte Höhen vordringt, ist ein klasse Gegenpol zu Timos kratzigem, aggressiverem Organ. Einige Songs, beispielsweise die der genialen „Lovesong Trilogy“, gehen ohne Pause ineinander über, was der Dichte des immerhin 17 Songs in nur 38 Minuten umfassenden Werkes gut tut. Musik wie Texte decken eine breite Palette an Emotionen ab: Aggression, Melancholie, Lebenslust und –frust, und das stets vollen Herzens – ganz gleich, ob es um zwischenmenschliche Beziehungen, Politik & Gesellschaft oder Spaß geht. Für ein Album, das es schafft, allem Abwechslungsreichtum zum Trotz ein so homogen wirkendes Gesamtwerk voller Spiellust und Seele abzugeben, kann es nur eine Wertung geben: ’Ne glatte 1! Die LP kommt in unschuldig-weißem Vinyl und mit bedruckter Innenhülle mit allen Texten und vielen Fotos und wurde auf 500 Exemplare limitiert. Zur CD im Digipak gibt’s ein fettes Booklet, in dem ebenfalls alle Texte nachzulesen sind, und ’nen witzigen Videoclip zu „Addicted To Authority“. Eine großartiges Platte! Günni

THE DETECTORS – TWENTYONE DAYS LP/CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.detectors.co.nr)

Endlich! Der erste Longplayer der DETECTORS aus Neumünster, Schleswig-Holstein, ist da, die sich einem melodischen, energischem Streetpunk verschrieben haben, wie ihn Bands wie BOMBSHELL ROCKS und VOICE OF A GENERATION längst nicht mehr hinbekommen und der mich mit seinem elektrisierenden, schnodderigen Alarmgesang und seinen Ohrwurm-Melodien in höchste Verzückung versetzt! 13 englischsprachige Songs ohne jeden Ausfall, wovon „Tributary To Death“ und „Jimmy“ bereits von der klasse „No Freedom – No Liberty“-EP und „Turn Up The Radio“ vom „Let The Bombs Fall…“-Split-Album bekannt sind, für dieses Album aber noch einmal neu aufgenommen wurden. Besonders die Spielgeschwindigkeit, die hier bei vielen Songs an den Tag gelegt wird, hängt viele andere Genre-Vertreter um Längen ab und zwingt nahezu zu grobmotorischen Zuckungen, um dann und wann mal Platz für atmosphärische, wuchtige Mid-Tempo-Songs wie „Bombs Are Falling“ zu machen. Auch lyrisch bewegt man sich abseits jeglicher Plattitüden und beweist mit seinen kritischen Texten echte Songwriter-Qualitäten. Ein knackig und hochwertig produziertes Album einer genialen jungen Band, die auch live stets das volle Brett gibt und deren Auftritte ich jedem ebenso wie diese Platte, die in ihrer farbigen Vinyl-Version übrigens auf 500 Exemplare limitiert wurde und als CD im Digipak mit Booklet voll Texten und Fotos kommt, ans Herz legen kann. 33 Minuten Spielzeit, Anspieltipps: „Tributary To Death“, „I Keep My Mohawk“ etc. pp… 1. Günni

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