Günnis Reviews

Autor: Günni (page 95 of 111)

DIE ORALAPOSTEL – 1A KINDERPUNK CD

(www.die-oralapostel.de)

Nun gut, immerhin kann hier von Etikettenschwindel nun wirklich keine Rede sein; drin ist, was draufsteht: Pubertärer Kinderpunk mit peinlichen, größtenteils deutschen Texten („Fernanda ausm Wald, bist du in mich verknallt?“) und unerträglichem, teilweise auch noch mehrstimmigem Singsang. Da können auch die vernünftige Produktion und die kreative Gestaltung in Form eines Beiheftes im A5er-Schulheft-Layout nicht mehr viel reißen. Zehn Songs in 33 Minuten. 5, eine Versetzung in die nächsthöhere Klassenstufe findet nicht statt. Günni

TAUGENIX #3

(www.taugenix-fanzine.de)

Das von NIX GUT herausgegebene Magazin mit Schwerpunkt auf – wen wundert’s? – sog. „Deutschpunk“, das gleich in einer Megaauflage auf den Markt drang, liegt mir nun in der dritten Ausgabe vor, deren schlecht gezeichnetes Klischeecover (Punk mit grünen Spikes sitzt auf Straße, sabbert, säuft Hansa, ein Köter pisst…) gleich erstmal abschreckte. Nachdem ich mich irgendwann doch überwand, es aufzublättern, konnte ich mich dem Inhalt in Form von Interviews mit DAILY TERRORISTEN, A.C.K., „Chaostage“-Filmmacher Tarek, ZZZ HACKER und SOUTHSIDE CONCERTS, einer von den MIMMI’S selbst geschrieben MIMMI’S/WESER-LABEL-Story, SPRENGSATZ auf dem G8-Gipfel (interessant!), Behinderten, die Punk doof finden und deshalb „Ponk“ gründeten, um nicht mehr mit Punk-Maßstäben gemessen zu werden (ähm… ja nee, is klar), STAATSPUNKROTT-Tourbericht (beschissene Band, haut ab!), Tierrechten, Fußball spielenden PIGS (interessiert doch keine – Achtung, Wortspiel! – Sau), widmen, wovon mich diesmal wesentlich weniger interessierte, als in der #2. Drumherum wieder reichlich Kolumnen (durchwachsen), News, dümmlicher Comic und „Foto-Punk-Story“, Cocktail-Rezept, Leserbriefe, Vorstellungen der Bands der Heft-CD, Konzertberichte, -termine und DIE EINSAMEN STINKTIERE in der Rubrik für unterbewertete D-Punk-Platten (gefällt mir sehr gut). Die „Reviews“ allerdings habe ich mir diesmal so gut wie gar nicht erst angesehen, zu unkritisch waren sie mir in den letzten Ausgaben. Warum nicht gleich Preis und NIX-GUT-Katalognr. daneben schreiben? Gibt’s inkl. hässlichem Poster für 3,- Flocken beim Bahnhofsdealer.

ALARMSIGNAL – REVOLUTIONÄRE STERBEN NIE CD

(www.nix-gut.de) / (www.alarmsignal.de.vu)

Neues Material der Band aus Celle, deren zweites Album mir auch schon gut gefiel. Musikalisch gelang hier in jedem Falle eine weitere Steigerung zum Vorgänger „Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg“: Schneller, abwechlungsreicher Pogopunk mit Melodie, rotzigem Gesang und mitgrölkombatiblen Refrains, vernünftig produziert im Braunschweiger Whiteline-Studio. Die Texte fallen sehr kämpferisch aus, man gibt sich, passend zum Titel, revolutionär, ohne in peinliche Parolen zu verfallen. Ok, dass Solidarität eine Waffe ist, hört man hier nun wahrhaftig nicht zum ersten Mal, aber, hey, es stimmt nun mal und ebenso ist es immer noch Tatsache, dass dieses System zum kotzen ist und ums uns herum jede Menge Scheiße passiert – warum also nicht darüber singen? Diese Themen sind aktueller denn je. Wirklich zu berühren vermag mich ein Text wie „In Gedenken“, der von in jüngster Vergangenheit traurige Popularität erlangten Kindesmisshandlungen und –verwahrlosungen berichtet. Kneifen können hätte man sich meines Erachtens aber einen technologiefeindlichen zurück-auf-die-Bäume-Song wie „Leider festgestellt“, der ist aber glücklicherweise der einzige Totalausfall. Angereichert wurden die Aufnahmen mit paar passenden Samples, u.a. aus Kultfilmen wie „Verlierer“, die die Scheibe zusätzlich auflockern. Das fette Booklet mit allen Texten, Kommentaren zu selbigen, Fotos etc. ist absolut vorbildlich ausgefallen. Eigentlich müsste ich der Band zugestehen, zum besten zu gehören, was der sog. „Deutschpunk“-Bereich derzeit zu bieten hat, zumindest musikalisch. Wäre da nicht die Tatsache, dass zwei der Bandmitglieder tief religiös sind und sich meines Wissens in üblen missionierenden christlichen Sekten herumtreiben, die gezielt Jagd auf Jugendliche machen. Fairerweise muss ich anerkennen, dass sich außer bei den Grüßen („Jesus – ohne Dich hätte ich nichts!“) davon nichts, nichtmal andeutungsweise in den sehr diesseitsorientierten Texten niederschlägt, bei mir also nicht der Eindruck einer christlichen Rattenfängerband entsteht. Organisierte Religion ist und bleibt aber die letzte Pisse und hinterlässt bei mir in Verbindung mit Punk-Subkultur stets einen sehr, sehr faden Beigeschmack. Klammere ich das aber aus, bleibt ein klasse Punkrock-Album. 16 Songs in 37 Minuten, Anspieltipp: „Jolly Roger“. 2. Günni

PLASTIC BOMB #61

(www.plasticbomb.de)

Die Duisburger Fanzine-Institution mit ihrer Winter-Ausgabe, mittlerweile ja Aushängeschild eines richtigen Punkrock-Unternehmens. Kriegen wir die jetzt regelmäßig zum Rezensieren? Dann könnte ich mein Abo ja kündigen, hähä. 😉 Als erstes flattert mir ein cooler „Religionsfreie Zone“-Aufkleber entgegen, sehr schön. Bei den Vorwörtern ruft Micha zu Zivilcourage und aktivem Handeln auf, Helge berichtet von 1200 km langen Protestmärschen, Swen lässt wieder den sXe-Sportler raushängen, Kuwe erweckt immer noch mehr Mitleid als alles andere und ATAKEKS überspringe ich eh immer. Vors Mikro zog man BORN/DEAD (lang und politisch), COCKNEY REJECTS (kurz und unpolitisch), EA80, die VERSAUTEN STIEFKINDER (fein), SPRINGTOIFEL (interessant), Tati von ABOCALIPSTIX, Kollek vom TRIBAL AREA DVD-Mag und die STOPCOX (diesen Blödsinn vonwegen „Vollei“ glaubt ihr doch nicht wirklich, oder?!). Außerdem fand ein ausführlicher Bericht bzgl. der staatlichen Überwachnung von MONO FÜR ALLE! (Staat hau ab!) ebenso den Weg ins Heft wie die eine oder andere Kolumne (groß: Micha auf Stadtteilfest mit GUILDO HORN, den man aber immer noch mit UI schreibt und natürlich Chris Scholz, außerdem „Punx On Tour: Senegal“), Politisches (Zapatistas in Mexiko, Anti-Genfraß), die üblichen Specials (Exotenpunk, Ska, Zepps Zoom), der dritte Teil der „Punk in Wien“-Geschichte sowie Reviews, Kleinanzeigen, Leserbriefe, News, Termine, der ganze übliche Scheiß eben. Das Beste am ganzen Heft aber, wie seit einigen Ausgaben üblich: Vascos kritische „wundervolle Welt der Propaganda“, diesmal zum Thema Banken, Zins und Zinseszins. Diese Beiträge weitab von halbgarem, elitärem, arrogantem oder gar ideologiesiertem, dogmatischem Politgesabbel um seiner selbst willen gehören zum BESTEN, was es zurzeit in deutschen Fanzines zu lesen gibt. Sauber recherchiert, verständlich aufgeschrieben, aufs Wesentliche reduziert. Davor ziehe ich meinen Hut. Ich wünsche dieser Rubrik eine lange Zukunft und hoffe, dass sie noch viele, viele Leser finden wird. Souveräne Ausgabe der Bombe, die ohne mies recherchierte Meinungsmache oder Anderem, was ihr von Kritikern gern mal vorgeworfen wird, auskommt – allerdings anscheinend auch ohne PENETRATION, die auf dem Titelblatt angekündigt werden…? 3,50,- € inkl. CD. Günni

LÜKOPODIUM – DENK LAUT ODER VERGISS ES CD

(www.nix-gut.de) / (www.luekopodium.tk)

Die Ösis von LÜKOPODIUM legen ihr mittlerweile viertes Album vor; flotter, kämpferischer deutschsprachiger Punkrock á la POPPERKLOPPER, bei dem man, wenn ich mich richtig an den Vorgänger erinnere, den Metal-Einfluss stark zurückfuhr und persönlichen Texten mehr Raum bot. Kommt insgesamt melodischer als die letzte VÖ, reißt mich aber immer noch nicht unbedingt vom Hocker. Trotzdem eine deutliche Steigerung. Freunde von A.C.K., POPPERKLOPPER und Co. werden vermutlich ihre Freude daran haben. 13 Songs in 44 Minuten, das schön gestaltete Farb-Booklet kommt mit allen Texten. Anspieltipp: „Ich will nicht mehr“. 3-. Günni

RED BANNER – NO ENS ATURARAN CD

(www.madbutcher.de) / (www.redbanner.cat)

Hier haben wir eine sich streng sozialistisch präsentierende Oi!-Band aus Barcelona, die keine Berührungsängste mit dem RASH-Bereich der Skinheadszene hat und ihr drittes Album komplett in Landessprache vorlegt. Die Mucke geht auf jeden Fall klar: kämpferischer, hymnischer, melodischer Mid-Tempo-Oi!-Punk, wie ich ihn mir gefallen lasse. Gut produziert ist die Platte zudem und mit satten neun Bonusstücken von früheren Veröffentlichungen angereichert. Zu den Texten kann ich jetzt sprachbarrierenbedingt nicht allzu viel sagen – bleibt zu hoffen, dass man auf Kommie-Plattitüden weitestgehend verzichtete und, wie es auch die Promo-Info suggeriert, sich in erster Linie sozial- und gesellschaftskritisch äußerte. Das dicke Booklet ist toll gestaltet und bietet alle Texte und weitere Infos, allerdings alles auf spanisch. Kann definitiv wat. 20 Songs in 64 Minuten, Anspieltipp: „El Preu A Pagar“. 2-. Günni

LADEHEMMUNG – SEID BEREIT! CD

(www.nix-gut.de) / (www.ladehemmung.com)

„Der Genre-Liebhaber wird ein neues Lieblingsalbum besitzen“, kündigt der Promozettel ziemlich größenwahnsinnig an. Solche Sprüche erweisen sich meistens als Eigentor, so auch bei dieser Hallenser Band von der Saale. Uninteressanter deutschsprachiger Punkrock/Streetrock mit Grölgesang, weder musikalisch noch textlich irgendwas Besonderes. Außer vielleicht „Bau auf“, das ist nämlich ganz besonders peinlich. Ok, „Wie es ist“ und „Auf die Pferde“ sind ganz in Ordnung, reißen das Album aber auch nicht mehr aus dem Sumpf der Durchschnittlichkeit. Die Texte kann der geneigte Hörer im Booklet nachlesen. 14 Songs in 44 Minuten. 4. Günni

DANGERBOY – S/T LP/CD

(www.ritchierecords.de) / (www.dangerboy.de)

Bei Ritchie Records traut man sich was und haut ein Album raus, das ich mal unter „special interest“ einordnen würde: DANGERBOY spielen einen eigenständigen Stilmix aus NDW/New Wave und Avantgarde-Sound, wie man ihn in den 80ern gerne mal vorgesetzt bekam. Reichlich Synthie-Einsatz, Samples, seltsame Texte, das volle Programm also. Die einen werden sich entnervt abwenden und „Neue deutscher Synthesizer, Alfred, dreh die Scheiße leiser!“ schreien, andere tanzen darauf den Mussolini oder wen auch immer. Gegebenenfalls antesten, mein Fall isses nicht. Das hat aber nichts zu sagen, gelle? Leider kann mich zur Verpackung nicht äußern, weil mir nur eine Vorab-CD im Pappschuber vorliegt. Elf Songs in 43 Minuten. Ohne Wertung. Günni

CIURMA SKINS – S/T CD

(www.ciurmaskins.altervista.org) / (www.coneheadrecords.de)

Von Sardinien (autonome Insel Italiens) stammt diese 2005 aus den Überresten der Band ANTIRUGGINE hervorgegangene Skinhead-Combo, die sich der Oi!-Mucke in italienischer Sprache verschrieben hat. Das kann sich echt hören lassen; gute, härtere Oi!-Scheibe mit kräftigem, bösem Gesang, reichlich Chören und netten Melodien. Die Texte sind nicht nur in Landessprache abgedruckt; ihnen wurden englische Übersetzungen zur Seite gestellt, denen ich Themen wie Medienkritik, Klassenbewusstsein, Selbstjustiz, Selbstbewusstsein, Szenespezifisches etc. entnehmen kann. In dieser Hinsicht nichts Überraschendes, aber auch keine schlimmen Aussetzer. Gutes Debüt! Aber irgendwie ist das Cover verdammt unscharf geworden!? Lasst da beim nächsten mal jemanden ran, der sich mit sowas auskennt. 😉 Schade, dass der Gig in Hamburg ausfiel. Zehn Songs in 30 Minuten, Anspieltipp: eigentlich alles. 2-. Günni

ANTIGEN – FLUCH DER VÄTER CD

(www.skulls-in-heaven.de) / (www.antigen-punkrock.de)

Weiblicher Gesang – deutsche Texte – Punkrock. Damit lässt sich die Göttinger Band, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern der Bands KOLERIKA, LAUSITZ P.A.C.K. und ABNORM in aller Kürze beschreiben. Sängerin und Bassistin Steffi bringt ordentlich Power rüber, gefällt mir aber besser, wenn sie rotzig und schnell statt tief und langgezogen bzw. bemüht melodisch singt oder andere Stimmexperimente wagt. Sie ist sicherlich sehr talentiert, ich zumindest finde diesen Gesangsstil stellenweise aber etwas gewöhnungsbedürftig. Textlich gibt man sich sowohl sozial- und gesellschaftskritisch als auch persönlich und ist, was das lyrische Geschick betrifft, vielen aktuelles deutschsprachigen Punkbands weit voraus – nachzulesen im Booklet. Die musikalische Untermalung setzt mir aber zu wenig auf eingängige Melodien, die zur Stimme passen würden, und dümpelt so leider eher vor sich hin, als hängenzubleiben und wirklich Spaß zu machen – mit einer Ausnahme: Der Song „Weißer Mann“ ist ein absoluter Hit! Da stimmt alles! Ein gottverdammter Ohrwurm, wie er sein soll. Unterm Strich ist mir das aber etwas zu wenig, obwohl die Band vor Potential nur so strotzt. Paradox. 14 Songs in 41 Minuten. 4+. Günni

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