Günnis Reviews

Autor: Günni (page 102 of 116)

TAUGENIX #2

(www.taugenix-fanzine.de)

Das erklärte Deutschpunk-Kampfblatt, dessen Debüt ich als „entweder NIX-GUT-Katalog mit Fanzine-Seiten oder Fanzine mit NIX-GUT-Katalog-Seiten“ bezeichnete, geht in zweite Runde. Noch immer finde ich es sehr verdächtig, sich so dermaßen auf „Deutschpunk“ zu versteifen und gleichzeitig von Jürgen „mir schwillt der“ Kamm herausgegeben zu werden, der mit seinem NIX-GUT-Label jede mögliche und unmögliche Kellercombo, die halbwegs unserer Muttersprache mächtig ist, veröffentlicht. Roch mir die Erstausgabe noch sehr nach Hype der labeleigenen Produktionen, verschob sich hier der Inhalt etwas zugunsten von beispielsweise Interviews mit BELA B. und Atze von den TROOPERS, die ich recht gelungen finde, wobei Erstgenannter stellenweise schon ziemlichen Stuss von sich gibt und mich zwischenzeitliche Bierbestellungen in einem ohnehin gekürzten Interview nun wirklich einen Scheiß interessieren. Gar nicht so scheiße sind auch die ausführlichen Vorstellungen der auf der CD-Beilage enthaltenen Bands sowie der diesmal wirklich gute Artikel über Punk in der DDR. Etwas wirr erscheint mir die eine oder andere Kolumne, insbesondere die von Mad Jazz Morales (IRRENOFFENSIVE), wobei dieser Effekt in seinem Falle vermutlich beabsichtigt war. Mitunter ganz schön pubertärer Humor für so einen alten Mann, haha. Interessant ist sicherlich auch das Interview mit Torte, einem schwulen Punk in eben seiner Eigenschaft als solcher. Gefallen fanden auch der zweite der beiden G8-Berichte sowie die Kolumne vom Rentnerpunk. Überhaupt scheint mir in dieser Ausgabe mehr Wert auf Informatives aus dem politischen Bereich gelegt worden zu sein. So gibt es eine Abhandlung über Nazis in der Tierrechtsszene und Aktuelles zur Köpi in Berlin, leider aber auch eine hippieske Predigt, die schon ganz richtig „Das Wort zum Sonntag“ betitelt wurde. Weitere Interviews wurden mit Messerfocke (wat’n Name) von LUSTFINGER und Turbotorben vom (R)OHRPOST-Zine geführt, deren Antworten ich mitunter etwas seltsam finde… was zur Hölle soll ein „Oi“ sein, lieber Torben? Als nach Meinung des Autors zu Unrecht in Vergessenheit geratene Band wird diesmal KONSUMTERROR ins Gedächtnis gerufen und Leserbriefe, ein Comic, einige Konzert- und Festivalberichte, Neuigkeiten und Termine fanden ihren Weg ins Heft – ebenso wieder gruselige Bands wie ZAUNPFAHL, völlig unkritische Reviews und peinlicher, kindischer Quatsch wie die grottige „Foto-Punk-Story“. Insgesamt eine deutliche Steigerung zur Erstausgabe, aber das ständige Überbetonen des (Un?)Wortes „Deutschpunk“ geht mir auf den Sack und für vieles fühle ich mich aber tatsächlich einfach zu alt mittlerweile… Kost’ übrigens 3 Taler, zumindest in Deutschland. Günni

ANTIFASCHIST POLITISCH VERFOLGT!!!! DVD

(www.nix-gut.de)

NIX-GUT-DVD, die eine ca. 15minüte, professionell gemachte Zusammenfassung der berühmt-berüchtigten „Hakenkreuz-Affäre“ (wir erinnern uns: durchgestrichene Hakenkreuze sollten als „verfassungsfeindliche Symbole“ verboten werden) enthält, u.a. mit Stimmen von BELA B., Claudia Roth (DIE GRÜNEN) und Michael Sommer (DGB). Außerdem kommt in einem Extra-Film der Sprecher der Jugendorganisation der IG Metall zu Wort und berichtet über deren antifaschistische Arbeit. Als Bonus gibt’s jede Menge Infomaterial in Form von PDFs und Bildern zur Verwendung auf dem Computer. Ist für 3,- EUR bei NIX GUT erhältlich. Dokument einer wirren Farce der deutschen Rechtsprechung sowohl zum kurzweiligen Konsum als auch als Nachschlagewerk und Informationssammlung. Günni

THE TRASH TRILOGY DVD

(www.rodrec.com)

Klasse, das so etwas auch mal den Weg zu uns Punkrock-Rezensenten findet: Drei trashige Kurzfilme, in denen jeweils ROD GONZALES (DIE ÄRZTE, ABWÄRTS etc.) mitspielt und sich für die Soundtracks verantwortlich zeichnet, welcher sie auf seinem Rodrec-Label wiederveröffentlichte, nachdem die VHS allesamt vergriffen sind.
VAMPIRE EMPIRE (2004): Vampir-Comedy-Liebesfilm-Trash mit Rod als Mitglied der Band THE VAN HELSINGS, die einen Auftritt bei einer Vampir-Party bekommen…
HÄNSEL@GRETEL (2001): „Und wenn Sie nicht gestorben sind…“ – Tja, sind sie nicht und zeigen kaltblütigen Gangstern, wo der Hammer hängt. Splatter-Trash mit BELA B. als Erzähler.
DIRTY GARY (1999): Gangster-Trash-Parodie um Antiheld Dirty Gary, der eine Gangster-Bande (schon wieder – Rod scheint sich gern in dieser Rolle zu sehen) um ihre Beute bringt, mit dem Ende des Films aber nicht ganz einverstanden ist.
Angereichert wurde die DVD mit Making-Ofs, Audiokommentaren sowie zwei weiteren Kurzfilmen, die ohne Rod auskommen müssen. Ich glaube, durchschnittlich sind die Dinger um die zehn Minuten lang. Bei Amateur-Trash ist es ja mitunter so, dass die Macher mehr Spaß dran hatten als letztendlich der Zuschauer… Das vorliegende Material reicht von belanglos über kurzweilig-albern bis nachdenklich-interessant, letzteres insbesondere in Form des Bonusfilms „Zeit“. Den zweiten Bonusfilm „Corleone“ habe ich ehrlich gesagt nicht kapiert, daher stellt dieser für mich das Schlusslicht dieser Zusammenstellung dar. „Vampire Empire“ und „Hänsen@Gretel“ wissen, auch aufgrund ihrer Absurdität, nett zu unterhalten. Mein Favorit ist „Dirty Gary“, der genau meinen Humor trifft. In diesem Falle springt der Spaß auch auf den Zuschauer über – so soll es sein. Witzige Kollektion, nicht nur für den nächsten Party-Abend mit Kumpels und Bier. Hat was. Die liebevolle Aufmachung mit fettem Booklet mit Hintergrundinfos zu jedem einzelnen Film bekommt noch ’nen gereckten Daumen extra. Gerne mehr davon! Günni

SHUTCOMBO – HMM… CD

(www.holzhose.de) / (www.shutcombo.de)

Nach dem 2004 veröffentlichten Debüt, welches ich allerdings nicht kenne, gibt’s mit dem treffend „hmm…“ betitelten Album neuen Stoff der fünf „Emo-Punks“ (so nenne ich sie jetzt einfach mal; man verzeihe mir diese Bezeichnung) aus dem Osten der Republik. „Hmm…“ war auch meine Reaktion, denn statt voll auf die Zwölf gibt’s textlich mal mehr, mal weniger gelungene poetisch-philosophische Ausflüge und durch Worte gezeichnete emotionale Bilder mit Spielraum zur eigenen Interpretation, unterlegt mit „moll“iger Mucke, die vermutlich Richtung MUFF POTTER und Konsorten geht und in Kombination mit dem herausgepressten Brüllgesang mit den langgezogenen letzten Silben eine bedrückende Grundstimmung erzeugt. Mir gefällt’s eher dann, wenn man textlich konkreter und zynischer wird (wie in „Fordclubmassaker“ z.B.), der Rest ist nicht so meins. Wer mit diesem Stil, der durch mein etwas hilfloses Geschwafel hier hoffentlich einigermaßen klar wurde, aber etwas anzufangen weiß, wird diese Platte vermutlich lieben. Ich hör’ für so was nach wie vor lieber NIRVANA. Ins Konzept ein reiht sich in jedem Falle das liebevolle, in Grautönen und schwarz gehaltene zwölfseitige Booklet, das alle zehn deutschsprachigen Texte und stimmungsvolle Bilder enthält. 30 Minuten Spielzeit, Anspieltipp: „Fordclubmassaker“. Ohne Wertung. Günni

VOODOO GLOW SKULLS – SOUTHERN CALIFORNIA STREET MUSIC CD

(www.victoryrecords.com) / (www.voodooglowskulls.com)

Als ich vor zehn Jahren oder so erstmalig von den VOODOO GLOW SKULLS hörte, begeisterte mich ihr Skacore. So was hatte ich vorher noch nie gehört. Diese Begeisterung hielt aber genau bis zum zweiten oder dritten mal hören, da fingen sie auch schon an, mich mit ihrer Mischung aus Hardcore, Punkrock und Offbeats mit den hektischen Bläsern und dem monotonen Gesang zu nerven. So verhält es sich bis heute und ich laufe stets Gefahr, bei dieser Mucke schlimmere epileptische Anfälle als durch japanische Zeichentrickfilme zu bekommen. Mehr was für notorische Zappelphilipps und hyperaktive Crossover-Fetischisten denn für meine Wenigkeit. Freunde der SKULLS werden mit dieser sauber produzierten Scheibe aber sicherlich voll auf ihre Kosten kommen. Die Texte können alle im Booklet nachgelesen werden. Zwölf Songs in 33 Minuten. Auch hier ohne Wertung, sorry… Günni

PARASITES – RETRO-POP REMASTERS CD

(www.GoKartRecords.de) / (www.myspace.com/officialparasites)

Schon seit über zwanzig Jahren existiert (mit Unterbrechungen) diese US-Amerikanische Pop-Punk-Band, die es aber nie geschafft hat, einen ähnlichen Popularitätsgrad wie GREEN DAY und Konsorten zu erreichen. Mir liegt nun die aktuelle Best-Of-Zusammenstellung vor, die mir wenig Lust darauf macht, mir eines der acht regulären Studioalben komplett anzuhören… zu weichgespült und radiotauglich ist der Sound. Ich stehe Pop-Punk nun wirklich nicht generell ablehnend gegenüber, aber das ist hier ist mir letztendlich dann doch zu lasch. Habe die letzten zwei Dekaden also nicht wirklich was verpasst, wenn ich diese Band mit Nichtbeachtung strafte. Dann lieber die RAMONES oder QUEERS. Das als Booklet herhaltende Booklet verfügt leider auch über keinerlei abgedruckte Lyrics, Hintergrundinfos oder sonst irgendwas, was das Attribut „liebevolle Aufmachung“ verdient hätte. 14 Songs + versteckter Bonus-Track in 47 Minuten. Ohne Wertung… Günni

SHE-MALE TROUBLE – DOWN THE DRAIN Maxi-CD

(www.xno.net) / (www.she-maletrouble.com)

Neues Material der deutschen Band um Frontfrau Carola. Vier mal englischsprachiger, perfekt produzierter Punkrock, davon „Don’t You“ einmal als zusätzliche Akustik-Version und mit „Angelfuck“ ein MISFITS-Cover-Stück. Keine schlechte Mucke, passt. Aber wer zur Hölle braucht Maxi-CDs?! Zwölf Minuten Spielzeit. 2 (mit ’nem Minus wegen Abzügen in der B-Note :P). Günni
P.S.: Außerdem ist zum Titelstück ein Videoclip erschienen, der allerdings nicht auf der CD enthalten ist (warum nicht?) und mir über viel zu viele hektische Schnitte verfügt, damit bei MTVIVA aber vermutlich gut aufgehoben sein dürfte…

TRUSTGOD SIMON – PILS IN KOPP! CD

(www.scumfuck.de) / (www.trustgodsimon.de)

Ruhrpott-Schunkelrock-Kapelle, die gerne wie die heiligen LOKALMATADORE klingen würde, von denen sie aber in sämtlichen Kategorien auf die Plätze verwiesen wird. Textlich wie musikalisch können andere das einfach seit Jahren besser, diesen lauen Aufguss des Ruhrpott-Trinkhallen-Asi-Rocks braucht kein Mensch. Daran ändern auch die Coverversionen von LOIKAEMIE („Alles was er will“, sicherlich einer der besten LOIKAEMIE-Songs) und SUPERNICHTS („Wir haben uns total toll verstanden“) nichts, über deren Qualitäten ich besser mal die Harrington des Schweigens hülle… „Wir hauen uns die Kirsche zu“ – mit „Traugott Simon“-Billigbier. Macht mal, aber ohne mich. CD kommt im Digipack, Booklet mit Songtexten und Fotos. 13 Songs + In-/Outro in 40 Minuten. 5+. Günni

TURBOLOVER – BROT FÜR DIE WELT CD

(www.pukemusic.de) / (www.turbolover.org)

Die Berliner Formation um ex-GOYKO-SCHMIDT-Brüllaffe Martini meldet sich mit diesem Longplayer zurück, deren zwölf Oi!-Punk-Ergüsse noch immer über diesen typischen Humor und die Attitüde der alten SCHMIDT-Platten verfügen und größtenteils mit Gröhlgesang im Mid-Tempo und in Landessprache dargeboten werden. Kann sich hören lassen, wenn auch nicht mehr ganz so kultverdächtig wie zu „Mitropa Meeting“-Zeiten. So wütet man sich durch Themen wie geheucheltes soziales Engagement, beschissene Jobs, das alte Leid mit dem Herzschmerz und von Bukowski inspirierte Aufklärung über die wahre Ursache allen Leidens dieser Welt. Mein Lieblingsstück der Platte aber ist die Abrechnung mit Pseudo-HC-Spacken, die Hardcore-Konzerte mit Foren für ihr armseliges faschistoides Männlichkeits-Getue verwechseln, über keinerlei Hintergrund außer der Großraumdisco verfügen, wo sie vor kurzem noch zu Techno zappelten und ebenso unwissend wie fehl am Platze und nervtötend sind („du wild gewordener Popper- Wochenend-Faschist / Geh zurück zum Techno, noch ist es nicht zu spät / hinfort aus meinen Augen – Zickenbart-Prolet“). Im Song „Es gibt so Dinge…“, der etwas an „Dinge von denen“ von den ÄRZTEN erinnert, lässt man darüber aus, welche Punk-, Skinhead- oder wasauchimmer-Klischees man bitte nicht mehr in irgendwelchen Songs hören möchte, was ich so nicht 100%ig unterschreiben würde („die Nazis müssen bluten oder wahlweise die Juden / doch ihr, ihr seid die Guten, lasst euch bloß nicht stör’n“), mich aber aufgrund der gelungenen Umsetzung doch zum Schmunzeln anregt. Mir geht’s in erster Linie um Glaubwürdigkeit und bei vielen Bands kann ich zum 10.000sten mal abgedroschene und ausgemolkene Klischees tatsächlich nicht mehr ertragen, bei wieder anderen finde ich’s aber nach wie vor geil. Müßig, darauf hinzuweisen, dass sich ggü. „früher“ nicht wirklich viel zum Positiven geändert hat… Die Texte gibt’s im Booklet nachzulesen, die Aufmachung stimmt und mich als Gegner jedwedes Kultur-Imperialismus’ freut besonders der Verzicht auf überflüssige Anglizismen und der feine Wortwitz, der immer mal wieder durchscheint. Kein Oberknaller, aber solide Scheibe. 41 Minuten Spielzeit. 3+. Günni

OXO 86 – BERNAUER BIERCHANSONS CD

(www.pukemusik.de) / (www.oxo86.de)

Deutschsprachiger Oi!-Punk mit Saxophon aus Bernau, bierselig und klischeebeladen, musikalisch aber fit, eingängig und mit angenehm rauem Gesang versehen. Man freut sich des Lebens beim Fußball und Saufen und geht nicht allzu gern zur Arbeit. Soweit also das volle Klischee-Brett. Richtig interessant wird’s aber, wenn man diesen enggesteckten Rahmen verlässt und bei „Bombenalarm“ fast schon in alten 80er-HC-Punk-Zynismus verfällt, sich für „Lauschangriff“ humoristisch der Ignoranz weiter Teile der Bevölkerung hinsichtlich der immer weiter eingeschränkten persönlichen Freiheitsrechte annimmt oder sich in „Körperkult“ über eben diesen auskotzt. Völlig daneben hingegen ist „Rotwein“, wo ich schon ganz genau hinhören musste, um festzustellen, dass das wohl mal eine Cover-Version des alten NEIL-DIAMOND-Songs „Red Red Wine“ bzw. wiederum dessen Cover von UB 40 werden sollte… alles in allem aber keine schlechte Platte. Das bebilderte Booklet birgt alle Texte in sich, 15 Songs in 47 Minuten. 3. Günni

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