Das Gängeviertel feierte sein in dieser Form achtjähriges Bestehen allen Widerständen zum Trotz und da feierte ich natürlich mit! Das ganze Viertel war in Bewegung, an allen Ecken und Enden wurde etwas geboten, aber mich interessierte natürlich vorrangig das von Beyond Borders und der Punkbar organisierte Punk-Konzert in der Druckerei, deren Renovierung nun endlich abgeschlossen ist. Schick ist’s geworden! Vor der Bühne ist nun mehr Platz, man knallt nicht mehr so leicht gegen den Tresen, zahlreiche Spiegel lassen den Ort größer erscheinen, als er eigentlich ist, die Toiletten verdienen endlich diese Bezeichnung und es war sogar noch Platz für ein Bällebad übrig, in dem man weniger interessierte Konzertbesucher abladen kann, um sich vor der Bühne in Ruhe dem Treiben ohne Gequengel zu widmen.
Die junge Hamburger Band RACCOON RIOT machte den Anfang und zwar zu einer Uhrzeit, zu der ich unmöglich bereits vor Ort sein konnte. Ungefähr zur Hälfte des Sets sicherte ich mir jedoch wie üblich gegen einen geringen Spendenbetrag den Einlass. RACCOON RIOT sind etwas geschrumpft, wie ich hinterher erfuhr ist Heidi für die Streichereinlagen leider nicht mehr dabei. Übrig blieb ein Quartett, das recht klassischen HC-Punk britischer Prägung spielt und nun völlig schnörkellos zur Sache geht. Der Gesang war etwas leise, ansonsten passte aber alles und die Band wirkte im Zusammenspiel tighter als noch letztes Jahr, als sie erstmals im Gängeviertel live sah. Nach nominellem Ende haute man dann auch doch noch ‘ne weitere Nummer raus, was gut passte, denn das Publikum kam gerade auf Temperatur.
- Raccoon
- Riot
‘ne ebenfalls noch junge Kapelle ist OIDORNO. Die Adornos Namen durch den Oi!-Wolf drehenden Hamburger versuchen sich an „Diskurs-Oi!“, was in erster Linie einem witzigen Image dient. Musikalisch ist mir da allerdings zu wenig Pepp drin, das Zeug kickt mich noch nicht. Im Gedächtnis geblieben ist mir ein „Oi!-Verräter“ genannter Song, doch alsbald zog’s mich dann auch nach draußen, allein schon, um dem Gedränge – urplötzlich war die Bude rappelvoll – noch mal zu entkommen und noch vor dem Vollrausch in Ruhe das eine oder andere erhellende Gespräch zu führen, beispielsweise über Chili-Soßen. Letztlich doch auch ‘ne Art, dem Diskurs-Oi! zu frönen.
- Oi
- dorno
Mit FONTANELLE blieb man im Thema. Betont antifaschistischer Oi!-Sound mit deutschen Texten aus der Leipziger RASH-Ecke. Da war musikalisch schon mehr los, lief mir besser rein. Der prollige Gesang klang mir auf Dauer aber bischn zu gezwungen und monoton und zudem merkte ich doch wieder, dass ich diesem Sound – zumindest wenn er von Anhängern in der x-ten Generation gespielt wird – irgendwie entwachsen bin.
- Fontanelle
Ganz und gar nicht der Fall ist dies nach wie vor bei klassischem deutschsprachigem HC-Punk, der ordentlich aggressiv und flott gezockt durch die P.A. knallt. WIRRSAL beherrschen diesen Stil, wie unlängst auf ihren Lobusch-Gig hin erwähnt, absolut manierlich, kommen schnell zum Punkt und wirken authentisch. Auf der Bühne herrscht viel Aktivität, wovon man sich vor derselben schnell anstecken lässt. Zeit zum Warmwerden hatte ich ja nun genug gehabt und schaltete endgültig in den Abfeier-Modus, ohne dabei meine Mission außer Acht zu lassen: Nachdem meine Kohle zuletzt in der Lobusch nicht mehr gereicht hatte, hatte ich mir fest vorgenommen, diesmal das Vinylwerk der Band mein eigen zu machen. Am Merch-Stand lag nix Wirrsaliges aus, aber direkt nach dem letzten Song konnte ich der Band ihr Ausstellungsstück noch auf der Bühne entreißen und hab’s letztlich mit Ach und Krach (und Flos Hilfe…) dann auch geschafft, das Ding sicher fortzuschaffen. Mission accomplished!
- Wirrsal
Zwischendurch wurde es übrigens für Teile des Publikums zum Sport, die Bälle aus dem neu errichteten Gängeviertel- Småland ins Publikum zu feuern, was seitens der Sicherheitsbeauftragten irgendwann mit einem Verweis der Räumlichkeiten geahndet wurde. An KÖNIG KOBRA kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, wenngleich ich anscheinend noch versucht habe, das eine oder andere Foto zu schießen. Die Selbstbeschreibung „Zusammengewürfelt aus den unterschiedlichsten Genres, vom Britpop über den Poprock bis hin zum Metalcore, entstand ein abwechslungsreiches und hörbares Gesamtwerk. Beheimatet im schönen Ruhrgebiet versuchen die Jungs nun, die Herzen ihres Publikums zu erobern“ deutet jedoch darauf hin, dass das sicher nix für Vatter sein‘ Sohn gewesen wäre.
- König
- Kobra
Glückwunsch ans Gängeviertel zu acht Jahren nichtkommerzieller alternativer, Sub- und Gegenkultur! Ich freue mich schon aufs Neunjährige.



































Die sog. „Silver Surfer“, sprich: das Internet erkundende Rentner, sind für manch Spott gut, so auch in Christian Humbergs spürbar fiktiver, 320 Seiten starker Abhandlung über seinen sturen, rechthaberischen und in Sachen Computern vollkommen unbeleckten Vater Horst, dem von Humberg vorgeführten Paradebeispiel eines DAUs. Unterteilt in 18 Kapitel, Epilog und Anhang verwendet Humberg viel Zeit für eine ausführliche Charakterisierung Horsts, die Rückschlüsse dahingehend erlaubt, welcher Menschenschlag derartige DAUs wohl sein mögen, wie ihre Persönlichkeitsstruktur beschaffen sein muss, um sich so furchtbar nassforsch und uneinsichtig unbekanntem Terrain zu widmen.
Den vielen Parallelveranstaltungen zum Trotz zog es an diesem Samstag doch einige ins Gängeviertel, die Bock auf ein kleineres D.I.Y.-Konzert hatten, das immerhin von vier Bands bestritten wurde, welche die Beyond-Borders-Veranstaltungsgruppe eingeladen hatte. Da die Druckerei noch immer renoviert wird, fand es im großen Saal der Fabrik statt, der dafür etwas überdimensioniert wirkte. DEUTSCHPUNK-REVOLTE aus Frankfurt hatten gerade angefangen, als wir eintrafen. Die Coverband in Quartettgröße bediente sich vornehmlich klassischen deutschsprachigen HC-Punk-Materials und zockte sich durch ein rund 20 Songs umfassendes Set mit Stücken von VORKRIEGSJUGEND, TOXOPLASMA, SCHLEIMKEIM, HASS, ZERSTÖRTE JUGEND („Kaiser Wilhelm“ – geil!), CANALTERROR, OHL, BUMS (scheinen generell nicht mehr als Pseudos zu gelten, was hab‘ ich verpasst…?), L’ATTENTAT, AUSBRUCH, SLIME („Tod“ – ungewöhnliche Wahl) etc., darunter leider auch „Punk und Polizei“ des unsäglichen UNTERGANGSKOMMANDOs, jedoch mit versöhnlichem Abschluss durch die HH-Hymne „Bullenwagen klaun“ und den KASSIERER-Evergreen „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Die einzelnen Songs und Originalinterpreten wurden in einem auf der Bühne drapierten aufgeklappten Aktenordner zum Nachlesen präsentiert. Weshalb das eigentlich auf der Setlist stehende „Dachau“ von A+P überblättert, sprich: nicht gespielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Sänger hat ‘ne gute Stimme, frech und rotzig, und war auch ziemlich textsicher. Der Basser irritierte optisch etwas mit seinem halslosen Instrument. Für die offenbar noch nicht sonderlich lange zusammenspielende Band war’s bereits der zweite Gig im Gängeviertel und insgesamt war das schon recht ordentlich und unterhaltsam, wenngleich manch Liedgut in vereinfachten Versionen gespielt wurde und es hier und da noch holperte. An die Qualitäten von Coverbands wie 1982 oder VOLKSWIDERSTAND oder auch der TOTENMOND-Coverplatte kommt man noch nicht heran, aber das kann ja noch werden.



































AMEBIX-Frontmann The Baron und VOIVOD-Drummer Away überraschten vor wenigen Jahren mit ihrer internationalen Allianz zu TAU CROSS, jener sich ferner aus Leuten von WAR//PLAGUE, MISERY und FRUSTRATION zusammensetzenden Crust-Punk/Metal-Crossover-Formation, die 2015 mit ihrem Debütalbum für einiges Aufsehen sorgte und das auch ich für außergewöhnlich gut befand. Haben sich mir die Faszination für die Crust-Urväter AMEBIX und die VOIVOD-Alben seit „Nothingface“ nie so recht erschlossen, ergänzt man sich bei TAU CROSS offenbar ideal und begeisterte mich mit einer Melange aus schneidenden Gitarren, Baron Millers charismatischem, kehligem, rauem Gesang, diversen anbiederungsfreien Ohrwürmen, einer guten Dosis Pathos und ganz viel Atmosphäre vor einem post-mittelalterlich okkulten und gleichsam kämpferischen, mehr oder weniger subversiv religions- und systemkritischen lyrischen Hintergrund.























Nach
Dafür, dass ich die New Yorker LEFTÖVER CRACK seit langem zu meinen favorisierten Krachmachern zähle und bereits die Vorgängerband CHOKING VICTIM nach Erscheinen des einzigen Albums schwerstens abfeierte, sehe ich die Band viel zu selten live – zuletzt 2013 (!) im Hafenklang. Letztes Jahr gastierte sie gleich zweimal in Hamburg, doch beide Male musste ich passen. Äußerst unangenehm. Wenngleich der diesjährige HH-Gig auf einen Mittwoch gelegt wurde, ließ ich mir diese Gelegenheit demnach nicht nehmen. So dachten wohl viele, denn das Monkeys wurde rappelvoll. Doch der Reihe nach: An diesem wirklich warmen Augusttag hatten LÖC ihre Stadtgenossen ALL TORN UP dabei, die die Europa-Tour begleiteten. Den ersten Song verpasste ich, der zweite klang noch etwas unorthodox, doch dann gewöhnte ich mich an den hektischen oldschooligen Hardcore-Sound des Quintetts, deren exaltierter Shouter Joey seine Ansagen bisweilen gefühlt länger als die Songs gestaltete, durch sein engagiertes, anstachelndes Auftreten jedoch nicht langweilte. So betonte er u.a. die Wichtigkeit linker Freiräume, lobte die Hamburger Anti-G20-Proteste und huldigte dem FC St. Pauli, denn die Band ist offenbar Mitglied im New Yorker FCSP-Fanclub – was es nicht alles gibt… Während Scherzkekse immer mehr Luftballons aufbliesen und durch Publikum fliegen ließen, motivierte Joey selbiges, mal auf ‘nen Meter ranzukommen und preschte auch mal kräftig durch die Reihen. Er brachte den Pöbel gut in Wallung und sicherte sich den einen oder anderen kräftigen Chor. Keine Luftblase war dann auch das Songmaterial, das mir mit der Zeit immer besser reinlief. Von ALL TORN UP hatte ich zuvor noch gar nichts gehört, es existieren aber einige Tonträger – und unter den Fotos ein Video des Gigs, das ich bei YouTube gefunden habe. Eine echte Überraschung wurde es, als der Drummer das Wort ergriff und sich deutschsprachig als ein gewisser Sören aus Dithmarschen zu erkennen gab, der anscheinend vor einigen Jahren gen USA ausgewandert war – und zahlreiche alte Freunde im Publikum versammelt hatte. Aufgrund von Bassproblemen kam’s leider zu ‘ner längeren Zwangspause, doch gegen Ende gab’s u.a. noch ‘ne spanische Nummer zu hören und der letzte Song wurde dank Mithilfe des neuen LÖC-Gitarristen IRON-MAIDEN-style mit drei Klampfen intoniert. Sympathischer Auftritt und musikalisch guter Anheizer!





























Deutsche Sprache, schwere Sprache – um einmal einen Allgemeinplatz zu bemühen. Zu welchen Stilblüten und haarsträubenden Fehlern es kommt, wenn sich die Fallstricke des Schriftdeutschen mit Schludrigkeit und Ignoranz paaren, dokumentiert dieses rund 130 Seiten starke Buch aus dem ansonsten für seine Wörterbücher bekannten Langenscheidt-Verlag, das 2008 die Fortsetzung des Bands „Übelsetzungen: Sprachpannen aus aller Welt“ markierte. Mit Ortsangaben und meist den Namen der Einsender versehene Fotos von Hinweisschildern, Speisekarten etc. werden von Titus Arnu süffisant-humoristisch kommentiert. So wird aus einer Ferien- eine „Furienwohnung“, wird davor gewarnt, „mit dem wasserfahrzeug ins schiff zufahren“ oder Kaffee damit beworben, dass er mit „mittelmäßigem Braten“ vermischt worden sei. Gegliedert in verschiedene grobe Themengebiete sind diese zweiten „Übelsetzungen“ nicht nur ein kurzweiliger Spaß für linguistisch Interessierte oder schlicht Schadenfrohe, sondern vermitteln sie auch ein Gespür für die Herausforderungen an Übersetzungen angesichts sich schnell einschleichender, sinnentstellender Buchstabendreher oder -auslassungen sowie der Mehrdeutigkeit von Begriffen in der jeweils einen oder anderen Sprache. Da die meisten „Übelsetzungen“ aus touristischen Gebieten stammen und sich an Reisende wenden, ist dieses Büchlein auch eine ideale Urlaubslektüre – die abwischbare Oberfläche verzeiht Gepitscher am Strand oder Pool und der Inhalt schärft den Blick für kuriosen Sprachgebrauch am jeweiligen Urlaubsort.
























Nachdem der gute Hannes und meine Wenigkeit letztes Jahr festgestellt hatten, am gleichen Tag Geburtstag zu haben, hatte er eine fette, quasi gemeinsame Geburtstagssause im Gängeviertel anberaumt, bei der ich mit DMF aufgetreten war. Das schrie nach einer Wiederholung und nach einigen Terminfindungsschwierigkeiten konnten wir uns auf den 21.07., ’ne knappe Woche nach unserem eigentlichen Ehrentag, einigen. Neben DMF sollten UPPER CRUST wieder mit dabei sein und als Headliner eine auswärtige Band fungieren: Die für ihre Cover-Shows berüchtigten SPITTIN’ BONES aus Chemnitz sollten ihren ersten HH-Gig bestreiten. Soweit der Plan…




























































