Günnis Reviews

Autor: Günni (page 44 of 111)

02.05.2017, Barclaycard Arena, Hamburg: IRON MAIDEN + SHINEDOWN

Bisher waren IRON MAIDEN mit ihrem aktuellen Album „The Book Of Souls“ hierzulande lediglich auf Festival-Tour gewesen, wobei ich leider passen musste. Die Fortsetzung der Tour führte die britische Heavy-Metal-Legende jedoch auch durch Deutschlands Hallen und der letzte zu beackernde Fleck auf der Karte wurde Hamburg. Seit ‘ner gefühlten Ewigkeit hatte ich bereits die Karten und am Dienstag konnte ich endlich den Weg zur Halle mit den ständig wechselnden Sponsorennamen antreten. Schnell noch zwei Bierchen am Kiosk geholt und mit dem Shuttle-Bus bis vor die Tür chauffieren lassen, ausgeschluckt und mal gucken bzw. hören, was SHINEDOWN so fabrizieren. Die MAIDEN-Vorbands hatte ich bisher i.d.R. mit Ignoranz gestraft und auch diesmal hat sich das frühe Betreten der Halle in erster Linie dafür gelohnt, sich zu vergegenwärtigen, was man an MAIDEN hat: Die US-Amerikaner SHINEDOWN zockten einen bemühten, bei unserer Ankunft recht lahmen Hardrock modernerer Prägung. Sie zogen zwar noch etwas an und entdeckten das Midtempo, aber außer vielen Versuchen, das Publikum zu animieren und einem Durchmarsch des Sängers bis zum Mischpult und zurück auf die Bühne blieb nichts hängen. Nach viel mehr als Höflichkeitsapplaus klangen die Reaktionen dann auch nicht, manch einer machte aber dennoch schon die Pommesgabel.

Diverse Pinkelpausen später ertönte schließlich das altbekannte, zum Intro umfunktionierte „Doctor Doctor“ von UFO aus der Konserve, wozu über die nun aktivierten Bildschirme ein animiertes, zur „The Book Of Souls“-Maya-Kult-Ästhetik passendes Video abgespielt wurde, bis Bruce Dickinson in einer Weihrauchwolke auf der Bühnenkuppel auftauchte und das „If Eternity Should Fail“-Intro sang. Seine Band stürmte im direkten Anschluss auf die ebenfalls entsprechend gestaltete Bühne und von nun an nahm die eigentliche Show in sich ständig ändernden Kulissen ihren Lauf.

„The Book Of Souls“ schien für einige ja eher eines mit sieben Siegeln zu sein, darf man den mitunter recht verhaltenen Kritiken in den Fachgazetten Glauben schenken. Mir hingegen lief und läuft es von denjenigen betont proggigen Alben der MAIDEN-Neuzeit ziemlich gut rein und so freute ich mich auf den MAIDEN’schen, auf das eigene Selbstverständnis  als noch immer aktuelle, auf ihre Neuveröffentlichungen stolze Band hindeutenden Starrsinn, die neuen Songs des Albums die Setlist dominieren zu lassen, statt auf Nummer sicher zu gehen und eine reine Klassiker-/Oldie-Show zu bieten. Wir standen relativ weit vorn auf der linken Seite, wo sich das Publikum etwas ruhiger verhielt, der Sound aber glücklicherweise von vornherein besser klang als während meines letzten MAIDEN-Besuchs in der – damals noch – „O2-World“. Ok, bei der Lautstärke fiel es mitunter schwer, die gleich drei Gitarren (plus Bass) differenziert wahrzunehmen, schwerer wog für mich aber, dass Dickinsons Mikro einige Frequenzen zu verschlucken schien und gerade bei den neueren Songs in erster Linie die hohen, helle Teile seiner Phrasierungen zu vernehmen waren.

Die auch nach wer weiß wie vielen Tourtagen überaus spielfreudig und fit wirkende Band lieferte als zweiten Song das okaye „Speed Of Light“, blieb bis dahin also in der Reihenfolge des Albums. Als echte Überraschung folgte jedoch „Wrathchild“ aus der Di’Anno-Ära (1981!) und bei „Children Of The Damned“ war der Gänsehautschauer perfekt. Mit „Death Or Glory“ blätterte man erneut im Seelenbuch, Dickinson posierte in Affenmaske und sprang wie ein aufgekratzter Schimpanse über die Bretter – was mit dazu beigetragen haben dürfte, dass der Song live noch besser als auf Platte flutschte. Ein weiterer Höhepunkt dann das überlange „The Red And The Black“, auf dessen Live-Interpretation ich im Vorfeld besonders geil gewesen war. Eine knappe Viertelstunde lang geniales Gitarrengegniedel und -gebrate inkl. „Ohoho“-Oi!-Part und wem spätestens bei Minute 10 nicht das Herz aufgeht, versteht nix von Heavy Metal. Dies verdeutlicht meines Erachtens, mit wie viel belanglosem Mist sich hiesige Metal-Redakteure die Ohren zugeschmalzt haben, wenn sie ausgerechnet bei diesem offenbar ihre Aufmerksamkeitsspanne übersteigenden Song von Langeweile und „geeignet für ‘ne Kippenpause“ schreiben. Für „The Trooper“ schlüpfte Dickinson wie gewohnt in seine Uniform und ließ den Union Jack flattern, während er „Powerslave“ unter einer mexikanischen Wrestlermaske sang. Und noch ‘ne ordentliche Kelle „Book of Souls“: „The Great Unknown“ wirkte live etwas unscheinbarer als von Platte, der Titelsong jedoch zog sämtliche Register und ließ sich Janick Gers (der sich übrigens mit seinen, nun ja, „unorthodoxen“ Bühnenbewegungen diesmal erstaunlich zurückhielt) zusätzliche eine Akustikklampfe umschnallen. Das war’s dann aber auch mit aktuellem Stoff, Zeit für eine Klassikerrunde aus dem schier unerschöpflichen Fundus. „Fear Of The Dark“ sorgte zumindest in unserem etwas hüftsteifen Teil des Publikums nicht unbedingt für inbrünstiges Mitsingen südamerikanischen Ausmaßes, hallte aber dennoch ordentlich durch die Arena und bei „Iron Maiden“ stackste Bandmaskottchen Eddie trashig über die Bühne, bis Bruce ihm sein Herz herausriss und eine riesige Eddie-Fratze von der Bühne glotzte.

Dass da noch etwas kommen würde, war klar und so wurde der Zugabenteil von „The Number Of The Beast“ eingeleitet, zu dem sich der Gehörnte überlebensgroß gesellte. Einen Zeitsprung von 18 Jahren bedeutete das vorletzte Stück „Blood Brothers“, das seinen Pathos übers Publikum verteilte und bewies, wie unpeinlich und episch eine Schunkelnummer sein kann. „Wasted Years“ war dann so etwas wie der krönende, unheimlich gut passende Abschluss, scheint sich doch auch die Band noch immer in ihren besungenen „Golden Years“ zu befinden und prügelte mir der Song ein, dass auch mir eigentlich gerade die Sonne aus dem Allerwertesten scheint – ok, kein Wunder, wenn man sich in einer riesigen Masse MAIDEN-Jünger wiederfindet und eines seiner Lieblingslieder live vom Original dargeboten bekommt. Eine Art Maya-Eddie-Ufo hob funkensprühend ab, „Always Look On The Bright Side“ ertönte als Rausschmeißer und das war’s.

Nach rund zwei Stunden entließ man eine zufriedene Menschenmenge in die Nacht, die von einem erstaunlich gut und schnell funktionierenden Shuttle-Service zum S-Bahnhof gebracht wurde. Selten war Alter so bedeutungslos wie an diesem generationenübergreifenden Abend, den Dickinson für einige klug gewählte, auf die Internationalität von Musik im Allgemeinen und der MAIDEN-Szene im Speziellen hinweisende Ansagen nutzte und damit nationalistischen Tendenzen und ähnlichem Mist eine Absage erteilte. In dieser Form dürfen IRON MAIDEN gern noch lange weitermachen – wenn so ein Riesenkommerzarenabesuch auch nichts ist, woran ich mich gewöhnen könnte und bei Bierpreisen von 4,80 EUR für einen Becher selbst ich lieber weitestgehend abstinent bleibe…

Aber, frei nach Peter Wackel: Scheiß drauf, MAIDEN ist (höchstens) einmal im Jahr!

28.04.2017, Menschenzoo, Hamburg: JUST WÄR + KANISTERKOPF

Nachdem ich im Osborne nicht nur Small-Town-Timos Geburtstag begießen, sondern auch grandiose Siege des FC St. Pauli und Schalke 04 feiern konnte, lockte der Menschenzoo mit Ex-SMALL-TOWN-RIOT-Drummer Lehmanns neuer Band KANISTERKOPF. Da es mir mittlerweile fast schon unangenehm war, die bisher jedes Mal verpasst zu haben, gab’s da nicht viel zu überlegen, zumal man mit dem Beginn freundlicherweise bis zum Abpfiff der Bundesliga-Partie gewartet hatte. Ca. 40 Leute wurden dann Augen- und Ohrenzeugen, wie jenes Trio aussichtsreich die bisher vakante Hamburger Position für 90s-Hardcore mit Metal-Kante besetzte. Der Groove wurde arschtight vom präzisen Zusammenspiel der Band gesichert, zu dem Lehmann wie eine gut geölte Maschine sein Schlagwerkfundament beitrug. Der Sänger und Bassist in Personalunion röhrte heiser die englischen Texte heraus und der Bass sorgte für Druck. Zoo-Mischer Norman zauberte zudem einen superdifferenzierten Sound, sodass es nix zu mäkeln gab. Ein dem eigenen Stil angepasstes IRON-MAIDEN-Cover, vor dem Lehmann drohte, all diejenigen des Raumes zu verweisen, die es nicht erkennen, sorgte für zusätzliche gute Laune und stimmte mich auf mein nächstes Konzert ein. Zugaben verweigerte man sich, man ist offenbar Anhänger der No-Rockstars-No-Posing-No-Encores-Schule. Wer auf diese Mucke kann, sollte KANISTERKOPF im Auge behalten.

JUST WÄR aus Tschechien zockten dann Hardcore-Punk der seit Jahrzehnten bewährten Oldschool, nicht mehr und nicht weniger. Das Zeug zündete sofort, der Sänger des Quartetts erwies sich als echter Aktivposten und dazu Pogo und Artverwandtes zu tanzen, war fast schon Pflicht. Selbstverständlich hab‘ ich die Band abgefeiert, der nach wie vor glasklare Sound lud ebenso dazu ein wie die entfesselte akustische Aggression und der antreibende Beat. Ich muss allerdings zugeben, dass JUST WÄR sicherlich keine Originalitätspreise gewinnen. Alleinstellungsmerkmale würden mir spontan keine einfallen und im Prinzip hätte dort auch eine der vielen anderen Bands stehen können, die einen ähnlichen Sound fabrizieren. Nicht falsch verstehen, hat derbe Spaß gemacht und nicht zuletzt spricht das auch für die beachtliche Größe und Internationalität der Szene. Im Nachhinein fragte ich mich aber, ob es ewig so weitergehen soll – immerhin ist es mittlerweile fast schon Tradition, mir am Wochenende ‘ne HC-Punk-Show reinzudrücken, dadurch den Kopf freipusten zu lassen und mir anschließend am besten noch den Rest zu geben. Hat das in dieser Regelmäßigkeit nicht fast schon etwas Spießiges? Der Menschenzoo-DJ verstand es an diesem Abend jedenfalls vortrefflich, den Soundtrack zum Untergang zu liefern, also wurde auch ihm entsprechend gehuldigt, bis irgendwann die Lichter ausgingen.

Fazit: Geile Party, geile Bands, geiler Laden mit lecker Ratsherrn, von dem man nicht mal Kopfschmerzen bekommt. Ich kann aber nicht versprechen, ewig so weiterzumachen. Ich glaub‘, ich brauch‘ mal Urlaub…

Frank Schäfer – Pop! Alltag! Wahnsinn! – Ein unsachliches Lexikon

Dr. phil. Frank Schäfers 250 Seiten starke Essay- und Glossensammlung aus dem Jahre 2003 kann als Nachfolger zum ein Jahr ebenfalls im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf vorausgegangenen „Ich bin dann mal weg – Streifzüge durch die Pop-Kultur“ betrachtet werden, widmet sie sich doch erneut der Populär-, Alltags- und Trivialkultur und deckt dabei vornehmlich die Bereiche Musik, Film und Literatur ab. Um ein Lexikon im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht, vielmehr wurden die Kapitel alphabetisch in ihre Anfangsbuchstaben unterteilt und ansonsten lose aneinandergereiht. Grundsätzlich eine schöne Idee, eigentlich Unzusammenhängendes unter einem solchen Titel zusammenzufassen und seltener als beim Vorgänger verstehe ich nur Bahnhof. Vielmehr freue ich mich über fundierte Rezensionen auf einem sprachlichen und inhaltlichen Niveau, das die Veröffentlichung in Buchform rechtfertigt und die durchaus den eigenen Horizont erweitern – wenngleich ich mit Doom Metal und Stoner Rock noch immer nichts anfangen kann (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ganz großartig ist beispielsweise die „Minority Report“-Buchbesprechung inklusive ihres nur kurzen, aber umso treffenderen Schlenkers gen Verfilmung. Als überaus treffend empfand ich auch die Gedankenblitzsammlungen zu den 1980ern und 1990ern, auf den Punkt. Schäfer verfasst auch selbst das eine oder andere Gedicht, verarbeitet Alltagsbeobachtungen und -anekdoten, interviewt (!) „Miss Wyoming“-Autor Douglas Coupland und reiht Tagebucheinträge aneinander. Der stets Stoff gebende Pünschel ist auch mit von der Partie. Schäfers Abhandlungen sind häufig gespickt mit herrlich trockenem Humor, manches erscheint indes auch sinn- und pointenlos, was glücklicherweise, wie auch die Wiederverwendung bereits in Buchform veröffentlichten (bzw. mir aus später erschienenen Büchern bekannten) Materials, die Ausnahme ist. Der Großteil dürfte dennoch bereits in der Journaille oder verschiedenen Periodika erscheinen sein. Regelmäßig geht Schäfers gehobener Schreibstil mit ihm durch, wenn er sich – ausgerechnet in einem Werk über Popkultur – stets für den ungebräuchlichsten aller möglichen Begriffe entscheidet, was immer dann nervt, wenn sich dessen Bedeutung nicht zweifelsfrei aus dem Kontext erschließt. Seinen diametral entgegengesetzten unelitären, mit viel Sympathie für Pop- und Subkultur sowie Interesse an ehrlichen Unterschicht- und Außenseiter-Thematiken versehenen Aussagen verdankt „Pop! Alltag! Wahnsinn!“ aber seine Relevanz über feuilletonistische Klugscheißerei hinaus. Es unterhält und informiert zu etwa gleichen Teilen (was eine Leistung ist) und vermittelt (erneut) den Eindruck, Schäfer habe wirklich Ahnung, wovon er schreibt. Etwas Egoistisches, Selbstverliebtes nach Art einer wild durcheinandergewürfelten Nabelschau persönlicher Interessen schwingt dennoch stets mit, sodass man sich schon auch selbst wenigstens ansatzweise für E-Gitarrenmusik, Underground-Literatur, jüngere populärkulturelle Phänomene und Science-Fiction-Storys interessieren und etwas gewöhnungsbedürftigem Humor mit Blick fürs erst bei näherer Betrachtung ungewöhnliche Detail aufgeschlossen gegenüberstehen sollte.

21.04.2017, Rote Flora, Hamburg: ASIMATRIX + 1323 + EAT THE BITCH

Noch ‘ne Soli-Nummer für G20-kritische Aktionen, diesmal in der Roten Flora – und ausgerechnet an einem Freitag, an dem sich Hamburgs Konzertveranstalter wieder einmal selbst überschlugen und in fast jeder Location musikalisch Hochkarätiges boten. Ich nahm dennoch die Gelegenheit wahr, nach einer halben Ewigkeit mal wieder die Flora aufzusuchen, die gut daran tat, das Konzert in den „kleinen Saal“ statt auf die große Bühne zu legen. War einfach muggeliger.

Stand anfangs noch zu befürchten, dass sich lediglich ein versprengter Haufen zusammenfinden würde, bot sich erfreulicherweise ein anderes Bild, als EAT THE BITCH einmal mehr unter Beweis stellten, weshalb sie zum geilsten Scheiß zählen, den der lokale HC-Punk-Untergrund derzeit zu bieten hat: Jonas Stimme geht durch Mark und Bein wie ein frisch gewetztes Messer durch sonnengeweichte Butter. Die Songstrukturen bedienen sich ebenso im hektischen Pogo-Punk wie im wuchtigen Hardcore und bündeln die Aggression zu durchdringenden Geschossen, die auf eine kalte, lebensfeindliche urbane Umwelt zielen, wie die deutschsprachigen Texte stilsicher belegen. Ob „Armutszeugnis“, „Fressen & Kotzen, „Das Getriebe“, „Spiel mir das Lied vom Krieg“ oder wie sie alle heißen, die Songs sind ideale Ventile, um Wut, Frust und Enttäuschung zu kanalisieren. Noch unveröffentlichtes Material reihte sich perfekt ein und die Band macht einen immer souveräneren und tighteren Eindruck. Den halligen Klang des Raums hatte der Mischer zudem gut im Griff und mischte EAT THE BITCH einen differenzierten, harten Sound.

1323 kannte ich bisher lediglich von Ankündigungen von mir nichtbesuchter Konzerte und erwartete schrammeligen Parolen-Punk o.ä., womit ich jedoch schön daneben lag: Die Hamburger zocken einen astreinen Uptempo-Stiefel zwischen HC-Punk, dem, was man heutzutage gern als Deutschpunk bezeichnet und hymnischem, chorlastigem Zeug, das an Street-/Oi!-Punk erinnert. Inhaltlich geht’s gegen Autoritäten, Kapitalismus, Zwänge – und um Fußball. Die Becken waren ohrenscheinlich auf extraschepperig geschraubt, die raue Stimme des Sängers lag gut in der Spur und die satten Chöre saßen. Folgerichtig tauten die Anwesenden immer weiter auf und lieferten zunehmend Tanzeinlagen (und Ähnliches) vor der (nicht vorhandenen) Bühne. Schön dreckiger, ehrlicher Punk vonne Straße zwischen Rambazamba, Rebellion, Radikalität – und Fußball.

ASIMATRIX hatten dann relativ leichtes Spiel mit der aufgeheizten, sich in bester Stimmung wogenden Masse. Glücklicherweise war Klampfer Lars nach krankheitsbedingter Pause wieder fit – so fit, dass er nicht viel auf die Empfehlung gab, besser noch nicht wieder mitzusingen und sich kurzerhand das eigentlich ersatzweise vor Bassist Tobi aufgebaute Mikrophon schnappte, um Sängerin Juli wieder tatkräftig mit infernalem Gebrüll zu unterstützen. Live kommt die eigenwillige Mischung aus giftigem Hardcore-Punk und anarchischem Ska-Core noch wesentlich brutaler und ungestümer rüber als auf der Debüt-LP, wobei sie mir diesmal allgemein noch ‘ne Ecke härter als zuletzt vorkam, was aber auch mit dem speziellen Klang in der Flora zusammengehangen haben könnte. Abgesehen davon, dass Julis Gesang anfänglich zu leise war, hatte der Mischer auch hier das Optimum herausgekitzelt. Textlich wird sich in guter No-Bullshit-Punk-Tradition über die Gesellschaft und ihre degenerativen Erscheinungen ausgekotzt, was Sound, Artwork etc. in ein angemessen düsteres Szenario betten. Auch dieser Auftritt geriet zur Party und spätestens jetzt ärgerte ich mich, aufgrund meines frisch tätowierten Tanzbeins selbiges nicht schwingen zu können. Nachdem man das Set durchgezockt hatte, wurden lautstark Zugaben gefordert und von der unheimlich spielfreudigen Band in Form von Wiederholungen geliefert, bevor ich die anschließende Drum-and-Bass-Party ignorierte und mich abseilte. Von drei ASIMATRIX-Gigs, denen ich bisher beiwohnte, war dieser der beste und die Band wirkte ebenfalls sichtlich erfreut.

Ein verdammt geiler Konzertabend also, der, obwohl kurzfristig anberaumt und starker Konkurrenz ausgesetzt, für alle ein Erfolg gewesen sein dürfte und hoffentlich den einen oder anderen Soli-Taler eingespielt hat, der benötigt wird, wenn die Wut auf die Straße getragen und unmissverständlich deutlich gemacht wird, was man von der Politik, den Vorstellungen von „Globalisierung“ und den Kriegen der G-20-Gipfelteilnehmer sowie ihrer arroganten, dekadenten und zynischen Machtdemonstration in Form ihrer Hamburger Zusammenkunft hält.

Den Wunsch der Roten Flora, keine Foto- oder Videoaufnahmen im Gebäude anzufertigen, habe ich respektiert, weshalb du diesmal auf meine verwackelten, unscharfen Schnappschüsse verzichten musst, liebes Tagebuch…

13.04.2017, Silbersack, Hamburg: TURBOBOOST

Manchmal kann der Kiez doch noch wat! Aber der Reihe nach: Am letzten Abend vorm langen Oster-Wochenende stand eigentlich ‘ne DMF-Probe auf dem Plan. Kai jedoch gab zu verstehen, dass er unabkömmlich sei, weil er einen Gastauftritt im Silbersack habe – mit einem Flöten-Solo. Kurzerhand wurde also die Probe gestrichen und sich stattdessen im Silbersack, jener alteingesessenen Arbeiterkneipe auf dem Kiez, versammelt. Dort tummelten sich bereits angetrunkene Waliser, die irgendwann die Jukebox für sich entdeckten – und wenn ‘ne Gruppe Briten lautstark „Down Under“ oder „Look Back In Anger“ intoniert, muss ich natürlich mitsingen. Beste Stimmung also schon mal, die noch getoppt wurde, als das Kölner Kollektiv TURBOBOOST sich in der eigens für sie freigeschaufelten Ecke aufbaute und sich in eigenwilliger Instrumentierung – Melodica (so’n Miniklavier zum Reinpusten), Cajon, Akustik- und E-Klampfe etc. – quer durch die Populärmusikgeschichte coverte. Ob „My Sharona“, „How Bizarre“, „D.I.S.C.O.“, „Everything Counts“ oder „The Trooper“ – nichts war vor der Verwurstung durch die Kölner sicher, die sich schließlich sogar an Melodien aus TV-Serien und -Shows sowie Videospiel-Themen vergriffen und exotische Samba-Rhythmen ebenso beherrschten wie den Rock’n’Roll! Der Hauptsänger hatte ein kleines Drum-Becken an seinem Mikroständer montiert, das er regelmäßig zielsicher schlug, woraufhin Dr. Tentakel mutmaßte, dass das auch etwas für unsere Band sei – schließlich könne ich dann jeden Beckenschlag exakt dort verorten, wo ich ihn gern hätte. Eine exzellente Idee, über die es nachzudenken gilt. Kai saß derweil mit seiner Flöte im Publikum und harrte seines Einsatzes, den er endlich bei „Hardcore Vibes“ bekam und ein Solo flötete, das in die Musikgeschichte eingehen wird. Reihenweise flogen ihm die Herzen aus dem Publikum zu und die Band staunte, wie man ihr die Show stahl, während die Feuilletonisten im Geiste schon über ihren dieses Ereignis angemessen würdigenden Artikeln grübelten. Der aufgeheizten Stimmung musste die Band Tribut zollen, indem sie sich zu einer Reihe Zugaben verdonnern ließ, bevor Sense war. Nur Kai musste noch bis tief in die Nacht ein Autogramm nach dem anderen geben.

Fazit: Keine Probe, Kai bringt uns stattdessen jetzt Flötentöne bei und macht in Pop-Rave, viel länger in der Spelunke herumgehangen und mehr Bier verköstigt als geplant und trotzdem jede Menge Spaß gehabt. „TURBOBOOST – HARTE BAND“ – vielleicht auch bald in deiner Kneipe?

Mad-Taschenbuch Nr. 6: Dave Berg – Der große Mad-Report

Nachdem Don Martin bereits zweimal im Taschenbuchformat seine satirischen Comics unters Volk bringen durfte, durfte 1974 mit der Nummer 6 endlich der New Yorker Dave Berg ran, der in der Heftreihe mit seinem „Reports“ in meist aus nur wenigen Panels bestehender, in sich abgeschlossener Comic-Strip-Form die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und zum festen Bestandteil des Mad-Universums wurde. Mit viel, sich gerade im Nachhinein offenbarendem Zeitkolorit nimmt er Alltagsthemen aufs Korn; häufig sind typische Generationenkonflikte Ziel seiner pointiert aufbereiten Beobachtungen, in denen er es mit gewisser Vorliebe auf Spießer abgesehen hat, doch auch alle anderen bekommen ihr Fett weg. Widmen sich die Reporte in den Mad-Heften häufig einem bestimmten Thema, geht es in diesem der „Vernunft“ gewidmeten Buch themenübergreifend zu. Bergs halbrealistischer Zeichenstil ist sehr aufgeräumt und immer wieder taucht ein älterer Herr mit Hut und Pfeife auf, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht; er zeichnete sich gewissermaßen seine eigenen Cameos. Zwar ist die eine oder andere Pointe vorhersehbar und vom anarchischen, frechen Humor anderer Mad-Zeichner/-Redakteure ist Berg doch ein gutes Stück entfernt, dafür beherrscht er auch die leiseren Zwischentöne wie Selbstzweifel oder die Diskrepanz zwischen dem Inhalt seiner Gedankenblasen und dem letztlichen Handeln seiner Protagonisten – und es überwiegen die gelungenen Gags, die an eine selbst Mad-Lesern noch zugetraute Zurechnungsfähigkeit appellieren oder die Absurdität von Zeitgeisterscheinungen oder zwischenmenschlichen Verhaltensmustern hervorheben. Garniert wird das Ganze 160 Seiten lang vom erhöhten Gebrauch typischer Mad-Nachnamen wie Feinbein, Kaputtnik, Klotz und Weizenkeim, für die die deutsche Übersetzung verantwortlich zeichnet und damit ein Alleinstellungsmerkmal des bundesrepublikanischen Mad schuf.

08.04.2017, Fanräume, Hamburg: ABSTURTZ + DEVIL’S DAY OFF + PROJEKT PULVERTOASTMANN + ZERO TASTE

Solikonzert für G20-Gipfel-kritische Aktivitäten – da mutet es fast schon ironisch an, wenn sich der Beginn verzögert, weil ABSTURTZ mit der Bassbox im Anti-G20-Demo-bedingten Stau stehen. Also erst mal draußen platznehmen, paar Getränke schlürfen und sich von grausamer Musik der anliegenden „Dom“-Kirmes beschallen lassen. Gegen 21:30 Uhr konnte dann das Leipziger Trio von ZERO TASTE seine Geschmacklosigkeit unter Beweis stellen, das sich melodischem deutschsprachigem Punkrock verschrieben hat, der mich mit seiner hohen Stimme bisweilen an die FUCKIN‘ FACES oder, gerade auch hinsichtlich der gern mal augenzwinkernden Texte, die LOKALMATADORE erinnerte. Zu Songs über Tattoos, gesichtslose Menschen sowie kleinere und größere Katastrophen gesellte sich ein eingedeutschtes CCR-Cover (dessen Original ich nicht erkannt habe), manch Melodie entwickelte tatsächlich Ohrwurmcharakter und beim recht klaren Sound ließen sich die Refrains auch textlich gut heraushören. Die Band kokettierte mit ihrem sächsischen Akzent und lockerte den anfänglich noch etwas steifen Haufen mit viel Humor und ‘ner Buddel Pfeffi auf, die DMF-Kai in Kurzenbechern ausschenken durfte, welche wiederum im Zuge eines seiner gefürchteten Konzert-Stör-Moves schließlich über der Band ausgeschüttet wurden – in geleertem Zustand, versteht sich. Zugabe-Gejohle vom Band (!) läutete zwei letzte Songs ein, einer davon „Wir wehren uns“ der FUCKIN‘ FACES. Äußerst sympathischer Gig mit viel Spaß inne Backen im Zuge der Völkerverständigung.

Es folgten schon wieder PROJEKT PULVERTOASTMANN, die sowieso immer gut sind, diesmal aufgrund der angeschossenen Kniescheibe ihres Drummers jedoch mit widrigen Umständen zu kämpfen hatten. Drummer – die Achillesferse jeder Band. Der PULVERTOAST-Schlagwerker jedoch ist offenbar aus echtem Schrot und Korn und trommelte einfach mal einfüßig, verzichtete also auf die Double-Bass-Parts.  Das verstand er so gut zu kaschieren, dass ich kaum einen Unterschied vernahm. Shouter Snorre wütete sich diesmal nicht durchs Publikum, das für einige Action vor der Bühne sorgte, jedoch auch für einigen Glasbruch. Evtl. sollte man die Taktik, mit Bierbuddeln in den Flossen dem Pogo zu frönen, doch noch mal überdenken? Andererseits lässt sich dadurch so herrlich mit Bier herumspritzen, ich verstehe das gut. Geiler Gig mit der üblichen Zugabe „Anders“, gelöste Stimmung und Bewegungseifer auch beim Verfasser dieser Zeilen. So’n PULVERTOAST passt eben immer in‘ hohlen Zahn.

Nachdem der verschossen war, betrat das Quintett DEVIL’S DAY OFF die Bühne. DEVIL’S what? Nie von gehört, obwohl aus Hamburg. Irgendwo zwischen Punk’n’Roll und Schweinerock zog man angelsächsisch vom Leder, was sich in meinen Ohren oftmals recht schnell abnutzt, hier aber durch den einen oder anderen wohldosierten Hit aufgewertet wurde, durchaus Laune machte und manch Anwesendem ins Bein ging. IGGY & THE STOOGES wurden gegen Ende gecovert und die die Poser-Ecke komplett aussparende Live-Attitüde wusste ebenfalls zu gefallen.

Bereits 1:00 Uhr dürfte es gewesen sein, als die (passend zum ausgeschenkten Pils) Dithmarscher Dorfpunks ABSTURTZ zeigten, wie viel Energie man auch zu dieser Zeit noch transportieren kann. Die einst als Kidpunk-Projekt gestartete Band um die Brüder Heiner und Hannes riss ihren hyperaktiven, vollkehligen D-Punk-Stiefel inkl. metallischen Gitarren-Leads und Mitgröl-Refrains herrlich aufgekratzt herunter, wobei ich Heiner immer wieder Respekt zollen muss, wie er seiner Klampfe einen derart vollen Sound entlockt, durchs Publikum springt und die Texte rausrotzt, als wär’s das Selbstverständlichste auffe Welt. Der Kerl erledigt quasi drei Jobs gleichzeitig und live sind ABSTURTZ mit ihrer authentischen Spielfreude sowieso immer ‘ne verlässliche Bank. Geile Sause ohne Ausfälle, anscheinend rund 120 zahlende Gäste und somit wohl für alle ein lohnenswerter Abend – am meisten Spaß allerdings dürfte der graumelierte Herr gehabt haben, der jeweils in der ersten Reihe seinem modernen Ausdruckstanz unbeirrt nachging und den Bands die Show zu stehlen drohte.

31.03.2017, Molotow, Hamburg: Punk-Rock-Cocktail-Festival bzw. YARD BOMB

In jüngster Zeit setzt das Molotow wieder verstärkt auf „kleine“ Punk-Konzerte für ‘nen schmalen Taler und rief zu diesem Zwecke die „Punk Rock Cocktail“-Reihe ins Leben, die an diesem Abend mit gleich fünf Bands auf beiden Bühnen – oben im Club und unten im Keller – für 6 Taler aufwartete. Aufgrund des STIFF-LITTLE-FINGERS-Konzerts wurde der Beginn auf 00:00 Uhr gelegt und während eine Band spielte, konnte die nächste auf der jeweils anderen Bühne bereits aufbauen. Als ich aus der Markthalle kommend eintraf, waren RESTMENSCH leider schon durch und auch zu ROBINSON KRAUSE kann ich nicht viel sagen, da ich die meiste Zeit mit Quatschen beschäftigt war und das neue MOLOTOW erkundete. Die ganze Szenerie verteilte sich nicht nur auf das Areal vor den beiden Bühnen und die mehreren Bar-Bereiche, sondern auch in den geräumigen Innenhof – wodurch sich das Publikum jedoch auch bisweilen ziemlich zerfaserte. Gewehr bei Fuß stand ich bei den wiedervereinigten YARD BOMB im Keller, die mit neuem Drummer wieder mit Oldschool-HC à la BLACK FLAG & Co. durchstarten und weder an Durchschlagskraft noch an Entertainment-Qualitäten eingebüßt haben. Frontsau Rolf und die anderen Bomber brachten den Keller zum Ausrasten, wovon auch ich mich anstecken ließ und die müden Knochen mobilisierte. Astreiner Gig – gut, dass die Band wieder am Start ist. Mit LITBARSKI konnte ich im Anschluss nicht mehr so viel anfangen, was jedoch auch gut mit meiner mittlerweile ausgereizten Aufmerksamkeitsspanne zusammenhängen kann. Darüber hinaus nahm die Ablenkung nicht gerade ab, als sich der Bar-Bereich mehr und mehr mit bekannten Nachtschwärmer-Gesichtern füllte, sodass ich nach diesem langen Konzertabend auf MOLOCH verzichtete und auf die letzten Absacker privat einkehrte. Auf jeden Fall ‘ne unterstützenswerte Angelegenheit, diese Molotow-Cocktails, und ich freue mich auf unseren BOLANOW BRAWL dort am 17.06.!

31.03.2017, Markthalle, Hamburg: STIFF LITTLE FINGERS

Wenn eine Punkband der ersten Stunde zu ihrem 40-jährigen Jubiläum nach Hamburg kommt, kann man auch ruhig mal ein paar mehr Worte zu ihr verlieren: Was die nordirischen STIFF LITTLE FINGERS auf ihren ersten drei Studioalben und auf der Liveplatte „Hanx!“ veröffentlichten, gehört für mich unumstößlich zum Besten, was klassischer Punkrock zu bieten hat. Mit Erscheinen des vierten Albums „Now Then…“ änderte man seinen Stil allerdings hin zu belangloser Rockmusik, womit mein Interesse an der Band schlagartig erlosch. In spätere Scheiben (Ausnahme: Das „Live and Loud“-Album) hörte ich gar nicht mehr erst rein und der Artikel über einen SLF-Gig zusammen mit SPRINGTOIFEL in den ’90ern, bei dem sich die Punk-Legende als arrogante Rockstars aufgeführt haben soll, trug sein Übriges dazu bei. Was seitdem immer mal wieder unter dem Namen STIFF LITTLE FINGERS Platten veröffentlichte oder für beachtliches Salär durch die Lande tingelte, brachte ich kaum noch mit den Klassikern in Verbindung und wurde mit Ignoranz gestraft. Dies änderte sich erst wieder mit einem sympathischen Interview in einem Fanzine vor einiger Zeit und als SLF letztes Jahr im Knust gastieren, flammte mein Interesse durchaus auf – bis ich mich zu einem Konzertbesuch durchrang, dauerte es allerdings noch etwas und auch diesmal machte man es mir nicht unbedingt leicht: Markthalle, Ticket 30 Euro, keine Vorband – zack! Das’ mal ’ne Ansage… Nach einigem Abwägen machte ich mich dennoch auf den Weg und war gespannt, was mich erwarten würde. Karten waren an der Abendkasse noch problemlos zu bekommen – würde die Markthalle überhaupt gefüllt werden? Sie wurde es (wenn auch sicherlich nicht ausverkauft), erwartungsgemäß mit Publikum mittleren Alters, jedoch auch einigen jüngeren Gesichtern, das sich ab 21:00 Uhr erwartungsfroh im großen Saal versammelte und zunächst einen Glamrock-Heuler nach dem anderen aus der Konserve über sich ergehen lassen musste, bis endlich „Go For It“ als Intro erklang und die Nordiren gegen 21:30 Uhr die Bühne betraten.

„Breakout“ zündete bei mir noch nicht so richtig und halte ich nicht für einen geeigneten Opener, doch direkt mit dem zweiten Song „Straw Dogs“ richteten sich beim ersten Stimmenüberschlag Jakes meine Nackenhaare auf – Gänsehaut! Sie haben’s immer noch drauf, Jake Burns singt fantastisch (wenn auch nicht mehr so rau und aggressiv wie auf den frühen Platten, aber darauf war ich dank des „Live and Loud“-Albums eingestellt und das steht dem Sound durchaus gut zu Gesicht) und bescherte man mir eine zweistündige Welle der Euphorie. Trotz Markthalle gab’s am Sound nix zu mäkeln und die Band wirkte gut aufgelegt und sympathisch. Jake nahm sich zwischen den Songs die Zeit, Anekdoten zum Besten zu geben, auf die Inhalte einzugehen oder den Bassisten zu verarschen. Vornehmlich bestand das Set aus den alten Hits, jedoch angereichert mit einigen Stücken neueren Datums, die sich gut einfügten und Lust machten, sich mit auch mal mit den jüngeren Alben zu beschäftigen. „My Dark Places“ hat laut Jake seine Depressionen zum Inhalt, „Each Dollar A Bullet“ den Nordirland-Konflikt und „Strummerville“ widmete man dem viel zu früh verstorbenen Joe Strummer. Tatsächlich dachte ich mir etwas wehmütig, dass THE CLASH sicherlich noch zu ähnlichen Leistungen fähig wären, würde Joe noch leben. „Nobody’s Hero“, „Barbed Wire Love“, „Roots, Radicals, Rockers & Reggae“, „Wasted Life“, „Tin Soldier”, „Suspect Device” – ein Kracher nach dem anderen, den ich mitskandierte, bis ich heiser war. Als Zugaben gab’s dann noch die Vollbedienung mit dem zum eigenen Song gemachten BOB-MARLEY-&-THE-WAILERS-Cover „Johnny Was“, „Gotta Getaway“ und – natürlich – „Alternative Ulster“.  Für eine solche Hitdichte würde manch Band töten (was SLF allerdings mit so manch Vertretern der ganz alten Garde gemein haben und deren Relevanz immer wieder unterstreicht). Von Altherren-Schunkel-Rock jedenfalls keine Spur.

Vor der Bühne fand natürlich kein Blutpogo statt, aber die Meute war gut in Bewegung, die Mädels an den Zapfhähnen flott bei der Sache und der Chor der Anwesenden stimmgewaltig. Keine Frage, das war eines meiner schönsten Markthallen-Konzerte überhaupt und ein heißer Anwärter auf das beste Konzert 2017. Und was macht man in solch berauschtem Zustand? Man fährt auf den Kiez ins Molotow zum „Punkrock Cocktail“-Spätfestival… dazu später mehr.

Mad-Taschenbuch Nr. 3: Al Jaffee – Alles über Magie

1973 erschien das erste Taschenbuch des deutschen Ablegers des Satire-Magazins „Mad“, nach Don Martin und Sergio Aragones durfte in der 1974 erschienenen Nummer 3 der heute dienstälteste Mad-Zeichner Al Jaffee ran und 160 Seiten zum Thema „Alles über Magie“ füllen. Ich nehme diese Dinger immer noch gerne mit, wenn ich sie auf Flohmärkten in die Finger kriege und dieses Exemplar zählt zu einem ganzen Stapel, den ich vor einiger Zeit günstigst abgreifen konnte. Das Buch setzt sich zusammen aus der Vorstellung von Zaubertricks und ihren absurden Erklärungen, Comics und den Jaffee-typisch herrlichen Antworten auf dumme Fragen, wie üblich stets mit einer freien Sprechblase zum Nachtragen einer eigenen Antwort (stets besonders schön, wenn der Vorbesitzer diese tatsächlich ausgefüllt hat). Kurzweilige und heutzutage nostalgische Unterhaltung voller Mad-Humor, wie er typischer kaum sein könnte.

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