Eigentlich hätte eine Mini-Tour daraus werden sollen: Freitag in Rotenburg und Samstag zusammen mit KILLBITE und RESTMENSCH in Rostock. Als wir kurz vor Toreschluss erfuhren, dass in Rostock zeitgleich ein Konzert stattfindet, von dem die Bagehl-Veranstalter vermuteten, dass es das ganze Publikum ziehen würde und sie dieses auch selbst gern besuchen würden, war kurzzeitig ein Nachmittags-Konzert im Gespräch, worauf wir letztlich in gegenseitigem Einvernehmen und vor dem Hintergrund des Rotenburg-Gigs dann doch lieber verzichteten – aufgeschoben ist natürlich nicht aufgehoben!
Nichtsdestotrotz hatte uns der gute KILLBITE-Ballo in der Rotenburger Villa untergebracht, die ich einst bereits mit BOLANOW BRAWL bespaßen durfte und auf die ich mich aufgrund der positiven Erfahrungen besonders freute. Doch warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Einen Tag vorher war Xavier (nicht Naidoo, sondern der Orkan – egal, beide scheiße) über Deutschland hinweggefegt und hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen: Zerstörung, Tote, Verkehrschaos. So wurde schon mal nichts aus dem Plan, dass Eisenkarl und Tentakel mit dem Wohnmobil anreisen und wir übrigen inkl. Jana und dem österreichischen Matjesmädchen Lisa mit der Bahn loseiern, denn die Bahnstrecke war gesperrt. Also erklärte sich Jana dankenswerterweise bereit, ihre alte Schüssel nicht nur zur Verfügung zu stellen, sondern auch höchstpersönlich zu steuern, wenn auch mit einem etwas mulmigen Gefühl und der Befürchtung, irgendwo auf der Autobahn liegenzubleiben. Dies passierte zwar nicht, doch musste zunächst einmal Eisenkarl Starthilfe geben. Durch heillos verstopfte Straßen quälten wir uns dann durch den Hamburger Feierabend- und Wochenendverkehr und konnten nicht einmal auf den Elbtunnel ausweichen, da dieser ebenfalls gesperrt war. Endlich raus aus der Hanse- und Bullenstadt ging’s auf besagte Autobahn, auf der wir prompt in zähflüssigsten Verkehr und Stau gerieten, sodass wir uns nur quälend langsam gen Rotenburg a.d. Wümme fortbewegen konnten. In jenem Bremer Vorort endlich angekommen, ging das Chaos direkt weiter, denn aufgrund einer Kirmes war die halbe Stadt abgesperrt, wovon unsere Navis natürlich nichts wussten. So kurvten wir ein paarmal durch den Kreisverkehr, bis wir ENDLICH zur Villa gelangten. Boah ey!
Dort nahmen uns Einheimische sowie die RESTMENSCHen in Empfang. Beim Einchecken erfuhren wir dann, dass unser Veranstalter und Mann vor Ort ebenfalls noch gar nicht da ist, weil er einen Autounfall hatte – ein Laster war ihm hinten reingefahren. Zum Glück ist dem guten Mann aber nichts weiter passiert und er konnte später dazustoßen. Um uns eine Mahlzeit zu kredenzen, hatte man improvisiert und uns Veggie-Dürüms vom örtlichen Döner-Restaurant besorgt, was ‘ne sehr feine Sache war. Mein Magen dankte es und zwischen Aufbau und Soundcheck begann ich mit der Druckbetankung, denn natürlich waren wir arschspät dran. ANGEBRACHTE PANIK aus Bremen wähnte ich als lokalen Opener, doch die Panikmacher favorisierten selbstbewusst die mittlere Spielposition für sich (RESTMENSCH waren als Headliner eh gesetzt), was uns nur entgegenkam. Der Sound-Maestro zauberte uns einen vernünftigen Klang und hatte sogar bischn Hall für die Gesänge parat, was immer sehr angenehm, aber nicht selbstverständlich ist. Ferner berichtete man uns, dass aufgrund einer Konkurrenzveranstaltung weniger Gäste als gedacht anwesend seien. Ein paar Hamburger, die sich angekündigt hatten, mussten aufgrund besagter Bahnstreckensperrung ebenfalls passen, aber ich war mit dem Publikumszuspruch eigentlich ganz zufrieden.
Denn als wir wesentlich später als geplant endlich zu schrammeln, scheppern, brüllen und hassen begannen, zeigte sich der Mob nicht nur interessiert, sondern sogar tanzfreudig. Relativ unfallfrei zockten wir unser leicht gekürztes Set durch, abgesehen von ein paar Rumplern, meinem Tritt aufs Mikrokabel, was mir das Ding fast aus der Hand riss und ähnlich üblichen Sperenzien, bis Kai unmittelbar vorm letzten Song die E-Saite seines Besens riss. „Ghettoromantik“ wollten wir aber schon noch gern spielen und so zog er ‘ne neue auf, während ich die Zeit mit Bullshit-Gesabbel überbrückte. Nach allen Widrigkeiten hatten wir endlich abgeliefert und konnten nun zum entspannten Teil des Abends übergehen.
- Disillusioned
- Motherfuckers
Dies bedeutete, sich den deutschsprachigen Punk von ANGEBRACHTE PANIK um die Ohren schlagen zu lassen. Stilistisch etwas eigen und gewöhnungsbedürftig mit seinen funkigen Einlagen und Sprech-Passagen, textlich ambitioniert, wütend und ziemlich undoof gegen Nationalismus, sexistische Geschlechterrollenklischees und ähnliche Unappetitlichkeiten wetternd und meines Erachtens immer dann am stärksten, wenn die Sängerin und Bassistin in Personalunion so richtig schön giftig singkeift. Den Gesang teilt sie sich übrigens mit dem Gitarristen. Die meiste Zeit verbrachte ich glaube ich hinterm Merch-Stand, doch von dort aus hatte man noch gute Sicht und guten Sound. Da fiel mir auch die liebevoll gestaltete CD der Band auf, die anstelle einer normalen Plastikschachtel in Stoff gehüllt wurde. Weiß gar nicht, warum ich mir die nicht mitgenommen habe. Musikalisch ist das nicht 100%ig meine Schiene und hier und da vielleicht noch etwas überambitioniert, aber die selbstbewusste und kritische Attitüde kam gut rüber. Interessante Band.
- Angebrachte Panik
Was dann geschah, erfüllte einerseits all meine Erwartungen und doch wieder nicht: RESTMENSCH prügelten gewohnt souverän ihren herrlichen ‘80er-HC-D-Punk durch und ließen das Adrenalin fließen, taten dies nach relativ kurzer Zeit jedoch in erster Linie nur noch für uns andere beiden Bands, die wir die Hamburger kräftig abfeierten, sowie einen versprengten Haufen Einheimischer. Ey Rotenburger, was war los? Müsst ihr alle so früh ins Bett? Aufmerksamkeitsspanne nach zwei Bands bereits ausgereizt? Hat das Haake-Beck zu sehr reingeknallt? Falls ihr das lest und wissen wollt, was ihr verpasst habt, konsultiert gern einen meiner anderen RESTMENSCH-Konzertberichte oder hört euch das Album „Die Erde ist eine Scheiße“ an. Die AP-Sängerin ergriff zwischen zwei Songs das Mikro und tat kund, dass sie es bedauerlich fände, dass sie an diesem Abend die einzige Frau auf der Bühne gewesen sei und machte auf das Ungleichverhältnis zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Dabei war das Publikum – als es denn noch in stärkerer Anzahl da war – ziemlich gut gemischt und ich vermute einfach mal, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Frauenanteil in Bands derart gestiegen ist, dass Mädels auch auf der Bühne nicht weiter derart unterrepräsentiert sind. Bei RESTMENSCH konnte ich mich jedenfalls schön austoben und anschließend oben im Kneipenbereich auf den Sofas entspannen, bis man uns in unser nahegelegenes Schlafgemach geleitete, eine luxuriöse Wohnung mit reichlich Betten und eigenem Zimmer für uns. Seltsamerweise wollte dort niemand mehr mit mir Aftershow-Party feiern und/oder meine TV-Melodien- oder Surf-Musik-Sammlung hören. Also öffnete ich mir ein letztes Bier und verabschiedete mich nach nur einem Schluck von den Banausen, indem ich spontan wegknackte und den anderen scheinbar den Schlaf raubte, indem ich paar dicke Äste sägte, durchs Gebäude auf der Suche nach dem Klo – bzw. dem Weg zurück – schlich und angeblich gar Zwiebel- und Krautsalat-bedingter Flatulenz freien Lauf ließ. Ich weise sämtliche Vorwürfe natürlich entschieden zurück.
- Restmensch
Am nächsten Morgen weckte man mich offenbar aus Rache zu nachtschlafender Zeit. Ich kapitulierte und begab mich ebenfalls zurück zur Villa, wo wir unser Zeug einluden, nachdem ich den armen Veranstalter aus den Federn klingeln musste. Eine Katze lief umher und ließ sich streicheln, Kalle suchte einen Bäcker und kam mit Fladenbrot, Käse und Knobiwurst vom Dönerman zurück und die Rückfahrt gestaltete sich unspektakulär, dank Konterbier (und natürlich Janas besonnener Fahrweise auf nun freieren Straßen) erträglich. Nur Kai wirkte irgendwie unausgeschlafen…
Danke ans Villa-Team für alles, an Ballo für die Vermittlung, an HH-Martin, der’s tatsächlich bis nach ROW geschafft hatte, die Bands, die Leute vor der Bühne und Jana + Lisa fürs Fahren, DJing, Fotografieren und Merch-Stand-Betreuung!




























Mad-Taschenbuch-Premiere für das Texter/Zeichner-Duo Hart und Coker Jr. im 1976 erschienenen zwölften Band der Reihe, der leider ein wenig Etikettenschwindel betreibt: Zwar beginnt er in Comicform mit der amüsanten Gegenüberstellung nerviger menschengemachter Alltagssituationen und der Möglichkeit, auf diese nicht nur adäquat, sondern derart zu reagieren, dass man es hübsch zurückzahlt – gestreckt wird dieses Konzept jedoch durch weniger lustige „Du weißt, dass dir eine qualvolle Zeit bevorsteht, wenn…“-Panels und anhand sämtlicher Sternzeichen durchexerzierter, jedoch offenbar völlig willkürlicher und weitestgehend verzichtbarer Horoskop-Parodien in Form des „astrologischen Qual-Kalenders“. „Die Mad-Fibeln der süßen Rache“ greifen das Konzept in Gedichtform wieder erfreulich lustig auf, während „Die Ehrengalerie unbekannter Quäler“ sich einmal mehr menschgemachten Alltagsqualen widmet und „Qual per Post“ auf unliebsame Briefe eingeht. Das ist der typische, mal mehr, mal weniger pointenstarke Mad-Humor, wie man ihn mag, mir jedoch letztlich etwas zu viel Füllmaterial und im Endeffekt hätte man besser daran getan, den Band „Das Mad-Buch der Qual“ zu nennen. Für diese Ausgabe kehrte man im Übrigen zur alten Seitenstärke (160 Seiten) zurück.
Der 15. Band der französischen Comic-Reihe „Asterix“ um das renitent wehrhafte gallische Dorf, das sich mithilfe eines Zaubertranks gegen die römischen Invasoren zur Wehr setzt, erschien erstmals 1970 und in der bekannten 48-seitigen Albenform in Deutschland 1973. Die Römer engagieren Destructivus, um Zwietracht bei den Galliern zu sähen und diese dadurch zu spalten, um sie – derart geschwächt – leichter bekämpfen und schließlich ihr Dorf einnehmen können. „Streit um Asterix“ bietet damit einen schönen humoristischen Exkurs in psychologische Kriegsführung (was auch Anlass für einen gelungenen Running Gag ist) sowie Entstehung und Potential von Intrigen und verfügt darüber hinaus über viele gesellschaftssatirische Momente, wenn der Umgang im Dorf untereinander aufs Korn genommen wird. Einzig schade ist es insbesondere vor diesem Hintergrund, dass es den Galliern leider nicht gelingt, entsprechend rein mit List, Tücke und Psychologie zu reagieren, sondern man einmal mehr auf den Zaubertrank zurückgreifen muss, der ihnen übermenschliche Kräfte verleiht.
Einer der beliebtesten Mad-Stammzeichner war Don Martin mit seinen charakteristischen Figuren mit ihren langen Gesichtern und umgeknickten Zehen. „Er galt als Meister des bebilderten Slapsticks und des schwarzen Humors“, weiß die Wikipedia zu berichten und fasst damit treffend Martins inhaltlichen Stil zusammen. An Martin war es auch, mit „Don Martin hat Premiere“ die Mad-Taschenbuchreihe zu eröffnen, doch leider liegt mir jenes Debüt nicht vor. Für die 1976 erschienene Nummer 11 aber durfte er erneut den Stift schwingen: Er zeichnete die Abenteuer von Fester und Karbunkel, einem unternehmungslustigen, bauernschlauen, etwas kleingeratenen Schlitzohr und seinem Kumpel, einem stupiden, grobschlächtigen doch gutmütigen Simpel, der kaum mehr als Grunzlaute herausbekommt. Da beide ständig pleite sind, befinden sie sich vornehmlich auf Jobsuche, was sie in meist ungut aussehende Situationen bringt. Unterteilt in acht Kapitel verschlägt es sie in den Wilden Westen, auf den Rummelplatz in den Schrebergarten oder ins Kaufhaus, was eine Menge Gefahren mit sich bringt. Mit dem Platz ging man seitens Mad recht großzügig um und platzierte pro Seite lediglich ein Panel, so dass sich das Büchlein schnell durchblättert. Fairerweise erhöhte man die Seitenzahl von den sonst üblichen 160 dafür auf über 220. In Kombination mit den Leser beleidigendem Rückentext und Don Martin beleidigendem Vorwort ist „Don Martin tanzt aus der Reihe“ der erwartete kurzweilige Spaß, der Lust auf mehr von Martins Absurditäten macht, wenngleich er seinen Zenit hiermit noch längst nicht erreicht hatte.
Pott-Export Mäggi blies zur Geburtstagsfeier in der Lobusch und hatte all seine Lieblingsbands eingeladen. Weil aber weder die DIE AMIGOS noch DIE FLIPPERS und leider auch nicht BRUNNER & BRUNNER konnten, sprangen wir stattdessen zusammen mit zwei Bands aus seiner alten Heimat ein. Diesmal war’s nicht ich, der im Vorfeld mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, sondern Dr. Tentakel kroch auf allen Achten und war ein erbarmungswürdig vergripptes Häufchen Elend. Dazu aber ein tapferes und so verzichteten wir auf die letzten Proben und versorgten ihn stattdessen mit schlauen Tipps („Iss mal ‘nen Apfel!“), Freitag stand er Gewehr bei Fuß. Gegen 22:30 Uhr ging’s mit „Pogromstimmung“ los und elf weitere Songs folgten, von denen wir „Ghettoromantik“ spontan etwas umstrukturierten, ähem… Obwohl’s in der Lobusch keine Monitore mehr gibt, konnte ich den Sound über die P.A. gut vernehmen und der klang gar nicht übel – zumindest so lange mein Mikro nicht plötzlich leiser wurde oder zwischendurch gar ganz ausfiel. Hrmpf. Auch das Publikum war diesmal seltsam reserviert, dafür aber ungefähr in der von mir in etwa vermuteten Stärke aufgeschlagen – wenn Mäggi auch mit mehr gerechnet hatte. Hinterher konnten wir uns aber ein Lob abholen, wie schnell unsere Songs mittlerweile geworden seien – klar, wir mussten uns ja auch beeilen, schließlich musste das Tentakelchen schnellstens zurück ins Lazarett.


























Nach mehreren Anläufen hatte es an diesem Spätestsommerabend endlich mit dem Archiv geklappt: Die Brigada-Caoz-/Ready-To-Fight-Shows-Konzertgruppe war so freundlich wie mutig, uns als Support für die russischen Folk-Streetpunks ZUNAME zu buchen, die sich auf Deutschland-Tour befanden und erst am Wochenende zuvor in Hamburg gezockt hatten. Wodka meets Whisky sozusagen, das passte doch. Ich will hier gar nicht lange mit meinen fast schon obligatorischen Ausführungen zu meinem Gesundheitszustand langweilen; natürlich hatte ich mir auch vor diesem Gig ‘nen Röchelhusten eingefangen, aber dank pharmazeutischer Erzeugnisse rechtzeitig weitestgehend in den Griff bekommen. Die Hinfahrt gestaltete sich unspektakulär; am meisten zu schaffen machte uns eigentlich der Hamburger Freitagnachmittagsverkehr – die Potsdamer Sackgasse, in die uns der Navi leitete, konnte uns da nicht mehr schocken. Vor Ort nahm man uns freundlich in Empfang und versorgte uns mit Sternburg Export sowie weiteren Bier-Spezialitäten. Im geräumigen Backstage-Bereich standen Knabbergebäck, Handtücher und Pfeffi bereit und man führte uns durch das ehemals besetzte, schon mal geräumte, doch unlängst rebesetzte wieder legalisierte Gebäude. Das Archiv ist eine riesige Bude mit räumlich abgetrenntem Kneipenbereich, langen Gängen und rustikalem Charme, dabei pikobello sauber und aufgeräumt. Kein Vergleich also zu den engen, drängeligen HH-D.I.Y-Clubs.









































Die klassischen Mad-Hefte begannen i.d.R. mit einem mehrseitigen Comic, der einen aktuellen Kinofilm, eine Serie, eine TV-Show o.ä. persiflierte. Diese waren meist erfrischend frech und respektlos und trugen dazu bei, den typischen Mad-Humor zu prägen. Mit dem Mitte der 1970er erschienen zehnten Taschenbuch erschienen diese in Deutschland erstmal gesammelt in Buchform: Auf rund 160 Seiten werden nach einem die Zeichner Jack Davis und Mort Drucker sowie den Autoren Dick De Bartolo beleidigenden Vorwort fünf Filmgenres abgedeckt: „Seenot“ persifliert den Untergang der Titanic und ähnliche Katastrophenfilme und bezieht seinen Humor in erster Linie aus einem komplett unfähigen Kapitän, „Mord um Mitternacht“ nimmt die „Der dünne Mann“-Krimis köstlich aufs Korn, „Flug 1313“ klingt nach einem weiteren Katastrophenfilm, ist jedoch eine amüsante Abhandlung über menschlichen Opportunismus und Doppelmoral angesichts des drohenden Todes, „Dr. Krankenscheins Fluch“ ist eine „Frankenstein“-Persiflage, die es auf Mad-Scientist-Klischees abgesehen hat und „Goldene Träume, gebrochene Herzen“ parodiert kitschige Musicals, ihre Oberflächlichkeit und den immensen Druck hinter den Kulissen, dem sich die Darsteller ausgesetzt sehen. Mein humoristischer Favorit ist „Mord um Mitternacht“, inhaltlich hat es „Flug 1313“ am stärksten in sich, meinen Humor treffen jedoch alle fünf Geschichten. Nicht nur für Filmfreunde ein schöner Spaß, der sich allen Kino-Trends zum Trotz erstaunlich wenig abgenutzt hat.
Unter dem Motto „Punks meets Disco“ feierte die mir in erster Linie vom Sehen auf Gigs etc. bekannte Julia ihren 30. Geburtstag öffentlich in der altehrwürdigen Lobusch und hatte weder Kosten noch Mühen gescheut, zu diesem Anlass möglichst illustre Stimmungskapellen zu verpflichten. Fragte ich mich anfänglich noch, wo denn das ganze Partyvolk bliebe und ob es sich bei dem Typen im weiblichen Kängurukostüm wohl um BOUNCING BETTY handele, war nach den ersten paar Bierkannen die Bude ca. zur Hälfte gefüllt und CRASS DEFECTED CHARACTER gaben Gas – bzw. erst mal ein Ständchen zum Besten, natürlich für „das Julia“, und zwar auf der Melodie von Wolle Petrys „Ruhrgebiet“. Den Namen Petry wieder positiv besetzen – geglückt! Im Anschluss folgte die gewohnte Mischung aus explosivem deutschsprachigem HC-Punk, meist im Up-, seltener im Midtempo und mit Hits wie „Eine Handvoll Fick Dich“, „Protest durch Sachschaden“ oder auch „Geiz ist geil“. Der Sound war derart gut, dass nicht nur Manus Bass kräftig knatterte, sondern auch die Texte deutlich zu vernehmen waren, die größtenteils aus dem Munde des vermutlich erstmals auf seine obligatorische Mütze verzichtenden Sängers/Gitarristen des Trios kamen. Was kommt als nächstes? Manu nimmt seine Sonnenbrille ab?! Unfassbar! Es war anscheinend nicht ganz einfach, ausgelassene Stimmung in die Bude zu kriegen, so richtig traute sich kaum jemand zum gepflegten Pogo. Je öfter die Gastgeberin jedoch mit ihrem Schnapstablett die Runde machte, desto lockerer wurde die Meute. Natürlich musste ‘ne Zugabe her und CDC beschlossen ihren Gig, wie sie ihn eröffnet hatten: Mit ihrem Julia-Ständchen, diesmal jedoch mit vergnügt tanzendem Geburtstagskind auf der Bühne. Ein beeindruckender Gig voll kontrollierter Aggression, technischer Tightness und inhaltlicher Relevanz, dessen Tüpfelchen auf dem I „Life is too long“ mit Gastsängerin gewesen wäre, wie es in der Vergangenheit regelmäßig der Fall war – aber man kann nicht alles haben.














40 Bands spielen jeweils fünf Minuten – mit der diesjährigen Ausgabe ging dieses Spektakel in die dritte Runde und erstmals war es mir vergönnt, dem beizuwohnen. Letztlich wurden’s „nur“ 35 Bands (schade, die Band mit dem illustren Namen PERIOD PAIN & THE VAGINAL FLUID hätte ich gern gesehen), der Großteil aus Hamburg, doch auch diese bedeuteten natürlich den totalen Reizüberflutungs-Overkill und stellten mich vor die Herausforderung, zu jeder Band Bier zu trinken und dennoch einen Konzertbericht zu verfassen…






































Dafür, dass ich eigentlich vom Vorabend noch gut angeschlagen war, hab‘ ich ganz gut durchgehalten. Meine Aufmerksamkeitsspanne dürfte auch ohne Party zuvor und Alkoholgenuss irgendwann die Segel gestrichen haben. Als überaus hilfreiche Krücke erwies sich die an mehreren prominenten Positionen angebrachte Running Order; vom draußen hängenden Exemplar wurden mit deutscher Pünktlichkeit alle weggestrichen, die bereits ihre fünf Minuten hatten. Das abwechslungsreiche Aufgebot hat mir manch Band nähergebracht, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte – und wann bekommt man schon mal so’ne Wundertüte für so wenig Einsatz geboten? Der Eintritt war frei, lediglich um Spende wurde gebeten. Wem’s drinnen mit zunehmendem Publikumsinteresse zu stickig wurde, konnte vor der Tür rumgammeln und die Beinahe-Punx-Picnic-Atmosphäre genießen. Ich hoffe, ich habe nicht allzu viele Fotos und Namen durcheinandergeworfen (für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar) und bin Feuer und Flamme, auch mit meinen beiden Stimmungskapellen mal mitzumischen. Werde diesbzgl. mal anklopfen…