Für Panini ist diese Comic-Veröffentlichung ungewöhnlich, ist der Verlag doch nicht unbedingt für seinen Erotiksektor bekannt. Umso überraschter war ich, als mir dieser vollfarbige, 72 (leider unnummerierte) Seiten umfassende Softcover-Band aus dem Jahre 2010 im 26 cm hohen Zwischenformat antiquarisch in die Hände fiel. Geschrieben wurde er von Sanni Kentopf, einer gebürtigen Norddeutschen, die unter anderem als Tänzerin tätig ist (oder war). Die in dynamischer Panelstruktur angeordneten Zeichnungen stammen von Alberto Saichann, der einen realistischen Stil verfolgt.
„Honigfeigen“ möchte an Charlottes Roches „Feuchtgebiete“ anknüpfen; so ist es unschwer zu erraten, dass es sich um jenes Buch handelt, das in der Wohngemeinschaft von Stan, Marla, Ricky, Linda und Leonie kursiert und die Bewohnerinnen ermutigt, eigene sexuelle Anekdoten miteinander zu teilen, die in Form von Rückblenden eingearbeitet sind und den eigentlichen Inhalt dieses Buchs ausmachen. Alle fünf jungen Frauen werden charakterlich auf der Innenseite des Buchdeckels kurz angerissen; die 18-jährige Ricky, die die WG gerade bezieht, führt als Erzählerin durch den Comic.
Leonie hatte einen langweiligen Sexualpartner, der erst aus sich herauskam, als sie ihm ihren Finger in den Hintern schob. Seine weiteren Wünsche mit Natursekt und Kerzenwachs waren ihr aber zu pervers. Linda ging zu einer Prostituierten in den Asia-Puff und ließ sich von dieser verwöhnen. Marla schnitt sich ein Loch ins Höschen, weil das ihre Fantasie beflügelte und sie heiß machte. Sie besuchte eine Party, wo sie auf ihren Schwarm Manni traf und sich im Wandschrank von ihm lecken ließ. Was sie nicht wusste: Sie hatte ihre Tage und Manni daraufhin ein blutverschmiertes Gesicht. Stan rieb sich Muschisaft als Lockstoff hinter die Ohren und ließ sich von Alex abschleppen. Der eröffnete ihr anschließend, sie super zu finden, dass ihr Parfum aber gar nicht gehe… Schlussendlich ist Ricky dran: Sie hat noch gar nichts zu erzählen, muss erst noch Erfahrungen sammeln. Also fährt sie zum Friseur und lässt sich eine Intimfrisur schneiden, woraufhin sie ganz geil auf den Friseur wird. Später treibt sie es mit Leonie.
In seinen Bildern ist „Honigfeigen“ recht freizügig, ohne dabei in die Vollen zu gehen. Ein softpornöser Comic, der, obwohl von einer Frau geschrieben, ganz auf ein männliches Publikum und dessen schlüpfrige Fantasien von den Vorgängen innerhalb einer weiblichen Wohngemeinschaft zugeschnitten ist. Das verwundert und geht sogar so weit, dass sich der Erotikfaktor vornehmlich aus der Zurschaustellung weiblicher Körper speist, während männliche Genitalien gar nicht erst zu sehen sind. Die Bezugnahme auf „Feuchtgebiete“ wirkt reichlich bemüht, zumal der Ekelfaktor hier wesentlich geringer ausfällt, um den Erotikgehalt nicht zu torpedieren. So liest sich „Honigfeigen“ auch weit weniger provokant, als es vielleicht gern wäre, und verweilt überwiegend dann eben doch in Erotikstandards. Diese jedoch sind in ihrer sexpositiven Ausrichtung recht ansprechend umgesetzt und gestehen ihren Protagonistinnen selbstbestimmte Abenteuer ebenso zu wie sich auszuprobieren und offen damit umzugehen.
Ein vierseitiges, mit vielen Fotos versehenes Interview mit Sanni Kentopf findet sich im Anhang.

Jetzt mal etwas ganz anderes: Manchmal verschwimmen die Erinnerungen. War es dieses Buch, das mir meine Oma zu lesen gab, als wir 1986 umgezogen waren, kurze Zeit mit ihr zusammen in ihrer Waldhütte lebten und am Ostersonntag gerade die Leckereien versteckt wurden? Jedenfalls kam mir das Titelbild sehr vertraut vor, als ich es kürzlich zufällig in einem Tauschschrank entdeckte und einfach mal mitnahm.
In Mad-Urgeisten Al Jaffees sechstem Soloband aus dem Jahre 1980, der hierzulande 1984 veröffentlicht wurde, widmet er sich zum wiederholten Male die gewohnten 160 Schwarzweißseiten lang seiner Lieblingsbeschäftigung: der Auseinandersetzung mit (vermeintlich) dummen Fragen und den (vermeintlich) klugen Antworten auf diese.
Vor ein paar Jahren schrieb ich nach der
Bereits zum sechsten Male murksen sich die beiden verfeindeten Spione mit den spitzen Nasen gegenseitig im Taschenbuchformat ab. Das US-Original erschien im Jahre 1982, diese deutsche Ausgabe, wie gewohnt 160 unkolorierte Seiten umfassend, folgte zwei Jahre später. Gewidmet sind die 13 neuen, „Fälle“ genannten Geschichtchen mit alliterationsfreudigen Titeln „den Spionen in aller Welt, damit sie sich ein Beispiel nehmen und sich immer nur GEGENSEITIG umbringen.“



