Dieses 1994 im Kieler Achterbahn-Verlag erschienene, 68-seitige Schwarzweiß-Softcover-Album im kleinen A5-Format ist eine Art Brösel-Raritätenkiste, die man ins thematische Konzept Sucht einarbeitete und dafür mit der Zentralstelle für Suchtvorbeugung zusammenarbeite. Autor und Verlag verzichteten auf Honorar und Gewinn und führten pro Exemplar eine Mark an jene Organisation ab. Ein Benefizcomic also.
Ein einführender Fließtext versorgt die Leserschaft mit den entsprechenden Hintergrundinformationen, unter anderem jener, dass die erste Geschichte, zugleich Herzstück des Buchs, von Brösel bereits im Jahre 1981 in Kooperation mit Rolf Harten auf Grundlage eines Theaterstücks gezeichnet wurde. In dieser lernt der allseits bekannte und beliebte Werner den gleichaltrigen Kalli kennen. Kalli leidet unter seiner herrischen Mutter, die ihn sogar zum Psycho-Doc schleift, weil sie nicht versteht, dass nicht ihr Sohn, sondern sie das Problem ist. Der Doc versagt und schickt tatsächlich den Jungen in Therapie, woraufhin der Teufel ihm die Leviten liest. Werner besucht Kalli im Krankenhaus, verhindert, dass er mit Medikamenten vollgestopft wird, nimmt ihn mit, deichselt, dass er Geld von der Krankenkasse bekommt, und fährt mit ihm nach Hamburg. Die finale Aussage: Die Anderen sind die Bekloppten!
Ein bisschen weit hergeholt ist der Suchtbezug beim Comic über einen misslungenen Bankeinbruchsversuch inklusive Fließtexteinleitung. Auch der nächste, in dem es um Kaufsucht geht, wird von einem Text eingeleitet, dessen es gar nicht unbedingt bedurft hätte, denn der an Werbung, Konsumtempeln, Krediten, falschen Versprechungen und künstlicher Bedarfserzeugung Kritik übende Comic spricht für sich. Der darauffolgende einführende Text kritisiert das deutsche Medikamentensystem mit seinen abertausenden Arzneimitteln. Das ist gut und informativ, denn der zugehörige Comic ist zwar witzig, gibt aber mehr nicht her. Ein kurzer Abriss informiert über das arbeitstheoretische Konzept Fullern, das Brösel anschließend in Form einer Wimmelbild-Doppelseite und acht Einzelzeichnungen karikiert. Der nächste Textteil kritisiert die Bekämpfung von Substanzabhängigkeiten mit anderen Substanzen; im Comic werden dann vor allem „Querulanten“ dem Staat gefügig gemacht. Ein Beispiel von Rachsucht beschreibt der darauffolgende Text, wirkt jedoch wie ein arg konstruierter Bezug zum nächsten Comic. Auch der vorletzte Textteil konstruiert eine Vorgeschichte zum nächsten Comic, hat aber nicht mal ansatzweise mit Sucht zu tun; im Comic geht’s dann auch nur um zu laute Musik in einer Mietwohnung. Die letzte Seite gehört der Zentralstelle, die sie für Informationen über sich nutzt.
Zwischendrin finden sich auch ein paar pointierte Ein- und Zweiseiter. Das leider auf Seitenzahlen verzichtende Büchlein liefert einige kluge Denkanstöße, manches wirkt aber etwas bemüht und leidlich passend gemacht. Grundsätzlich aber ein vor allem für Brösel-Fans interessantes Projekt, das bisher Unveröffentlichtes und weitestgehend Unbekanntes des Meisters kompiliert.

Eine weitere edel als vollfarbiges, knapp 60-seitiges Hardcover-Album im Kieler Achterbahn-Verlag veröffentlichte „Eintagsfliege“ ist Privatdetektiv Hasso Hübner, geschrieben, handgelettert und gezeichnet von Holger Aue und Jens Förster, erschienen im Jahre 1992.
„Werner“-Erfinder Brösel tat sich mit Krischan, zudem mit Harald Juch als Co-Zeichner und dem für die Kolorierung zuständigen Wojtek für diese anscheinend kurzlebige Funny-Reihe zusammen, die im Jahre 1992 zu einem rund 60-seitigen Hardcover-Album im Kieler Achterbahn-Verlag zusammengefasst wurde.
Der französische Comiczeichner, -autor und Karikaturist Jean-Marie Ballester alias Maëster war von Franquin, Uderzo und Gotlib inspiriert, als er selbst zu zeichnen begann. alpha-comic veröffentlichte als Nr. 75 der „U-Comix präsentiert“-Softcover-Albenreihe im Jahre 1993 diesen unkolorierten, handgeletterten, rund 50-seitigen Band mit zwölf Kurzgeschichten, die, wenn ich das Impressum richtig deute, im französischen Original bereits im Jahre 1986 in Gotlibs und Alexis‘ Comic-Magazin „Fluide Glacial“ erschienen waren.
Ein Hingucker im Bücherregal ist diese im Jahre 1992 im Kieler Semmel-Verlach erschienene Comic- und Cartoons-Zusammenstellung allein schon dadurch, dass das Taschenbuch nicht wie üblich rechteckig, sondern trapezförmig ist, illustriert zudem mit einem betrunkenen Kapitän auf dem Einband. „Eine Weltneuheit auf dem Buchmarkt“, wie das Vorwort verrät.
Für sein viertes, erneut im Hardcover erschienenes Comicalbum kehrte der Berliner Guido Sieber zur Thurner „Edition Kunst der Comics“ zurück, die „Qualitätskontrolle“ als rund 50-seitigen, vollkolorierten Band veröffentlichten. Er enthalte „gemalte Erzählungen“ aus den Jahren 1991 bis 1993.

