Günnis Reviews

Kategorie: Bücher (page 10 of 14)

Mad-Taschenbuch Nr. 8: Al Jaffee – Das Buch der dummen Sprüche

Mit dem achten Mad-Taschenbuch erschien 1975 Stammzeichner Al Jaffees zweiter Auftritt in Buchform. Diesmal durfte er sich gänzlich seinen klugen Antworten auf dumme Fragen widmen, Jaffees Stammrubrik in den Mad-Magazinen. Nach einem schönen Vorwort und einer Widmung Jaffees an sich selbst ist das Buch in 14 Kapitel (hier „Abt.“ genannt) aufgeteilt, darunter die bekannten Doppelseiter in Comicform mit verschiedenen möglichen Antworten auf dumme Fragen sowie je einer Sprechblase zum Selbstausfüllen, mehrseitigen Comics, die natürlich ebenfalls die reinsten Spruchfeuerwerke sind und für den Sprücheklopfer böse enden, sowie weiteren Variationen wie schlagfertigen Reaktionen auf vermeintlich kluge Antworten und einem selbstironischen finalen Kapitel. Rund 160 Seiten stark und meines Erachtens mit das Beste, was Mad zu bieten hatte.

Mad-Taschenbuch Nr. 7: Sergio Aragones – Wirre Welt

1975 erschien mit der Nummer 7 das zweite Mad-Taschenbuch, das sich Sergio Aragones‘ in den Heften sonst nur als winzige Randzeichnungen zu findenden Comics widmet. Verlegt wurde es im Original jedoch offenbar bereits 1970 in den USA. Unterteilt in Kapitel wie „Sergio und die Kinder“, „Sergio am Strand“, Sergio und die Psychiater“, „Sergio und die Hunde“ usw. bekommt man themenbezogene, kurze Comics, die i.d.R. komplett ohne Sprech- oder Denkblasen auskommen, sich also auf die bildliche Darstellung beschränken. Der Zeichenstil ist Aragones-typisch karikierend und der Humor irgendwo zwischen naiv-nett bzw. harmlos bis augenzwinkernd frech oder leicht satirisch angesiedelt. In der Natur der Sache liegt es, dass sich ein solch quasi textfreies Taschenbuch natürlich sehr schnell durchblättert – für Kurzweil sorgt es allemal.

Frank Schäfer – Pop! Alltag! Wahnsinn! – Ein unsachliches Lexikon

Dr. phil. Frank Schäfers 250 Seiten starke Essay- und Glossensammlung aus dem Jahre 2003 kann als Nachfolger zum ein Jahr ebenfalls im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf vorausgegangenen „Ich bin dann mal weg – Streifzüge durch die Pop-Kultur“ betrachtet werden, widmet sie sich doch erneut der Populär-, Alltags- und Trivialkultur und deckt dabei vornehmlich die Bereiche Musik, Film und Literatur ab. Um ein Lexikon im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht, vielmehr wurden die Kapitel alphabetisch in ihre Anfangsbuchstaben unterteilt und ansonsten lose aneinandergereiht. Grundsätzlich eine schöne Idee, eigentlich Unzusammenhängendes unter einem solchen Titel zusammenzufassen und seltener als beim Vorgänger verstehe ich nur Bahnhof. Vielmehr freue ich mich über fundierte Rezensionen auf einem sprachlichen und inhaltlichen Niveau, das die Veröffentlichung in Buchform rechtfertigt und die durchaus den eigenen Horizont erweitern – wenngleich ich mit Doom Metal und Stoner Rock noch immer nichts anfangen kann (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ganz großartig ist beispielsweise die „Minority Report“-Buchbesprechung inklusive ihres nur kurzen, aber umso treffenderen Schlenkers gen Verfilmung. Als überaus treffend empfand ich auch die Gedankenblitzsammlungen zu den 1980ern und 1990ern, auf den Punkt. Schäfer verfasst auch selbst das eine oder andere Gedicht, verarbeitet Alltagsbeobachtungen und -anekdoten, interviewt (!) „Miss Wyoming“-Autor Douglas Coupland und reiht Tagebucheinträge aneinander. Der stets Stoff gebende Pünschel ist auch mit von der Partie. Schäfers Abhandlungen sind häufig gespickt mit herrlich trockenem Humor, manches erscheint indes auch sinn- und pointenlos, was glücklicherweise, wie auch die Wiederverwendung bereits in Buchform veröffentlichten (bzw. mir aus später erschienenen Büchern bekannten) Materials, die Ausnahme ist. Der Großteil dürfte dennoch bereits in der Journaille oder verschiedenen Periodika erscheinen sein. Regelmäßig geht Schäfers gehobener Schreibstil mit ihm durch, wenn er sich – ausgerechnet in einem Werk über Popkultur – stets für den ungebräuchlichsten aller möglichen Begriffe entscheidet, was immer dann nervt, wenn sich dessen Bedeutung nicht zweifelsfrei aus dem Kontext erschließt. Seinen diametral entgegengesetzten unelitären, mit viel Sympathie für Pop- und Subkultur sowie Interesse an ehrlichen Unterschicht- und Außenseiter-Thematiken versehenen Aussagen verdankt „Pop! Alltag! Wahnsinn!“ aber seine Relevanz über feuilletonistische Klugscheißerei hinaus. Es unterhält und informiert zu etwa gleichen Teilen (was eine Leistung ist) und vermittelt (erneut) den Eindruck, Schäfer habe wirklich Ahnung, wovon er schreibt. Etwas Egoistisches, Selbstverliebtes nach Art einer wild durcheinandergewürfelten Nabelschau persönlicher Interessen schwingt dennoch stets mit, sodass man sich schon auch selbst wenigstens ansatzweise für E-Gitarrenmusik, Underground-Literatur, jüngere populärkulturelle Phänomene und Science-Fiction-Storys interessieren und etwas gewöhnungsbedürftigem Humor mit Blick fürs erst bei näherer Betrachtung ungewöhnliche Detail aufgeschlossen gegenüberstehen sollte.

Mad-Taschenbuch Nr. 6: Dave Berg – Der große Mad-Report

Nachdem Don Martin bereits zweimal im Taschenbuchformat seine satirischen Comics unters Volk bringen durfte, durfte 1974 mit der Nummer 6 endlich der New Yorker Dave Berg ran, der in der Heftreihe mit seinem „Reports“ in meist aus nur wenigen Panels bestehender, in sich abgeschlossener Comic-Strip-Form die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und zum festen Bestandteil des Mad-Universums wurde. Mit viel, sich gerade im Nachhinein offenbarendem Zeitkolorit nimmt er Alltagsthemen aufs Korn; häufig sind typische Generationenkonflikte Ziel seiner pointiert aufbereiten Beobachtungen, in denen er es mit gewisser Vorliebe auf Spießer abgesehen hat, doch auch alle anderen bekommen ihr Fett weg. Widmen sich die Reporte in den Mad-Heften häufig einem bestimmten Thema, geht es in diesem der „Vernunft“ gewidmeten Buch themenübergreifend zu. Bergs halbrealistischer Zeichenstil ist sehr aufgeräumt und immer wieder taucht ein älterer Herr mit Hut und Pfeife auf, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht; er zeichnete sich gewissermaßen seine eigenen Cameos. Zwar ist die eine oder andere Pointe vorhersehbar und vom anarchischen, frechen Humor anderer Mad-Zeichner/-Redakteure ist Berg doch ein gutes Stück entfernt , dafür beherrscht er auch die leiseren Zwischentöne wie Selbstzweifel oder die Diskrepanz zwischen dem Inhalt seiner Gedankenblasen und dem letztlichen Handeln seiner Protagonisten – und es überwiegen die gelungenen Gags, die an eine selbst Mad-Lesern noch zugetraute Zurechnungsfähigkeit appellieren oder die Absurdität von Zeitgeisterscheinungen oder zwischenmenschlichen Verhaltensmustern hervorheben. Garniert wird das Ganze 160 Seiten lang vom erhöhten Gebrauch typischer Mad-Nachnamen wie Feinbein, Kaputtnik, Klotz und Weizenkeim, für die die deutsche Übersetzung verantwortlich zeichnet und damit ein Alleinstellungsmerkmal des bundesrepublikanischen Mad schuf.

Mad-Taschenbuch Nr. 3: Al Jaffee – Alles über Magie

1973 erschien das erste Taschenbuch des deutschen Ablegers des Satire-Magazins „Mad“, nach Don Martin und Sergio Aragones durfte in der 1974 erschienenen Nummer 3 der heute dienstälteste Mad-Zeichner Al Jaffee ran und 160 Seiten zum Thema „Alles über Magie“ füllen. Ich nehme diese Dinger immer noch gerne mit, wenn ich sie auf Flohmärkten in die Finger kriege und dieses Exemplar zählt zu einem ganzen Stapel, den ich vor einiger Zeit günstigst abgreifen konnte. Das Buch setzt sich zusammen aus der Vorstellung von Zaubertricks und ihren absurden Erklärungen, Comics und den Jaffee-typisch herrlichen Antworten auf dumme Fragen, wie üblich stets mit einer freien Sprechblase zum Nachtragen einer eigenen Antwort (stets besonders schön, wenn der Vorbesitzer diese tatsächlich ausgefüllt hat). Kurzweilige und heutzutage nostalgische Unterhaltung voller Mad-Humor, wie er typischer kaum sein könnte.

Michael Jürgs – Seichtgebiete. Warum wir hemmungslos verblöden

Ex-„Stern“- und „Tempo“-Chefredakteur Michael Jürgs gelang 2009 mit dem in seiner Titelgebung auf Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ referenzierenden „Seichtgebiete“ ein Bestseller, in dem er nach Gründen für rückläufige gesellschaftliche Bildung und zunehmende Verrohung sucht und diese in den Medien, vornehmlich im Angebot der Fernsehsender zu finden gehabt glaubt. Auf rund 250 Seiten (Taschenbuch-Ausgabe, Goldmann-Verlag) beschäftigt er sich mit dem Thema, doch bereits auf S. 17 stolpere ich über die arg verkürzte Mutmaßung, sog. „brutale Killerspiele“ könnten echte Killer „produzieren“, was mich auf unschöne Weise an moralinsaure und weltfremde Computer-/Videospiel-Debatten erinnert. Und während ich mich weiter durch sein Werk arbeite und dabei bisweilen mit seinem Schreibstil – häufig separiert er Neben- als Hauptsätze, um dann wieder arg verschachtelte oder bandwurmartige Absätze zu generieren – bisweilen auf Kriegsfuß stehe, neigt Jürgs zu langatmigen metapherreichen Schwurbeleien, statt auf den Punkt zu kommen. Das kann durchaus anstrengend werden, verklärt jedoch nicht den Blick auf den Inhalt, dem immer dann zugestimmt werden kann, wenn inhaltsarme, fragwürdige TV-Formate auf- und angegriffen werden und sich diese Kritik auch auf den Print-Bereich erstreckt.

Verlässt Jürgs diesen Rahmen, greift er einzelne Beispiele gesellschaftlicher Missstände auf, die er anhand konkreter Ereignisse exemplarisch nachzeichnet. Das ist nicht wirklich empirisch, jedoch zweckdienlich, vor allem aber immer noch besser – weil realitätsverwurzelt – als müde seitenlange Phantasien, die offenbar lustig sein sollen, sich jedoch nach Füllmaterial anfühlen.

Inhaltlich ist „Seichtgebiete“ zum Teil bereits überholt, die Medienlandschaft hat sich seit Erscheinen weiter geändert, bezogen auf Sender wie Sat.1 und RTL dahingehend, dass man sich mittlerweile fast schon den Trash-Talk zurücksehnt, der ab den 1990ern zunehmend das Programm von mittags bis nachmittags bestimmte und mittlerweile komplett durch vermutlich noch billigere Doku-Soaps mit Laiendarstellern ersetzt wurde. Auch bezieht sich Jürgs positiv auf Thilo Sarrazin, dessen ausländerfeindliche Tirade „Deutschland schafft sich ab“ erst kurze Zeit später erschien. Für Dieter Bohlen und Stefan Raab hat Jürgs sogar vorsichtiges Lob übrig; von Kernenergie- und Arbeitgeber-Altkanzler Helmut Schmidt zeichnet Jürgs ein verklärtes Bild, das mehr einer Wiedergabe dessen Images gleicht, als dass es auf Fakten beruhen würde. Auch bei aller vorgetragenen Kritik an „Germany’s next Topmodel“ hat er das Konzept dieses schlimmen Auswuchses dümmlicher Fernsehunterhaltung offenbar nicht in Gänze verstanden, dichtet er Heidi Klum doch positive Eigenschaften und Verhaltensweisen im Umgang mit ihren Mannequin-Anwärterinnen an. Dass sie die entscheidende Rolle dabei spielt, den Willen Heranwachsender und Jugendlicher zu brechen, um sie dazu zu bringen, sich vor der Öffentlichkeit komplett lächerlich zu machen und in einen unerbittlichen Konkurrenzkampf um Oberflächlichkeiten mit Gleichaltrigen zu drängen, erwähnt er mit keiner Silbe.

Charlotte Roches gewiss streitbarem, aber eben auch an gesellschaftlichen Tabus rüttelndem Roman „Feuchtgebiete“ spricht er undifferenziert und vor allem unbegründet jegliche Substanz ab und untermauert damit seine befremdlich elitäre Forderung nach Aufsplittung der Print-Bestsellerlisten in eine für die Hochkultur und eine für den Pöbel. Mit einem solchen Elitarismus hält Jürgs sich ansonsten aber glücklicherweise weitestgehend zurück, begeht auch nicht den Fehler, Privatfernsehen generell zu verteufeln und erkennt und benennt z.B. auch den erfrischenden parodistischen Humor eines Pro7-Formats wie „Switch Reloaded“. Und wenn er auf S. 187 Literatur-Leidenschaft gekonnt in Worte kleidet, kann ich ihm nur beipflichten und zu dieser Fähigkeit zur Emotionalität beglückwünschen.

Dem Autor zustimmen möchte man auch während seiner Abrechnung mit Günter Struve, der in seiner Funktion als Programmdirektor der ARD zur Verflachung des Ersten Deutschen Fernsehens beitrug – mittlerweile ist Struve nicht mehr im Amt und die ARD gefühlt ein Stück zurückgerudert, doch erinnere ich mich an jene Zeit, in der ich der ARD wesentlich kritischer als heutzutage gegenüberstand und ohne, dass ich die Senderpolitik seinerzeit wirklich verfolgt hätte, liefert mir Jürgs quasi im Nachhinein Hintergrundinformationen und Argumente.

Irgendwie war es das dann aber auch schon fast. Die hochtrabend angekündigten „Auswege aus dem dumpfen Sumpf“ bleiben vage; die wichtige Rolle, die z.B. Subkultur dabei einnehmen könnte, ist Jürgs offenbar völlig fremd und sein Kulturbegriff bleibt unpräzise und lediglich grob umrissen – was wenig verwundert, wenn auch die Ursachenforschung oberflächlich bleibt. So verrät uns Jürgs kaum wirkliche Gründe für die Volksverblödung. Der Verweis auf die in der Nazizeit ausgeblutete kulturelle Intelligenz ist ein wichtiger, auch die Gängelung freier Kunst unter dem SED-Vorsitz in der DDR ist nicht von der Hand zu weisen. Doch Jürgs nennt nicht aktuelle Nutznießer, zeichnet kaum eine Entwicklung konsequent nach. Wie war das eigentlich genau mit der Einführung des Privatfernsehens, damals, unter Helmut Kohl? Welche Argumente aus wessen Munde sprachen dafür, welche dagegen? Warum genau ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen hinter Quoten her, ähnlich den Privaten? Wem nützt eine bildungsferne Masse ohne politisches oder gesellschaftliches Bewusstsein und ohne kulturhistorische Kenntnisse – und warum? Wie ist eigentlich die Medienbranche aufgeteilt, wer steht hinter Journaille und TV und welche Interessen verfolgen sie? Und wie bringen sie ihr Publikum dazu, ihr Angebot zu konsumieren und das anderer Anbieter auszuschlagen? Weshalb werden weder in den Öffentlich-Rechtlichen noch in den Privaten Systemfragen laut, welches politische Spektrum wird jeweils abgedeckt, was wird als Konsens verkauft und was nicht? All diese Antworten bleibt Jürgs schuldig, überwiegend stellt er nicht einmal diese Fragen. Möglicherweise ist er dann eben doch mit vielem einverstanden und möchte sich lieber mit Symptomen befassen denn mit Ursachen. Evtl. wäre damit auch einhergegangen, seine eigene Rolle z.B. als „Stern“-ChefRed kritisch zu reflektieren, was ebenfalls ausbleibt.

Damit ist mir „Seichtgebiete“ dann leider zu… seicht.

Cefischer – Oskar ist der Größte

C. Fischer, genannt Cefischer, war ein gefragter Pressezeichner und Illustrator, zeichnete darüber hinaus beispielsweise die Titel diverser Kinderbücher Erich Kästners. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch verlor er bei einem Bombenangriff beide Arme. Daraufhin brachte er sich das Zeichnen mit dem Mund bei und veröffentlichte regelmäßig in der Frankfurter Illustrierten die Abenteuer seines Katers Oskar in Comicform, woraus drei Bände für den Knaur-Verlag entstanden. „Oskar ist der Größte“ ist der dritte Band dieser Reihe. Das 98-seitige farbige Buch aus dem Jahre 1979 ist in drei Abschnitte aufgeteilt: „Oskar und Lumpi“ besteht hauptsächlich aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Comic-Strips mit Oskars Hund Lumpi, in „Oskar wird Schloßherr“ erbt Oskar ein Schluss „mit Dienern und allem, was dazugehört“ und in „Oskars Seereise“ geht es auf große Fahrt, auf der Oskar und sein Diener schiffbrüchig werden und auf einer einsamen Insel stranden. In beiden letztgenannten Kapiteln bauen die aus ein bis vier Bildern bestehenden Comic-Strips aufeinander auf. Oskar und seine Familie sind vermenschlichte Katzen, während Lumpi – ähnlich wie Micky Maus’ Pluto – ein „echter“ Hund ist. Es handelt sich um Funnys, also karikierende, lustige Comics. Der Humor ist eher simpel und sehr familiengerecht, unbeschwert, bisweilen naiv, nie bissig. So kennt man es aus deutschen Zeitschriften und Magazinen der Nachkriegszeit; es ist schlicht nette Unterhaltung, die unangenehme Themen ausklammert. „Oskar ist der Größte“ ist ein nicht uninteressantes Zeitzeugnis jener Ära und dass Cefischer all diese Comics tatsächlich mit dem Mund gezeichnet hat, ringt mir höchsten Respekt ab.

Uli Stein – Feiern

2012 erschienener, gebundener Geschenkband des beliebten, omnipräsenten Cartoonisten Uli Stein aus dem Lappan-Verlag, das zahlreiche, sich auf einzelne Seiten beschränkende Comic-Gags zum Thema Feiern enthält und darüber hinaus mit nicht ganz ernstgemeinten Ratschlägen und Produktvorschlägen angereichert wurde. Manch müder Witz hat sich eingeschlichen, aber auch einige echte Lacher sind dabei und allgemein lässt sich viel schmunzeln. Obacht jedoch: Stein setzt sich vornehmlich mit typischen Spießer-Feiern auseinander, es geht also mehr um Themen wie Büffet und Etikette als ums Komasaufen oder Ausrasten. Und hier und da hätte vielleicht ein Lektor über die Texte schauen sollen.

Ernst Volland – Harte Tage mit Friedhelm

Grafiker und Karikaturist Ernst Volland veröffentlichte über den Rowohl-Verlag 1983 dieses Comic-Buch, das in recht einfachem, krakeligem Schwarzweiß-Zeichenstil kurze, sich über wenige Seiten erstreckende Anekdoten aus dem Leben des frechen, arbeitsscheuen Punks Friedhelm erzählt, für den Volland Sympathien hegt, die bisweilen aber auch selbstironisch bzw. selbstkritisch ausfallen. Nicht jede Pointe sitzt, der Großteil jedoch ist lustig und bissig genug, um kurzweilig gut zu unterhalten. Eine Art Ausläufer des Humors der ’68er-Generation, der sich der über Sponti-Bewegungen u.ä. schließlich der Punk-Subkultur öffnete.

Janosch – Der Wettlauf zwischen Hase und Igel

Vergnügliche Variante der berühmten, in Buxtehude spielenden Fabel aus der Feder des beliebten Kinderbuch-Autors Janosch aus dem Jahre 1984. Der Hase fordert den Igel heraus und hetzt durch Städte wie Brehm, Olmburch und Hammurch, während der Igel den Wettlauf schon längst wieder vergessen hat und Müßiggang sowie Geselligkeit mit seiner Frau genießt. Der Hase indes verletzt sich während seines Rennens und wird von Zweifeln geplagt, ob ihn der Igel nicht vielleicht hereinlege. Janosch nimmt auf diese Weise krankhaften Ehrgeiz aufs Korn und spricht ein Plädoyer für all diejenigen aus, die an so etwas überhaupt kein Interesse haben und sich lieber den Annehmlichkeiten des Lebens widmen. Die rund 30 Seiten lesen sich überaus sympathisch und wurden großflächig in Janoschs unverkennbaren Zeichenstil illustriert. Mein Exemplar ist im Dressler-Verlag erschienen.

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