als ich ausnahmsweise mal mitbekam, dass meine alten thrash-götter von DESTRUCTION in hamburg spielen sollten, fiel die entscheidung nicht schwer und ich holte mir ein ticket für die teure kommerzhalle. war mein erstes metal-konzert nach einer gefühlten ewigkeit. außerdem haben noch TRIOSPHERE gespielt, und zwar pünktlich um 19:30 uhr (!), so dass ich die komplett verpasst hab. bei ABIGAIL WILLIAMS erwartete ich ähnlich wie bei ARCH ENEMY ein weibliches wesen am mikro, wurde aber enttäuscht: ein hässlicher lockenkopf kreischte irgendwas zu total künstlich klingender, möchtegern-pompöser mucke mit synthetischem drumsound und nervigem keyboard-gedudel, dass ich mich fast auf einem techno-konzert wähnte. die halle war trotzdem schon ganz gut gefüllt und das irgendwie seltsame publikum (alle stocknüchtern und den eindruck einer „szene“, in der man sich irgendwie untereinander kennt, hat’s auch nicht unbedingt vermittelt) schaute interessiert zu.
nach einer kurzen umbauphase dann DESTRUCTION, die erste „hauptband“ des abends, wenn auch leider nicht der headliner. die zockten ein souveränes oldschool-thrash-set durch, das mich wahrlich begeisterte. die songauswahl hat gepasst, vermisst habe ich lediglich „unconscious ruins“, „release from agony“ und „dissatisfied existence“, songs also vom „release from agony“-album. aber egal, das war schon ein sehr geiles set. auch die neue version von „the damned“ von den plasmatics gefiel mir diesmal ausgesprochen gut, während ich beim live-album noch nicht so recht wusste, wie ich diese schnelle version finden solle… schmier wanderte stets zwischen den drei aufgestellten gesangsmikros hin und her und füllte so die bühne gut aus. leider fand ich den sound insgesamt breiig, mal mehr, mal weniger, an den akzentuierten riff-sound der alben kam der live-sound nicht ran. aber egal, meiner freundin, die sonst überhaupt keinen metal hört und hier zum ersten mal mit DESTRUCTION konfrontiert wurde, fand’s richtig gut! kann also nicht so schlimm gewesen sein. die stimmung im publikum war ebenfalls gut und ’nen kleinen moshpit (oder jedenfalls sowas ähnliches) gab’s auch. hier ist mir aber aufgefallen, dass es in metaller-kreisen nicht angesagt zu sein scheint, die texte oder zumindest die refrains lauthals mitzugrölen. das hat mich dann doch etwas irritiert. vielleicht waren aber tatsächlich alle zu nüchtern dafür, schließlich war’s ja mitten in der woche. dafür waren aber stets reichlich pommesgabeln in der luft.
nach DESTRUCTION war ich erst mal befriedigt, schaute mir aber trotzdem den grund an, weshalb der großteil des publikums erschienen war: ARCH ENEMY aus schweden. zurzeit schwer angesagter „melodic death metal“ mit weiblichem gesang, der aufgrund des äußeren erscheinungsbildes der dame und ihrer bühnenaction auch gut was fürs auge bietet – und bisher völlig an mir vorbeilief weil wegen zu neu… was ich zu sehen und hören bekam war aber sehr souverän und professionell, trotzdem aber spürbar mit herzblut vorgetragen und objektiv betrachtet nicht schlecht. die sängerin verstand es prächtig, mit dem publikum verbal (übrigens auf deutsch) und nonverbal zu kommunizieren und der funke sprang zumindest insofern auch auf mich über, dass ich das geschehen interessiert verfolgte und glaube ich verstand, was so viele an dieser band finden – der laden war zu diesem zeitpunkt nämlich voll.
positiv aufgefallen ist mir noch, dass schmier von DESTRUCTION nicht einen auf star machte, sondern sich nach seinem gig unters publikum mischte und als ansprechpartner, für fotos etc. parat stand.
ein schöner, interessanter abend. „BESTIAL INVASION!“ ![]()

Zepp Oberpichler, einigen sicherlich bekannt von den KINSKIS, SCHLAFFKE & ZEPP oder JIMMY KEITH AND HIS SHOCKY HORRORS, ist ein auch als Autor tätiger Musik-Nerd und hat mit „Gitarrenblut“ seinen zweiten Roman veröffentlicht. Vermutlich höchst autobiographisch lässt er seinen Helden Will in loser Folge verschiedene Stationen seines Lebens Revue passieren, bei denen sich alles um Mucke und Mädchen dreht. Dabei werden Unmengen Künstler, Platten und Songs aus allen Dekaden der Rockmusik erwähnt, die für Will von Bedeutung sind und den Soundtrack seines Lebens liefern. Das erinnert stark an „High Fidelity“ von Nick Hornby, und wenn Zepp die Geschmackspolizei raushängen lässt, kratzt er gerade noch so die Kurve, nicht arrogant und von oben herab zu wirken. Zusammengehalten werden die Anekdoten von einem Anfall schlimmen Nasenblutens und der Absicht, das einer verstorbenen Freundin gewidmete Mixtape endlich fertigzustellen. Die rund 170 Seiten sind recht großzügig bedruckt und lesen sich schnell. Wer Spaß daran hat, Musik-Nerds zuzuhören, gut auf Ruhrpottcharme kann oder gerne den einen oder anderen Künstler abseits des Punkrocks für sich entdecken möchte, liegt mit „Gitarrenblut“ goldrichtig. Das herrliche, selbstironische Ende relativiert den Stellenwert von Zepps Musikgeschmack dann auch kräftig und stimmt auch diejenigen versöhnlich, die sich zwischenzeitlich evtl. mal auf den Schlips getreten gefühlt haben oder schlichtweg wenig bis gar nichts mit Musik von vor 1977 anfangen können. Kurzweiliges, sympathisches Lesevergnügen und hervorragend als Geschenk für Leute geeignet, deren musikalische Sozialisation ebenfalls in den 60ern begründet liegt. Dem Buch liegt übrigens eine Mini-CD mit vier von Zepp gesungenen Songs bei, die sich auf die Geschichte beziehen. Schade nur, dass man die Hülle so fest ins Buch geklebt hat, dass es unmöglich ist, sie zu lösen, ohne das Buch zu beschädigen. Kostenpunkt: 8,01 €. Günni