(www.saalepower-records.de) / (www.gleichlaufschwankung.de)
Wie es scheint, haut heutzutage jede Punkband, die was auf sich hält, eine DVD raus. Klar, dass die stetig am Puls der Zeit agierenden ostdeutschen Trash-Könige von GLEICHLAUFSCHWANLUNG sich diesem Trend nicht verschließen und das Medium voll ausreizen, um mittels modernster Videotechnologie ihre intellektuellen Gassenhauer und hintergründigen Schenkelklopfer visuell zu untermalen und endlich auch in die Heavy Rotation bei MTVIVA zu gelangen. So kam es, dass man gleich 18 formidable Videoclips zu Hits wie „Devotchka nimm Pflasterstein“, „Punks Understand No Fun“, „Sex in Portugal“ oder „Atomeisbrecher“ produzierte, deren hollywoodartige und Regisseure wie Francis Ford Coppola oder John Landis in den Schatten stellenden Rohentwürfe aufwändig nachbearbeitet und retuschiert wurden, um den GLEICHLAUFSCHWANKUNG-typischen, charmanten Amateurgeist zu versprühen und das perfekte Äquivalent zum schrägen Trash-Punk der Combo zu bieten. Als Nebendarsteller rekrutierte man die schönsten Frisuren, die Torgau momentan zu bieten hat sowie die China-Skins von MISANDAO und arbeitete viel mit dem auf zahlreichen Reisen Toralfs und Tanja Trashs gedrehten Material aus Asien und sogar dem weit entfernten Bayern. Und als ob das nicht schon reichen würde, bekommt der Zuschauer auch die höchst romantische Punker-Hochzeit der beiden präsentiert. Meine Highlight sind aber „Vokuhila“ („Vorne kurz und hinten lang – ich bin der Vokuhila-Punk!“), die Anti-Oettinger-Hymne „Scheiß Bier!“ und der Todesstoß eines jeden Vegetariers, „Essen für den Weltfrieden“ („Mir woll’n keene Rassisten sinn, drum schieben wir uns alles rinn!“) inkl. Kotzgarantie. Wer alle 18 Attacken auf den guten Geschmack überstanden hat und zu cool fürs Fremdschämen ist, kann sich dann noch 21 Live-Videos lang die ausgeklügelte Bühnen-Performance der Gruppe ansehen, aufgenommen an verschiedenen Orten zwischen 2007 und 2009. Die ganz Hartgesottenen erwartet dann sogar noch eine Diashow, für die hatte ich aber keine Zeit mehr. Fazit: Gehört ins Heimkino-Regal gleich neben Michael Jacksons Greatest Video Hits! 1. Günni

Zepp Oberpichler, einigen sicherlich bekannt von den KINSKIS, SCHLAFFKE & ZEPP oder JIMMY KEITH AND HIS SHOCKY HORRORS, ist ein auch als Autor tätiger Musik-Nerd und hat mit „Gitarrenblut“ seinen zweiten Roman veröffentlicht. Vermutlich höchst autobiographisch lässt er seinen Helden Will in loser Folge verschiedene Stationen seines Lebens Revue passieren, bei denen sich alles um Mucke und Mädchen dreht. Dabei werden Unmengen Künstler, Platten und Songs aus allen Dekaden der Rockmusik erwähnt, die für Will von Bedeutung sind und den Soundtrack seines Lebens liefern. Das erinnert stark an „High Fidelity“ von Nick Hornby, und wenn Zepp die Geschmackspolizei raushängen lässt, kratzt er gerade noch so die Kurve, nicht arrogant und von oben herab zu wirken. Zusammengehalten werden die Anekdoten von einem Anfall schlimmen Nasenblutens und der Absicht, das einer verstorbenen Freundin gewidmete Mixtape endlich fertigzustellen. Die rund 170 Seiten sind recht großzügig bedruckt und lesen sich schnell. Wer Spaß daran hat, Musik-Nerds zuzuhören, gut auf Ruhrpottcharme kann oder gerne den einen oder anderen Künstler abseits des Punkrocks für sich entdecken möchte, liegt mit „Gitarrenblut“ goldrichtig. Das herrliche, selbstironische Ende relativiert den Stellenwert von Zepps Musikgeschmack dann auch kräftig und stimmt auch diejenigen versöhnlich, die sich zwischenzeitlich evtl. mal auf den Schlips getreten gefühlt haben oder schlichtweg wenig bis gar nichts mit Musik von vor 1977 anfangen können. Kurzweiliges, sympathisches Lesevergnügen und hervorragend als Geschenk für Leute geeignet, deren musikalische Sozialisation ebenfalls in den 60ern begründet liegt. Dem Buch liegt übrigens eine Mini-CD mit vier von Zepp gesungenen Songs bei, die sich auf die Geschichte beziehen. Schade nur, dass man die Hülle so fest ins Buch geklebt hat, dass es unmöglich ist, sie zu lösen, ohne das Buch zu beschädigen. Kostenpunkt: 8,01 €. Günni