Günnis Reviews

Autor: Günni (page 87 of 114)

29.05.2009, Hafenklang, Hamburg: BARROOM HEROES + RADIO DEAD ONES + SMALL TOWN RIOT + EIGHT BALLS + LOIKAEMIE

ich war freitag bei barroom heroes, radio dead ones, small town riot, eight balls und loikaemie im „neuen alten“ hafenklang, das übrigens mit ich glaube 350 zahlenden gästen ausverkauft war.

die barroom heroes gaben mit feinem streetpunk einen guten opener ab. radio dead ones aus berlin kamen sehr gut an und spielten endlich auch mal wieder songs von der genialen mini-lp (und mussten aufgrund der verspätung von smalt-town-norman mehrere zugaben spielen, hehe). small town riot begannen ihr set mit vielversprechenden neuen songs und spielten dann einen der besten gigs in der aktuellen besetzung, den ich je von ihnen gesehen habe und wurden auch dementsprechend gut gefeiert. die eight balls allerdings zogen dann so richtig die wurst vom teller. eigentlich hätten sie sich „ten balls“ nennen können, denn sänger pierre gab seine gitarre an jemand anderen ab und konnte sich dadurch voll auf den gesang inkl. tanzeinlagen konzentrieren – ebenso natürlich auf das obligatorische beschimpfen des publikums. neben eigenen klassikern und cover-versionen von misfits, slime und condemned 84 gab es großartiges, unveröffentlichtes material zu hören („wir sind alle individuell – ein bisschen schwul, ein bisschen kriminell…“ oder auch „wir sind die punks aus der arbeiterklasse“), was mir wieder einmal eindrucksvoll veranschaulichte, dass die eight balls die aktuell beste deutschsprachige oi!-band sind. die provokanten hsv-sprüche erzielten auch ihre wirkung, verließen doch angeblich einige besucher empört den saal wegen der „hsv-faschos“.

während des eight-balls-gigs überfuhr draußen anscheinend ein bullenwagen eine flasche, woraufhin die bullen dachten, sie wären beworfen worden. als sie daraufhin anhielten, wurden sie wohl tatsächlich beworfen, was zu etwas unruhe führte. stulle von dogs on sail versuchte, zu vermitteln und die flaschenwerfer von weiteren aktionen abzuhalten. das ergebnis war, dass der veranstalter angehalten wurde, niemanden mehr mit flasche herauszulassen und sogar alle, die sich draußen aufhielten, hereinzuschicken. für mich war das wieder ’ne klassische bullen-povo, frei nach dem motto: „fahren wir einfach mal beim punk-konzert vorbei, irgendwas wird schon passieren“.

loikaemie, überraschenderweise wieder zu dritt (was’n da los?), verfolgte ich aufgrund des vollkommen überfüllten, kochend heißen saales eher vom rande aus, die eight balls konnten sie eh nicht mehr toppen. klang aber nach ’nem vernünftigen gig.

unterm strich ein spitzenmäßiges konzert mit gemischtem, häufig von außerhalb kommendem publikum, das laune gemacht hat. eigentlich war jede band ein gewinner.

HIGHSCHOOL NIGHTMARE – NIGHTMARE HIGH CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.pukemusic.de) / (www.myspace.com/highschoolnightmare)

Nachdem Timo von SMALL TOWN RIOT vor einiger Zeit eine Solo-Horrorpunk-EP unter dem Namen HIGHSCHOOL NIGHTMARE ganz allein eingespielt hatte, hat sich, zunächst nur für Live-Auftritte, schnell eine richtige Band bestehend aus Ritchy (THE VARANES) und Benny um ihn geschart, die nun unter Beteiligung am Songwriting den Longplayer eingezimmert hat. Dieser ist verdammt abwechslungsreich ausgefallen, man hat das enge Horrorpunk-Korsett also abgestreift und bedient sich auch weiterer Spielarten des Punkrocks, covert sogar gekonnt die BEATLES („Should Have Known Better“). Will sagen: Glücklicherweise kein weiterer überflüssiger MISFITS-Klon. Das Album beginnt vielversprechend mit dem Ohrwurm „Sick Sad World (Hellcome To Well)“ und, siehe da, es hält dieses Niveau fast durchgehend. Die melodischen Songs zwischen poppig, melancholisch und wütend schmeicheln mit ihren Refrains und Chören den Gehörgängen des Zuhörers und überraschen hier und da mit dezent eingesetzten Gastinstrumenten wie Klavier oder Mundharmonika. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Melodien sich jedes Mal aufs Neue aus drei Akkorden zaubern lassen und muss Timo & Co. hier abermals attestieren, dafür ein verdammt gutes Händchen zu haben. Ein Blick in die Texte (nachzulesen im sehr schön gestalteten Booklet) macht deutlich, dass durchaus „punktypische“ Themen abgedeckt werden, aber eben alles ein wenig dicker aufgetragen, morbider und/oder schnulziger als üblich, was der Verbundenheit zum Horrorpunk-Subgenre geschuldet ist und eben die Besonderheit dieser Band ausmacht. Die vier Hits der EP wurden übrigens neu aufgenommen und zwischen die neuen Songs gefügt. Bei ihnen vermisse ich etwas den ungehobelten Lofi-Klang der EP-Versionen, aber dafür fügen sie sich gut in das Gesamtwerk ein, das – keine Sorge – auch alles andere als überproduziert oder glattpoliert wurde. Mit „Song For The Blue“ gibt es übrigens die Fortsetzung des VARANES-Hits „Travelling Heart“ in Form einer sehr geilen Ballade, neben dem genialen „Are You Lonely“ DIE Oberschnulze (im positiven Sinne) des Albums. Als Fazit sach ich ma: Horrorpoppunk’n’roll vom Feinsten, der da an der Nightmare High unterrichtet wird! Vinyl soll übrigens Ende Mai aus dem Presswerk kommen. 16 Songs in 44 Minuten. 2. Günni

V.A. – ZAUNPFAHL TRIBUTE SAMPLER – WIR MACHEN NUR EIN BISSCHEN SUBKULTUR CD

(www.nix-gut.de)

Oh je… heutzutage wird ja allem und jedem Tribut gezollt, so nun also auch der deutschen „Punkrock-Legende“ (?!) Zaunpfahl. Darauf hat die Welt gewartet… Neben vielen üblichen Verdächtigen wie den DAILY TERRORISTEN, den ESA-ZECKEN, NO EXIT oder einigen Nix-Gut-Labelbands überrascht mich die Teilnahme von Bands wie den ANTICOPS oder SCHLEPPHODEN. Tja, die meisten Songs kann ich nun nicht mit den Originalen vergleichen, da ich um ZAUNPFAHL mit ihren hippiesken Texten in der Regel einen großen Bogen gemacht habe. Dass das eine ganz gute Entscheidung war, beweisen viele Songs dieses Samplers, bei denen ich mich allein schon ob der dargebotenen Lyrik an den Kopp packe – vom der musikalischen Aspekt mal ganz zu schweigen. Positiv heraus stechen aber BOTOX („Frische Blumen“), ATEMNOT mit „Liebe ist Tod“ (Müsste vermutlich „tot“ heißen, tut der Qualität des Songs aber keinen Abbruch. Kannte ich aber schon von der neuen ATEMNOT-Scheibe) und BERLINER WEISSE („Terrorist“), die für mich mit ihrer flotten, harten und kehlig gegrölten Umsetzung der Gewinner dieser Scheibe sind. Fazit: Für ZAUNPFAHL-Fans sicherlich unabdingbar, für alle normalen Menschen aber sowas von überflüssig… Kommt übrigens im Digipack mit dünnem, kaum Infos enthaltenen Booklet daher. 20 Songs in 63 Minuten. Ohne Wertung. Günni

15.05.2009, Bar 227, Hamburg: GUITARSHOP ASSHOLES + HIGHSCHOOL NIGHTMARE

freitag guitarshop assholes und highschool nightmare auf der highschool-nightmare-record-release party in der bar 227 in hamburg

irgendwer hat noch gespielt, die hab ich aber verpasst.

guitarshop assholes lieferten ein derbes punk’n’roll-brett, dreckig und rotzig, gefiel mir live echt gut. highschool nightmare präsentierten dann live das neue, erste album. trashiger horror-punk’n’roll oder so, selbstironisch und voller ohrwürmer, geil!

16.05.2009, Villa, Wedel: LAST LINE OF DEFENSE + THIS BELIEF + NOM

llod und this belief wie immer sehr geil, nom dann nicht so mein fall, zu modern für meine ohren. irgendwer spielte noch, die hab ich mir aber geschenkt. 4,- EUR für 4 bands war mal wieder ein sehr fairer kurs. der besuch hat sich in jedem falle gelohnt und kam für lars etwas überraschend. 😀

FEINDKONTAKT #3

(www.myspace.com/feindkontakt)

Dickes Zine? Nee, eher dickes Papier. Was andere für ihren Heftumschlag benutzen, findet bei Gung aus Plauen gleich fürs ganze Heft Verwendung. Das FEINDKONTAKT versteht sich als nichtpolitisches Skinhead-Fanzine und interviewt die Dessauer Ska-Combo HÖRINFARKT (die spielen tatsächlich ONKELZ-Lieder im Ska-Sound? Muss ich hören!) und die italienische HC-Band PAYBACK. Der Rest besteht neben Reviews und sowas aus vielen Kolumnen und Konzertberichten, wobei mir vieles wie nur kurz angerissen, dabei durchaus Potential offenbarend, aber leider nicht weiter ausgeführt vorkommt. Konzertberichten gegenüber bin ich zwar im Gegensatz zu anderen nicht grundsätzlich abgeneigt, aber der eine oder andere scheint hier doch eher Füllmaterial zu sein. Das Layout ist aufgeräumt und von vielen s/w-Bildern in guter Qualität durchsetzt, manchmal aber ziemlich platzverschwenderisch. Warum man sich einerseits gegen braune Idioten ausspricht, es sich aber nicht nehmen lässt, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und auf Olaf von den STAGE BOTTLES verbal einzudreschen, wird mir ebenso wenig klar wie der Sinn des abgedruckten Horoskops (?!) oder das Angeben von Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis, wenn diese gleichzeitig auf allen Seiten fehlen. Durchschnittliches Zine, würd’ ich mal sagen, das mich jetzt nicht so begeistert hat, wie fast alle anderen kleinen Zines aber allein schon durch seinen regionalen Bezug natürlich seine Existenzberechtigung hat – weshalb ich hoffe, dass meine Kritik konstruktiv aufgefasst wird und sich das Teil entwickelt! Für 2 Panzerketten käuflich zu erwerben. Günni

DER TRINKER #3

(greif80@web.de)

Dieses Stuttgarter Skinhead-Fanzine scheint aus dem Umfeld der GEWOHNHEITSTRINKER zu stammen (wenn ich jetzt nicht völlig danebenliege!?). Autor und Ex-Waldorfschüler Greif hat im Schnipsellayout ein kurzweiliges, unterhaltsames Heftchen zusammengeschustert und mit Porno-Bildchen verziert, das sich betont international gibt und gleich einen ganzen Haufen ausländischer Bands und Szeneangehöriger interviewt. So beispielsweise die Spanierin Estrella von Camden Town Records, BASANEES 75 (F), die OFIZBOIS (Türkiye), FRANKY FLAME (GB), RAUFHANDEL (CH), GATANS LAG (DAN), GUVNORS (S), KALEVALAN VIIKINGIT (FIN), BATTLE SCARRED (S) und ANTIPATI (S), wobei die ganzen Bands im Rahmen seiner „Oi! Oi! Oi! Oi!ropa“-Reihe alle die gleichen Fragen gestellt bekamen, so dass man die Antworten alle im direkten Vergleich nachlesen kann. Was die allerdings teilweise so von sich geben, ist doch sehr fragwürdig. So gibt Franky Flame als Probleme seines Landes gleich an erster Stelle „Massive Einwanderung, Asylbetrüger und illegale Einwanderung“ an, was ich, auch ohne genauer über die Situation in England Bescheid zu wissen, ziemlich seltsam finde, und BATTLE SCARRED erzählen, wie verdammt geil doch Bands wie SKREWDRIVER wären. Ich finde es schade, dass Greif das alles so unkommentiert stehenlässt und solchen Ansichten damit eine Plattform bietet. Andererseits bietet das vermutlich einfach einen ungeschönten Einblick in die derzeitige europäische Skinhead-Szene, der möglicherweise gar nicht weiter kommentiert werden muss. Schließlich hat der Leser seinen eigenen Kopf und kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Greif selbst ist ein begabter Schreiber, in dessen lesenswerten, witzigen Kolumnen auch seine zynisch-provokante Anti-Spießer-Haltung deutlich wird, die ich ganz bestimmt nicht rechtsaußen einordnen würde. Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes ist der Interviewblock zum Thema „Konsumterror in der Oi!-Szene“, in dem sich Greif über den ganzen kitschigen, unnötigen Krimskrams auskotzt, der in zahlreichen Mailordern mittlerweile angeboten wird, und diverse Menschen hinter den Versänden dazu befragt (Sunny Bastards, KB, Bandworm, United Kids). Leider scheinen dabei einige von Meckos Antworten abgeschnitten worden zu sein, schade. Gute Themenwahl jedenfalls. Darüber hinaus werden die PRODUZENTEN DER FROIDE zum Rapport gebeten und einige Nachwuchsbands vorgestellt, so z. B. die Hamburger von IN VINO VERITAS (Tipp!). Die GEWOHNHEITSTRINKER haben ihre Kolumne und berichten vom aktuellen Bandgeschehen und das Übliche in Form von Reviews etc. gibbet natürlich auch. Das Heft schließt dann mit der Pornoabteilung, in der Greif von seiner Entjungferung in der Waldorfschule berichtet. Ob man ihm das so glauben kann? 😉 Sympathisches A5er, dem es noch etwas an Biss fehlt – wobei ich mit einigen Bands aber nichts anfangen kann und will. Kost’ 2 Oi!ro. Günni

ATEMNOT – 20 JAHRE PUNK LP/CD

(www.pukemusic.de) / (www.sn-punx.de) / (www.atemnot89.de.vu)

Nachdem ich kürzlich sehr viel HC und Metal gehört hatte und mir mal wieder der Sinn nach einer richtig schönen sog. „Deutschpunk“-Scheibe mit Melodie und Härte stand, flatterte mir prompt die neue ATEMNOT ins Haus. Früher eher ein Garant für Realsatire gewesen, war das sehr durchwachsene Vorgänger-Album „Uhrwerk 2006“ das erste, was ich an Post-Reunion-Material zu hören bekam und mich mit seinen abstrusen Texten doch arg zweifeln ließ. Im Vergleich dazu ist dieses Album eine eindeutige Steigerung. Streng genommen besteht ATEMNOT nur noch aus Einhorn, seine Begleitband setzt sich aus den ESA-ZECKEN zusammen. Zusätzlich hat er ein paar Gastsänger wie Rio von NO EXIT, Uwe von DAILY TERRORISTEN und Agnes vom Taugenix-Zine versammelt, von denen in erster Linie Letztere in den zwei, drei Songs mit männlich/weiblichem Wechselgesang auffällt und den Stücken eine ganz eigene Note verleiht. Diese Stücke „Ein Feuer brennt in mir“ und (Achtung, jetzt kommt’s) „Tribut an Zaunpfahl“, sprich: „Liebe ist tot“ sind daher auch meine Lieblingsstücke der Scheibe. Hätte nicht gedacht, dass ich einen Song von ZAUNPFAHL mal so gut finden würde, aber hier passt alles. Eine weitere Coverversion findet sich von HASS, wofür man leider nicht auf Material des ersten Albums, sondern auf schwächeres von einer der nachfolgenden Veröffentlichungen zurückgriff. „Tommy“ hat Einhorn meines Wissens schon mit seiner anderen Band KALTE KRIEGER gespielt, guter Song. Bei den übrigen zehn Songs handelt es sich aber m. E. um neues, eigenes Material. Und das fiel recht abwechlungsreich aus: Mid-Tempo, Up-Tempo, balladesk, melancholisch, kämpferisch… In „Der kleine Eddi“ wird CSU-Kasper Stoiber verhöhnt, „Ritchies Gang“ bezieht sich auf den Kult-Film „Verlierer“ und wurde mit Original-Zitaten von Ralf Richter unterlegt (klasse, ich liebe gute Songs über gute Filme) und „Tiere sind Lebewesen“ setzt sich für vegetarische Ernährung ein. Etwas ab fällt das leider nur aus einer Aneinanderreihung von Parolen bestehende „Kein Fuß breit…“, textliche Totalausfälle konnte ich diesmal aber keine ausmachen. Insgesamt ein ausgewogenes, überraschend solides und druckvoll produziertes Album. Da habe ich in letzter Zeit deutlich Schlechteres gehört. Die Vinyl-Version ist übrigens auf 500 Stück limitiert, davon 100 in orange. Schade nur, dass ich mir die Infos selbst aus Fanzines und der Band-Website zusammenklauben musste, da man mir nur eine Vorab-Version im Pappschuber ohne jegliche nähere Angaben schickte. Das Cover ziert Einhorn mit schönem Poser-Iro und nachdenklichem Blick. Der scheint übrigens gut abgenommen zu haben. Vielleicht schafft man es ja auch, die Rechtschreibfehler in den Songtiteln bei der regulären Veröffentlichung zu korrigieren. 😉 13 Songs in 35 Minuten. 2-3. Günni

TAUGENIX #8

(www.taugenix-fanzine.de)

Neueste Ausgabe der NIX-GUT-Hauspostille. Chefredakteur und „Jesus Freak“ Steff erzählt im Vorwort von seiner Abneigung gegen Glühweinbuden und Hickhack mit Behörden. Richtig interessant liest sich dann ausnahmsweise das Impressum, das Erscheinungsdatum und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe in die Vergangenheit zurückdatiert. Kann mal jemand überprüfen, ob am 15.05. letzten Jahres die Nr. 9 erschienen ist? Neu sind die Vorstellungen der TAUGENIX-Mitarbeiter, hier zwei an der Zahl. Interviewt werden die Fußballprolls EMSCHERKURVE 77 (gut), die m. E. etwas überbewerteten ANTIGEN (die aber eine verdammt hübsche Sängerin/Bassistin haben) und Einhorn von ATEMNOT, der recht Interessantes über die Hintergründe der aktuellen Besetzung ausplaudert, mich hier und da aber wieder mit dem Kopf schütteln lässt – auf die Frage nach Punkbands mit intellektuellen Texten (was hier aber nicht näher definiert wird – auf jeden Fall aber eine verdammt lustige Frage in einem ATEMNOT-Interview) antwortet der Herr beispielsweise: „Dafür kenne ich keinen Markt.“ Na und? Seit wann sollte ein vorhandener „Markt“ ausschlaggebend für die Gründung einer Punkband sein? Und nur weil der Gehörnte diesen „Markt“ nicht kennt, heißt es nicht, dass es ihn nicht gibt… Nun gut, des Weiteren werden PROPAGANDA NETWORK (intellektueller Punkrock?) befragt, die selbstironisch in basisdemokratisch beschlossenen Kollektivantworten sprechen und alles andere als humorlos wirken. Die bayrischen SPEICHELBROISS kommen ebenso zu Wort wie PUNK-IM-POTT-Veranstalter Alex, der auch mit einem Konzertbericht gewürdigt wird. Benni von SS-KALIERT steht Rede und Antwort und verkündet u. A. schier Unfassbares über die Oldenburger Antifa. Habe herzlich gelacht, haha. Momentan wieder ein paar Gigs spielt die Hannoveraner Uralt-Combo BLUT & EISEN, die hier auch mit einem Interview bedacht wurden. Interessant finde ich die Umfrage bei diversen Bandmitgliedern zum Thema „Punkrock und Fußball“. Ok, vielleicht hätte man dazu auch mal jemanden fragen sollen, der NICHTS von dieser Verbindung hält. So beschränkt man sich halt auf Fußballfans von WALTER ELF, P&G, GUMBLES, MISSBRAUCH, LAK und BILDUNGSLÜCKE, die auf die einzelnen Fragen durchaus vernünftiges Zeug antworten. Geht es aber um die Nationalmannschaft, wird’s sehr durchwachsen und teilweise wirklich albern. Wat für krampfartige Beißreflexe da bei einigen zum Vorschein kommen, geht mir schon lange auf den Sack und ist, wenn man gleichzeitig seinen aus aller Welt zusammengekauften Verein abfeiert, bigott und auf seine Art „typisch deutsch“. Zu den Kolumnen: Rübi hat zuviel ferngesehen („Frauentausch“ ist Punkrock!), Hauke und Bulli sowie der Rentnerpunk faseln nichtssagenden Unfug, Chris erzählt von seinen Erfahrungen mit den Bullen und – der absolute Höhepunkt dieser Ausgabe – „Critical Bill“ beleuchtet endlich einmal richtig kritisch den Krieg Israels gegen Palästina und schafft es dabei sogar, den Bogen zur Linkspartei und linken Demonstranten zu spannen. Richtig gut geschrieben, hochinformativ (sofern seine Quellen seriöser Natur sind) und damit diesmal sogar besser als Vascos „Wunderbare Welt der Propaganda“ im PLASTIC BOMB. In eine ähnliche Kerbe schlägt Mirko mit „Kurz mal nachgefragt: Was ist eigentlich ein Deutscher?“ Find’ ich gut, sowas dürfte der richtige Stoff für die junge Leserschaft sein. Der restliche politische Teil wird eröffnet von einem Bericht aus Erfurt über das besetzte Haus, ebenso streng „antisexistisch“ mit „-innen“ und „mensch“ statt „man“ formuliert wie der Argentinien-Reisebericht von Ut*, der dort bei Leuten hauste, die ihre Häuser aus ihren eigenen Fäkalien bauen. Jenny betreibt vegane Propaganda und Tierrechtler von NANDU kommen zu Wort. Olle Kamellen werden diesmal in Form von DREXSCHLEUDER ausgegraben, die Bands der Heft-CD werden vorgestellt (nimmt wie immer viel Raum ein), Neuigkeiten aufgelistet, ein wie üblich fürchterlicher, unlustiger Foto-Comic abgedruckt… und dann sind da natürlich noch die Reviews. Dadurch, dass mehr und mehr Reviews von Spike und Rübi geschrieben werden, fallen sie tatsächlich etwas kritischer aus als in älteren Ausgaben. Wenn Rübi allerdings zur unsäglichen Split-LP mit den religiösen Fanatikern FALLOBSTFRESSER schreibt, dass christliche Missionarsgedanken und Punk nicht zusammenpassen, die Platte aber dennoch als „absolutes Muss im Plattenschrank“ bezeichnet und anscheinend keinen Gedanken daran verschwendet, dass sein Chefredakteur (!) mit ALARMSIGNAL ebenfalls auf der Platte vertreten ist, der schon mit CHRISTCORE missionierend durch die Lande zog und besagte FALLOBSTFRESSER auf der Heftbeilagen-CD und sogar auf dem jüngsten „Schlachtrufe“-Sampler unterbrachte, also aktiv an der Verbreitung derartigen Materials beteiligt ist, kippe ich fast hinten über vor soviel Inkonsequenz. Den Vogel schießt aber Steffs Besprechung der aktuellen Ausgabe des UNDERDOG-Fanzines ab, das sich ganz dem Thema „Christentum und Punk“ verschreibt und beide Seiten zu Wort kommen lässt. So behauptet er allen Ernstes, „Punk und Religion, das passt nicht!“ und dass er das TAUGENIX zur religionsfreien Zone erkläre, ohne auch nur mit einer Silbe auf seine CHRISTCORE-Aktivitäten einzugehen. Das ist verlogene Heuchelei und wirft ein ganz schlechtes Licht auf diese ansonsten wesentlich gereifter und inhaltsstärker als die älteren Nummern erscheinende Ausgabe. Um NORMAHL zu zitieren: „Verarschung total“, und die kostet 3,- EUR. Günni

Nachtrag/Korrektur (21.04.2009): Laut eigener Aussage ist TAUGENIX-Chefredakteur Steff mit seiner pro-christlichen Ex-Band CHRISTCORE zwar auf Veranstaltungen der „Jesus Freaks“ aufgetreten, war im Gegensatz zu anderen Bandmitgliedern selbst aber KEIN Mitglied der Sekte. Insofern ist meine Annahme, es würde sich bei Steff um einen „Jesus Freak“ handeln, anscheinend nicht richtig.

21.03.2009, Beatclub, Hamburg: DOGS ON SAIL

geiler gig bei freiem eintritt, bei dem im gut gefüllten, kleinen laden richtig stimmung aufkam. sänger stulle interagierte perfekt mit dem publikum, es wurde lauthals mit“gesungen“ und der eine oder andere missglückte songstart – ironischerweise z.b. ausgerechnet beim song mit dem refrain „i do it alright“ – lockerte das ganze zusätzlich auf.  😀 sowohl cover-versionen als auch anscheinend neue, weil mir unbekannte songs kamen klasse rüber.

danke auch für „no idea“ 😉

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑