Günnis Reviews

Autor: Günni (page 87 of 111)

DIE FROHLIX – KEIN MANN FÜR EINE NACHT Maxi-CD

(www.suppenkazper.de) / (www.frohlix.de)

Die wiedervereinten FROHLIX nahmen sich hierfür des Klassikers der SUURBIERS an und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das Original gar nicht kenne. Die hier vorliegende Version kommt auf jeden Fall überraschenderweise richtig gut und entpuppt sich mit ihren Offbeat- und Bläser-Einlagen als echter Hit! Auch die anderen beiden Songs können sich hören lassen: „Zugezogen“ schildert witzig-sarkastisch, wie man vom Regen in die Traufe kommt, wenn man blauäugig meint, durch einen Umzug einem feindlich gesinnten Umfeld entfliehen zu können, denn (Zitat): „Den geistigen Schnauzbart rasiert hier keiner ab“. Es folgt eine weitere Coverversion, nämlich „Ritter Rost hat Geburtstag“ aus dem gleichnamigen Hörspiel, das ich ebenfalls nicht kenne. Aber auch dieser Song gewinnt mit seinem weiblich/männlichen Wechselgesang und dem Text, der uns alten Säcken hier wie auf den Leib geschneidert scheint, haha. Inhaltlich also eine echt gut Scheibe, bei der mich nur das Format etwas stört: Whatever happened to the good old 7“? Drei Songs in acht Minuten. 2. Günni

PARANOYA – ATMEN LP/CD

(www.majorthreat.de) / (www.paranoya-online.de)

Holla, ganz schönes Brett! Schreibt der Beipackzettel noch ganz allgemeingültig von “verschiedenen Punkstilen” und “sowohl persönlich als auch sozialkritisch” angelegten Texten, bläst nach dem Ein- bzw. Auflegen der Scheibe ein ganz schöner HC-Sturm aus den Boxen, der allerdings tatsächlich immer mal wieder von etwas punkrockigeren Klängen aufgelockert wird. Erwähnenswert finde ich auf jeden Fall die Metal-Einflüsse, die hier und da immer mal wieder aufblitzen und ebenso wie die teils besorgniserregend wütenden Schlagzeugattacken das Salz in der musikalischen PARANOYA-Suppe darstellen. Auf der Produktionsseite wurde versucht, das Maximum rauszuholen, was ich persönlich in dieser Form jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte, befindet sich das Ergebnis doch m. E. am Rande zum Überproduzierten. Aber passt schon. Die größtenteils deutschsprachigen Texte wirken in ihrer Mischung aus Pessimismus und Wut kämpferisch und aufrüttelnd. Hierbei fällt aber auf, dass die Texte sich größtenteils in recht starren Reimschemata bewegen, was sie, insbesondere im Zusammenhang mit dieser Art von Punk/HC, nicht in diesen Ausmaßen bräuchten. Die (wenigen) englischen Texte fallen allerdings deutlich ab. Mit diesem zweiten Longplayer (der erste ist mir gänzlich unbekannt und auch schon acht Jahre alt) ist den Jungs ein interessantes, abwechslungsreiches Album gelungen, bei dem es was zu entdecken gibt und das geradezu nach mehreren Durchläufen schreit! So habe ich mir auch noch keine abschließende Meinung gebildet, kann aber schon mit Gewissheit sagen, dass mir das Gehörte gefällt! Im Booklet wurden die Texte abgedruckt und individuell zu jedem Song grafisch anders unterlegt. 19 Songs in 46 Minuten, Anspieltipp: “Stadtrand”. 2-. Günni

HAFERSLIME – GESCHRAMMELTE WERKE (DEMO) CD-R

(www.haferslime.de.vu)

100% Oldschool-HC-Punk auf deutsch mit Uffta und den üblichen Texten knallt einem die von manch einem schon als „Legende“ bezeichnete Warendorfer Punkband HAFERSLIME auf ihrem Demo vor den Latz und bewegt sich damit soundtechnisch irgendwo zwischen SCHLEIMKEIM und URLAUB IM ROLLSTUHL, würd ich jetzt mal so spontan sagen. Der Sound ist ok und die Scheibe ist’s auch. Zu den 17 Eigenkompositionen gesellen sich noch vier Coverversionen von den üblichen Verdächtigen. Hätte in den 90ern gut auf die „Sicher gibt es bessere Zeiten…“-Samplerreihe gepasst. Gerne so weitermachen! 21 Songs in 37 Minuten. 2-3. Günni

STAUENDE – ALLES WIRD GUT CD

(www.stauende.com)

Gar nix wird hier gut, schon gar nicht diese Düsseldorfer Melange aus Proll-Rock und unsäglichem Fun-Punk. Das ist vielleicht was für Fans von REVOLVERHELD und Co.,
denen die TOTEN HOSEN fast schon zu hart sind, aber nichts für mich. Daran ändert auch das schicke Booklet mit allen Texten nichts und schon gar nicht das irreführende Cover, das mit seiner düsteren Gestaltung im Zusammenhang mit dem Bandnamen eher eine nachdenkliche oder kämpferische Punk-Scheibe vermuten lässt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber den Song für Fortuna Düsseldorf, unter deren Fans die Platte sicher besser ankommen wird als bei mir. Ich verkneif’ mir auch hier eine Wertung, da mir das ganze dafür dann doch irgendwie zu genrefremd erscheint. 13 Songs in 47 Minuten. Günni

DIE SCHRÖDERS – ENDLICH 18 CD

(www.die-schroeders.de)

Vollkommen glatt polierte Rockmusik von ein paar auf jugendlich machenden alten Säcken, ohne jegliche Ecken und Kanten, Credibility, Witz oder Provokation und mitunter die Grenze zur Peinlichkeit überschreitend („Heute hier morgen dort“). Konnte ich noch nie was mit anfangen und kann es noch immer nicht. Punk und Artverwandtes hat für mich immer etwas anderes ausgemacht als diese bewusst auf Radiotauglichkeit getrimmte, überproduzierte Möchtegern-Stadion-Rock-Chose. Ok, Lichtblicke gibt es auch: Die heißen hier „Emily“ (schöne Melodie, bei der tatsächlich Herzblut drin zu stecken scheint), und „Was nicht passt…“, weil mir dabei der geniale Film mit Ralf Richter ins Gedächtnis gerufen wurde. Ansonsten ist aber der Name Programm: Was Schröders Sozialdemokratie für den Arbeiter war, sind DIE SCHRÖDERS für den Punkrocker: Halbgar und unglaubwürdig. Die Texte können alle im mit Zeichnungen durchaus ansehnlich gestalteten Booklet nachgelesen werden. 13 Songs in 44 Minuten. 4-5. Günni

BLICKFELD – AUS’M STAND CD / BLICKFELD – KEIN LIEBESLIED Maxi-CD

(www.blick-feld.de)

„Das ist Musik / Nicht über Geld, Beziehungen oder Krieg / Einfach nur Musik!“ Stimmt – einfach nur Pop-Punk/Indie-/Rock-Musik von Leuten, die zuviel DIE TOTEN HOSEN gehört haben, mit belanglosen, massentauglichen Texten. Aalglatt, sauber und perfekt produziert. Punk-Spirit? Hier nicht. Der musikalisch zackige Beginn wird schnell über Bord geworfen, stattdessen regieren aufgesetzt wirkende Schnulzen und gekünstelte Rockscheiße. Deshalb wird diese Band wieder so lange aus meinem BLICKFELD verschwinden, bis sie es irgendwann ins Radio schafft und sich dort zwischen SPORTFREUNDE STILLER, REVOLVERHELD und wie sie alle heißen zu behaupten versuchen wird – z. B. mithilfe der Singleauskopplung „Kein Liebeslied“, die vier weitere Songs enthält, die sich ALLE auch auf dem Album befinden. Und wer zur Hölle braucht einen „Radio Edit“?! Das Album kommt mit professionell gestaltetem Booklet mit allen Texten, die Maxi-CD bietet nichts Besonderes. Album: 13 Songs in 44 Minuten. 5. Günni

DIE WOHNRAUMHELDEN – WIR SIND DER RAUCH Maxi-CD

(www.klimabotschafter.de) / (www.wohnraumhelden.com)

Bei den WOHNRAUMHELDEN handelt es sich wohl ein Nebenprojekt von Leuten von FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE, das versucht, mit dieser Maxi-CD durch aktuelle Gesetzgebungen gebeutelte Raucher anzusprechen, wie es vorher auch schon andere taten. Der Song „Wir sind der Rauch“ ist aber in der Tat gar nicht übel, relaxte Rock-Musik mit Ohrwurmmelodie, guter Stimme und witzigem Text. Der zweite Song „Blöd“ geht mehr in Richtung Country und fällt ebenso wie die dritte Nummer deutlich ab. Als Bonus gibt’s ’nen bewusst trashigen No-Budget-Video-Clip zum Song „Gefahr“. Ist ok und kommt in so mancher Eckkneipe bestimmt gut, hat mit Subkultur oder gar Punk nun aber nichts zu tun. Drei Songs in zehn Minuten. Ohne Wertung. Günni

SHOCKSTAR #19

(www.pankerknacker.com)

Der neue PANKERKNACKER heißt jetzt SHOCK STAR, fragt mich nicht, warum. Im Editorial wird ein Rechtsstreit mit Walt Disney angedeutet, mehr vermag ich dazu aber nicht zu sagen. Dort wird erwähnt, dass die Ausgabe unter widrigsten Umständen zusammengeschustert und ziemlich mit der heißen Nadel gestrickt wurde. So fand vieles, was auf dem Titelblatt noch großspurig angekündigt wurde, dann doch nicht ins Heft und ich habe das Gefühl, dass es ein paar Rechtschreib- und Layoutfehler mehr als sonst geworden sind. Aber hinfort mit dieser elenden Pingeligkeit, widmen wir uns dem Inhalt: Dieser wird nach einem etwas wirren Vorwort von Opa Stiletti, der von irgendetwas leider nicht näher Beschriebenem ziemlich angefressen scheint, bestimmt von einem neuen Sardinien-Reisebericht exorbitanten Ausmaßes, der auch gleich die „heiße Nadel“ erklärt: Wer sich auf Sardinien durchsäuft, -vögelt und –schnorrt, hat halt nicht mehr so viel Zeit zum Heftmachen, haha. Die gesammelten Anekdoten lesen sich gewohnt kurzweilig und amüsant, auch wenn diesmal nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen zu sein scheint und man mittlerweile auch auf Sardinien mit Widrigkeiten in Form von Spießern und Bullen konfrontiert wurde. Ansonsten halt wieder gewohnt gute Prosa in Form von Kurzgeschichten von The Meia, Don Chrischan, Falk Fatal, Antje T., Mika, Klaus N. Frick usw., bei denen mir diesmal aber etwas der Überknaller fehlt, wie ich ihn aus den vergangenen Ausgaben irgendwo in der Demenzrübe gespeichert habe. Wobei, halt, da war doch die Geschichte vom Analverkehr und der toten Katze, die war geil – und meine Erwähnung dieser unter Zuhilfenahme der verwendeten Stichwörter dürfte für erhöhten Absatz sorgen, hehe. Interviewt wurden die PESTPOCKEN, die überraschend kluges Zeug von sich geben, die Macher des „Keine Zukunft war gestern“-Buchs, Sylvie Pussycat von SILENT MEOW (unterlegt mit leckeren Fotos), THE TONY MONTANAS, THE DETECTORS, KREATOR (!), THE STATTMATRATZEN, ROLANDO RANDOM & THE YOUNG SOUL REBELS, SKEPTIC ELEPTIC sowie eine Rollschuhfahrerin, wobei mich das nun wirklich nicht interessierte. Abel Gebhardt schildert seine Eindrücke vom diesjährigen Force Attack, T. Higgins tut es ihm gleich hinsichtlich des Back To Future 2008 und Dr. Satori will Hartz-IV-Empfänger härter rannehmen. Neu sind die Kleinanzeigen, bei denen ich mich frage, wer die in Zeiten von Internet und Co. noch braucht!? Obligatorisch die kurzen, rudimentären Reviews. Alles in allem auch mit Abzügen in der B-Note immer noch ein spitzenmäßiges Heft, das allein schon wegen des angenehmen Formats, Papiers und großartigen Layouts zu lesen Spaß macht, aber auch inhaltlich wieder einiges zu bieten hat. Und, mal Hand aufs Herz: Wer von uns will nicht die unendliche Geschichte vom großen Blonden mit dem leichten Knall auf Sardinien lesen, häh? (Nimm nächsten mal aber wieder den unglaublichen Sardinien-Peter mit!) Zu haben für immer noch 3,- verlauste EUR.

SHAM 69 – SERIOUSLY ULTIMATE CD

(www.baddogrecords.com) / (www.sham69.com)

Die “neuen” Sham 69 mit ohne Jimmy Pursey haben eine Best-Of-Scheibe eingespielt, angeblich weil so viele Fans die alten Hits in neuem Gewand hören wollten – alleine wäre man da schließlich nie drauf gekommen… Ja nee, is klar. Dementsprechend klingt die Platte wie ein von einer einzelnen Band eingespieltes Tribut-Album. Das zwar durchaus gekonnt, die Songs wurden also nicht total verhunzt, aber natürlich stark ihres alten Charmes beraubt. Mal im Ernst: Wer braucht sowas? Jemand, der die alten Songs mag, aber Jimmy Pursey nicht mehr zu hören erträgt? Ich weiß es nicht… Beim Booklet war Schmalhans Küchenmeister, außer ein paar Worten von Dave Parson gibbet nix zu sehen oder lesen. 23 Songs in 58 Minuten. Ohne Wertung. Günni

INCOMING LEERGUT – ALCOHOLIDAYS CD

(www.rilrec.de) / (www.myspace.com/incomingleergut)

Ein Haufen junger Krefelder spielt hier Melodicore/Skate-Punk mit teilweise recht albernen deutschen und englischen Texten (alle nachzulesen im Booklet) und gibt sich ein Alkoholiker-Image, das ich ihm allerdings nicht so recht abnehme. So ackert man sich durch 19 Songs, von denen einige wirklich klargehen, andere aber eher Füllmaterial darstellen und nicht wirklich hängen bleiben. Der Gesang ist klar und melodisch und am Ende darf auch noch mal ’ne Dame ans Mikro. Für Fans von SATANIC SURFERS und Co., würd ich mal behaupten. Wer auf diese Richtung abfährt, sollte ruhig mal ein Ohr riskieren. Aber, sagt mal: Waren alle coolen Bandnamen tatsächlich schon vergeben? 46 Minuten Spielzeit, Anspieltipp: „Saufblockade“. 3. Günni

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑