Günnis Reviews

Autor: Günni (page 86 of 111)

07.03.2009, Villa, Wedel: GRAF LUCKNER UND DIE LETZTE BEGLEITUNG + METAL WITCH + OVERDOSE

samstag graf luckner und die letzte begleitung (oder so), metal witch und overdose in der wedeler villa anlässlich lars‘ 30. geburtstages.

direkt, nachdem ich die moderaten 5,- € eintritt gelöhnt hatte, bekam ich netterweise den freibierstempel aufgedrückt, so dass einem gelungenen abend nicht einmal mehr finanzielle nöte im weg hätten stehen können. graf luckner (oder so) spielten bemüht witzigen schweinerock marke prollhead und co., war als opener, der nicht mal auf dem flyer stand, ok. metal witch spielten dann astreinen metal, kein thrash, kein death, sondern true (oder so), aber ohne falsett-gesang oder sonstige mitunter recht nervtötende metal-eigenarten. war richtig gut und obwohl’s auch beim publikum sehr gut ankam, wurden eigenartigerweise kaum rufe nach einer zugabe laut, weshalb der auftritt dann auch tatsächlich recht abrupt endete. overdose anschließend entpuppten sich als astreine ac/dc-coverband, die ich dann gut abfeierte. zwar sah der sänger oftmals etwas gelangweilt aus, hatte aber eine sehr geile stimme. etwas enttäuscht hat mich lediglich die setlist. hallo, was geht mit „t.n.t.“, „you shook me all night long“, „shotdown in flames“ etc.?!

unterm strich aber in jedem falle ein lohnenswerter besuch in der sympathischen villa. mal wieder.

LOS KRACHOS – GEGENWIND CD

(www.bandwormrecords.de)

Die Rostocker LOS KRACHOS liefern hier ein schönes, derbes Punkbrett in (fast ausschließlich) deutscher Sprache ab, kurzweilig, humorvoll und mit dem richtigen Gefühl für mitgrölkompatible Refrains und kleine, feine Melodien, die im Ohr bleiben. Erinnert mich an Bands wie z. B. AGENT KRÜGER, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. Der kehlige Gesang haut einem Texte um die Ohren, die zu verstehen man kein abgeschlossenes Germanistik-Studium an einer Hamburger Schule benötigt und mal mehr, mal weniger geschliffen negative Auswüchse des kapitalistischen Systems, Deutschtümelei und die Zwänge der Gesellschaft anklagen und die eigenen Lebensentwürfe gegenüberstellen, was dann z. B. im nihilistischen Opener „Scheißegal… jetzt!!!“ mündet und mit „Nichts-Nutz“ eine astreine Hymne für den Punk-Nachwuchs hervorbrachte. Solch sehr direkten Texten stehen aber auch der eine oder andere nachdenklichere Song wie z. B. „10 Sekunden“ gegenüber. Bei „Treibjagd in Gotham City“ und „Undine (weine nicht um deine schönen Pferde)“ wird man dann Zeuge des schrägen Humors der KRACHOS und mit „…sagen alle“ hat man eine Art inoffiziellen Nachfolger zu FUCKIN’ FACES’ „Hey! Hey! Hey!“ geschaffen, haha. Die Platte geht gut nach vorn, rockt und, und das ist das wichtigste: Sie macht Laune! Die Texte sind im mit Fotos versehenen Booklet allesamt nachzulesen und Cover und die restliche Gestaltung des Digipaks sind hier mal richtig gelungen! 16 Songs in 43 Minuten. 2. Günni

JOHNNIE ROOK – RABATZ CD

(www.ruegencore-records.de) / (www.johnnierook.de)

Aus Berlin kommt die fünfköpfige Combo JOHNNIE ROOK, die seit 2003 existiert und mit diesem Output bereits ihr drittes Album veröffentlicht, wobei “Rabatz” das erste ist, das ich zu hören bekomme. Als allererstes fällt mir da der ungewöhnliche Frauengesang von Frontfrau Franziska auf, der man ihre Gesangsausbildung sofort anhört: Hier wird richtig gesungen statt gekeift, gerotzt und gegrölt, was für eine Punkband nun ja nicht unbedingt Usus ist. Fast ebenso außergewöhnlich ist die abwechslungsreiche Mucke, deren filigrane Gitarrenarbeit nicht selten dem melodischen Metal-Bereich entlehnt zu sein scheint und dadurch gut zum professionellen Gesang passt, wodurch sich eine häufig pathetische Symbiose ergibt, die man entweder mag oder eben nicht und die hin und wieder die Grenze zum Schwülstigen kratzt, insbesondere bei den Liebesliedern oder auch beim selbstverliebten „Ikarus beim Klassentreffen“. Welchen Bezug die Songtitel zu den Texten haben, kann man manchmal allenfalls erahnen, aber das gehört wohl zum „Anspruch“, den die Band sich selbst attestiert. Die Produktion jedenfalls ist überaus gelungen, die Melodien sind klasse, das Schlagzeugspiel superschnell und zum Abwechslungsreichtum tragen die satten Chöre ebenso zusätzlich bei wie die gelegentlichen Offbeat-Einlagen und der mehrsprachige (deutsch/englisch) bzw. Wechsel-Gesang (weiblich/männlich). Bei „Gegen den Horizont“ holte man sich übrigens Wick von den BAMBIX als Gastsängerin hinzu. Schade, dass ich zur Aufmachung rein gar nichts sagen kann, da man mir nur eine Vorab-CD ohne jegliches Artwork zuschickte… 13 Songs in 40 Minuten. 2-3. Günni

PROPAGANDA NETWORK – ANTIEVOLUTION CD

(www.nix-gut.de) / (www.propagandanetwork.de)

Das Propaganda-Netzwerk schlägt wieder zu und präsentiert seinen zweiten Streich in Form eines neuen Albums voll wütendem, engagierten Polit-Punk in deutscher Sprache, der mal mehr, mal weniger zum Nachdenken anregt und mal mehr, mal weniger verklausuliert oder sperrig ist, aber in jedem Falle abseits von Klischees und Parolen durchdachte und reflektierte, auch mal persönlich-emotionale Lyrik in musikalisch fitte, treibende HC-Punksongs presst, die mir unterm Strich etwas besser gefallen als auf dem Vorgänger. Musikalisch besitzt die Band Eigenständigkeit, Talent und Wiedererkennungswert, wozu nicht zuletzt die markante Stimme des Sängers beiträgt. Ein interessantes Album auf einem gewissen Niveau, mit dem sich eine nähere Auseinandersetzung lohnen kann, wenn man Zugang zu den Texten bzw. deren Stil findet. Dabei helfen können die Linernotes, mit denen ein Teil der im schicken Booklet abgedruckten Texte versehen wurde. Großer Pluspunkt ist übrigens das tolle, zum Album passende, stimmige Cover, kleiner Minuspunkt hingegen für die Rechtschreibfehler im Booklet. Mit ihrem zweiten Album konnten sich PROPAGANDA NETWORK musikalisch noch mal steigern und untermauern, dass sie in ihrer Nische unserer Subkultur zu den besseren, interessanteren Bands gehören. 14 Songs in knapp 40 Minuten, wobei aus mir unbekannten der letzte Song als versteckter Bonus an Song 13 gehängt wurde. 2 (Mucke) bis 3 (Texte). Günni

SPEICHELBROISS – WENN IHR ES SO WOLLT… CD

(www.nix-gut.de) / (www.speichelbroiss.de)

Die bayrischen SPEICHELBROISS (was auch immer der Bandname heißen mag) gibt es nun auch schon länger als ein Jahrzehnt, wobei sie mein Interesse nie so wirklich geweckt haben. Insofern ist dies auch das erste komplette Album der Band, das ich zu Gehör bekomme. Geboten wird 11x Metal-Punk mit rotzigem Gesang und größtenteils deutschen Texten, die sich mit den üblichen Themen auseinandersetzen – und das in deutlicher, direkter Sprache, allerdings auch ein paar recht gezwungenen Reimen. Solider Stoff ohne Überraschungen, textlich und musikalisch nicht ganz mein Ding. Wer deutsches Punkzeug mit Metal-Riffs mag, z.B. DRITTE WAHL oder DÖDELHAIE, oder auch die ZUSAMM-ROTTUNG zu „Widerstand“ Zeiten, soll ruhig mal reinhören. Gus Backus’ alter Indianerhäuptling-Song wurde übrigens umgetextet und mit „Out on the streets“ ist ein zumindest textlich klassischer Oi!-Unite-Song enthalten. Kommt mit zwar gut gezeichnetem, aber recht klischeebehaftetem Cover und einem Booklet mit allen Texten und vielen Fotos. Elf Songs + Intro in ca. 35 Minuten. 3-4. Günni

THE REVERED PEYTON’S BIG DAMN BAND – THE WHOLE FAM DAMNILY CD

(www.sideonedummy.com) / (www.bigdamnband.com)

Ein dicker, stämmiger Typ mit Vollbart, Hosenträgern und Akustik-Klampfe, (s)eine dicke Frau mit Waschbrett und ein Weiterer, der sich um die Percussions kümmert – richtig, hier geht es nicht um Punkrock, sondern um Südstaaten-Country-Blues, der bemüht authentisch inkl. Südstaaten-Akzent etc. daherkommt, sich das eine oder andere Augenzwinkern aber nicht verkneifen kann – was wohl der Grund dafür ist, dass wir diese Scheibe zugeschickt bekommen haben und die Band mit vielen Punkbands auftritt… Ein Schelm also, wer das Ganze für ein Projekt hält, das seinen Ursprung in „unserer“ Szene hat. Aus der minimalistischen Instrumentierung wird jedenfalls einiges herausgeholt und die Songs besitzen verdammt viel Energie, so dass die Scheibe jedem, der grundsätzlich mit solcher Mucke was anfangen kann, viel Spaß machen dürfte. Die Liebe zum Detail ist auf jeden Fall gegeben und zieht sich durch die Gestaltung des Albums angefangen beim matten Digipak mit gezeichnetem, die Bandmitglieder abbildendem Cover, den irgendwie auf alt getrimmten Fotos bis hin zu den simplen, aber aussagekräftigen Texten, die dann schon mal wie folgt klingen: „Wal-Mart killed the Country Store / They discriminate by race and age / Won’t pay nobody a living wage“ oder auch „I want to thank y’all for the food that you made us / But it don’t hold a candle to Mama’s fried potatoes“. Hat was! 13 Songs in 40 Minuten. Ohne Wertung. Günni

NO EXIT – IHR NICHT! CD

(www.volksmusike.de) / (www.no-exit.de)

Oh je, NO EXIT… Um die Berliner hatte ich bislang eigentlich immer einen Bogen gemacht, waren nie so mein Ding, und nun erwischt es mich eiskalt mit ihrer neuen Platte. Um es vorweg zu nehmen: Auch dieses Album ist nicht mein Ding. Das ist mir alles viel zu durchschnittlich, austauschbar, abgedroschen und wenig originell. Deutschsprachiger, moderner Punkrock mit ein paar kämpferischen Texte für die nächsten „Schlachtrufe“ und „Punkinvasion“-Teile und Persönlicherem, um nicht darauf reduziert zu werden und dem jugendlichen Bahnhofspunker ein wenig Romantik zu vermitteln. Richtig scheiße wird’s bei „8Cola 8Bier“, als ob man „A.C.A.B.“ nicht einfach aussprechen könnte… das riecht mir alles zu sehr nach Berufsrevoluzzer, der es sich in seinem Image bequem gemacht hat. Für Hörer von ZAUNPFAHL und ähnlich gruseligen Bands vielleicht die Offenbarung, ich persönliche greife zu anderem Material, wenn ich guten deutschsprachigen Punk hören will. Negativ ins Gewicht fallen auch die viel zu basslastige Produktion, bei der der Viersaiter alles gnadenlos übertönt, das schaurige Cover mit möchtegerncool posierendem Sänger und weitere Schönheitsfehler wie eine falsch abgedruckte Trackreihenfolge. Und eines noch: Im Song „Argentina“ alle Spieler der argentinischen Fußballnationalmannschaft von 1978 aufzuzählen, die seinerzeit den WM-Titel holte, interessiert hier keine Sau, ist doch der großartige Sieg der deutschen Elf gegen Argentinien im WM-Finale 1990 unvergessen, als sogar ein Maradonna gegen einen Guido Buchwald noch kleiner wurde, als er ohnehin schon ist. 85. Minute, 1:0 Brehme, Weltmeister! Ganz zu schweigen vom Sieg im Viertelfinale 2006… aber ich schweife ab. Also, NO EXIT sind nichts für mich und daran hat auch dieses Album nichts geändert. Objektiv betrachtet ist es für einen Verriss dann aber eben doch nicht schlecht genug, weshalb ich mal „3-4“ sage… Kommt im Digipak, im Booklet gibt’s die Texte nachzulesen und Fotos zu begucken und insgesamt sind’s zwölf Songs in 40 Minuten. Günni

KOMMANDO KAP HOORN – DIE ZUKUNFT DER TIEFE CD

(www.impact-records.com) / (www.myspace.com/kommandokaphoorn)

Das KOMMANDO KAP HOORN stammt nicht etwa aus Südamerika, sondern aus Bremen und setzt sich aus Überbleibseln der Band FREE RANGE TIMEBOMB und neuen Leuten zusammen. Die Wahl des Bandnamens dürfte also weniger geographischen Ursprungs als mehr assoziativer Natur sein: Aus den deutschen Texten wird deutlich, dass man sich in dieser Gesellschaft mitunter fühlt wie an der berüchtigten Südspitze Amerikas, an dem „selbst der Teufel erfrieren“ würde, wie Charles Darwin einst konstatierte. Auf treibendem, leicht metallischem HC-Punk liegen von Hoffnungslosigkeit, Desillusion und Wut geprägte Texte, die mit „Der seltsame Baum“ etwas hippiesk starten, sich aber schnell zwischen direkten HC-Knallern und nachdenklicher, metaphorischerer Lyrik einpendeln und für Abwechslungsreichtum und Parolenfreiheit sorgen. Musik, Texte und die knackige Produktion erinnern mich noch am ehesten an DRITTE WAHL, um wenigstens mal grob die Richtung anhand eines Vergleichs vorzugeben. Im Zweifelsfall entscheidet sich die Band eher für Geradlinigkeit und Dynamik denn für filigrane Melodie, trotzdem hat es der eine oder andere Ohrwurm aufs Album geschafft. Als Beispiele seien „Asozial“ und vor allem „Raubtier Mensch“ genannt. Die CHAOS-Z-Coverversion „Alles grau“ fügt sich ebenso wie die kunstvolle, düstere Gestaltung des Booklets perfekt in das Gesamtkonzept dieses Debütalbums ein, das einen rundum positiven Eindruck hinterlässt, mit dem letzten Song „Euer Leben lang“ allerdings zumindest musikalisch einen Stilbruch begeht und sanfte Klavierklänge zu verzerrtem Sprechgesang, bedeutungsschwangere misanthropische Phrasen vortragend, ertönen lässt. Abzüge in der B-Note gibt es lediglich für die Rechtschreibfehler bei den abgedruckten Texten. Eine Vinyl-Version soll übrigens folgen! 13 Songs in 38 Minuten. 2. Günni

KOMMANDO ZURUECK – FROM OUT OF SPACE CD

(www.politicide.net) / (www.kommzu.de.vu)

Kein Punk! Zumindest musikalisch nicht. Die selbsternannten „Aliens from outer space“ haben eine Platte voll übelstem Elektrotrash (Mischung aus poppigen Discobeats und ATARI-Mucke aus den 80ern) verbrochen, vermutlich um die Menschheit in den Wahnsinn zu treiben. Dazu lernen sie sogar extra unsere Sprache und berichten uns auf extraterr(or)istische Weise von Astronauten, Laserstrahlen, Megabytes, Natriumglutamat und Bier von der Tanke. Sprich: Witzige Texte und Musik an der Grenze zur Unanhörbarkeit und manchmal auch darüber. Also genau das richtige für Freaks, Nerds und Drogenabhängige, die auf der Suche nach dem nächsten Ding sind, das garantiert niemand außer ihnen selbst hört. Kommt in äußerst minimalistischer Aufmachung mit schlecht gezeichnetem Cover und völligem Verzicht auf Booklet, unnötiges Layout oder sonst irgendwas, was ohnehin nur ablenken würde. 13 Songs in 30 Minuten. Ohne Wertung. Günni

THE ZERO POINT – SHAMELESS SELFPROMOTION CD

(www.impact-records.com) / (www.thezeropoint.8k.com)

Bei THE ZERO POINT handelt es sich um eine reformierte Punkband der ersten Stunde aus Dänemark, die zu früheren Schaffenszeiten nicht unbedingt inflationär Tonträger auf den Markt geworfen hat – handelt es sich hierbei doch um ihr Debüt-Album! Und das kann ich zwar mangels Kenntnis nicht mit dem alten Zeug vergleichen, aber es kann sich mit seinem proletarischen, lebensbejahenden, von sich und seiner Sache voll überzeugtem Streetpunk durchaus hören lassen. Textlich feiert man seinen Lifestyle und seine Attitüde, spendet allen Widrigkeiten zum Trotz neuen Mut und beweist mit einem Song wie „Shitfaced In A Spitfire“, der von einem sturzbetrunkenen Kampfpiloten handelt, Humor. Die Produktion geht ebenfalls klar, ebenso wie die Coverversion von „Chinese Rocks“, wobei der Titel langsam aber sicher nun wirklich etwas ausgelutscht ist. Ideale Mucke für die Punkrockkneipe! Etwas schade finde ich aber, dass es keinen Song in Landessprache zu hören gibt. Das Booklet kommt mit allen Texten und einigen Fotos und das Cover bietet die Rückansicht einer hübschen Punkette, die für mind. die Hälfte der Bandmitglieder aber etwas zu jung sein dürfte, haha. Allerdings hätte man ruhig mal einen Lektor über die Texte lesen lassen können, um den einen oder anderen Rechtschreibfehler zu vermeiden. Runde Sache, die Spaß macht und dem Hörer genau das bietet, was er erwartet. Deutlich überm Nullpunkt! Elf Songs in 38 Minuten. 2-3. Günni

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