Das Nibelungenlied ist eine mittelalterliche, im 13. Jahrhundert und demnach in Mittelhochdeutsch verfasste Niederschrift der Nibelungensage, welche wiederum bereits damals seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Fassungen meist mündlich überliefert wurde. Ihr Ursprung schien da schon um die 800 Jahre zurückzuliegen. Der Verfasser ist unbekannt, man munkelt jedoch, das Nibelungenlied stamme aus dem Passauer Raum. Bekannt sind die drei Handschriften A, B und C, die sich in Teilen voneinander unterscheiden. Das Heldenepos folgt in dieser rund 1.000-seitigen Reclam-Ausgabe der Handschrift B und wurde um eine neuhochdeutsche Prosaübersetzung sowie einen ausführlichen, oft hilfreichen Kommentar erweitert, beide aus der Feder Siegfried Grosses. Herausgeberin des Bands ist Ursula Schulze. Mir liegt eine Ausgabe aus dem Jahre 2018 vor, die ferner über ein Literatur- und Namenverzeichnis, ein Nachwort etc. verfügt und sich somit für die wissenschaftliche Analyse anbietet.
Die Handlung ist in zwei zusammenhängende, aufeinander aufbauende Erzählstränge aufgeteilt, die wiederum in insgesamt 39 kapitelähnliche „Âventiuren“ unterteilt sind. Der Handlungszeitraum erstreckt sich über ca. 50 Jahre, wobei passive Zeiträume weitestgehend unerwähnt bleiben und somit Zeitsprünge von z.B. 13 Jahren enthalten sind. Der Erzähler wechselt ohne festes Schema zwischen Erzählung und Dialog und wendet eine bestimmte Formel an, die das Nibelungenlied in Strophen aus jeweils vier Versen strukturiert, wobei die ersten und letzten beiden Verse jeweils Paarreime bilden.
Der erste Erzählstrang berichtet von Kriemhilds erster Ehe mit Siegfried und Siegfrieds Tod, der zweite erzählt ausführlich Kriemhilds Rache: Der junge Held und Drachentöter Siegfried (alias Sigurd) aus Xanten am Niederrhein tötete einen Drachen, badete in seinem Blut und wurde dadurch unverwundbar – außer an einer Stelle zwischen seinen Schulterblättern, wo sich ein Lindenblatt auf seinen Körper gelegt hatte. Mit einer Tarnkappe kann er sich zudem unsichtbar machen. Durch die Eroberung des Nibelungenschatzes ist er überaus vermögend. Er begibt sich an den Königshof nach Worms, wo er Kriemhild, König Gunthers Schwester, ehelichen möchte. Gunther verspricht ihm Kriemhild, wenn er ihm zuvor behilflich ist, die übermenschlich starke Brunhild, Königin von Island, zu erobern. Dafür muss er sie im Kampf besiegen. Es kommt zur Vasallenlist und zum Brautwerbungsbetrug: Siegfried gibt sich als Gunthers Gefolgsmann aus und macht sich unsichtbar, um Gunther tatkräftig zum Sieg zu verhelfen. Auch in Brunhilds und Gunthers Hochzeitsnacht muss er noch mal ran, indem er Gunther dabei hilft, die unwillige Brunhild zu vergewaltigen. Zudem stiehlt er Brunhilds Gürtel und Ring. Brunhild ist nun endgültig eine besiegte Frau – die jedoch damit hadert, dass Kriemhild, die nun mit Siegfried verheiratet ist, einen Vasallen Gunthers und damit unter ihrem Stand geheiratet habe (schließlich weiß sie nichts von der Vasallenlist). Das kann Kriemhild nicht auf sich sitzen lassen; es kommt zum Königinnenstreit, in dessen Zuge Kriemhild ihre Widersacherin öffentlich düpiert. Der undurchsichtige und listige Hagen von Tronje, Gunthers und Brunhilds Vasall, empfiehlt daraufhin, Siegfried zu ermorden, nachdem er mit viel Tücke Kriemhild das Geheimnis abringen konnte, wo sich die verwundbare Stelle ihres Gatten befindet. Auf einem fingierten Jagdausflug ersticht er schließlich den Drachentöter hinterrücks. Zwar leugnet er die Tat zunächst gegenüber Kriemhild, doch diese sinnt auf Rache. Vorsichtshalber versenkt Hagen den Nibelungenschatz im Rhein, damit Kriemhild keinen Zugriff mehr auf ihn hat. Nach 13 Jahren der Trauer heiratet sie den Hunnenkönig Etzel und lädt ihre Brüder Gunther, Gernot und Giselher auf ihren ungarischen Königshof ein, wohlwissend, dass sie in Hagens Pläne eingeweiht waren – und dass der Verräter ihre Brüder begleiten würde. Dort kommt es nach einem anfänglichen vorsichtigen Abtasten zu einem unfassbaren Gemetzel, das kaum jemand überlebt, kein Krieger, keine Frau, kein Kind…
Soweit die grobe Inhaltsangabe dieses Fantasy-Splatter-Epos. Aber wie liest es sich denn nun? Zunächst einmal gar nicht, denn Mittelhochdeutsch wirkt aus heutiger Sicht wie eine Fremdsprache, man müsste ständig mit dem Wörterbuch dasitzen und Vokabeln übersetzen. Hat man bei 2.376 Strophen natürlich keinen Bock drauf, außer man ist ein unverbesserlicher Mittelalter-Freak. Glücklicherweise gibt es ja die neuhochdeutsche Übersetzung. Bei dieser reimt sich nichts mehr, was die Strophenform recht gewöhnungsbedürftig macht. Zudem versucht sie sich daran, einen schwülstigen mittelalterlichen Duktus aufrechtzuerhalten, wodurch die Sprache geschwollen und überkitschig wirkt. Das entbehrt auch nicht einer unfreiwilligen Komik, wenn etwa der sterbende Siegfried, der gerade ein Schwert zwischen die Schultern gejagt bekommen hat, spricht: „Die Tat wäre besser unterblieben.“ Die Âventiuren-Aufteilung erscheint eher inkohärent, die Einhaltung der syntaktischen Formel ist im Original wichtiger als der Inhalt, womit auch die Übersetzung zu kämpfen hat, und die Zeitsprünge sind mitunter krass. Zwar brach das Nibelungenlied stilistisch mit ein paar Dichtungsparadigmen, mit dem Holzhammer in Form geklopft wirkt es mitunter dennoch. Und in heutigen Zeiten, in denen zu erschlagen werden droht, wer TV- oder VoD-Serienverläufe spoilert, irritieren die zahlreichen Vorausdeutungen, die regelmäßig spätere Entwicklungen vorwegnehmen, doch arg.
Das höfische Leben, seine Etikette und seine Figuren werden stark idealisiert, was irgendwann zu nerven beginnt. Auch Siggi, der sich bis zu seiner Ermordung eigentlich permanent selbst unlauter verhalten hat, wird man nicht müde, als ach so kühnen, stolzen Oberhelden zu bezeichnen – was die Lesart erschwert, dass es sich bei ihm einen zwar gutaussehenden und starken Mann, aber auch um einen einfältigen Deppen handelt (wie sie als Interpretationsmöglichkeit im Zuge des ÄdL-Seminars mal erwähnt wurde). Stattdessen scheint sogar sein Tiermassaker, u.a. an einem Bären, glorifiziert zu werden, was ausgerechnet im Zuge des fingierten Jagdausflugs geschieht, wodurch man Hagen fast Applaus zu spenden geneigt ist, statt Siegfrieds Tod zu bedauern – dramaturgisch denkbar schlecht gelöst. Daran, dass es sich um eine Fantasy-Geschichte handelt, wird man während jener Jagd dann auch dadurch erinnert, dass die Recken auf einen Löwen treffen…
Richtige Sympathieträger gibt es hier im Prinzip generell keine, so richtig sauber tickt eigentlich niemand. Gunthers Motivation für seinen Verrat, also seine Erteilung der Erlaubnis zum Mord an Siegfried, bleibt bis zum Ende nicht wirklich nachvollziehbar und bildet damit eine Leerstelle der Handlung. Doch statt sich einzelnen Figuren tiefer zu widmen und ihnen mehr Charakter zu verleihen (dies gelingt am ehesten noch bei Kriemhild und Hagen), werden nach und nach – insbesondere im zweiten Teil – viel zu viele Figuren eingeführt, sodass man schnell den Überblick zu verlieren droht (fallen sie nicht gerade durch ihre Namen besonders auf, so nannte man Etzels Bruder doch tatsächlich Blödel!). Dafür weiß die Suspense im zweiten Teil bei der Reise zu Kriemhild zu gefallen, bevor im letzten Drittel fast nur noch gesplattert, verstümmelt und in Blut gebadet wird. Da werden wahrlich keine Gefangenen mehr gemacht, sogar – Achtung, Spoiler! – Kriemhild muss dran glauben, vermutlich aus sexistischen Gründen (so genau ist das alles nicht mehr nachvollziehbar). Apropos Sexismus: Der ist hier harsch. Lügende, zickige Königinnen, sich positiv konnotiert lesende Prügelstrafen, die unproblematisiert formulierte Aussage, Frauen müssten „erzogen“ werden und dergleichen mehr zeichnen ein fragwürdiges Geschlechterbild. Andererseits werden seitenlang die ach so edlen Klamotten beschrieben, als handele es sich beim Erzähler um G.M. Kretschmer.
Was das Nibelungenlied (nicht nur) für Historiker(innen) interessant macht, ist der reale geschichtliche Hintergrund. So hat es die verschiedenen Königshäuser offenbar wirklich gegeben, die zum Teil eben untergegangen sind oder sich in kriegerischen Handlungen befanden. Reale Ereignisse vermengen sich hier mit Dichtung, alten Sagen und Mystifizierung, was das „Auseinanderklabüstern“ für geschichtlich Interessierte zu einer spannenden Angelegenheit machen kann. Und natürlich sagt das Nibelungenlied viel über das höfische Treiben und damalige Wertvorstellungen aus, weshalb seine Moral auch sein dürfte: Vorsicht bei Verstößen gegen höfische Regeln, denn sie können tödliche Kettenreaktionen auslösen und ganze Königshäuser auslöschen. Durchaus bedeutender Stoff also, mit dem sich auseinanderzusetzen manch Bildungslücke schließt, dessen Lesegenuss sich jedoch aus den beschriebenen Gründen in Grenzen hält. Die ideologische Fehldeutung des Nibelungenlieds nach seiner Wiederentdeckung ist wiederum ein eigenes beschämendes Kapitel im Umgang mit dem deutschen literarischen Erbe – gut, dass dieses überwunden ist.

„Spion & Spion“ zum Dritten: 1978 wurden die beiden Spitznasen fürs deutsche „Mad“ abermals im Taschenbuchformat aufeinander losgelassen. 160 je zwei oder auch nur ein Panel umfassende (leider wieder unnummerierte) Seiten lang heißt es in den mehrseitigen Geschichten diesmal stets „Der Trick mit…“, worauf eine Alliteration wie „…der ruchlosen Revolte“ oder „…dem trügerischen Treffen“ folgt. Wie üblich sind sich die eineiigen Zwillinge spinnefeind, weshalb sie sich gegenseitig nach dem Leben trachten und sich ausgeklügelte Fallen stellen. Es gibt nur Schwarz und Weiß, ganz wie im Gut-und-Böse-Denken des Kalten Kriegs, den Prohias persifliert, ohne seine Figuren bestimmten politischen oder ideologischen Lagern zuzuordnen. Zu sagen haben sie sich auch weiterhin nichts, die Zeiten von Dialog und Diplomatie sind für die Spione längst vorbei. Man lässt die Waffen sprechen. In einem kurzen Vorwort erfährt man in diesem Band ein wenig zum Autor, nämlich dass er ehemaliger Karikaturist einer kubanischen Tageszeitung sei, der in die USA emigriert sei und nun zeige, dass „es im schmutzigen Kampf der Spione weder Moral noch Sieger gibt.“ Dieser politkritische Aspekt wiederum wird diejenigen eher sekundär interessieren, die sich an Prohias’ Geschick erfreuen, wortlose Geschichten zu erzählen und dabei eine originelle bis herrlich absurde Idee nach der anderen auszutüfteln, die meist Kettenreaktionen, Explosionen und Gewalt nach sich ziehen. Die Titelseiten der einzelnen Kurzgeschichten weisen in jeweils nur einem Panel einen von der eigentlichen Geschichte losgelösten Gag auf, was deren Dichte in diesem Büchlein erhöht. Schwarzweißdenken für Freunde überzeichneter, abstrakter Kriegsführung, die genau wissen, dass sich weder der eine noch der andere Spion jemals unterkriegen lässt und bald wieder in wessen Auftrag auch immer seinem Erzfeind gegenübersteht.
Die in der Regel rund 160 Schwarzweiß-Seiten umfassenden Taschenbuch-Ableger des Mad-Satiremagazins widmeten sich meist lediglich einem einzelnen Zeichner, bisweilen einem eingeschworenen Zeichner/Texter-Team oder zumindest einem bestimmten Thema/Aufhänger, interpretiert von wenigen verschiedenen Zeichnern/Autoren. Dieses Konzept wurde im 1978 veröffentlichten Taschenbuch Nr. 19 aufgegeben: Selbstironisch als „eine Sammlung neuester Abfälle“ bezeichnet, vereint es fast alle damaligen Mad-Zeichner, elf an der Zahl, plus Nick Meglin als Texter und Frank Jacobs als Verfasser des (köstlichen) Vorworts. Ergo verfolgt dieses Buch dann auch keinen roten Faden, sondern bietet ein Sammelsurium aus verschiedensten kurzen Comics und satirischen, textlastigen Beiträgen. So treffen Aragones’ dialogfreie Bildwitze auf eine „Superman“-Persiflage Mort Druckers, eine Sportjournalismus-Parodie Jack Davis’ auf eine in Reimversen getextete, durchaus hintersinnige Verulkung computergestützter Partnersuche Al Jaffees, Don Martins Gag-Comics auf gesellschaftskritische Bildergeschichten Antonio Prohias’ und Jack Richards’ „Peanuts“-Hommage, in der sich Charlie Brown mit Richard Nixon unterhält, auf Dave Bergs diesmal jeweils nur einseitige „kleine Mad-Reports“. Die textlastigsten Beiträge gehen aufs Konto Bob Clarkes, der sich streng astrologisch jedes einzelne Sternzeichen vorknöpft und übers Buch verteilt Horoskope formuliert, die die jedem Sternzeichen zugesprochenen Eigenschaften durch den Kakao ziehen. Paul Coker veralbert verschiedene Berufe und erweitert klassische Gemälde um seine Kritzeleien, um sie in einem ganz neuen Kontext erscheinen zu lassen. Interessanterweise lagen damals offenbar Enthüllungsbücher aus dem Profisport im Trend, was George Woodbridge in Form von Werbeanzeigen für fiktive Bücher wie „Die Kegelflegel“ oder „Die Wahrheit über Kricket“ persifliert, während er mittels seines Lebensratgebers „Schlemm dich unfit!“ einen Kontrapunkt zum „Trimm dich“-Fitness- und Gesundheitswahn setzt. Damit bietet das 19. Mad-Taschenbuch ungewohnt abwechslungsreiches und langes Schmökervergnügen – sowie einen schönen Überblick über die verschiedenen damaligen Zeichner und ihre jeweiligen Eigenarten. Wie üblich sitzt nicht jeder Gag, die Ausrichtung aber stimmt und die Ziele der satirischen Spitzen sind meist sorgfältig ausgewählt.
„Als im Sommer 1989 Brüder und Schwestern die DDR verließen, kam ihnen einer entgegen. Der Dichter Ronald M. Schernikau emigrierte aus Westberlin und wurde DDR-Bürger“, heißt im Paratext zu diesem rund 120-seitigen broschierten Band, der 1992 als die Nummer 1 der „konkret texte“-Reihe im Hamburger Konkret-Verlag veröffentlicht wurde.
„Eine Anagnorisis sophoklischer Kajüte“
„Das Buch für Spieleveteranen der 80er und frühen 90er Jahre, passionierte Retrogamer von heute, alle, denen das Internet zu bunt wird oder die beim Schmökern gerne nostalgisch werden, und schließlich alle, die Partner und Freunde ständig vertrösten mit den Worten ‚Nur noch… dieses… Level…’“, lässt der Paratext verlauten. Der ehemalige Redakteur der Computer- und Videospiele-Zeitschrift „Power Play“ Richard Eisenmenger ist Autor dieses 2017 im Verlag Rheinwerk Computing veröffentlichten, knapp 240 Seiten starken Buchs und nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen der Eisenmenger verbindet seine persönliche Biographie mit der Evolution des Heimcomputers, setzt den Schwerpunkt dabei auf die Welt der Spiele und führt nach einem Vorwort des Lektors durch zehn Kapitel mit Titeln wie „Sys 58260 – Warm Start System“, „Peeks und Pokes“ oder „Brot und Spiele“. In schreiend buntem, an Spielezeitschriften besagter Dekaden erinnerndem, reich bebildertem Layout beginnt er beim guten alten „Brotkasten“, dem C64, stellt Hard- und Software vor und widmet sich immer wieder in launig geschriebenen Kritiken alten Spielen, die er mit einem „Retro-Rating“ versieht – und den interessierten Leserinnen und Lesern gleich eine ganze Reihe von aktuellen Emulatoren an die Hand gibt, mit denen sich die Spiele auch auf zeitgenössischer Hardware (wieder-)entdecken lassen. Anekdotenreich findet er die richtige Balance zwischen auch für Laien verständlichen Erläuterungen technischer Eckdaten und Hintergründe, persönlichen Erfahrungen und witzigen Beobachtungen, die weit über Retro-Games hinausgehen. Die Anfänge digitaler Kommunikation werden dabei ebenso abgeklopft wie das Zum-Glühen-bringen der Soundchips mittels Eigenkompositionen per Tracker-Software, die Intro- und Demoszene, kultgewordene alte Fachzeitschriften, aus denen man tatsächlich seitenlange Listings abtippte und schließlich sein Quereinstieg in die Redaktion der „Power Play“. Vom C64 über den Atari, den Amiga und schließlich den PC wird da alles abgedeckt und werden die Leserinnen und Leser eingeladen, in eigenen Erinnerungen zu schwelgen oder, im Falle erst späterer Konfrontation mit der Materie, die „Computer-Steinzeit“ spannend und mitunter angenehm selbstironisch geschrieben nachzuerleben.
Von 2005 bis 2008 veröffentlichte der Hamburger Carlsen-Verlag ausgewählte Comic-Strips der „Calvin und Hobbes“-Funny-Reihe des US-Amerikaners Bill Watterson in einer achtbändigen Softcover-Albenreihe im Querformat, jeweils 130 Schwarzweiß-Seiten umfassend. Mir liegt der vierte Band der Reihe, „Irre Viecher aus dem All“, vor, den ich für wenig Geld auf einem Flohmarkt mitnahm. Im Original ist er 1990 in den USA erschienen, in seiner deutschen Übersetzung im Jahre 2006. Er enthält größtenteils meist aus vier Panels bestehende Strips, die ursprünglich in über 2.400 Zeitungen erschienen sind, sowie einige sich über jeweils eine ganze Seite erstreckende Sonntagsseiten.
Die im MPW-Verlag erschienene achtbändige „Simple Movie Porträt“-Reihe widmete sich weiblichen Erotikfilm-Ikonen wie Laura Gemser, Gloria Guida und Traci Lords. Für die 2009 erschienene Nr. 6 verpflichtete man kino-zeit.de-Redakteur Laurenz Werter, sein Wissen über die am 1. April 1947 als Ingrid Anita Stengert geborene Ingrid Steeger zur Verfügung zu stellen, die ihre Karriere als Schauspielerin 1966 begann und in den 1970ern zum Softerotik-Filmstar wurde, bevor sie mit der Sketchreihe „Klimbim“ auch das Fernsehen eroberte.
Den vorläufigen Abschluss meiner Auseinandersetzung mit Wende-Comics sollte „Das UPgrade“ bilden, ohne zu ahnen, dass es sich lediglich um den ersten Band einer auf zehn Teile angelegten Reihe handelt, die Autor Ulf S. Graupner und Co-Autor/Zeichner Sascha Wüstefeld in einem Zeitraum von zehn Jahren veröffentlichen wollen und von dem bereits drei erschienen sind. Und beim mir vorliegenden, wunderschönen großformatigen, gebundenen und vollkolorierten, 64 Seiten umfassenden Band, der im März 2015 im Cross-Cult-Verlag erschienen ist, handelt es sich auch keineswegs um die Erstveröffentlichung: 2012 verlegte bereits der Zitty-Verlag die ersten beiden Bände, der dritte folgte in Eigenveröffentlichung. Im Cross-Cult-Verlag erfolgte 2015 also so etwas wie ein größer angelegter Neustart.
Mad-Stammzeichner Al Jaffees dritter Auftritt im Taschenbuchformat erschien 1974 im US-amerikanischen Original, 1978 in seiner deutschen Übersetzung. Der Titel suggeriert, dass es sich um eine Sammlung von Horrorgeschichten handeln würde, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht. Zumindest bemühte man sich aber, möglichst schwarzhumorige Cartoons Jaffees auf den rund 160 Schwarzweiß-Seiten abzubilden. Diese teilen sich in 20 unterschiedlich lange Kapitel auf, aufgelockert durch „Kurz-Knüller“ genannte Einseiter. Die Kaptitel wurden jeweils mit „Die grausige Geschichte (würg!)…“ übertitelt und nehmen mal Monster-Klischees parodistisch aufs Korn, sind häufig jedoch auch typisch alberne, überzeichnete Cartoons mit mal besserem, mal schlechterem, jedoch stets pointiertem Ausgang für die Figuren. Nicht wenige kommen dabei ganz ohne Sprechblasen aus, was das Durchblättern natürlich beschleunigt. An die Qualitäten von tatsächlichen Jaffee-Specials zu einem bestimmten Themengebiet oder gar seinen „klugen Antworten auf dumme Fragen“ kommt diese Ausgabe nicht heran, ein kurzweiliges Vergnügen ist’s jedoch allemal – vorausgesetzt, man kann mit Jaffees bisweilen hintergründigem, meist jedoch betont absurdem Humor etwas anfangen.